Recording
Test
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21.03.2018

ROLAND TR-8S Test

Drum Machine

TR-8 auf Steroiden

Roland spaltet die Gemüter – und das nicht erst seit gestern. Viele konnten und wollten die neue, moderne Drum Machine TR-8 als Nachfolger der legendären 808 und 909 einfach nicht ernst nehmen, zu viele Details fehlten. Andere fanden aber auch einfach nur das giftgrüne Neon-LED-Antlitz und das Kunststoff-Feeling furchtbar. Dann schoben die Japaner die TR-09 und erst vor Kurzem auch die TR-08 hinterher. Zwei Mini-Klone der Originale, welche die TR-8 eigentlich ja in einem Gerät einen sollte. Ja, und dann das: Die TR-8S. 

Als hätten wir nicht schon genug Probleme, die Namen auseinanderzuhalten?! Das S steht hierbei nicht für Steroide, sondern für „Sample“. Ja, was ist da denn los? Eine Roland mit Sample-Support? Ob das wirklich nur die einzige „Verbesserung" ist oder ob die TR-8S wirklich DIE neue „Flaggschiff Drum Machine“ ist – wir finden es heraus! Vorab aber ein kleines Video mit drei verschiedenen Performances sowie einem Klangvergleich zwischen TR-8 und TR-8S am Ende. Viel Spaß!

Details

Aus Alt mach Neu

Auch die neue TR-8S ist eine AIRA, selbst wenn das nicht mehr ganz so offensichtlich ist. Das S im Namen ist jedenfalls grün, der Tempo-Regler wird ebenfalls grün umleuchtet und erinnert so als kleine Hommage bescheiden an den Vorgänger, die TR-8.

Parallelen sind nicht zu leugnen, so viel steht fest. Man muss aber auch sagen, dass die „neue“ TR-8S deutlich moderner, fast schon „erwachsener“ aussieht und ein klareres, weniger zerklüftetes Layout der Bedienelemente bietet. Etwas schlanker, sprich weniger hoch, ist sie auch geworden. Die übrigen Formate teilen sich alte und neue Version allerdings ungefähr.

Offensichtlich kommt auch weniger Grün zum Einsatz, dafür deutlich mehr pastellfarbene LEDs – genau das haben sich auch viele gewünscht. Die Verarbeitung ist indes in etwa identisch und die Klangerzeugung natürlich weiterhin digital. Ebenfalls gleich: MIDI- und Audioübertragung via USB sowie elf grundsätzliche Instrumente.

Viele Verbesserungen und Optimierungen

Zu sagen, die TR-8S sei einfach nur eine TR-8 mit Sample-Support, würde der Sache nicht gerecht werden. Vielmehr wurden – laut Hersteller – viele Wünsche der Community in die neuste Version eingebaut. Und die prominentesten dürften dabei folgende sein:

Umfangreicherer Sequenzer mit viel mehr Speicherplatz

Es gibt jetzt 128 Pattern, von denen jedes acht Variationen und drei Fill-Ins beinhalten darf. Oder anders gesprochen: Ein Pattern kann jetzt achtmal 16 Steps lang sein. Yeahaw! Das ist deutlich mehr als die 16 Pattern mit nur jeweils zwei Variationen bei der TR-8. 

Außerdem lassen sich Verkettungen nun speichern, Sub-Steps einfügen und sogar Kits und Patterns als Einheit speichern – ja sogar das Tempo kann man nun pro Pattern festlegen. Ebenfalls neu ist das Auto-Fill-Feature, das man seit der 808 kennt. Hierhin wurde auch etwas versteckt der Scatter-Effekt verfrachtet, denn der kam wohl insgesamt nicht so gut an, wie es Roland sich gedacht hatte – man muss sich nur mal allein die Prominenz und Größe der Funktion bei der alten TR-8 zu Gemüte führen.

Sounds speicherbar und dank Motion Record automatisierbar

Die Stellung der Potis, welchen den Sound definieren, kann sich die neue TR-8S nun auch endlich merken. Man darf nun also auch komplette Kompositionen von Sounds als Kit abspeichern – und nicht nur die grobe Zusammenstellung der Engines. Eigentlich ein Unding, dass dies bei der alten nicht ging! In Anbetracht der wenigen Sounds und Parameter war das aber durchaus noch zu verschmerzen.

Viele Elektron-Nutzer dürften Roland ohnehin belächelt haben, denn auch Parameter ließen sich bisher nicht im Gerät automatisieren. Das nennt sich bei Elektron Parameter-Lock und ist seit Jahren ein unverzichtbares Asset in deren tollen Sequenzen. Das hat nun anscheinend auch Roland kapiert und bietet jetzt „Motion Record“. Uhhh! Alle Parameteränderungen lassen sich jedenfalls damit aufzeichnen und somit beispielsweise HiHat Decays sowie Kickdrum-Tunings zum Leben erwecken. Das ist verdammt gut! Ebenfalls toll: Die Automationen lassen sich an-/ausschalten, sodass man in einer Performance durchaus manuell werden kann und schnell wieder in die Automatisierung zurück wechseln kann.

Mehr Sounds, mehr Effekte, mehr von Allem

Die TR-8 wurde mit 808- und 909-Sounds ausgeliefert, später kamen kostenpflichtig 727, 707 und 606 hinzu. Daran hat sich bei der TR-8S grundsätzlich nichts geändert, außer dass diese Sounds jetzt direkt vom Start weg und ohne Aufpreis dabei sind. Da man nun aber auch noch Stereo-Samples abfeuern kann, ist das Klangrepertoire dennoch deutlich gewachsen. Diese dürfen übrigens bei 44,1 kHz und in Mono bis zu 180 Sekunden lang sein. Die Maschine kann also sowohl Emulationen als auch Samples und sogar Gruppen bedienen. Ebenfalls deutlich mehr geworden: Effekte. Nicht nur, dass es von ihnen generell mehr gibt, sie sind jetzt auch auf jeden Sound individuell anwendbar. Ebenfalls neu ist der Master-Effekt, doch dazu später mehr. 

Es gibt jedenfalls ’ne Menge: Transienten-Tool, Kompressoren, Overdrives, Fuzzs, Crusher, Isolatoren und verschiedenste Filter. Allzu komplexe Effekte darf man dennoch nicht erwarten. Und Reverb sowie Delay gibt es ohnehin nur im Send/Return Verbund – jetzt aber mit individuellen Sends! Bei der TR-8 durfte man nur entscheiden, ob ein Sound zum Hall bzw. Delay gehört oder nicht, jedoch nicht mit welcher Intensität er diese bedient.

Die Effekte sind wirklich vielfältig, hauen mich klanglich aber auch nicht vom Hocker. Das ist aber nicht mehr so tragisch, weil es nun endlich acht Einzelausgänge gibt – doppelt so viele wie bei der TR-8. Das ist doch mal ’ne Nachricht!

Mit Samples aber ohne Sampler

Die Kiste kommt vom Werk aus mit vielen Samples, welche zielführenderweise auch in ihren Kategorien (BD, SD, TOM,RS/HC, Synths, etc.) sortiert sind. Und grundsätzlich ist auch alles, was man an Percussions benötigen könnte, dabei. Gerade mehr Snares und HiHats als ’ne schnöde 808/909 zu bieten hat, macht mehr als Sinn. Aufnehmen kann man mit der TR-8S aber dennoch nicht!

Eigene Samples führt man nur per SD-Karte hinzu und die Bearbeitungsmöglichkeiten am Gerät selbst halten sich in Grenzen. Wir stellen fest: Die TR-8S kann Samples abspielen, ist aber kein Sampler. Der External-In ist somit nur zum Durchschleifen von Signalen gedacht, um auch die internen Effekte mitbenutzen zu können.

Ohnehin fand ich die Promovideos irritierend, wo komplexe Synth-Sounds abgefeuert werden. Ja, kann man theoretisch machen, macht in meinen Augen aber wenig Sinn und erweckt in solch einem Demo-Fall meiner Auffassung nach auch nur falsche Erwartungen. Insofern hat ein Digitakt von Elektron weiterhin seine Daseinsberechtigung. Ich möchte das aber gar nicht als „entweder … oder“ verstanden sehen, sondern beide Geräte einfach einer unterschiedlichen Kategorie zugeordnen.

Ich für meinen Fall habe ohnehin noch nie eigene Samples in eine Drum-Machine übertragen, weil sich mir einfach nicht der Sinn erschließt. Samples gehören für mich in den Rechner. Hier kann ich sie gebührend verformen und zum simplen Sequenzen brauch ich dann auch keine Hardware mehr – von einer Old-School-MPC einmal abgesehen, wobei ich hier selten eigene Sounds benutzt habe, sondern überwiegend auf fertig designte Libraries zurückgegriffen habe. Geschmäcker sind verschieden, ich weiß, ich wollte es nur trotzdem einmal los werden.

CTRL, I‘m here

Eine weitere, nicht zu unterschätzende Änderung sind die vielen neuen Parameter. Es sind deutlich mehr geworden, eben weil es auch viel mehr Effekte gibt. Da die Oberfläche aber nicht größer geworden ist, mussten einige Hardwareregler in schlüpfrige Untermenüs verschwinden. Zugegebenermaßen betrifft das nicht alle Instrumente, weil die meisten bisher ohnehin nur mit zwei Reglern auskommen mussten; Kick, Snare und Reverb hat es meines Erachtens dennoch etwas getroffen.

Neu ist dafür der CTRL-Regler in der sauber sortierten Parameter-Sektion. Jedes Instrument hat somit jetzt drei Regler: Tune und Decay sind fix, CTRL kann hingegen vielfältigste Aufgaben übernehmen, vornehmlich aber Panorama, Reverb-Send-Amount, Delay-Send-Amount, LFO-Depth sowie die einzelnen Parameter der individuellen Effekte bzw. die erweiterten Parameter gewisser Instrumente, z.B. Attack bei der Kick.

In dem Zusammenhang fallen das neue zweite Display und sein Value Encoder auf. Hier befindet sich der Hauptzugang zu den vielen neuen Funktionen. So entdeckt man hier auch generell die meisten neuen Tasten, der Rest ist ja überwiegend gleich vom Layout geblieben. Man kann es auch wie folgt beschreiben: Links am Gerät finden sich alle Sequenzer und Noten-Schreib-Optionen, in der Mitte die grundsätzliche Klangabteilung und rechts die Feinheiten. Mit den Feinheiten ist das aber so eine Sache, worauf ich aber noch im Praxisteil eingehen werde.

Trigger-Out

Ebenfalls konsequent weitergeführt wurde der Trigger-Out, wobei für diesen sogar eine extra Sequenzer-Spur zur Verfügung steht. Damit lassen sich auch Eurorack-Gedöns und ältere Klang-Herrschaften mit der TR-8S triggern.

Verschiedenes

Es gibt aber noch so viele kleine, weitere Details. Zum einem gibt es jetzt einen dedizierten Mute-Taster, welcher in Verbindung mit Shift natürlich auch Solo kann. Außerdem gibt es ein anschlagsempfindliches Pad, das alternativ zu den Step-Tastern zum Einspielen genutzt werden kann. 

Ferner gibt es einen Flam-Effekt, Weak Beats, Rolls und Alternative Sound um noch dynamischer programmieren zu können. Außerdem lassen sich die Fader sowie Step-Taster farblich anpassen, um eine bessere Sortierung und Überblick gewährleisten zu können. Ein „Lava-Lampe“-Mode ist auch am Start und lässt das Geblinke im Stand-By durchaus „chilliger“ wirken. Nun ja, wer’s braucht. 

Zu guter Letzt sollten wir noch einmal die Rückseite und ihre Anschlüsse beäugen. Von links nach rechts finden wir hier: Zugentlastung, Netzteil-Anschluss (wird mitgeliefert), Hauptschalter, USB2-Anschluss, MIDI I/O, SD-Card-Port, Trigger-Out, External-In sowie die acht Einzelausgänge und der Kopfhörerausgang.

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