Workshop_Folge Workshop_Thema
Workshop
2
10.01.2018

Solo – Was bedeuten AFL, PFL und SIP?

Welche Solo-Modi gibt es und wann werden sie benutzt?

Der Solo-Knopf an einem Mischpult erscheint zunächst nicht allzu besonders. Man kann einzelne Signale hören. Aber was hat es mit AFL, PFL, SIP, Latch und dergleichen auf sich? Hier erfahrt ihr es!

Sowohl im Studio- als auch im Live-Betrieb werden für unterschiedliche Zwecke unterschiedliche Solo-Modi gebraucht. Hierzu schauen wir uns mal die folgende Grafik an, in der schematisch ein Kanalzug eines Mischpultes dargestellt ist: 

Ganz einfach: PFL ist vor dem Fader, AFL ist hinter dem Fader

Der Kanalzug beginnt mit dem Input, an dem in den meisten Fällen ein Mikrofon oder eine andere Schallquelle angeschlossen ist. Diese Quelle muss mit dem Gain-Regler auf einen ordentlichen Arbeitspegel gebracht werden. Zu leise, und ihr hört zu viel Rauschen, zu laut, und ihr lauft Gefahr, das Signal zu übersteuern. Daraufhin seht ihr, dass sich der Signalweg teilt. Das Signal wird sowohl an die Filtersektion als auch auf den „PFL“-Weg weitergeleitet. Bei manchen Pulten wird das PFL-Signal auch nach Filter-, EQ- und Dynamiksektion abgeleitet oder kann flexibel geschaltet werden. Wo der PFL-Abgriff tatsächlich liegt, könnt ihr in eurer Bedienungsanleitung nachlesen oder im Signalflussplan nachschauen. Auf jeden Fall ist die Abzweigung vor dem Kanalfader, denn PFL steht für Pre Fader Listening.

Diese zusätzliche Signalschiene dient dazu, das Signal vor dem Durchlaufen des restlichen Kanalzugs und vor dem Channelfader abzuhören. Hier gilt zu erwähnen, dass die Stereosumme durch das Solo nicht beeinflusst wird, da das Signal auf einen extra Signalpfad geschickt wird.

Nach dem Durchlaufen der Filter-, Dynamik- und Equalizer-Sektion kommt das Signal beim Pan-Poti an, wo es im Panorama platziert werden kann. Im folgenden Channel-Fader könnt ihr den Pegel bestimmen, mit dem das Signal schließlich weitergeschickt wird. Auch hier führt wieder eine Alternativroute weg, diesmal mit dem Titel „AFL“. AFL steht für After Fader Listening und gibt euch die Möglichkeit, die Signale nach dem Durchlaufen des Kanalzugs und nach dem Fader abzuhören.

Für AFL und PFL gilt: Hört ihr über diese Wege Solo ab, so wird die Stereosumme davon nicht beeinträchtigt! Das Solo-Signal kommt an einem gesonderten Ausgang (Solo-Bus) an, den man zum Beispiel über Kopfhörer abhören kann. Ganz anders sieht das bei dem sogenannten Solo in Place (kurz SIP) aus. Drückt ihr in diesem Modus in einem Kanal die Solo-Taste, so werden alle anderen Kanäle gemutet und auf eurer Stereosumme kommt nur noch der Kanal an, den ihr solo abhört. Die folgende Grafik veranschaulicht das Ganze:

Im Studio

Wo nutzt man denn jetzt welchen Solo-Modus? Gehen wir mal von einer Recording-Situation aus: Nach der Mikrofonierung der Instrumente steht an erster Stelle immer das Einpegeln. Wenn das Pult über eine PFL-Solo-Funktion verfügt, sollte man diese zum Einpegeln benutzen. Hieraus ergeben sich einige Vorteile: Manche Pulte (z.B. Mackie 8-Bus) besitzen eine eigene Meteranzeige für Signale, die Solo abgehört werden. Diese ist meistens sehr genau und kann optimal zum Einpegeln verwendet werden. Um das Eingangssignal gut bewerten zu können, macht es außerdem Sinn, es vor dem Durchlaufen des Kanalzugs zu hören. Um PFL einzupegeln, muss man nicht einmal die Fader hochziehen, es reicht, den sogenannten Solo-Master aufzudrehen. Hierdurch erfolgt keine Beeinflussung durch Filter-, Dynamik- und Equalizer-Sektion. Hier ein Tipp: Sollte das Pult über keine PFL-Funktion verfügen, so kann man hier tricksen, indem man den Channel-Fader auf Unitiy stellt und alle Kanalzugelemente deaktiviert oder so einstellt, dass sie den Klang nicht beeinflussen.

Kommen wir nun zum Recording: Die Musiker haben über die Aux Sends einen Kopfhörermix bekommen, die Aufnahme läuft. Wollt ihr währenddessen in ein Einzelsignal hineinhören, solltet ihr AFL abhören. Solo in Place würde sich auf den Kopfhörermix der Musiker und eventuell sogar auf eure Aufnahme auswirken. Tatsächlich macht Solo in Place erst Sinn, wenn die Musiker nach hause gefahren sind und ihr den Mixdown macht. So könnt ihr die Signale an ihrer Panoramaposition und in ihrer Lautstärke hören, was beim Mischen sinnvoll sein kann. Außerdem werden Summeneffekte, die ihr verwendet, nicht übersprungen. 

In einer Live-Situation

Auch in der Live-Situation macht es Sinn, die Einzelsignale zunächst über das PFL-Solo einzupegeln. Hieraus ergeben sich die selben Vorteile wie beim Recording im Studio. Während des Konzerts sollte man die Finger tunlichst vom Solo in Place lassen! Üblicherweise ist die Stereosumme bei Live-Pulten nämlich das Signal, das auf PA der Konzerthalle geht. Deshalb würde, wenn ihr Solo in Place benutzt, auf einmal nur das Solo geschaltete Signal über die Anlage zu hören sein. Wenn man während der Veranstaltung ein Signal einzeln hören möchte, empfiehlt es sich hier, den AFL-Weg zu benutzen, den man über Kopfhörer abhören kann.

Latch, X-Or, Solo Clear und Solo-Safe

Nun zu ein paar weiteren Begriffen, die euch im Zusammenhang mit der Solofunktion begegnen können. Da hätten wir zum Beispiel Latch. Ist diese Funktion aktiviert, so könnt ihr mehrere Kanäle gleichzeitig solo schalten. Dies kann nützlich sein, um zum Beispiel zwei Signale gemeinsam zu hören und im Verhältnis abzumischen. Ist hingegen X-Or aktiviert, so werden durch das Drücken einer Solo-Taste alle anderen Solos abgebrochen. Die Solo-Clear-Taste bewirkt, dass alle aktiven Solos deaktiviert werden. Letztlich gibt es noch die Solo-Safe-Funktion: Kanäle, die Solo-Safe geschaltet sind, werden beim Drücken einer Solo-Taste nicht stummgeschaltet. Dies kann praktisch sein, wenn ihr ein Signal hören wollt, das noch über Aux-Sends in Effektgeräte wie zum Beispiel einen Hall geschickt wird. Damit ihr den Hall beim Solo-Hören auch hören könnt, solltet ihr diesen Kanal Solo-Safe schalten. 

1 / 1

Verwandte Artikel

Crashkurs Mixing

Dieser Online-Workshop erklärt verständlich, worauf es beim Mischen eines Songs ankommt. EQ, Kompressor, Automation, aber auch Abhörsituation und dergleichen sind Bestandteil dieses Tutorials.

Crashkurs Steinberg Cubase 9.5 für Einsteiger

Von der Idee zum ersten eigenen Demo: Dieser Cubase-Workshop erklärt Einsteigern und Umsteigern die ersten Schritte in Steinbergs DAW. Recording, Beat-Programming, Audio Editing und Mixdown sind die Bestandteile dieses Tutorials.

User Kommentare