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Test
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05.03.2014

Praxis

Die Software-Installation beginnt zunächst mit dem Aufspielen von Serato DJ und den ASIO- und Core-Audio-Treibern für das 22-Kanal-USB-Audiointerafce auf meinen Testrechnern, einem Core 2 Duo MacBook und einem 11,6-Zoll-SU3100 Netbook mit Win7. Beide Systeme verfügen über vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Hier gib es keine besonderen Vorkommnisse zu berichten.  

An das Backpanel finden Anschluss: die Studio-PA und die DJ-Monitore, ferner zwei Turntables, zwei CD-Zuspieler und der DJ-Kopfhörer. Dazu verbinde ich beide Laptops und rufe, nachdem alles startklar ist, Serato DJ auf. Dem linken MacBook weise ich am Pult die Kanäle 1 und 3 zu, dem Asus hingegen Channel 1 und 4. Die Software reagiert auf Anhieb und schaltet die jeweiligen Player mit dem Vermerk, dass ihre Gegenüber bereits belegt sind, am zugehörigen Laptop frei. Somit gehören in meinem Szenario jedem Notebook zwei untereinanderliegende Decks sowie zwei benachbarte Fader. Bei einem Team-Battle könnten so beide auf „ihrer“ Seite bleiben. Alternative: Einer nimmt die Inneren und der andere schnappt sich die äußeren Fader bei horizontal gegenüberliegenden Decks oder ein jeder bemächtigt sich dem, dessen er habhaft werden kann. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass jedes Serato-Deck nun ganz einfach durch Betätigen des Drehschalters am Mixer freigeschaltet wird und sofort einsetzbar ist, ohne dass es mit dem Griff zur Maus aktiviert werden müsste. „Fliegender“ können Wechsel kaum vonstattengehen, zumal es natürlich auch möglich ist, alle vier oder nur drei Decks einem Notebook zuzuordnen. Dieser „Multiplayer-Coop-Mode“ fehlt mir bei Traktor wirklich, denn auf diese Art und Weise könnten ja nicht nur DJ-Teams auf vier Software-Decks battlen, sondern auch  DJ-Wechsel im Club ließen sich ohne viel Aufhebens nahtlos vollziehen. Und keiner von ihnen müsste ein kompatibles Interface im Gepäck haben und sich aufwendig verkabeln. Einmal am Schalter gedreht und weiter geht’s! Schwuppdiwupp, der Nächste bitte!  

Okay, wo wir schon mal bei der Input-Matrix sind: Natürlich lassen sich auch die von mir angeschlossenen externen Zuspieler mit „normalen“ CDs und Vinyls in der Mixsession nutzen, jedoch sind diese den Kanälen fest zugeordnet und nicht frei zuweisbar. Anders als der bereits erwähnte Aux-In, der auf jeden Kanal geroutet werden darf. Allerdings muss ich sagen, dass ein Gerät wie ein iPod hier schon ziemlich schwachbrüstig ankommt. Etwas mehr Dampf als die „EU-regulierten“ Mobile Devices noch zulassen, darf es schon sein. Ein weiteres Signal lässt sich über den Session-In einspeisen und landet direkt auf dem Master. Es sind also reichhaltig Schnittstellen für diverse Zuspieler vorhanden. Der Mixer bietet zudem ein Software-Konfigurationstool gemäß nachstehender Bilderfolge.

Performance

Platten auf die Teller und ab geht´s! Nachdem die Timecode-Kalibrierung abgeschlossen ist, kann der Spaß beginnen. Das Browsen in der Bibliothek und Beladen des aktuell ausgewählten Decks übernimmt auf jeder Seite ein Push-Encoder mit Load-Klickfunktion. Dann wandert die Nadel auf den Teller und der Titel beginnt am Downbeat oder ersten Cuepoint unverzüglich abzuspielen. Wer mit manuellem Beatmatching, also Pitchfader-Schieben und Geschwindigkeitsabgleich immer wieder per Gehör kontrollieren, nichts zu tun haben möchte, kann nach zuvor erfolgter Analyse des Musikdatenbestandes auch gleich auf den Sync-Button tippen – ein noch recht junges Phänomen bei Serato-DVS-Systemen. Bei der automatischen Synchronisation stellt sich das Master-Tempo auf das zuerst „gesyncte“ Deck ein, zu dem alle weiteren Player angeglichen werden. Etwas unglücklich gelöst finde ich die Deaktivierung der Synchronisation mittels „Shift“-Kombination. Schön wäre es zudem, würde sich Serato in Zukunft auch für eine Master-Clock in der Software mit eigener Tempoangabe entscheiden, zu der sich alle vier Player syncen ließen. Aber egal ob Autosync oder manuelles Beatmatching – der Rane Sixty Four ermöglicht eine sehr latenzarme Performance: Im Test konnte sich mein mittlerweile fast fünf Jahre altes MacBook Pro bei der Einstellung „2 ms“ wacker schlagen. Die Audio-Performance war selbst dann noch vorbildlich, wenn ich „alle Register gezogen“ hatte. Auch das Triggern von Loops, Samples und Rolls vom Mixer aus geht kinderleicht von der Hand und macht einen Riesenspaß, vor allem auch wegen der runderneuerten Buttons, deren Funktion ich im Nachfolgenden noch ein wenig genauer erläutern möchte. Was dem Pult davon abgesehen vielleicht noch gut zu Gesicht stehen würde, wären ein paar kleine Nummerndisplays im Kanal für Loopgrößen, wie man sie beim Z2 von Native Instruments vorfindet.  

Selbst auf dem Netbook ist die Auslastungsanzeige bei der Verwendung von zwei Software Playern nicht „rotgefährdet“, auch wenn Effekte oder gar der Slicer zum Einsatz kommen. Ihr fragt euch nun vielleicht, wo denn die MIDI-Controller dafür sein sollen? Nicht am Sixty Four, das ist gewiss, jedoch spricht nichts dagegen, diesen zusätzlich mit einem weiteren Kommandobrett zu unterstützen, das in der Lage ist, diese Funktionen zu bedienen oder freizuschalten. Mit vier Decks und Samples ist das Netbook dann allerdings doch „überfordert“.

Ein aus acht LED-Segmenten bestehendes Stereo Meter (-18/+6 dB + Overload) zeigt den Pegel auf dem Masterbus an und auch in den einzelnen Kanälen finden sich entsprechende Lämpchen ein, sodass auch hier eine optische Kontrolle der Pegelstände während der Mixsession möglich ist. Der fliegende Wechsel zwischen Software Decks, CD-Playern und Echtvinyl geht äußerst praxisgerecht vonstatten, genau wie die Zuweisung der Decks zu den Notebooks im Team-Play. Erwähnenswert ist zudem, dass beim Hin- und Herschalten keinerlei Audioaussetzer zu vernehmen sind. Sicherlich kommen den DJs bei einem Team-Gig die drei Kopfhöreranschlüsse zugute. Die Kopfhörerausgänge können allerdings hinsichtlich des Pegels nicht separat geregelt werden, was auch irgendwie inkonsequent ist, da ja jeder ein anderes Laustärkeempfinden hat und womöglich auch ein anderes Headphone im Gepäck.

Der Arbeitsraum auf dem Mixer ist ein wenig eng in der Mitte, vor allem für Deejay-Teams, die simultan auf allen Kanälen inklusive Loops und Effekten agieren, aber das wird sicherlich nicht der Regelfall sein. Interessant für ein Back2BackSet zwischen zwei Protagonisten oder den Solo-Artist könnte auch das folgende Thema sein:  

The Bridge, Ableton Live und Native Instruments Maschine

Kurz nach unserem Rane Sixty-Eight Test in 2010 konnten wir das Ableton Bridge Plugin testen, ein Tool, das ein Ableton Deck in Scratch Live integriert, woraufhin Besitzer von Ableton Live und Serato Scratch dieses „Deck“ per Control-Vinyl dirigieren können. Was mich an dieser Lösung seinerzeit etwas gestört hat, war die schwammige Performance aufgrund der Tatsache, dass beide Programme auf einem Rechner liefen. Außerdem kam das MacBook mit seinen 1280 Pixeln in der Breite an die Grenzen der praxisgerechten Ablesbarkeit. Das Bridge-Plugin hat es nun leider nicht mehr nach Serato-DJ geschafft, doch wir sind vor Kurzem auf ein spannendes Tool zum Steuern von Ableton via Timecode-Vinyls gestoßen. Es ist von der Firma Stagecraft Software und nennt sich „Scratch Track“. Wir sind bereits dran, ein Test folgt in Kürze. Aber was hat nun der Sixty Four damit zu tun? - Nun, es geht um die Synchronisation einer zweiten Software. Das muss aber nicht zwangsläufig Live sein, sondern kann auch eine Maschine von NI oder ein anderes Tool sein. Wer dabei aus Performance-Gründen nicht auf eine Single-Notebook-Lösung setzen möchte, sondern lieber einen zweiten Rechenknecht (meiner Meinung nach die bessere Lösung) ins Spiel bringt, der hat die Möglichkeit den Sync direkt über die USB-Ports zu absolvieren, da die MIDI-Clock auf beiden Ports gesendet werden kann. In der Praxis ist das Setup dementsprechend leicht einzurichten.

Nachdem beide Laptops angeschlossen sind, sind im 64-Control-Panel die Optionen Send+Receive-MIDI-Clock abzuwählen. Dann beginne ich mit dem Audiorouting in der DAW auf dem zweiten Rechner und wähle vor dem Hintergrund, dass der Sixty Four am Mac Multi Client-fähig ist, die USB-Kanäle 7/8, respektive „Channel 4“ am Mixer für die Soundausgabe aus. Es folgt die MIDI-Input Zuweisung (Maschine: MIDI-Input Rane, Sync to external MIDI-Clock/Live: Sync Remote on, Button Ext). Um die DAW mit meinen Decks zu synchronisieren, lade ich dann zwei Tracks in die Player und synchronisiere diese zueinander. Im Anschluss ist ein BPM-Wert in der FX-Sektion des Sixty Four einzustellen oder auszulesen, in diesem Fall soll er aus Serato DJ entnommen werden. Das geschieht über die Tastenkombination „Tap“ und Joystick. Der Buchstabe „s“ steht für Serato DJ und das BPM-Tracking für das Deck, bei mir Channel 2, schalte ich am Mixer über den „FLEX FX“-Button ein (das „s“ flackert nun). „Shift“+“Tap“ sendet das MIDI Clock Startsignal. Da es einigermaßen unwahrscheinlich ist, dass mit dem MIDI-Startsignal exakt der Downbeat des Tracks getroffen wird, ist anzunehmen, dass beide Titel zunächst temposynchron, aber noch nicht beatsynchron sind. Dies lässt sich aber mittels Joystick (Nudging) direkt vom Mixer aus beheben, wer mag, schalte beim Preview-Sync im Vorfeld noch das Maschine- oder Live-Metronom ein. Nun ist es naturgemäß so, dass die MIDI-Clock beim Scratchen ein wenig ins Straucheln geraten und/oder der Beatcounter auch einmal daneben liegen kann (ohnehin sollten die Beatgrids und BPM-Informationen einer analysierten Musik-Library überprüft und gegebenenfalls manuell abgeglichen werden). Daher bietet sich als Option an, einen festen Wert per Encoder einzustellen.

Praktisch beim Ansteuern einer DAW-Software ist auch die Möglichkeit, die MIDI Controller Strips beim Umschalten auf den anderen USB-Port für eben diese DAW zu nutzen und beim Zurückschalten ist wieder das Factory-Mapping von Serato DJ am Start – coole Sache. Aber es kommt noch besser, denn auch die restliche Bedienoberfläche des Mixers sendet MIDI-Daten, die ich unabhängig von den Side Strips über den Button „Non PGM MIDI“ an das Notebook meiner Wahl schicke. Sehr wichtig ist, dass sich die Programme nicht in die Quere kommen. Hierzu ist festzuhalten, dass Serato DJ die MIDI-Channels 1-4 zur Kommunikation nutzt.

MIDI-Controller

Die auf beiden Seiten identisch aufgebauten Steuer-Controller für Serato DJ starten mit den Deck-Selektoren für die Player 1/3 (links) und 2/4 (rechts), wobei eine grüne Beleuchtung die Zuweisung zum Notebook 1 und orange für Rechner 2 steht und die aktuell kontrollierten Kanäle am Pult im Kanalzug durch eine leuchtende LED visualisiert werden. „Tab“ dient zur Fokus-Selektion, der Scroll-Encoder browst, und lädt die aktuelle Musikauswahl. Loop, Roll und Slip aktivieren die bekannten, gleichnamigen Modi, nachzulesen bei Bedarf in unserem Testbericht zu Serato DJ. Die Länge einer Schleife stelle ich mit dem Loop-Encoder ein, der diese auch im laufenden Betrieb halbiert oder verdoppelt. Sync (re-) synchronisiert das entsprechende Deck. Die Deaktivierung dieser Funktion erfolgt via „Shift“.  

Den folgenden vier Tasten ist je ein Layer- und Bank-Switch zugeordnet. Bank schaltet also beispielsweise zwischen den Cuepoint-Triggern 1-4 und 5-8 um (beim 68 gab es vorher nur fünf Trigger), während Layer + Nummerntaste eröffnet, den MIDI-Kanal zu wechseln. Zwei dieser Arbeitsebenen lassen sich rekonfigurieren, und zwar Nummer 3 und 4, die hier mit je acht Cues und Loops voreingestellt wurden, wohingegen die ersten beiden Modi fest definiert sind. Layer 1 bietet je vier Cuepoints und Loops, Layer zwei sechs Sample Slots, wobei die Tasten „7 und 8“ die Sample-Bank austauschen. Das läuft wie geölt und wirkt auf mich stringenter als beim großen Bruder, auch wenn formal nun von fünf User-Groups für die gerahmten Controller am 68er „nur“ noch vier Groups übrig geblieben sind.  

Wer möchte, kann im Übrigen die ganze Bedienoberfläche MIDI-Befehle übermitteln lassen und sogar die angestammte Funktion der Mikrofonsektion deaktivieren, um die frei gewordenen Controller zur Steuerung anderer Parameter wie z.B. die der Effekte zu verwenden.  

Trotz dieser Optionen bin ich der Meinung, dass es Ranes Baby wirklich gut zu Gesicht gestanden hätte, wenn es adäquate Bedienelemente für die Software-FX mit auf den Weg bekommen hätte. Also zweimal vier Encoder nebst einer ausreichenden Anzahl an Tasten zur Aktivierung der FX-Slots oder erweiterte Parameter und die Kanalzuweisung. Eine Kombination aus Mikrofongruppe und Button-Layer ist zwar möglich, aber in meinen Augen nicht das Gelbe vom Ei.  

Effekte

Was die interne Effektsektion angeht, so hat auch diese ein optisches und funktionales Re-Design erfahren. Von den sechs eingebauten Effekten Echo, Filter, Flanger, Phaser, Reverb und Robot haben die ersten drei Vertreter alternative, über die Shift-Taste zugängliche Betriebsarten. Zum Beispiel positives oder negatives Feedback beim Flanger und Hold beim Echo oder ob beim Hoch- oder Tiefpassfilter der obere oder untere Punkt des Sweeps zu den BPM gesynct werden soll. Die Post Fader-Effekte klingen zudem aus. Die „Beat“-Tasten sind einem Joystick gewichen, der den Beat-Multiplier von 1/16 bis 64 Beats festlegt und auch gleich zur Navigation in den Effekt-Presets oder im Mixer-Konfigurationsmenü dient. Die Effekte werden über Direktzugriffstasten eingeschaltet und der Name erscheint daraufhin im Display. Ebenso lese ich hier den BPM-Wert, den Beat-Multiplier und die Effektzeit ab (nebst Balkenanzeige). Die Geschwindigkeit kann manuell auch „eingeklopft“ werden, der Beat-Clock des Kanals A und B entnommen oder aus Serato ausgelesen werden. Um zwischen den möglichen Quellen zu wechseln, bemühe ich den Joystick zusammen mit der „Tap“-Taste. Der „Time“-Encoder kümmert sich unabhängig vom „Beat-Multiplier“ in frei einstellbaren Millisekunden um die relevanten LFO-Zeiten, das Echo, die „Reverb Decay Time“ oder den Robot Pitch Shifter. Das automatische BPM-Auslesen eines anliegenden Audiosignals von CD oder Turntable ist nicht möglich, stattdessen müsste der Vinyl-DJ zur FX-Synchronisation mindestens zweimal auf den „TAP“-Button drücken, woraufhin die ermittelte Geschwindigkeit auf ganze Zahlen gerundet wird. DerFlexFX-Bus lässt sich vorhören, bevor er auf den Master mittels der Taste „On“ abgefeuert wird und verfügt über separate „Level“- und „Depth“-Regler. Was die fest integrierten, durchaus gut klingenden Effekte angeht, gibt es gewiss Pulte, die in quantitativer Hinsicht mehr zu bieten haben, der Handhabung indes und auch der Integration von externen Effektgeräten und Serato-FX lässt sich einiges abgewinnen. Letztgenannte klingen im Übrigen dank Post Fader-Routing sehr elegant aus. Externe FX werden wie gehabt über die rückseitigen Klinkenbuchsen eingebunden, Serato FX über USB A/B, genau wie Dritthersteller-Plugins, für die allerdings noch das Audiorouting festzulegen ist. Wichtig: Der Sixty Four nutzt als USB Send/Returns die Kanäle 9 und 10. Externe DSPs, Interne Effekte und Plugins lassen sich simultan einsetzen, die einhergehende Flexibilität ist enorm. Nachstehend ein paar Audiodateien der internen FX, der Serato Effekte und die vom VST-Filter „Sugarbytes Wow2“, die auf Seratos Software Decks wirken. Wer noch weitere Angaben zu den FX oder deren Funktionsweise benötigt, dem lege ich das umfangreiche Sixty Four Manual ans Herz.

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