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30.09.2019

Royer Labs dBooster R-DB20 Test

Inline-Preamp für dynamische Mikrofone

Extra-Schub

Es gibt nicht viele Neuentwicklungen auf dem Mikrofon-Zubehörmarkt. Den Royer Labs dBooster R-DB20 als solche zu bezeichnen, wäre auch vermessen, denn den Gerätetypus „In-Line-Booster“ gibt es nun auch schon seit ein paar Jahren – aber eben nicht seit Jahrzehnten, wie so viele andere Produkte rund um Mikrofone. Auch der Royer dBooster ist ein kleiner, per Phantomspeisung betriebener Amp, der das schwache Mikrofonsignal passiver Tauchspulen- und Bändchenmikrofone leicht vorverstärkt und dem Mic Pre somit ein heißeres Signal zur Verfügung steht.

Details & Praxis

Klein, aber dennoch größer als manche andere Booster

Ein Mammut von Gerät ist der dBooster nicht gerade, denn mit 5,1 x 4,1 x 9,2 Zentimetern ist er nicht größer als ein Stück Seife. Doch mein Triton Audio FETHead zum Vergleich ist deutlich kleiner, und sieht fast aus wie eine XLR-Kupplung. Mit 170 Gramm ist der Booster auch sehr leicht, hergestellt (oder „zusammengebaut“, wie es korrekterweise heißt) wird er in den USA.

Wird das kleine Tool mit 48V-Phantomspeisung zum Leben erweckt, verstärkt es an seinem XLRf-Input Signale um 12 oder 20 Dezibel (schaltbar) und stellt sie am XLRm-Ausgang wieder bereit. Die Verstärkerklasse für diesen Boost ist A, der Input sieht recht hohe 3,6 kOhm Impedanz, was für eigentlich alle Mikrofone deutlich mehr als die notwendige Überanpassung darstellt. Der Frequenzgang ist schlicht mit 20 Hz – 20 kHz angegeben.

Nutzbarkeit und Klangeigenschaften

Über Sinn und Zweck dieser kleinen Geräte wird viel diskutiert. Fakt ist, dass diese Technik bei aktiven Bändchenmikrofonen wie dem Rode NTR oder auch dem aktiven Tauchspulenmikrofon Aston Stealth eingebaut ist. Gerade sehr schwache Mikrofone profitieren dann, wenn die Kabelwege lang und die Preamps eher schwächlich sind. Im Test kam deshalb ein 50-Meter-Kabel von Sommer (Sommer Cable Stage 22 SG0Q) an einem recht einfachen Preamp (Focusrite Saffire 1st Gen.) mit recht wenig Gain zum Einsatz.

Die Unterschiede sind, wie oft bei derartigen Aufbauten, nicht wirklich umwerfend groß. Das zeigt sich auch, wenn mit Vovox-Kabeln und Merging-Technologies-Preamp/Wandler eine enorm hochwertige Kette genutzt wird. Hört man sich in die Signale etwas ein, fällt auf, dass es bei Nutzung des Royer dBoosters einen kleinen Gewinn in Sachen Auflösung und „Knackigkeit“ des Signals gibt, wenn auch nichts, was wirklcih schlachtentscheidend sein könnte. Auffällig: Bei Bändchenmikrofonen (Beyerdynamic M130 und Coles 4038) war dieser Unterschied besser wahrnehmbar als bei Tauchspulenmikrofonen (Sennheiser MD441 und Shure SM58). 

Der Vergleich mit einem anderen Booster, dem Triton Audio FEThead, brachte ebenfalls kaum wirklich belastbare Unterschiede, allenfalls zeigte letzteres etwas feiner aufgelöste Höhen, dafür aber etwas weniger „Fleischigkeit“ im Signal – also verhaltenere unter Mitten / Oberbässe.

Fazit

Ob man ein Gerät wie den Royer dBooster wirklich benötigt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein klanglicher Quantensprung ist es nicht, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Preislich ist das kleine Inline-Verstärkerchen recht hoch angesiedelt, ein einfacher Cloudlifter kostet etwas weniger, der Triton Audio FEThead liegt aktuell bei 69 Euro. Aber selbst das sind Preise, für die bereits einfache Bändchen- und Tauchspulenmikrofone erhältlich sind. Und für 200 Euro sind bereits interessante Mic-Preamps wie der Fredenstein V.A.S. als Vorschaltgerät zum einfachen Audiointerface-Preamp erhältlich oder sogar ein Audio-Interface mit der neuesten Preamp-Generation, wie etwa die aktuellen Focurite Scarletts.

  • Pro
  • Gain wählbar (+12/+20 dB)
  • keine Klangverfärbung
  • Contra
  • nicht sehr preiswert
  • Features & Spezifikationen
  • Inline-Booster zum Anschuss passiver Mikrofone
  • Versorgungsspannung über Phantomspeisung
  • Gain: 12 dB oder 20 dB
  • Frequenzgang: 20 Hz - 20 kHz
  • Preis: € 199,– (Straßenpreis am 30.9.2019)

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