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Test
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15.10.2015

sE Electronics Voodoo VR1 Test

Passives Bändchenmikrofon

Alles fauler Voodoo-Zauber?

Das sE Electronics Voodoo VR1 Ribbon Microphone im bonedo-Test: „Rosen sind rot, Veilchen sind blau und Bändchenmikrofone haben haben einen Frequenzgang, der oberhalb von 10 kHz stark abfällt!“. Dass die ersten beiden Feststellungen in dieser Aussage nicht immer stimmen und dass es auch weiße Rosen oder gelbe Veilchen gibt, muss nicht mehr bewiesen werden. Die Behauptung, dass Bändchenmikrofone tendenziell eher schwach in den Höhen wären, ist dagegen nicht so einfach zu widerlegen. 

Doch genau das versucht der Hersteller sE Electronics mit dem Voodoo Ribbon Microphone, das zwar schon seit 2010 erhältlich ist, kürzlich aber einer drastischen Preissenkung unterzogen wurde. Alles fauler Voodoo-Zauber? Das klären wir im Test!

Details

Das Beste beider Welten

In der Tat: Bei typischen Bändchenmikrofonen ist oberhalb von 10 kHz in der Regel nicht mehr allzu viel los. Der Gedanke, daran etwas zu ändern, ist allerdings nicht ganz neu (siehe z.B. Royer R-121 oder Rode NTR), und auch sE Electronics ist in dieser Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt. Schon das RNR1, das in Zusammenarbeit mit Engineer-Legende Rupert Neve entwickelt wurde, folgt dem Vorsatz, das gute Impulsverhalten von Bändchenmikros mit dem offenen Frequenzgang von Kondensatormikrofonen zu vereinen, und setzt dies über zwei speziell dafür gefertigte Trafos und eine zusätzliche Schaltung um. Unser Testkandidat nutzt dagegen rein „mechanische“ Prinzipien, um für Diffusion und eine relative Anhebung der Höhen zu sorgen – es steckt also nicht einfach ein EQ im Gehäuse. So wird der Frequenzgang laut Datenblatt auf 18 kHz erweitert. Was die weiteren Details zu dieser Technik angeht, hält sich der Hersteller leider bedeckt. Aber wer verrät schon gerne seine Zaubertricks.

Mit dem Voodoo VR1 haben wir die passive Variante im Test, die einen für Bändchenmikros typisch geringen Output bietet (Empfindlichkeit: 1,6 mV/Pa) und folglich im Preamp recht heiß gefahren werden muss, um auf ein angemessenes Recording-Level zu kommen. Es ist also naheliegend, einen Preamp zu verwenden, der großzügige Gain-Reserven, eine hohe Eingangsimpedanz und einen großen Rauschabstand bietet. Wer sich davon unabhängig machen will, kann auch einen Blick auf das Voodoo VR2 werfen, das in Bezug auf die Komponenten baugleich mit dem VR1 ist, dank einer zusätzlichen Amp-Schaltung im Inneren des Mikrofons aber von vornherein mehr Gain bietet. Das ist natürlich immer gut, für lautere Schallquellen wie Gitarren oder Drums sollte die passive Variante in der Regel aber ausreichen. Mit einem für ein Bändchen recht hoch angesetzten maximalen Schalldruckpegel von 135 dB(SPL) (1% THD) ist das Mikro definitiv als Overhead oder Kick-Out-Mic nutzbar, im Inneren einer Bassdrum oder direkt vor einer Trompete hat es aber trotzdem nichts verloren, da bei zu hohem Schalldruck nicht nur Verzerrungen sondern auch Beschädigungen des 2 Mikrometer dünnen Bändchens auftreten können.

Ausstattung und Verarbeitung

Das VR1 kommt in einer stabilen Holzkiste mit Magnetverschluss, in der sich auch eine Mikrofonklemme und ein sockenartiges Täschchen findet. Eine zugehörige Spinne ist separat erhältlich. Das Mikro selbst ist mit Maßen von 12,3 x 3,3 x 1,7 cm und einem Gewicht von 235 g recht klein, und das erleichtert nicht nur die Aufbewahrung oder den Transport, sondern auch die Positionierung an der Schallquelle – vor allem, wenn mehrfach mikrofoniert wird.

Im Hinblick auf die Verarbeitung ist das VR1 sehr solide geraten. Wie auf dem obigen Bild zu sehen, sitzt die XLR-Buchse an unserem Testmikro jedoch minimal schief am Gehäuse, und auch die Metallplatte auf der rechten Flanke schließt nicht ganz sauber ab. Aber wollen wir mal nicht pedantisch werden, denn im alltäglichen Recording-Betrieb ist das kaum zu bemerken. Wichtig ist vor allem, dass alle Teile fest an ihrem Platz sitzen, und das ist in diesem Fall gegeben. Am Rande bemerkt: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der durchlöcherte Grill, der die Kapsel von außen abdeckt, bereits ein Teil von sE Electronics Frequenzband-Zauberei ist und für eine Anhebung der Höhen sorgt.

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