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Test
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05.03.2014

Rane Sixty Four Test

32-Bit-Clubmixer für Serato DJ

Alles, was ein Serato DJ braucht?

Vor etwa dreieinhalb Jahren habe ich mich bei der Einleitung meines Testberichtes zum Rane Sixty Eight gefragt, ob es wohl jemals „den perfekten Clubmixer“ geben würde? Dass diese Frage nicht leicht zu beantworten ist, weil die Anforderungen der Klubbetreiber und DJs an ihre Hardware sehr individuell sind, steht sicher außer Frage. Umso mehr, wenn die Herren und Damen „hinter den Tellern“ dem digitalen Auflegen frönen, einhergehend mit speziellen Software-Vorlieben. So kommt es also beim Mixer-Design in dieser Zielgruppe mitunter nicht mehr nur darauf an, ausreichend Kanäle und Schnittstellen für die Zuspieler und das USB-Audiointerface des Protagonisten mitzubringen oder dieses gleich zu integrieren, sondern auch MIDI-Controller direkt am Pult sind ein schlagkräftiges Verkaufsargument. Hardware-Effekte, die ja bekanntlich den Performance-Hunger ihrer Software-Pendants eindämmen könnten, werden ebenfalls gern gesehen. Und dann hat der Rane Sixty Four noch ein ganz besonderes Sahnehäubchen anzubieten, was bisher keine der etablierten Hardware-Manufakturen ihren Mixern spendiert: Zwei USB-Ports für Team-Battles, schnelle DJ-Wechsel oder zur Synchronisation zweier Programme via MIDI-Clock, also zum Beispiel Serato und Maschine oder Live.  

Weitere besondere Kennzeichen: vier Phono/Line-Inputs, zwei Mikrofonkanäle, einer davon mit Phantomspeisung, drei Kopfhöreranschlüsse, ein FlexFX-Loop, Curve Controls und Plug´n´Play Support für Serato DJ. Hatten wir das nicht auch schon beim Sixty-Eight? - Gewiss, doch im Gegensatz zu diesem ist der aktuelle Teskandidat nicht mehr kompatibel zu Scratch Live, sondern nur noch zu Serato DJ. Rane Sixty Four kostet mit 2.565 UVP etwas weniger als der „Große Bruder“ (2.998,33 UVP), doch die „Konkurrenz“ kommt neuerdings nicht mehr nur aus dem eigenen Haus, nein, denn auch Pioneer hat zu einem ähnlichen Preis pünktlich zum Jahreswechsel seinen DJM-900SRT in die Verkaufsregale beordert. Wenn ihr erfahren wollt, wie sich der Sixty Four in der Praxis anstellt und an welchen Stellschrauben Rane noch gedreht hat, dann solltet ihr unbedingt weiterlesen...

Details

Kurz ein paar Worte zur Verarbeitungsqualität und zum Lieferumfang des 2500-Euro-Boliden. Er wird in einer schlichten, grauen Verpackung verkauft, bringt 5,2 Kilogramm auf die Waage und legt mit 36 cm Tiefe, 30 cm Breite und 9 cm Höhe gängige Clubmaße an den Tag. Die Komponenten sitzen in einem solide gefertigten, sicher verschraubten Metallgehäuse, das an der Unterseite einige Belüftungsschlitze und vier Standfüße vorweist, die hoch genug sein dürften, damit ein versehentlich auf dem DJ-Tisch umgekipptes Erfrischungsgetränk nicht seinen Weg ins Innere des wertvollen Pults findet. Die Buchsen am Front- und Backpanel sitzen ordentlich fest, nur die wackelige Miniklinkenbuchse vorne links entspricht in meinen Augen nicht einem Gerät dieser Preisklasse und ich würde es vorziehen, sie nicht zu benutzen. Der Karton fördert neben dem Mixer ganze vier Timecode-Vinyls, vier Timecode-CDs, eine englischsprachige Bedienungsanleitung, ein englisches Serato Manual, zwei USB-Strippen und ein Kaltgerätekabel für das interne Netzteil an den Tag.

Backpanel

Ein Blick auf die Rückseite des Pults zeigt Anschlussvorrichtungen für satte vier CD-Player oder Turntables, deren Eingangsempfindlichkeit sich in Schritten von 0,5 Millivolt (beginnend bei 2,5mV  endend bei 10mV) an die verwendeten Tonabnehmersysteme anpassen lässt. In meinem Fall bedeutet dies 8mV für die verwendeten Ortofon Digitrack Systeme. Daneben residieren zwei verbesserte Massekabelschrauben, allerdings bietet das Backpanel nur noch je einen Aux und S/PDIF-Input, wo zuvor vier jeder Art Platz gefunden haben. Der verbliebene „SPDIF „Session“ I/O hat einen Output zur Seite gestellt bekommen und ist somit als digitale Alternative zum Cinch-Session-Signalpfad zu sehen. Vier fest zugeordnete Aux-Eingänge benötigt man in der Praxis wohl auch eher selten und das somit freie Routing des übriggebliebenen Hilfseingangs ist nicht zu unterschätzen. Jedoch hätte ich persönlich auch nichts gegen eine vollständig flexible Input-Matrix gehabt. Zwei XLR-Kombobuchsen, eine davon zwischen Line- und Mic-Level schaltbar, die andere mit Phantomspeisung gesegnet, dienen vornehmlich dem Anschluss von Mikrofonen.  

Ausgangsseitig bleiben bei mir keine Wünsche offen. Ob der 64er eine professionelle PA, ein paar DJ-Monitore, eine Anlage mit Consumer-Pegel oder alle drei gleichzeitig befeuern soll: XLR (Main), 6,3-Milllimeter-Klinke (Booth), Cinch (Session) und ein digitaler Ausgang machen es möglich. Obendrein treffe ich noch auf je zwei Send/Return-Standardklinkenbuchsen zum Einbinden externer Effektgeräte in den FlexFx-Bus. Maximal zwei Computer beteiligen sich am Gesamtgeschehen via USB, wobei die Zuweisung über die Quellwahlschalter auf der Bedienoberfläche erfolgt.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, erwarten den Anwender hier insgesamt vier Drehschalter, fünf Fader und 35 Drehregler mit teilweise gummierten, etwas kurz geratenen Potikappen. Ihnen ist es zwar nicht vergönnt, auf Metallstiften zu sitzen, sondern auf Kunststoff, aber sie lassen sich, falls man seinen Mixer optisch „aufbohren“ möchte, gegen EQ-Potikappen der Marke Chromacaps (nicht jedoch gegen deren „Filter-Fattys“) austauschen. Dazu gesellen sich zwei Schieberegler und vier Switches sowie 51 „runderneuerte“ Tasten, die ein für mich deutlich verbessertes Spielverhalten an den Tag legen als die „Achtundsechziger-Generation“. Vier für meinen Geschmack etwas dünn geratene Push-Encoder sowie ein Joystick komplettieren die „Knöpfchen-Armada“. Das in sinnvollen Baugruppen arrangierte Layout erscheint mir auf den ersten Blick sorgsam durchdacht und im Hinblick auf das Input-Routing und die MIDI-Controller sogar noch einen Tick schlüssiger.  

Der zentrale Mixer startet mit einem Gain-Regler mit „Unity Gain“ auf 12 Uhr und bis zu 12 dB Anhebung und setzt zur Frequenzmanipulation auf einen musikalisch klingenden Dreiband-EQ mit komplett absenkbaren Bändern, der wahlweise mit 6 oder 12 dB Boost operiert. Das Kombifilter ist mittels Konfigurations-Software in seiner Resonanz einstellbar (wild/mild - und zwar für jeden Kanal unabhängig) und der Lowpass schneidet gegen den Uhrzeigersinn von 20 kHz nach 20 Hz. Von der Mittenstellung aus in die entgegengesetzte Richtung reicht der Cutoff des Hochpassfilters von 20 Hertz nach 20 kHz. Es folgen die Tasten zum Vorhören des Kanals, wobei mehrere Kanalzüge durch gleichzeitiges Drücken der Cue-Tasten aktiviert werden, sowie ein Taster zum Einschleifen des Channels in den FlexFX-Bus. Ein schönes Detail: Nicht nur der Crossfader ist in seinem Öffnungsverhalten regulierbar, sondern auch die 45 Millimeter langen Channelfader sind mit einem Konturregler für die Flankensteilheit der gesamten Truppe, nicht des Einzelkanals bedacht. Eine Invertierung des Regelweges ist nicht vorgesehen, was mich persönlich wenig stört. Alle Flachbahnregler können also eine gemächliche Mixausprägung oder die radikale Punch-Version annehmen. Das finde ich gut, allerdings hätte ich lieber Drehregler anstelle der Mini-Fader gesehen.  

An den Außenflanken präsentieren sich die MIDI-Controller, auf die ich im Praxisteil weiter eingehen möchte. Eine Spalte weiter innen sitzt die Mastering-Sektion mit ihren drei regelbaren Outputs und dem Balance-Regler, sowie die Monitoring-Sektion mit Panning und Split Cue. Linker Hand residieren oben die Mikrofonkanäle mit Level-, Panorama- und Tone-Knopf, darunter die FlexFX-Gruppe samt Display. Im Grunde ist hier vieles beim erprobten Layout geblieben und auch beim Innenleben handelt es sich nach wie vor um ein 32-Bit/48-kHz Interface mit einer allgemein hohen Audioqualität, die uns auch schon beim Vorgänger beeindrucken konnte. Überhaupt erwarten wir bei einem Produkt dieser Preisklasse natürlich einen „astreinen“ Sound und werden nicht enttäuscht: Die Phono Preamps verstärken ziemlich rauscharm, das Mikrofonsignal klingt sehr natürlich und die Ausgänge von Master über Booth bis hin zum Kopfhörer klingen glasklar und machen ordentlich Druck. Der Mixer klingt insgesamt einfach voll und rund! Auch wenn die LED-Meter des Masterkanals bereits die Überschreitung des Headrooms tiefrot signalisieren, kann ich keine Verzerrungen wahrnehmen. Zuguterletzt ist die Option, Kondensatormikrofone anzuschließen, selten genug bei DJ-Mixern und findet in der Redaktion positiven Anklang. Bevor ich nun im Praxisteil auf das Handling mit SDJ eingehe, hier einige Audioeindrücke der EQs, Phono-Vorverstärker, Filter und der beiden Mikrofonkanäle.

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