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Test
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23.09.2015

Roland SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer Test

Software Synthesizer

Für Strippenzieher

Der semi-modulare Roland SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer ist der vierte und bisher komplexeste Software Synth der Roland Plug-Out-Reihe. Wie die drei anderen Plug-Outs SH-101, SH-2 und PROMARS läuft die Software-Adaption des analogen Klassikers Roland SYSTEM-100 als „normales“ Plug-in in der DAW. Wer ein SYSTEM-1 oder SYSTEM-1m besitzt, kann die Software darauf übertragen („Plug-Out“) und dann unabhängig vom Computer spielen – im Falle des SYSTEM-1m lässt sich der Software Synth sogar hardwareseitig patchen. Spannend!

Während die drei anderen Plug-Outs digitale Modelle fest verdrahteter Synthesizer sind, handelt es sich beim SYSTEM-100 um einen semi-modularen Synth. Das bedeutet, dass man mit Patchkabeln zusätzliche oder alternative Modulations-Verbindungen vornehmen kann, was bei der Software-Version virtuell umgesetzt wurde. Welche Klänge man dem SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer entlocken kann, ob er genauso gut klingt wie die drei bisherigen Plug-Outs und wie gut das Zusammenspiel mit der SYSTEM-1-Hardware funktioniert, soll dieser Test klären.

Details

Vorbild und Konzept

Das Roland SYSTEM-100 zählt neben den Modularsystemen von Moog und Buchla zu den berühmtesten Vertretern modularer Synthesizer – wenngleich es genau genommen ein semi-modularer Synth mit fest verdrahteten Verbindungen und Patchpunkten ist. Es erschien im Jahr 1975 und bestand aus mehreren Komponenten: Neben dem zentralen Synthesizer Model 101 gab es den Expander Model 102 (eine tastaturlose Erweiterung), den Mixer Model 103, den Sequencer Model 104 und die Monitorboxen Model 109. Mittels Patchkabeln konnte man die Bestandteile und ihre Module auf vielfältige Weisen miteinander verbinden. Für Interessierte: Hier geht’s zu unserem Vintage Feature zum SYSTEM-100 mit Martyn Ware von Human League!

Der SYSTEM-100 Plug-Out Synth kombiniert Bestandteile der Modelle 101 und 102, also Synthesizer und Expander, zu einem Monosynth mit 2 VCOs, Mixer, einem Filtermodul, einem VCA, zwei LFOs, einem Sample&Hold-Modul, zwei Envelopes und drei Effekten. Hinzu kommt ein Arpeggiator mit der aus der AIRA-Serie bekannten Scatter-Funktion. Als semi-modularer Synthesizer produziert der Plug-Out Synth auch Klänge, wenn keine Patchkabel „gesteckt“ sind, weil die typischen Audio- und Steuerverbindungen „fest verdrahtet“ sind. Diese vordefinierten Verbindungen lassen sich mit einem Klick auf den Button SIGNAL FLOW einblenden. Über eine X/Y-Matrix oder virtuelle Patchkabel kann man das voreingestellte Routing verändern und/oder weitere Verbindungen hinzufügen.

Installation und Registrierung

Der Installationsprozess ist der gleiche wie bei den anderen Roland Plug-Outs. Der SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer ist im Roland Webshop erhältlich und kostet regulär 175 Euro, registrierte Besitzer des SYSTEM-1 oder SYSTEM-1m bekommen wie immer einen Rabatt. Aktiviert wird die Software durch Eingabe der Log-in-Daten für das Roland-Benutzerkonto im Plug-in, eine Aktivierung ohne Internetzugang ist nicht möglich. Der Roland SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer läuft als VST2.4- (Windows), VST3.6- (Windows, Mac) oder AU-Plug-in (Mac) in allen gängigen DAWs. Wer ein SYSTEM-1 oder SYSTEM-1m besitzt, kann das Plug-Out auf die Hardware aufspielen und unabhängig vom Computer verwenden.

Bedienoberfläche und Klangerzeugung

Wie bei allen Plug-Outs wurde die Oberfläche liebevoll an das historische Vorbild angelehnt. Jedoch tummeln sich beim SYSTEM-100 mehr Fader und Drehregler auf dem Panel als bei SH-101, SH-2 und PROMARS, wodurch schon deutlich wird, dass die Möglichkeiten weiter reichen als bei den bisherigen Plug-Outs. Neben den Bedienelementen findet man zahlreiche Ein- und Ausgangsbuchsen für virtuelle Steuerspannungen.

Auch beim SYSTEM-100 lässt sich die Oberfläche im Option-Menü auf das Layout des SYSTEM-1 umschalten. Das ist hilfreich, wenn man die Hardware als Controller verwendet – so erkennt man gleich, welcher Regler beim SYSTEM-100 welche Funktion übernimmt.

Die Leiste am oberen Rand enthält ein Menü zum Laden von Presets und einen Button für die Patch-Liste, in der man Programme neu erstellen, umbenennen und umsortieren kann. Hier findet man auch die Funktionen zum Senden und Empfangen von Presets an das bzw. von einem SYSTEM-1(m). Gleich daneben liegt der Plug-Out-Button, der die Software auf die angeschlossene Hardware überträgt. Rechts daneben folgen zwei Pegelanzeigen im analogen Stil, ein Regler für das Master-Tuning und die vier Menüs OPTION, SETTING, HELP und ABOUT. Das Option-Menü enthält neben der Umschaltung des Panel-Layouts Einstellmöglichkeiten für den Zoom-Faktor sowie Links zum Webshop und zur Aktivierung, während SETTING zu einigen MIDI-Einstellungen führt. HELP ruft die (übrigens recht gute) PDF-Anleitung auf.

Darunter folgt das eigentliche Synthesizer-Bedienfeld, das ich optisch schon mal sehr gelungen finde. Die einzelnen Module sind klar strukturiert und übersichtlich angeordnet. Den Anfang macht links oben die S&H-Abteilung, die neben Reglern für SAMPLE TIME (mit Kontroll-“LED“) und LAG einen Wahlschalter für den S&H MODE bietet. Als Eingangssignale stehen die Schwingungsformen von LFO 1 zur Verfügung, alternativ lässt sich über eine Patchbuchse ein externes Signal einspeisen. Zwei weitere Buchsen geben das S&H-Signal und die Clock aus.

Rechts daneben folgen die beiden identisch ausgestatteten LFOs. Sie bieten die Schwingungsformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck. In der Stellung S&H wird das gleiche Signal wie an der Ausgangsbuchse der S&H-Sektion ausgegeben. Die Frequenz wird mit einem Schieberegler eingestellt und von einer Leuchte angezeigt, bei gedrücktem TEMPO SYNC Button wird sie zum Songtempo synchronisiert. Zwei weitere Fader steuern GAIN und OFFSET. Beide LFOs haben eine Buchse für das Ausgangssignal sowie einen Eingang für eine Steuerspannung.

Der nächste Block widmet sich den beiden Oszillatoren. Beide bieten die Schwingungsformen Sägezahn, Rechteck und Dreieck in Fußlagen von 64' bis 2'. Für die Pulsbreite gibt es jeweils einen Fader und einen Schiebeschalter, mit dem das Quellsignal für die Pulsbreitenmodulation gewählt wird (manuell, LFO 1, Glide, VCF ADSR, VCA ADSR, LFO 2). VCO 1 bietet eine Buchse für ein Steuersignal für die Tonhöhe und einen Regler für die Intensität dieser Modulation. Wenn hier nichts „gesteckt“ ist, liegt der Output von VCO 2 an, was FM-Effekte ermöglicht. Bei VCO2 findet man stattdessen zwei Regler für die Verstimmung (grob und fein) sowie Schalter für SYNC (On/Off und Strong/Weak) und eine Sync-Eingangsbuchse. Wenn diese frei bleibt, synchronisiert sich VCO 2 zu VCO 1. Beide Oszillatoren besitzen Ausgangsbuchsen für das Audiosignal und ein Sync-Signal.

Zwischen den VCOs liegt die Glide-Sektion zur Tonhöhenmodulation. Per Schalter kann man auswählen, ob beide Oszillatoren oder nur einer beeinflusst werden soll. Der Regler LFO steuert eine Tonhöhenmodulation von LFO1, während der Regler GLIDE eine kurze Pitch-Hüllkurve zum Einsatz bringt, die nicht weiter einstellbar ist. Über die Buchse GLIDE IN kann stattdessen ein beliebiges anderes Steuersignal verwendet werden, beispielsweise der Output einer der beiden ADSR-Envelopes.

Weiter rechts folgt nun der Mixer, der sich fast von selbst erklärt. Es gibt Fader für die Ausgangssignale des Ringmodulators, der beiden Oszillatoren und des Rauschgenerators. Führt man der Buchse EXT IN ein Signal zu, so tritt dieses an die Stelle des Ringmodulators, der Fader wird dann umbenannt. An der Buchse OUT lässt sich das Mix-Ausgangssignal abgreifen.

Darunter liegen die Module des Ringmodulators und des Rauschgenerators. Der Ringmodulator multipliziert den Output von VCO 1 oder ein anderes, über die Eingangsbuchse zugeführtes Signal mit dem Output von VCO 2. Der Rauschgenerator liefert weißes oder rosa Rauschen, das sich über eine Ausgangsbuchse abgreifen und vielseitig verwenden lässt.

Der Signalweg geht rechts oben weiter, wo als nächstes das Filter wartet. Roland-typisch handelt es sich um ein resonanzfähiges Tiefpassfilter, dem ein einfacher und nicht modulierbarer Hochpass ohne Resonanz vorgeschaltet ist. Mit drei Fadern können die Modulationsquellen LFO, Hüllkurve oder Keyboard CV (Keytracking) zum Einsatz gebracht werden, über die Buchsen LFO IN und ADSR IN lassen sich alternative Modulatoren einsetzen – beispielsweise auch das Ausgangssignal eines Oszillators für Filter-FM-Effekte.

Der VCA bietet einen Fader für INITIAL GAIN (also die Lautstärke ohne Auslösung der Amp-Hüllkurve) und einen TONE-Regler, wie es ihn bei allen Plug-outs gibt. Amp-Modulationen per LFO und Hüllkurve können mit zwei weiteren Schiebereglern eingestellt werden. Rechts daneben liegen die Bedienelemente der Effekte. Der SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer bietet einen Hall und ein Delay, die sich wie bei den anderen Plug-Outs auf die allernötigsten Bedienelemente beschränken. An die Stelle des Crusher-Effekts, den ich bei den anderen dreien eher entbehrlich fand, ist hier ein Phaser getreten, der in meinen Augen einen deutlich höheren Nutzwert hat. Geschwindigkeit und Modulationstiefe des Phasers lassen sich über Steuersignal-Eingangsbuchsen mit den verschiedenen Modulationsquellen des Synths beeinflussen.

Nun fehlen noch die beiden ADSR-Hüllkurven für Filter und Amp. Sie sind identisch ausgeführt und verfügen jeweils über vier Fader, eine GATE-Buchse zum Auslösen per Gate-Impuls und einen ADSR-Ausgang. Mit dem dazwischen platzierten Schalter kann man einstellen, wie die Envelopes getriggert werden: per Keyboard (GATE), vom LFO (LFO) oder beides (GATE+TRIG).

Die Leiste oberhalb der virtuellen Tastatur hält eine Reihe weiterer Einstellungen bereit. Hier findet man zunächst den Button SIGNAL FLOW, der die „fest verdrahteten“ Verbindungen visualisiert, und den Knopf HIDE CABLES, mit dem sich die Patchkabel zur besseren Übersicht verstecken lassen. Es folgen ein Volume-Regler, ein Poti für die BEND RANGE, der Button TEMPO SYNC, mit dem sich die LFOs, der Arpeggiator und das Delay zum Songtempo synchronisieren lassen, und ein Schalter für die Notenpriorität (tiefste, letzte). Danach kommt der Arpeggiator, der beim SYSTEM-100 nun auch softwareseitig die Regler für die Scatter-Funktion bietet, die man von der AIRA-Hardware kennt. Ein Hold-Button und ein Oktavschalter machen den Abschluss.

Ein sehr praktisches Feature ist die Routing-Matrix ganz links unten. In der Horizontalen sind die verfügbaren Modulations-Outputs angeordnet, in der Vertikalen die Inputs. Mit einem Klick lassen sich Quelle und Ziel miteinander verbinden, was durch einen roten Punkt in der Matrix und ein neues Patchkabel auf dem Bedienfeld visualisiert wird. Ein weiterer Klick löscht die Verbindung wieder. Die „fest verdrahteten“ Verbindungen, die auch ohne Patchkabel bestehen, sind durch dunklere Punkte gekennzeichnet und lassen sich durch andere ersetzen. Es ist übrigens problemlos möglich, einen Ausgang bzw. eine Modulationsquelle auf mehrere Ziele aufzusplitten. An eine Eingangsbuchse kann aber immer nur ein Kabel angeschlossen werden. Die Matrix ist nicht nur eine praktische Übersicht (man muss nicht jedes Patchkabel mit dem Auge verfolgen), sondern kann auch ein Kreativwerkzeug sein. Verwegene klicken hier einfach blind ein paar Punkte an und lassen sich überraschen … Hier gibt es auch die Möglichkeit, mehrere Patchverbindungen auf einen Schlag wieder zu entfernen, indem man mit der Maus einen Rahmen zieht.

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