Test
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31.05.2019

Praxis

Verwendet habe ich für diesen Test ein MacBook Pro mit 2,5 GHz Intel Core i5 Prozessor sowie 8 GB RAM und MacOS Sierra (Version 10.12.4) Betriebssystem. Ich logge mich mit meinen bereits vorhandenen Serato Zugangsdaten im Public-Beta-Bereich der Software ein und lade mir die circa 1 GB große Installationsdatei von Serato Studio (Version 1.0.0.32, Stand 22.5.2019) herunter.

Nachdem ich diese geöffnet habe, muss ich wie üblich u. a. den Lizenzbedingungen zustimmen sowie den Ort der Installation wählen. Nach wenigen Minuten wird mir dann wie erwartet angezeigt, dass der Installationsvorgang erfolgreich war. Nach einem Neustart des Systems klicke ich auf das Serato Studio Icon und bereits nach wenigen Augenblicken erscheint wie gewünscht das GUI der Software. Nun kann der Beatmaking Spaß beginnen!

Verwendete Hardware für diesen Test war der Pioneer DJM-S9 Battle-Mixer als Controller sowie ein Standard MIDI-Keyboard mit 25 Tasten und Anschlagdynamik etc. Bei ersten Start wurde der DJM-S9 Mixer erfreulicherweise sofort automatisch erkannt und entsprechend als MIDI-Controller und Audiointerface aktiviert. Vorbildlich!

Serato DJ vs. Serato Studio, Workflow etc.

Das Design, die farbliche Aufmachung sowie der gesamte Workflow von Serato Studio gleicht sehr dem der bewährten DVS-Software. So fühlt man sich umgehend zuhause und kann der Software die ersten Töne entlocken und erste intuitiv erste Beatskizzen beginnen, ohne dass man zuvor irgendwelche Tutorials studieren muss. Thumbs up! 

Library, Browser & Plug-ins

Für Nutzer, die nicht aus dem DJ-Bereich kommen, ist die Aufteilung sämtlicher „User-Daten“ der Software in Crates und Subcrates eventuell etwas gewöhnungsbedürftig, doch mir als jahrelangem Serato- Nutzer kommt dies sehr entgegen. Mit der Browser-Sektion meines DJM-S9 Mixer habe ich die Möglichkeitm schnell und instinktiv Loops, Sounds, Songs etc. in das Sampledeck zu laden. Und auch das Öffnen von Projekten, der Software-internen Instrumenten sowie den entsprechend externen VST- oder Audio-Unit- Klangerzeugern ist ohne Computertastatur möglich. Leider gilt das nicht für die internen oder externen Effekte (VST oder Audio Unit). Diese müssen mit dem Rechner aus dem Menü ausgewählt oder per Drag & Drop auf die entsprechenden FX-Slots gezogen werden.

Die Software-fremden Plug-ins werden vor der ersten Inbetriebnahme gescannt. Sollten entsprechende Werkzeuge dazukommen, lässt sich dieser Vorgang in den Preferences wiederholen. Im Test erkannte Serato Studio alle Plug-ins (Apple Sound, Apple, iZotope etc.) auf meinen Rechner ohne Probleme. Die Arbeit mit diesen Tools innerhalb Serato Studio erfolgte im Test ohne Beanstandungen. Beim Einsatz externer Plug-in Instrumente öffnet sich praktischerweise ein zusätzliches Fenster, das ein visuelles Feedback und alle Einstellmöglichkeiten der Parameter ermöglicht.

Fx, Instrumente & Co

Erfreulicherweise ist Serato Studio in der Beta-Version (1.0.0.32, Stand 22.5.2019) bereits recht üppig mit brauchbaren Effekt Plug-ins, hochwertig klingenden virtuellen Instrumenten und sonstigem Klangmaterial ausgerüstet. So finde ich in der Library bereits 28 Drumkits (808, 909, Boombap, Live Drums etc.), knapp 400 einzelne Drum-Sounds sowie mehr als 130 Audio-Loops. Die Bandbreite geht dabei von Trap-mäßigem Synth-Stuff, über EDM-Material und Fender Rhodes Klängen bis hin zu Vintage Soul Sounds.

Und auch bezüglich der virtuellen Effekte ist Serato Studio mit knapp 40 internen FX-Plug-ins bereits beachtlich ausgerüstet. Von vollen Sägezahn-Basssounds, über kraftvollen Techno-Lead-Sounds bis zu warmen Akustik-Pianoklängen bieten die über 40 internen Instrumente vieles von dem, was man zu für einen gelungene Start in die Welt des Producings benötigt. Und laut der Macher soll das Angebot der Library mit und nach dem Launch der Software ständig erweitert werden.

Sampedecks & Co

Leider ist es zurzeit (noch) nicht möglich, per Controller bzw. Browser einzelne Sounds in die einzelnen Pads zu importieren. Dies geht aktuell nur per Drag & Drop. Auch das Laden von Effekten per Controller funktioniert (noch) nicht. Praktisch ist hingegen die Option, mit den Loop In & Out Buttons des Mixers (DJM-S9) ohne Computer zwischen den Funktionen „Find Samples“, „Set Random“ und „Slicer“ hin und her schalten zu können. Die „Find Samples“ Funktion des Sampledecks findet automatisch und erstaunlich effektiv „brauchbare“ Fragmente der geladenen Soundfiles. Allerdings ist dies nur bei kürzeren Loops und nicht bei minutenlangen Songs hilfreich.

Dank der bewährten Technik von Pitch n’ Time lassen sich in Serato Studio in erstaunlich guter Klangqualität ganze Loops oder einzelne Samples timestretchen, in ihrer Stimmung verändern oder automatisch an den Key des aktuellen Projektes angleichen. Dies gilt ebenso für die Tonart des gesamten Projektes. Auch diese lässt sich inklusive der geladenen Samples problemlos verändern, sofern in den jeweiligen Decks die Option „Key Sync“ aktiviert ist.

Ebenso praktisch ist die mit dem Keyboard-Icon aktivierbare, virtuelle Pianotastatur. Die Option „Play in Key“ sucht dabei automatisch acht Noten der Tonart des aktuellen Songs heraus und verteilt diese auf die acht Pads bzw. Keys. Das kommt Musiktheorie-Laien, wozu man wohl auch einige DJs zählen kann, natürlich sehr entgegen. Diese Funktion ist sowohl für den Sampler als auch für die virtuellen Instrumente anwendbar. Insgesamt funktioniert das Key- und Tempo-Matching von Serato Studio dank der erprobten Pitch n’ Time Algorithmen wirklich hervorragend.

Das Anspielen der Noten und Samples erfolgte im Test ohne Störungen und spürbare Latenz. Dies gilt sowohl für die den DJM-S9 Mixer als auch das MIDI-Keyboard. Und auch beim Arbeiten per Computertastatur reagiert die Software sehr direkt, sodass auch dabei ein erfreuliches „MPC-Feeling“ aufkommt. So macht Beatmaking Spaß!

Sequencer Deck

Die Arbeit mit einzelnen Sequenzen (Scenes) beim Erstellen von Song-Arrangements sorgt für einen spielerischen Workflow, der Laune macht. Ohne dass die Musik stoppt, lassen sich Samples importieren, Instrumente hinzufügen, Noten einspielen und vieles mehr. Sind z. B. die Loop-Fragmente bereits „richtig“ geschnitten und gestimmt, dann habe ich die Möglichkeit, im Nonstop-Verfahren (also ohne den Sequencer anzuhalten) so viele „Szenen“ wie gewünscht und benötigt zu erstellen. So hat man Ruckzuck die Grundelemente eines gesamten Songs erstellt, ohne dass einem zwischendurch die „Vibes“ abhandenkommen.

Günstigerweise lassen sich ebenso „on the fly“ per Maus oder Controller (Loop In- und Out-Taste, rechte Seite) Sequenzen verlängern oder verkürzen. Die Quantisierung (1/4, 1/8, 1/16, oder 1/32) der Szenen funktioniert wirklich hervorragend. Und schaltet man diese aus, lassen sich auch gewollt ungewöhnlich Rhythmus-Muster erstellen. Das Grid (16 und 32) verfügt ab der für den Test verwendeten Betaversion nun auch über die gerade für Trap-Beats unverzichtbaren Triplets.

Ein sehr nützliches Features, das auch die steifsten Sequenzen zum Grooven bringen kann, ist die Swing-Funktion des Sequencers. Von 0 bis 100 % (8tel oder 16tel) lässt sich hier die „Schwingung“ der Sequenzen justieren.

Dass sich der Sound einzelner „Layer“ (Sampledecks& Instrumente) der jeweils selektierten Sequenzen sowie der einzelner Samples bzw. Noten mithilfe des gewohnten Dreifach-EQs (High, Mid & Low) sowie mit den Up&Down-Fadern (Volume) bearbeiten lässt, bringt zusätzliche Leichtigkeit in den Umgang mit der Software.

Auch lassen sich diverse Parameter des Sequencers automatisieren. So kann man positiverweise per Controller oder Maus entsprechenden Kurvenverläufe von Volume, Gain, High-EQ, Mid-EQ sowie Low-EQ in die Sequenzen „schreiben“. Das ist besonders hilfreich, wenn man Noten per Computertastatur oder Controller (nicht anschlagdynamisch) einspielt. So gibt man seiner eventuell etwas steifen Performance im Handumdrehen einen „Human Touch“. Leider lässt sich das Filter der Software, das ebenfalls automatisierbar ist, (noch) nicht mit dem Filter-Knob des Pioneer DJM-S9 „fernsteuern“, sodass hier man hier noch auf den Computer zu Steuerung angewiesen ist.

 

Folgende Werte (Sequenzen) lassen sich ebenso automatisieren:

FX 1 On

FX 2 On

FX3 On

Key Shift

Time Stretch

 

Als sehr vorteilhaft empfinde ich die zahlreichen vorgefertigten Beatpattern verschiedenster Genres von Trap bis EDM sowie die Random Schlagzeug Skizzen. Diese sind eine hervorragende Ausgangsbasis für eigene Kreationen und beschleunigen den Arbeitsprozess enorm. Allgemein funktionierten in meinem Test alle Steuerungselemente (Fader, Pads, Knobs, Tasten) störungs- und unterbrechungsfrei und ohne spürbare Latenz. Bravo!

Song View

Mit einem Klick auf die rechte Seite der Library lässt sich der „Song View“ im GUI einblenden, der diese temporär überdeckt. Die Kreation von Song-Arrangements per Drag & Drop geht zwar zügig und einfach von der Hand, doch hätte ich mir hier die Möglichkeit gewünscht, dies optional per Controller „on the fly“ tun zu können.

 

Leider ist der Transport in der Song View Sektion (noch) sehr rudimentär. So steht dort zur Steuerung lediglich eine Play-Taste bereit. Per Tastatur oder Controller durch das Song Arrangements navigieren? Fehlanzeige! Dies muss leider (noch) relativ mühsam mit der Maus bzw. dem Maus-Pad erfolgen. Angenehm ist hingegen, dass sich auch das Master-Signal final mithilfe des Controller-Parameter Volume, Gain sowie den drei EQs (High, Mid & Low) bearbeiten lässt.

Fx & Automation

Die mitgelieferten Effekte klingen insgesamt sehr hochwertig und unterstützen den allgemeinen Workflow von Serato Studio sehr. Mit den jeweils drei Effekt-Slots der beiden „Decks“ lässt sich wirklich gut und zeiteffektiv arbeiten und auch der Umgang mit den externen Effekten (iZotope, Apple, Beat Skillz etc.) funktionierte in meinem Test völlig störungsfrei. Im Gegensatz zu den Software-internen FX lassen sich Parameter der Plug-in Effekte leider (noch) nicht automatisieren. Spätestens an diesem Punkt merkt man, dass einem Serato Studio keine vollwertige, sondern lediglich eine ziemlich rudimentäre DAW bietet.

Master, Audio Engine & Klang

Erfreulich sind die drei FX-Slots mit zahlreichen praktischen Default-Effekten in der Master-Sektion. Mit deren Hilfe kann man seine Songs z. B. in Sachen Dynamik (Limiter etc.) dann entsprechend finalisieren. Die Dateien werden als Wave-Format (16 Bit, 44,1 kHz) gespeichert. Eine feine Sache zur weiteren Bearbeitung ist die Option, einzelne Stems der jeweiligen Instrumente zu exportieren. Diese lassen sich erfreulicherweise auf Wunsch auch gleich um 6 dB im Pegel reduzieren, sodass man ohne Clipping in der Import-DAW im Anschluss weiterarbeiten kann. Praktisch ist ebenso, dass in die Dateien der Stems gleich das jeweilige Songtempo und der Song-Key hineingeschrieben werden.

Ein weiterer Punkt, an dem man merkt, dass die Serato Studio eine minimalistische DAW ist, ist  die Tatsache, dass es (noch) keinerlei visuelle Indikatoren gibt, die ein eventuelles internes Clipping der Signale anzeigt. Allgemein bietet die Audio-Engine von Serato Studio einen erfreulich druckvollen, warmen, nicht sterilen und lebendigen Klang, der wirklich eine Wohltat für die Ohren ist. Hier gehen die Daumen eindeutig nach oben!

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