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24.04.2020

Schlagzeug-Performance in Zeiten von Corona: „Don't disturb the neighbours“ von Bene Schuba

Erst wurden große Konzerte untersagt, dann kleinere, dann ganz kleine, und neulich hat die Polizei sogar eine Menschenansammlung vor einem Balkonkonzert aufgelöst. Willkommen in der neuen Corona-Gegenwart. So gerechtfertigt die Beschränkungen des öffentlichen Lebens sein mögen, so hart treffen sie viele Kulturschaffende, welche voraussichtlich noch viele Monate zur verordneten Untätigkeit verdammt sind. Allerdings nutzen viele von ihnen die plötzlich zur Verfügung stehende Zeit, indem sie üben, netzwerken oder künstlerische Projekte mit Hilfe des Internets umsetzen.

„Don't disturb the neighbours“ heißt eine tägliche Videoreihe auf YouTube, die der Kasseler Jazzdrummer und Performancekünstler Bene Schuba in Zusammenarbeit mit der Virtuellen Bühne Kassel präsentiert. Auch er muss sich mit einem fast vollständigen Einbruch seiner Aufträge abfinden, seine Instrumente stehen jedoch nicht in einem Proberaum oder Studio, sondern in seiner Wohnung. Weil man in der Wohnung als Drummer aber nicht einfach laut drauflos brettern kann, hat er sich zum Ziel gesetzt, seine Becken, Snares, Percussion-Instrumente und sogar ganze Drumsets so zu spielen, dass die Nachbarn nicht sofort die Ordnungshüter anrufen. Heraus gekommen sind spannende Minikonzerte, in denen Bene wahlweise Beats mit Quietsche-Enten auf nassen Kalbsfellen erzeugt, sein altes Sonor-Kit mit einem Drumsolo „besingt“ oder mit seinem Papp-Alter-Ego coole Besenfiguren auf einem Snarefell ohne Snare spielt. Gerade ist Video Nummer 23 online gegangen, bis Bene mit seiner Band Level Eleven wieder live spielen kann, dürfte es allerdings noch viele weitere geben. 

Anmerkung: Dies ist nur eine tolle Aktion unter vielen weiteren, die sich Kulturschaffende gerade ausdenken, um das Beste aus der Situation zu machen. Auch wenn viele Performances lustig und unterhaltsam sind, steht im Hintergrund nicht selten die blanke Angst vor dem wirtschaftlichen Untergang oder die Frage, ob die eigene Kunst nach dem Ende der Krise überhaupt noch zum Sichern des Lebensunterhalts betrieben werden kann. Unterstützt Künstler, die ihr mögt, mit Spenden und kündigt nicht ausgerechnet jetzt Unterrichte oder Abos im Kulturbereich. 

Bene Schuba's Facebook-Seite: https://www.facebook.com/bene.schuba

Webseite des Kooperationsprojekts „Virtuelle Bühne Kassel“: https://vb-ks.de

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