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Test
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12.09.2014

Steinberg Groove Agent 4 Test

Virtuelles Drum-Studio

Spion in grooviger Mission

Steinberg Groove Agent 4 im bonedo-Test: Als die erste Version des Groove Agent im Jahr 2003 in die Läden kam, war der Grundgedanke hinter der Software genauso einfach wie klar – man wollte es den Anwendern ermöglichen, die eigenen Ideen und Arrangements über möglichst wenige Mausklicks mit dem nötigen Groove und einem organischen Songaufbau zu versorgen, ohne dabei zu tief ins Detail abzutauchen. 11 Jahre später schickt Steinberg nun die vierte große Version des Agenten mit der Lizenz zum Grooven ins Feld. Auch wenn die Software weit umfangreicher und in Sachen Klang und Bedienbarkeit flexibler geworden ist, lässt sich das simple Grundkonzept heute noch erkennen.

Ob allerdings wirklich noch alles so einfach ist wie früher und ob das Entwicklerteam sich davor bewahren konnte, trotz der vielen Erweiterungen ungewollt den Workflow zu sabotieren, werden wir in diesem investigativen bonedo-Test herausfinden!

Details

Umfang, Installation und Kompatibilität

Steinberg ist vor allem natürlich als Hersteller von Cubase bekannt, und als Anwender einer halbwegs aktuellen Ausbaustufe der DAW-Software wird man höchstwahrscheinlich schon auf den Namen „Groove Agent“ gestoßen sein. Seit Cubase 5 durfte man mit dem zur Standardausstattung gehörenden Groove Agent ONE Drumsamples über eine Oberfläche mit Pads im Stil der Akai MPC Drumcomputer abfahren. Dabei handelte es sich nicht etwa um die erste Version der hier getesteten Anwendung, sondern vielmehr um einen Seitenspross des weit älteren Software-Stammbaums. Die momentan aktuelle Version Cubase 7.5 hält dagegen die abgespeckte SE-Version des Groove Agent 4 bereit. Selbstverständlich läuft die Vollversion aber auch unter anderen Sequencern wie Logic, Live oder jeder anderen Software, die eine Schnittstelle für VST- oder AU-Plug-Ins bietet. Eine DAW-unabhängige Standalone-Version ist in dem auf zwei DVDs gelieferten und ca. 8,5 GB schweren Datenpaket ebenfalls enthalten. Die Installation auf dem Testrechner verlief flüssig und problemfrei. Allerdings ist anzumerken, dass zur Verwendung der Syncrosoft eLicenser vorausgesetzt wird – dabei handelt es sich um einen USB-Kopierschutzstecker, den man als Cubase-Anwender ohnehin besitzt, der von allen anderen jedoch zusätzlich erworben werden muss. Sobald die Lizenz online auf diesen übertragen wurde, kann der Groove Agent 4 auf jedem Rechner verwendet werden, in den der kleine Dongle eingesteckt wird. 

Ein Auftrag, drei Agenten – Das grundsätzliche Konzept

Wenn man als Produzent einen Profi-Trommler aus Fleisch und Blut im Studio hat, dann macht man ihm in der Regel gewisse Vorgaben. Man klärt ihn über den grundlegenden Musikstil auf, sagt ihm eventuell, an welchen Stellen er einen Fill oder Break einschieben soll und in welchen Parts er etwas mehr Gas geben und variationsreicher spielen oder andere Instrumente verwenden soll. Die weiteren Details überlässt man ganz entspannt dem Musiker selbst, der sich das Trommeln ja immerhin zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat und von daher schon wissen wird, was er tut. Auch wenn der Groove Agent in seiner aktuellen Version noch weit konkretere Angaben entgegennimmt, ist die Software nach wie vor in der Lage, ein ähnliches Verhalten wie ein solcher echter Musiker an den Tag zu legen – natürlich mit dem kleinen Unterschied, dass man in diesem Fall nicht mit dem Drummer redet, sondern an den Bedienelementen schraubt. Dazu sind insgesamt etwa 3800 Grooves und Fills vorhanden, die in eine breite Auswahl von unterschiedlichen Styles eingeordnet wurden. Der wesentliche Punkt an diesem Konzept ist, dass der Groove Agent innerhalb einer solchen Style-Library frei zwischen den aufeinander abgestimmten Grooves bzw. Fills umschalten kann, und das sorgt natürlich auch ohne viel Programmierarbeit für variationsreiche Drum-Tracks und den heiß ersehnten energetischen Aufbau in einem Songablauf. 

Da Trommler aber nicht immer gleich Trommler ist, präsentiert die Software gleich drei unterschiedliche Module, die auf akustische Drums (Acoustic Agent), Percussion-Instrumente (Percussion Agent) und elektronische Sounds (Beat Agent) spezialisiert sind. In diese Bereiche sind drei Drumsets (Studio, Rock und Vintage) mit je zwei Kicks und Snares, 23 Percussion-Instrumente und 100 Electro-Kits gegliedert, und tatsächlich handelt es sich bei dieser Unterteilung um mehr als eine bloße Struktur der Library. Jeder der drei Agents verfügt über zum Teil sehr deutlich voneinander abweichende Bedienelemente, die konkret auf die jeweilige Anwendung zugeschnitten sind. Bei Bedarf können bis zu vier dieser Module gleichzeitig verwendet werden, um komplexe Rhythmus-Tracks zu erstellen.

Insgesamt klingt das doch schon recht vielversprechend. Dass Steinberg die drei Drumsets des Acoustic Agents als ultra-realistische Reproduktionen der echten Instrumente bewirbt und dabei von der nächsten Generation virtueller Drummer spricht, wirkt allerdings trotzdem wie ein kleiner Höhenflug der Selbstbeweihräucherung. In Bezug auf Klang und Realismus überrascht die Library tatsächlich, wenn man sich das relativ schlanke Datenvolumen von etwa 1 GB pro akustischem Kit vor Augen hält. Trotzdem darf man ruhig auf dem Boden bleiben und die Samples zwar als natürlich und nicht zwanghaft hochglanzpoliert aber nur mittelmäßig detailliert bezeichnen. Im Player gibt es einen Vergleich mit den gängigen Konkurrenzprodukten zu hören, die zum Teil noch weit effektiver auf die detailgenaue Abbildung von natürlichen Drums zugeschnitten sind. Vor allem gegen FXpansion BFD3 oder den Toontrack Superior Drummer 2 kann sich der Groove Agent 4 in der Disziplin „Realismus“ nur schwer behaupten. Für die folgenden Vergleiche wurden die internen Effekte der jeweiligen Plug-Ins deaktiviert, sodass der rein unbearbeitete Klang der Samples zu hören ist. 

Für Song-Ideen, Layouts und Vorproduktionen ist kompromissloser Realismus aber ohnehin nicht immer das höchste Dogma. Wenn der Workflow mit dem Groove-Agent tatsächlich so butterweich läuft, wie es das Konzept verspricht, dann wird der Trommler-Agent trotz des moderaten Detailgrads für viele Anwender weit attraktiver sein als die teils sehr komplexen Konkurrenten. Dem werden wir im Praxis-Teil auf den Grund gehen!

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