Test
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31.12.2020

Praxis

Spaß bei der Arbeit

Ein gar nicht so unwichtiger Aspekt: Die Arbeit mit dem Scope Labs The Periscope macht einfach Spaß. Es ist ein nicht alltäglicher Moment, die Schatulle zu öffnen und das in jeglicher Hinsicht schräge Ding aufzubauen. Erstaunte Gesichter und kurze, interessante Gespräche mit Musikern sind einem definitiv sicher.

Lo-Fi? Nein.

Schon mit Sprache, Vocals und an akustischer und E-Gitarre ist das The Periscope von Scope Labs ein hoch interessantes Spezialwerkzeug. Allerdings ist es keineswegs „lo-fi“: Der Frequenzgang ist äußerst breit, sodass auch tiefste Frequenzen gut mit übertragen werden, ab den Hochmitten wird es etwas geringer im Pegel, aber nicht „langsamer“. Verhältnismäßig früh geht das Mikrofon in die Kompression, die ein wesentlicher Bestandteil des Soundcharakters ist. Als Einzelsignal ist das auffällig effektreich und erzeugt reichlich pumpende Kompression, die natürlich Rauminformationen herausarbeitet und Releasephasen verstärkt. Das Herunterregeln ist ein nicht kaschierender, sondern bewusst klangfärbender Vorgang. Interessant ist das – und in erster Linie als Effekt zu verstehen, den man eher einem klareren Signal hinzu mischen werden wird als ihn einzeln zu verwenden.

Prädestiniert für Drums

Alleine aufgrund der technischen Eigenschaften ist das wohl spannendste und wichtigste Tätigkeitsfeld des Scope Labs The Periscope der Einsatz am Drumkit. Direktes Miking und konservative Overheadverfahren liefern oft zwar gehaltvolle und gut steuerbare Signale, allerdings fehlt es derartigen Drums doch ab und an etwas an Brustbehaarung. Hier kommen „Dirt-Mikes“ ins Spiel, ich finde die Reporter-Kugeln Senneheiser MD21, LEM D O 21B und Funkberater PGH dafür praktisch, denen anschließend ein dbx 160A in Overcompression oder ein 1176 im All-Buttons-Mode um die Ohren gehauen wird. Alternativ ist auch das schmalbandige und stark zerrende und verdichtende Placidaudio Copperphone eine gute Wahl. Oder eben das Scope Labs The Periscope. Um seine Eignung abzuschätzen, hat Drummer Jan Kölpin im Hagener Tonstudio Backyard76 die Trommelstöcke gewirbelt.

Es zeigt sich, dass das finnische Mikrofon recht unabhängig von der gewählten Position den Aspekt zum Gesamtbild hinzufügt, der vielen Drum-Submixes fehlt. Es „patscht“ wundervoll auf den Schlägen und „schnauft“ organisch danach, das Signal wird spektral reicher und insgesamt dichter. Anders als mit Tauchspulen-Kugel und sich wie betrunken überschlagendem 1176 im All-Buttons-Mode, ist das Verhalten des Periscope ein durchaus anderes: Das Periscope bleibt trotz sehr heftiger und pumpender Kompression bei hohen Pegeln kontrolliert und vorhersehbar und ähnelt eher einem 160 in leichter Over-Compression, der schön stark punchige „Smack“ des Attacks erinnert sogar eher an Fairchilds. Die Detailzeichnung ist hoch und bleibt dies auch nach der starken Kompression und dem damit einhergehenden Verlust an starken Attacks. Ideal ist, wenn man das Signal mit dem eines hochwertigen FOK oder von Raummikros kombiniert. Um Laufzeitprobleme zu unterbinden, ist die gleiche Positionierung sinnvoll. Der Vergleich mit dem Placidaudio Copperphone zeigt, dass dieses ein „different Animal“ ist – aber ebenfalls seinen Reiz hat.

Für Schlagzeug ist das Periscope wirklich das, was man sich davon versprechen kann, nämlich ein einfachst zu nutzendes Device, um eine Schlagzeugmikrofonierung vollständig zu machen. Im Recording-Alltag ist das durchaus ein relevanter Timesaver.

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