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Test
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20.06.2014

Roland FA-08 Test

Synthesizer-Workstation

Rolands neue Mittelklasse

Der Roland FA-08 und sein kleiner Bruder FA-06 sind auf den ersten Blick schnörkellose Synthesizer-Workstations der Mittelklasse, erhältlich mit 88 gewichteten oder 61 ungewichteten Tasten. Damit reihen sie sich direkt ein zwischen Yamaha MOFX und Korg KROME. Interessanterweise ist der FA-08/06 zurzeit die einzige Workstation, die das Urgestein Roland im Programm hat.

Neben der obligatorischen, umfangreichen Soundpalette bietet der Roland FA eine auf dem Pad-Sampler SPS-404SX basierende Sampling-Funktion mit 16 Pads und natürlich einen Sequencer. In der Werbung verspricht der Hersteller zudem eine einfache Bedienung: „Getting the 'work' out of the music workstation“. Wir haben die große Version FA-08 mit 88 Tasten auf die bonedo-Hebebühne gehievt und schauen, ob das gelungen ist.

Details

Wer die Ausmaße anderer Workstations kennt, wird vom Roland FA-08 angenehm überrascht sein. Mit 16,5 kg ist er für ein Instrument mit 88 Tasten ein Leichtgewicht. Und auch äußerlich erinnert er mit seinem schwarzen (zugegeben: nicht gerade besonders edel wirkenden) Gehäuse eher an ein schlankes Digitalpiano, wenn auch mit zahlreichen Bedienelementen. 

Das Bedienfeld ist optisch klar gegliedert und deshalb schnell überschaubar. Im linken Drittel befinden sich der bei Roland obligatorische D-Beam-Controller, ein Volume-Poti sowie die sogenannte Sound Modify Sektion mit ihren sechs Drehreglern. In der Mitte liegt das mehrfarbige LC-Display, das von einem großen Datenrad, zehn Program-Tastern sowie mehreren Cursor- und Eingabetastern flankiert wird. Im letzten Drittel befindet sich der Arpeggiator inklusive Tap-Tempo-Button und Drehregler zur Tempowahl. Daneben liegt der Sequencer mit seinen Transporttastern. Und schließlich, ganz auf der rechten Seite der Bedienoberfläche, findet man 16 beleuchtete Softpads und fünf Eingabe-Buttons, die den integrierten Sampler bedienen.

Die Tastatur des FA-08 umfasst 88 gewichtete Tasten. Roland verbaut hier die bewährte Tastatur Ivory Feel-G, die auch in zahlreichen kompakten Digitalpianos zum Einsatz kam und kommt. Die Tasten haben einen recht weichen Druckpunkt und auf halbem Weg einen fühlbaren Widerstand, den man überwinden muss. Für meinen Geschmack fühlt sich das zunächst ein wenig merkwürdig an. Hat man sich jedoch einmal an die Tastatur gewöhnt, ist sie sehr gut zu spielen. Links von der Tastatur befinden sich als Spielhilfen ein kombinierter Pitch- und Modulationsstick sowie zwei frei zuweisbare Taster, wie sie von anderen Roland Instrumenten mit SuperNATURAL-Tonerzeugung bekannt sind.

Anschlüsse

An der Rückseite findet man einen Stereoausgang (2x Klinke, 6,3mm), einen Kopfhörerausgang und einen zusätzlichen Sub-Ausgang (Stereoklinke, 6,3mm), der als zweiter Headphone-Output, als Einzelausgang für einen Part oder auch für das Metronom verwendet werden kann – allerdings leider ohne eine Möglichkeit zur Lautstärkeregelung. Als Eingänge stehen ein Line-In in Form einer Miniklinkenbuchse und ein Mic/Guitar-In (Klinke, 6,3mm) mit eigenem Level-Regler zur Verfügung. Außerdem gibt es MIDI-In und Out, drei Pedal-Anschlüsse (Hold, 2x Control) sowie USB-to-host und USB-to-device (letzterer allerdings ausschließlich für Updates). Als Speichermedium für User-Daten wie Samples oder Sequencer-Songs wird eine SD-Karte verwendet, der passende Schacht liegt hinter einem Schraubdeckel auf der Rückseite. Eine SD-Karte befindet sich im Lieferumfang.

Struktur

Klassischerweise wird bei Workstations kategorisch zwischen einem Single-Mode und einem Multi-Mode, also einem einzelnen Sound und der Kombination mehrerer Sounds, unterschieden. Beim FA-08 ist diese Trennung nicht so scharf, denn man befindet sich quasi permanent in einem Multi-Mode, hier Studio-Set genannt. Spielt man einen einzelnen Sound, ist dieser stets der erste Part eines gesamten Studio-Sets. Ein Studio-Set, also der Multi-Mode des FA-08, bietet eine Kombination von bis zu 16 Sounds, die beliebig gesplittet und gelayert werden können. Die Anwahl eines Sounds erfolgt recht klassisch: Mit Hilfe der Taster unterhalb des Displays wird die Instrumentenkategorie gewählt und dann kann mit Datenrad oder Tastern zum gesuchten Sound durchgeskippt werden. Außerdem gibt es eine Listenansicht für einen schnelleren Überblick. Und wie immer bei Roland lässt sich eine Favoriten-Liste für die eigenen Lieblingssounds erstellen. Hierfür stehen 10 x 10 Plätze zur Verfügung.

Klangerzeugung

Der Roland FA-08 bietet über 2000 Sounds, die hier Tones genannt werden. Roland unterscheidet zwischen SuperNATURAL Acoustic Tones, SuperNATURAL Synth Tones und PCM-Tones. Die SuperNATURAL Acoustic Tones bilden die Grundlage für akustische Sounds. Je nachdem welches Instrument emuliert wird, hat man unterschiedliche Möglichkeiten der Editierung bzw. des Eingriffs in den Sound. Bei den Flügelklängen können beispielsweise die Anteile von Saitenresonanzen oder Hammergeräuschen geregelt werden. Beim Rhodes ist das Rauschen des Verstärkers einstellbar, beim Clavinet ebenfalls der Anteil der Noise-Samples. 

Die SuperNATURAL Synth Tones sind für Synthesizer-Klänge zuständig. Sie bestehen aus bis zu drei Partials (sozusagen Quellklänge bzw. Oszillatoren), die vornehmlich aus modellierten analogen Schwingungsformen wie Sinus-, Dreieck- und Rechteck-Schwingungen gespeist werden. Aber es können auch 450 PCM-Waves (bereits komplexere Samples) als Klangquellen der Partials verwendet werden. Diesen Partials kann nun in altbewährter VA-Manier mit Filter, zwei LFOs und Amp zu Leibe gerückt werden. Man hat es hier also mit einem klassischen und gut ausgestatteten, virtuell-analogen Synthesizer zu tun.

Die „gewöhnlichen“ PCM-Klänge schließlich umfassen eher die weniger glamourösen Sounds des FA-08, erweitern das Klangangebot aber beträchtlich. Sie wurden aus dem XV-5080 übernommen und bestehen in altbekannter Roland-Manier aus bis zu vier Partials. Hier stehen ausschließlich PCM-Waves (also Samples) als Klangquelle zur Verfügung, die dann ebenfalls mit den Bausteinen der subtraktiven Synthese bearbeitet werden können.

Die Soundauswahl umfasst die üblichen Kategorien einer Workstation. Es ist also alles dabei: von Piano und E-Piano über Streicher, Flöten und Drums bis hin zu Synthies und Blechbläsern. Der FA-08 bietet außerdem zwei Slots für Sound-Erweiterungspakete, die aus Rolands AXIAL-Soundlibrary kostenlos heruntergeladen werden können. Es kann alles importiert werden, was auch in Rolands Soundmodul INTEGRA-7 passt. Zur Auswahl stehen hier vor allem diverse klassische Synthesizer, aber auch eine Worldmusic-Collection und weitere Flügel-Samples. Der Import dieser Sounds in den FA-08 erfolgt allerdings ausschließlich über eine SD-Karte. Es ist also ein entsprechender Card-Reader am Computer erforderlich.

Jeder Sound kann mit (nur) einem individuellen Effekt bestückt werden. Hierfür stehen 68 der üblichen Effekte wie Phaser, Tremolo, Distortion etc. zur Verfügung, teilweise handelt es sich bereits um eine Kombination aus zwei Effekten. Da man sich allerdings ständig im Kontext eines Studio-Sets befindet, gibt es jederzeit zusätzlich den Zugriff auf die Send-Effekte Chorus und Reverb im Aux-Weg, sowie EQ und Compressor in der Summe.

Natürlich ist auch ein Arpeggiator mit an Bord. Dieser bietet 128 verschiedene Styles, deren Parameter wie Octave Range, Shuffle Rate oder Motif im übersichtlichen Menü variiert werden können. Ebenso findet man als Spielhilfe eine Chord Memory Funktion.  

Sequencer

Im Sequencer lassen sich Songs erstellen, die auf der SD-Karte gespeichert werden. Ein Song besteht aus 16 Spuren und als Spur-Vorlage wird automatisch das letzte Studio-Set genommen. Ansonsten handelt es sich hierbei um einen handelsüblichen Sequencer, der Aufnehmen von Spuren, Loopen, Quantisieren, Schneiden und Mischen beherrscht. Audio-Spuren lassen sich leider nicht aufnehmen, allerdings können vorher gesampelte Audios eingebunden werden. Wer also etwa eine externe Gitarren-Spur verwenden möchte, kann diese sampeln und den Start/Endpunkt des Samples dann im Sequencer festlegen. Allerdings steht für den Sampler nur eine Spur im Sequencer zur Verfügung. Positiv ist hier der vorhandene Sub-Ausgang zu erwähnen, über den beispielsweise ein Clicktrack geschickt werden kann.

Sampler

Der Pad-Sampler des FA-08 basiert auf dem Roland SP-404SX und umfasst vier Bänke à 16 Pads, die Song-spezifisch geladen und gespeichert werden. Der maximal verfügbare Sample-Speicher hängt von der Größe der SD-Karte ab. Gesampelt werden kann sowohl das interne Keyboardspiel, als auch externes Audiomaterial über die Eingänge auf der Rückseite des Gerätes. Außerdem können Files in den Formaten WAV, AIFF und MP3 von der SD-Karte importiert werden. Ein direkter Sample-Import vom Rechner über den USB-Port ist aber leider nicht möglich – schade.

Das gesampelte Material kann dann zurechtgeschnitten, geloopt und über die Pads abgefeuert werden. Wahlweise kann dies auch im Hold-Modus (das Sample läuft auch nach Loslassen des Pads weiter) geschehen. Leider ist es nicht möglich, die Samples nachträglich mit einem Effekt zu versehen. Nicht mal die Send-Effekte des Studio-Sets oder der globale Total-Effect lassen sich hier anwenden.

Die Pads des Samplers lassen sich für andere Zwecke umfunktionieren. So kann man sie nutzen, um die einzelnen Parts eines Studio-Sets anzusteuern (gut für schnelles Wechseln von Sounds), man kann mit ihnen Spuren des Sequencers muten und Solo schalten und sie können als Nummern-Taster dienen. Entscheidend ist jedoch, was sie nicht können: Sie senden keine MIDI-Noten! Man kann also weder interne noch externe Drumsounds spielen oder anderweitige Samples antriggern. Eine Verwendung als Triggerpads beispielsweise für Ableton Live fällt damit ebenfalls flach. Das ist nicht nur schade, sondern wirklich enttäuschend.

DAW Remote und Audio-Interface

Der Roland FA-08 kann auch als DAW-Controller und sogar als USB-Audiointerface fungieren. Hierfür muss zunächst ein USB-Treiber installiert werden, damit neben MIDI- auch Audio-Daten übertragen werden können. Danach lässt sich der FA-08 wie eine USB-Soundkarte verwenden. Sowohl ein angeschlossenes Mikrofon als auch das eigene Keyboardspiel können als Audio in den Rechner übertragen werden, und andersherum lässt sich der Ausgang einer DAW-Software über die Anschlüsse des FA-08 wiedergeben.

Zur Steuerung einer DAW emuliert der FA-08 das Mackie Control Protokoll. Von Haus aus gibt es Templates für Logic, Cubase und Sonar. Dann steuern die Transporttaster des FA-Sequencers die DAW, den Potis können MIDI-CC-Daten zugewiesen werden und die Pads arbeiten als Funktionstaster der emulierten Mackie Control. 

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