Eurorack-Module Gear_Synthesizer
Test
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10.09.2019

Praxis

Einschalten

Mit einem kurzen Druck auf den rückwärtigen Power-Knopf flashen sämtliche LEDs auf der Oberfläche kurz grellweiß auf, bevor sie unterschiedliche Farben annehmen. Durch die Multi-Colour-LEDs versprüht der Delta CEP A auf den ersten Blick poppigen Mini-Disco-Charme, aber wir werden im Laufe des Tests noch sehen, dass die vielen unterschiedlichen Farben ihre Bewandtnis haben und eine große Bedienhilfe darstellen.

Swarm Oszillator

Das klingende Herz des Delta CEP A ist der Swarm Oszillator, ein DSP-basierter Oszillator mit bis zu acht Oszillatoren, überblendbaren Schwingungsformen von Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck, bis hin zu vierstimmiger paraphoner Ansteuerung und Tonhöhen-Quantisierung und das Prunkstück des Delta CEP A.

Paraphonie bedeutet, dass der Delta CEP A polyphon gespielt werden kann, weil die Oszillatoren dieses eigentlich monophonen Synthesizers entsprechend der gegriffenen Akkorde gestimmt werden. Diese teilen sich allerdings das gleiche Filter, Verstärker und die Hüllkurven, aber da der Delta CEP A pro Stimme gleich zwei Oszillatoren zu bieten hat, erzeugt er auch im paraphonen Betrieb schöne Schwebungen.

Diese können per Detune dezent oder dissonant eingestellt werden. Spektakulär ist auch die Pitchfunktion, welche die Tonhöhe über den gesamten Notenbereich regelt.  Damit alles harmonisch bleibt, verfügt der Swarm Oszillators über eine Tonskalen-Quantisierung, mit der der Delta CEP A auch bei Steuerung durch den 1V/Oct-Eingang stets nur Tonhöhen im Rahmen einer vorgegebenen Skala spielt.

Die Paraphonic-Taste dient zum Anwählen der beiden paraphonischen Modi, bei denen der Delta CEP A vierfach-polyphon spielbar ist und die Hüllkurve entweder mit jeder neu gespielten Note getriggert wird, oder erst, wenn alle Noten losgelassen wurden. Polyphones Spiel im paraphonen Modus ist natürlich via MIDI möglich.

Paraphonie ist aber nur eine Möglichkeit, dem Delta CEP A via MIDI Akkorde zu entlocken. Via CV/Gate sind ebenfalls Akkorde möglich und zwar über voreingestellte bis zu vierstimmige Chord-Presets, die auch von einem monophonen Step-Sequenzer anspielbar sind. Die Akkord-Presets sind per Drehregler dynamisch abrufbar und sofort darf man in deepen House-Chords oder dicken Rave-Stabs schwelgen. Die Funktion erinnert mich sehr an das gute alte Chord-Memory beim seligen Juno Alpha-1.

Schon allein dadurch ist unser Testkandidat eine wunderbare Ergänzung zu den üblicherweise einstimmigen Tonerzeugern im Eurorackbereich.

Wie groß der Stimmen-Schwarm ist, wird von eins bis acht mit dem Density-Regler angewählt. Monophon gespielt, steht ihm folglich die Kraft der bis zu acht Oszillatoren zur Verfügung. Die Spannungseingänge im unteren Bereich des „Moduls“ modulieren die Wellenformüberblendung, die Tonhöhe des Oszillators, die Frequenz (FM), oder die Zeitlinearität der Wellenform (TLM).

TLM verschiebt den Mittelpunkt der Schwingungsform, indem die Zeit der ersten Halbwelle gestaucht und die der zweiten Halbwelle gedehnt wird, bzw. die erste gedehnt und die zweite gestaucht wird, was bei Rechteck-Schwingungen wie eine Pulsweiten-Steuerung klingt, aber auch bei anderen Wellenformen anwendbar ist.

Tipp:  Wer nur den Swarm Oscillator für sein Eurorack sucht: Mit dem RT-311 bietet Radikal Technologies eine aufgebohrte Version mit bis zu 16 Oszillatoren, die im Test großen Anklang fand. Der Delta CEP A verfügt im Übrigen über einen Digitalbus, der den RT-311 mit ins Klanggeschehen einbeziehen kann. Und nicht zu vergessen: Auch den Delta CEP A gibt es ja komplett als Eurorack-Kandidaten, für 899 Euro, immerhin 300 Euro günstiger als die Desktop-Variante.

Interpolator

Ganz links befindet sich der sogenannte Interpolator. Hier lassen sich allgemeine Einstellungen vornehmen, 40 Presets und acht Snapshots pro Preset speichern und wieder abrufen. Die acht LEDs am linken Rahmen des Interpolators zeigen die belegten Snapshot-Slots an, dienen zur Auswahl von Presets, oder einem der fünf Effekte und visualisieren aber auch den Status des jeweils gedrehten Parameters. Daher ist das alles auf en ersten Eindruck sehr flashy, bunt und zunächst verwirrend, bis man den Farbcode geknackt hat, und sich fortan über die intuitive visuelle Kontrolle freut.

Die Snapshots können aber nicht einfach nur mit dem großen Endlosregler abgerufen werden, sondern wir können auf verschiedenste Weise zwischen den einzelnen Snapshots morphen, per LFO, mit externen Impulsen und via MIDI-Velocity oder Aftertouch. Bei geschickter Snapshot-Programmierung sind sogar synthetische Drumloops möglich. Per Snapshot-Morphing sind radikale Klangverläufe machbar, da bleibt der Synth ganz dem Firmennamen treu. In den Audiobeispielen wird das sehr deutlich.

Im Morph-Modus hat man allerdings keinen Zugriff auf die klangformenden Regler des Delta CEP A. Also schnell mal den Cutoff runterdrehen geht im Morph-Modus nicht. Und beim Wechsel in den normalen Bedienmodus kommt es - je nach aktuell gemorphtem Sound – zu einem mehr oder weniger drastischen Parametersprung auf allen Ebenen.

Obwohl der Delta CEP A sehr 'straight forward' ist, und alle Regler klare Aufgaben haben, ist bei den Verwaltungsfunktionen des Interpolators dennoch Aufmerksamkeit geboten, in welchem Modus man sich gerade befindet. Reagiert der Cutoff-Regler nicht? Vielleicht befinden wir uns ja noch im Patch-Auswahlmenü. Das neue Patch versehentlich nicht richtig abgespeichert? Vielleicht während des Speichervorgangs davon irritiert gewesen, dass Delta CEP A plötzlich den Sound spielt, der ursprünglich auf dem gewählten Preset abgelegt war? Es braucht ein bisschen Zeit, um flüssig mit dem Interpolator zu arbeiten. 

LFO

Der LFO mit fünf Wellenformen und invertierbaren Modulationstiefen ist das einzige „Modul“, das intern nicht mit den anderen Sektionen des Delta CEP A verbunden ist und per Kabel auf ein Ziel gepatcht werden muss. Die Geschwindigkeit des LFO kann frei eingestellt, oder aber zum internen Tempo des Synths synchronisiert werden. Dies wird durch MIDI-Clock, die Spannungseingänge Speed und Sync, oder eingetippte Viertelnoten auf dem Tempo-Button in der Interpolator-Sektion definiert.

CV/Gate

Der schmale Streifen zwischen Interpolator und LFO-Sektion ist das MIDI-to-CV-Interface des Delta und kann praktischerweise auch als CV/Gate-Interface für andere Klangerzeuger genutzt werden, da das MIDI-Signal durchgeschleift wird. Auch können wir hier ein Clock-Signal senden und den Delta CEP A über die frontseitige MIDI-DIN-Buchse ansteuern. 

Mixer, Filter und Hüllkurven

Im Mixer wird den Oszillatoren bei Bedarf noch Noise hinzugemischt. Auch externe Signale können zugeführt und Noise und das Mischsignal herausgeführt werden. Die Filtersektion besitzt mit zwei digitalen (12 Multimode und 24 dB Tiefpass-Transistorkaskade) und einem analogen 12 dB-Multimodefilter) drei Grundfiltertypen.

Es gibt Steuereingänge für Filterfrequenz und Filterresonanz sowie einen Filterausgang. Wird ein externes Audiosignal zugeführt, wird der Noise-Generator abgeschaltet und der entsprechende Regler mischt fortan den externen Input. Die folgende ADSR-Hüllkurve bietet neben den üblichen vier namensgebenden Reglern auch eine Spannungssteuerung für Attack und Decay.

Der Gate-Schalter dient primär als Triggertaste, um dem Delta CEP A auch ohne angeschlossenes Keyboard einen Klang zu entlocken, kann per Shift aber auch dazu genutzt werden, die Hüllkurve einzufrieren und so einen Ton endlos zu verlängern. Eingänge für Gate, Attack und Decay dienen dazu, die Hüllkurve extern zu steuern. Und auch im Hüllkurvenmenü kann die Spannung zur Steuerung anderer Module abgegriffen werden.

Die per Shift-Taste erreichbaren Funktionen VCA Attack und VCA Release dienen dazu, allzu abrupte Klangverläufe zu vermeiden, wenn der Verstärker von der ADSR-Hüllkurve mit der EG/Gate-Taste in der folgenden VCA-Sektion abgekoppelt wurde.

Es wäre natürlich schön, eine zweite Hüllkurve für den Filter zu haben, aber der Ausgang der Envelope-Sektion lässt sich bei Bedarf z. B. auf den Cutoff, oder die Resonanz legen, oder man zieht andere Module zur weiteren Klangformung hinzu.

Der Gate-Taster dient im Übrigen auch zum Triggern des Delta CEP A. So kann auch schnell ohne angeschlossene Tastatur geprüft werden, ob der Synth ein Signal produziert. Ein sehr simples, aber überaus praxisnahes Feature. 

In der VCA-Sektion wird dann ganz banal die Lautstärke geregelt. Der Verstärker kann per Hüllkurve oder Gate gesteuert werden. Schließlich wird der Sound noch per Stereo DSP-Multieffekt abgeschmeckt. Zur Verfügung stehen ein Tempo-Delay, ein Tape-Delay, Chorus, Flanger und Phaser. Die Reglerbelegung ist vom ausgewählten FX-Algorithmus abhängig. Bis zu vier Effektparameter können in den Algorithmen gesteuert werden.

Die FX Sektion kann auch für externe Klangquellen genutzt werden und klingt trotz der wenigen Effekte und Parameter erfrischend radikal, und stellt so manches Stand-Alone-Effektgerät in den Schatten, was bei On-Board-FX-Units von Synthis eher unüblich ist.

Wer sollte sich den Radikal Technologies Delta CEP A näher ansehen?

Den Radikal Technologies Delta CEP A kann man eigentlich jedem ans Herz legen, der eine kompakten, vielseitigen und charakterstarken Synthesizer sucht, der so schnell nicht langweilig wird. Entweder als erste Hardware-Ergänzung zum Produzieren „in the box“, als Einstieg in die Modularwelt, oder als Ergänzung zu einem bestehenden System.

Der paraphone Delta CEP A kann wie ein modularer Synth agieren, deckt aber auch viele andere Bereiche ab, die im Eurorack oft Mangelware sind, allen voran Akkord-Presets, die auch per CV/Gate spielbar sind. Mit dem spektakulären Parameter-Morphing steht eine weitere einzigartige Funktion zur Verfügung. Sehr eigenständig und dennoch sehr flexibel: Mit dem Delta CEP A ist Radikal Technologies ein großer Wurf gelungen.

Radikal Technologies Delta CEP A Sound Demo (No Talking)

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