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Workshop
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23.09.2016

SONGS

Jetzt wollen wir praktisch werden und uns einzelnen Parts, Soli und Riffs aus diversen Songs widmen. Die Auswahl war nicht leicht, denn es gibt Megatonnen an großartigem Material. Dazu kommt, dass Vieles nur im kompletten Zusammenhang klingt. Um euch etwas auf die Materie einzustimmen, kann ich nur empfehlen, einmal in Ruhe ein komplettes Album an einem Stück durchzuhören. Am besten Kopfhörer auf und Augen zu!  

In diesem Workshop geht es um die Analyse der Sounds und Arrangements der Studioaufnahmen. Viele von euch sind selbst Recordingspezialisten, daher werde ich mich nicht nur auf das Nachbasteln mit Effektpedalen beschränken, sondern euch noch den einen oder anderen Tipp zum Einsatz von Recordingsoftware und Plug-Ins geben. Wie das Ganze im wahren Leben auf die Bühne gebracht wird, erfahrt ihr im anderen Special von den Gitarristen der Australian Pink Floyd Show und von Oliver Hartmann, dem Sänger und Gitarristen der der deutschen Pink Floyd Tribute Band „Echoes“.      

WISH YOU WHERE HERE

Der Song gehört zu den „Lagerfeuer-Standards“, aber auch die Aufnahme ist genial. Für solche Klang-Collagen waren Pink Floyd bekannt. Jemand dreht am Radio und sucht nach einem vernünftigen Sender. Dann hört er ein Songintro mit einer 12-Saitigen Gitarre, holt sich seine Steel-String Akustik und spielt mit. Heute ist so etwas am Computer mal schnell zusammengeschnitten, aber mit einer Bandmaschine war das damals noch wesentlich aufwendiger zu erstellen.    

Intro (Gitarre 1)

Das Intro wird mit der 12-saitigen gespielt, es klingt aber auch mit einer 6-saitigen Gitarre ganz okay. Ring- und kleiner Finger können hierbei auf der B- und E-Saite geparkt werden, der Rest wird mit den anderen beiden erledigt. Wichtig ist, dass die Hammer Ons deutlich und in Time rüberkommen. Ganze drei Akkorde werden im Intro benutzt, Em7, G und A7sus4. Und so werden sie gegriffen.

Zwischen den Akkordanschlägen werden dann noch kleine Melodieläufe auf den tiefen Saiten gespielt, und das war’s im Prinzip schon. Vom Anschlag her werden die Akkorde nicht mit hartem, weit ausholendem Strumming gespielt, man schlägt eher leicht an und „rührt“ in den Saiten. Die Akkordanschläge sind unterschiedlich laut und manchmal werden auch nicht alle Saiten, die notiert sind, getroffen - aber das ist erwünscht, sonst würde es statisch klingen. Das Intro wird zweimal gespielt, beim zweiten Durchgang setzt dann die Lead-Gitarre ein. Hier ist das komplette Intro.

Intro (Gitarre 2)

Nach einem kompletten Durchgang von Gitarre 1 setzt die zweite Gitarre mit einem kleinen Solo ein. Von Bendings bis Hammer-On/Pull-Off und Double-Stop-Linien ist hier alles dabei.

GITARRENSOUND

Die Gitarren wurden ganz simpel mit einem Mikrofon vor dem Schallloch aufgenommen. Zielsetzung war ein Sound, als würde der eine Gitarrist aus einem alten (Mono-) Radio zu hören sein und ein anderer davorsitzen und mitspielen. Hier kann man auch schon bei der Aufnahme mit der räumlichen Tiefe arbeiten. Gitarre 1, die später aus dem Radio kommen soll, habe ich beispielsweise mit einem weiteren Abstand (ca. 1m) zum Mikrofon eingespielt, während ich bei der Sologitarre näher am Mikrofon war (ca. 50 cm). Ich bin auch hier bewusst nicht ganz nah herangegangen, um noch etwas natürlichen Raumklang zu erhalten. Nachträglich wurde kein zusätzlicher Hall auf die Gitarrenspuren gelegt.  

Um den typischen „1949er Ur-Omas Radio-Mittelwellensound“ zu erzeugen, kamen einige Plug-Ins zum Einsatz. Los ging es mit einem Bitcrusher, der dem hochwertigen Klang durch Bit-Reduktion etwas Rauschen und leichte Verzerrung hinzufügte. Dann ging es in eine Ampsimulation, um den Frequenzgang noch etwas zu verbiegen (Lautsprecher-Simulation) und ein kleiner Hauch Verzerrung kam dazu. Zu guter Letzt wurden die tiefen Frequenzen komplett mit einem grafischen Equalizer rasiert, das nasale Mittenband bei 2 kHz leicht angehoben und die Höhen bei 7 kHz drastisch abgesenkt. Hier seht ihr die einzelnen Einstellungen der jeweiligen Plug Ins.

Inklusive aller klanglicher Bearbeitungen klingt das Intro dann so. Die Sologitarre wurde lediglich durch einen Kompressor geschickt.

COMFORTABLY NUMB (THE WALL)

In den Top-Ten-Listen der großartigsten Gitarrensolos taucht dieser Song immer wieder auf, mit Recht! Hier hat David Gilmour ein Meisterwerk an Phrasierung und geschmackvoll reduziertem Spiel hingelegt. Das Solo wird über die Akkorde des Verse gespielt und beginnt auf der Originalaufnahme bei 5:05 Minuten.  

Akkorde  

Hier die Akkorde im Detail:

| Bm     | A         | G     Em    | Bm         |

 

Solo

David Gilmour spielt hauptsächlich die Bm-Pentatonik. Was die Bendings betrifft, werden hier alle Register gezogen, vom Halbton bis zum 1 1/2 Ton-Bending ist alles dabei.

Gitarrensound

Der Basis-Gitarrensound sollte schon relativ stark verzerrt sein und ein gutes Sustain aufweisen. Um dies zu erreichen, habe ich bei der Aufnahme einen Distortion (Okko Diablo) mit hohem Gain-Setting benutzt. Dazu kam noch eine leichte Modulation, die der Meister selbst mit dem Electro Harmonix Electric Mistress erzeugte. Bei mir war es der Analog Flanger Modus des Line 6 M9. Hier sind die genauen Einstellungen:

Beim Mix kam dann noch ein Stereo-Delay und etwas Plate-Reverb hinzu, um der Gitarre damit noch mehr räumliche Tiefe zu geben. Ich habe diese beiden Effekte bewusst nicht durch Pedale erzeugt und direkt aufgenommen, denn sonst hätte ich nachträglich nichts mehr an der Abmische verändern können. Für den Bühnensound empfehle ich ein Delay, dessen Einstellungen sich an denen des Plug-Ins orientieren. In den folgenden Grafiken seht ihr die genauen Settings.

Hier das Solo einmal im Bandkontext und einmal ohne Gitarre, damit ihr sofort loslegen könnt.

MONEY (DARK SIDE OF THE MOON)

Auch dieser Song startet mit einer legendären Klang-Collage: den Registrierkassen, die einen gewissen Groove erzeugen. Ich möchte nicht wissen, wie lange damals daran im Studio gebastelt wurde. Dann kommt die markante Basslinie, die auch noch von der Gitarre gedoppelt wird, das Ganze im 7/4 Takt. David Gilmour ist hier mit drei unterschiedlichen Rhythmusgitarren am Start. Die eine doppelt das Bass-Riff, die zweite spielt einen Akkordgroove, und die dritte arbeitet mit einem schnell eingestellten Tremolo-Effekt.   

Main Riff (Gitarre 1)

Das Riff wird leicht abgedämpft gespielt. Ihr solltet den Handballen der rechten Hand ganz leicht am Steg auf die Saiten legen.

Gitarrensound

Der Sound für das Riff ist minimal angezerrt und hat einen relativ stark ausgeprägten Höhenanteil. Das Ganze habe ich mit dem Overdrive-Pedal nachgebaut. Für diese Art Sounds ist der Boss Blues Driver ein guter Partner, denn das Pedal hat genau die schönen, crispen Höhen, die hierfür benötigt werden. 

Akkorde (Gitarre 2)

Das 7/4-Reggae-Feeling liefert die zweite Gitarre, die sich im Panorama auf der linken Seite angesiedelt hat. Wichtig ist, dass der zweite Anschlag im Shuffle-Groove, also leicht verzögert kommt und die anderen beiden Anschläge auf den Zählzeiten ´4´ und ´6´ sehr kurz gespielt werden.

Gitarrensound

Denselben Sound, wie für das Riff, nehme ich für die Akkorde. Es gibt aber zwei minimale Veränderungen: An der Gitarre ist der Halspickup verantwortlich und ich schlage härter an, was zu noch mehr Höhen im Klang führt.

Tremolo (Gitarre 2)

Hier spielt David Gilmour den Ton B in doppelter Form, einmal gegriffen im 4. Bund auf der G-Saite und einmal auf der leeren B-Saite. Angeschlagen wird auf Zählzeit ´1´ - und dann lässt man zwei Takte lang ausklingen. Den Rest erledigt der Tremolo-Effekt.

Gitarrensound

Auch hier wurde wieder dieselbe Einstellung wie in den anderen Beispielen verwendet, diesmal allerdings mit dem Steg-Pickup gespielt. Und so klingt das Ganze (erst einmal) ohne Effekt

Jetzt kommt der sehr hart eingestellte Tremolo-Effekt hinzu.

Und so klingt die Gitarre mit Effekt. Im zweiten Audio könnt ihr das Ganze dann noch einmal im Zusammenhang hören - also alle drei Gitarren mit Band!

US AND THEM (DARK SIDE OF THE MOON)

Bei diesem Song wird ein Anschlagsmuster auf der Gitarre gespielt, das Andy Summers zu seinem Picking von Every Breath You Take inspiriert haben könnte. Die Akkorde klingen bei Pink Floyd aber etwas düsterer.   Intro Das Intro besteht aus vier Akkorden, die auf den hohen drei Saiten gegriffen werden. Zusätzlich wird aber immer noch die leere D-Saite mitgespielt.

Hier ist der Gitarrenpart, nicht mit den Fingern gezupft, sondern mit dem Pick angeschlagen.

Ein Phaser gibt den Akkorden eine gewisse Bewegung. Ohne ihn hätte die Passage nur halb so viel Stimmung und Ausdruck. Für die Aufnahme habe ich das „Original“, den MXR Phase 90 benutzt, Speed Regler auf 11 Uhr, das wars!

Und die Gitarre mit der kompletten Band.

ANOTHER BRICK IN THE WALL Pt.2 (The Wall)

Neben Wish You Were Here ist das wohl der bekannteste Song von Pink Floyd mit einem ebenfalls herausragenden Gitarrensolo, das von manchen Radiostationen leider immer nach den ersten Takten ausgeblendet wird. Aber auch die Rhythmus-Gitarrenarbeit ist nicht von schlechten Eltern - vor allem steckt mehr dahinter, als man eigentlich vermuten sollte. Gilmour hat hier vier Gitarrenspuren aufgenommen, zwei cleane und zwei verzerrte.    

Verse (Gitarre 1)

Das ist der Haupt-Rhythmuspart mit einem durchgehenden, clean gespielten Funky-Pattern. Achtet auf das Wechselspiel zwischen kurz und lang klingenden Akkorden. Die kurzen sind mit dem Staccato-Punkt versehen.

Gitarrensound

Den Song hat David Gilmour mit zwei verschiedenen Gitarren eingespielt. Für die Rhythm-Parts (Cleansound) kam eine Strat zum Einsatz - direkt ins Pult gespielt. Das habe ich dann natürlich auch gemacht! Realisiert wurde das Ganze mit Guitar Rig und weiteren Plug-Ins. Hier sind die Einstellungen für Gitarre 1. Nur ein Kompressor, mehr nicht. Weniger ist eben manchmal mehr!!

Bei der zweiten cleanen Rhythmusgitarre, deren notierter Part als Nächstes folgt, habe ich denselben Sound genommen, allerdings noch mit einem leicht eingestellten Chorus aufgepimpt, um eine wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen.

Verse (Gitarre 2)

Die zweite Gitarre ist fast identisch mit der ersten. Mit ein paar kleinen Variationen der Akkorde wird das Klangbild aber noch ein wenig fülliger und durch die Platzierung der beiden Gitarren im Panorama hart links und rechts gibt es auch noch ein schönes Stereobild.

Verse (Gitarre 3)

Die verzerrte Gitarre unterstützt primär die Gesangslinie und ist im Mix in den Hintergrund gemischt. Auch hier gibt es zwei Varianten, hier ist die Tiefere.

Verse (Gitarre 4)

Die vierte Gitarre doppelt die Linie von Gitarre 3 - allerdings wird in den ersten 14 Takten eine Oktave höher gespielt.

Gitarrensound

Gitarre 3 und 4 wurden mit dem gleichen Plug-In-Setting bestückt. Hier kam eine Boogie Rectifier Simulation zum Einsatz. Den gab es zwar noch nicht, als David Gilmour den Song aufnahm, aber wir wollen ja nicht päpstlicher sein als der Papst selbst. Wenn’s funktioniert, wird es genommen. Zusätzlich gibt es mit dem roten Studioreverb noch etwas Hall, damit der Gitarrensound räumlich nach hinten verlegt wird.

Jetzt könnt ihr euch noch einmal alle vier Gitarren mit Drums und Bass im Mix anhören.

Solo

Jetzt kommt das Meisterwerk Nummer 2 vom Wall-Album. Neben den üblichen Bendings und Overbends kommen auch noch Ghostnotes, durch die ´x´ Notenköpfe gekennzeichnet, an vier Stellen hinzu. Hierbei legt ihr die Finger nur leicht auf die Saiten und schlagt dann an. In Takt 9 und 21 werden drei aufeinanderfolgende Saiten (D, G, B) schnell mit Ghostnotes gespielt, bevor dann die hohe Saite mit einem gegriffenen Ton angeschlagen wird. Das solltet ihr vorher trainieren. Ich benutze für den gegriffenen Ton den Ringfinger, der schon auf der E-Saite bereitliegt, die anderen Saiten werden mit Zeige- und Ringfinger abgedämpft. In Takt 9 sollten die Ghostnotes auch noch ´in time´ als Sechzehnteltriolen gespielt werden.  

Eine weiter knifflige Stelle sind die Bendings in Takt 11. Hier wird am Anfang des Taktes der Ausgangston (´C´) einmal angeschlagen und alle weiteren Tonveränderungen werden mit Bendings ohne weitere Anschläge vorgenommen. Zuerst ein Ganzton (große Sekunde - ´D´), dann zwei Ganztöne (große Terz - ´E´), danach noch einen halben Ton höher (reine Quarte - ´F´), dann wieder zum Ausgangston (´C´) zurück und erneut einen Ganzton (´D´) hochziehen. Auch das sollte in Ruhe exerziert werden. Ein guter Helfer hierfür ist ein chromatisches Stimmgerät, das die verschiedenen Töne anzeigt und euch bei der Kontrolle hilft, ob ihr beim Saitenziehen auch sauber intoniert.

Gitarrensound

Für dieses Solo kam eine Les Paul zum Einsatz - angeblich auch erst ins Pult und mit viel Kompression aus dem Pult zu einem Mesa Boogie Amp. Wahrscheinlich wurde der Cleansound mit dem verzerrten zusammengemischt, und so dieser warme Ton erzeugt, der immer noch etwas dreckig klingt, aber weder verzerrt noch clean. Ich habe mich hier sehr stark an der Variante von Dave Domminey Fowler von der Australian Pink Floyd Show orientiert. Das Signal durchläuft zwei getrennte Wege parallel (Split A und Split B) Im Signalweg A geht es in einen Kompressor (Simulation eines Bodentreters) und dann in einen leicht angezerrten Hiwatt in gemodelter Form. Beim Weg B ist lediglich ein Tube-Kompressor hinzugeschaltet, keine Ampsimulation. Im Mischverhältnis ist der Weg A einen Hauch lauter eingestellt.

Damit die Gitarre noch etwas zusätzlichen Raum erhält, kommt auch hier wieder das Plate-Reverb zum Einsatz. Diesmal mit einer relativ langen Nachhallzeit, aber der Effekt wird dem Gitarrensignal über einen Effekt-Bus im Mixer hinzugemischt, damit die Gitarre immer noch vorne steht.

Zum Abschluss gibt es das Solo einmal mit der Band und dann für euch zum Mitspielen das Playback dazu. 

SHINE ON YOU CRAZY DIAMOND (WISH YOU WERE HERE)

Hier kommt ein Auszug aus dem Werk (Song kann man das nicht mehr nennen), das in verschiedene Parts aufgeteilt ist. Nachdem es mit einem Keyboard-Intro losgeht, setzt im Part 2 (im Original bei 2:09) die Gitarre mit ein paar eleganten, cleanen Licks ein. Das Ganze extrem entspannt gespielt und in freiem Tempo interpretiert. Auch auf der Bühne gibt Gilmour das Zeichen, wenn es in den nächsten Akkord geht.    

Part II (Solo)

Hier sind einige Töne, die mit einem Bending erzeugt werden, bei dem man aber das Saitenziehen gar nicht deutlich hört. Diese Töne müssen vor dem Anschlag schon gezogen werden und sind als ´Pre Bend´ in den Noten gekennzeichnet.

Gitarrensound

Damit man den fetten, schmatzigen Ton mit einem Cleansound erzeugen kann, ist ein Kompressor das Pedal der Wahl. Sehr charakteristisch klingt hier der MXR Dynacomp, der ja auch von Mister Gilmour persönlich eingesetzt wird. Je nach Jahrgang klingen die Teile immer um kleine Nuancen anders, aber im Groben kann man damit nichts verkehrt machen. Ich habe ein herkömmliches Modell von 2004 mit den folgenden Einstellungen benutzt. Um einen wärmeren Klang zu erhalten, habe ich zusätzlich den Tone-Regler an der Gitarre etwas zurückgedreht.

Part III Intro (Gitarre 1)

In Part III setzt die Gitarre mit einem Phaser-Effekt ein (3:54 im Original). Gilmour spielt hier eine coole Akkordbrechung, vier Töne, die mehr Ausdruck und Macht haben als tausend Töne von manch anderen Gitarristen!

Gitarrensound

Hierfür wurde wieder einmal nur ein Pedal benutzt, nämlich der MXR Phase 90 in der 11-Uhr-Einstellung, diesmal mit dem Steg-Pickup der Strat.

Part III Intro (Gitarre 2)

Die zweite Gitarre spielt prägnante hohe Voicings und doppelt die Powerchord Linie von Gitarre 1. Ganz wichtig ist dabei das hektische Vibrato, das mit dem Vibrato-Hebel erzeugt wird. Akkord anschlagen (den Hebel schon in der Hand halten) und dann schnell auf und ab mit dem Vibrato-Hebel.

Gitarrensound

Der Ton ist hier leicht angezerrt und sehr höhenbetont. Dafür habe ich ein Overdrive-Pedal (Boss Blues Driver) mit geringer Gain-Einstellung vor den Amp geschaltet und den Steg-Pickup an der Strat angewählt.

Solo

Im Original setzt bei 5:11 die Leadgitarre mit einem leicht angezerrten Ton ein. Hier das Audio und die Noten.

Gitarrensound

Jetzt kommt die Kombination aus Kompressor (MXR Dynacomp) und dezent eingestelltem Overdrive (Boss Blues Driver), der eigentlich nur für etwas Dreck zuständig ist und gar nicht „richtig“ zerrt. Der Tone-Regler an der Gitarre wurde hier wieder etwas zurückgenommen.

Hier ist das komplette Intro und Solo mit gesamter Bandbesetzung.

HAVE A CIGAR (WISH YOU WERE HERE)

Bei diesem Song vom „Wish You Were Here“-Album geht es mit einem Funky-Gitarrengroove auf den tiefen Saiten los.

Intro Riff

Gitarrensound

Und wieder gibt es den Phaser - ich weiß, was ihr denkt und ihr habt recht: Phase 90 auf 11 Uhr ist angesagt. Diesmal aber mit einer Zwischenposition der Strat, damit das Ganze schön schlank klingt.

Im Original klingt die Gitarre sehr scheppernd im Raum, daher habe ich den Amp mit zwei Mikrofonen abgenommen, einmal direkt am Speaker und dann weiter weg mit einem Abstand von knapp zwei Metern zur Box. Beim anschließenden Bandmix habe ich das Raum-Mikro benutzt und das direkte Signal nur etwas beigemischt (Verhältnis 70:30). Hier hört ihr den Unterschied, danach gibt es das Ganze noch mit Band.

HEY YOU (THE WALL)

Und noch ein Solo aus dem Album „The Wall“. Dieser Song ist eigentlich eher ruhig gehalten und mit Akustikgitarre gespielt, allerdings gibt es da einen fetten 24-taktigen Mittelteil mit verzerrter Rhythmusgitarre und Solo.    

Rhythm Guitar

Das Riff auf der tiefen E- bzw. A-Seite greift die Melodie von Another Brick In The Wall auf. Eine kleine Besonderheit ist, dass der dritte Ton mit einem Halbtonbending gespielt wird. Hier ist genaues Saitenziehen angesagt.

Gitarrensound

Damit es auch fett klingt, habe ich dafür die Les Paul genommen und den Okko Diablo vor den Amp geschaltet. Die genauen Einstellungen:

Solo

Auch hier sind viele gehaltene Bendings angesagt. Alle lang klingenden Töne bekommen Vibrato mit dem Hebel geliefert! Ihr solltet auch hier wieder den Hebel in der Hand halten, und wenn nicht angeschlagen wird, dezent vibrieren ...

Gitarrensound

Jetzt wird es etwas aufwendiger, drei Pedale sind hier am Start. Diesmal habe ich das Delay gleich mit aufgenommen, weil es auch in gewisser Weise zum Spielgefühl dazugehört. Die verzögerten Töne vom Delay erzeugen eine Art künstliches Sustain, das besonders bei den langen Tönen in den ersten acht Takten notwendig ist. Außerdem gibt es noch ein leicht eingestelltes Chorus-Pedal, um den Ton etwas breiter zu machen. Als Zerr-Einheit war der Electro Harmonix Big Muff mit von der Partie.

Auch hier abschließend wieder zwei Versionen, einmal mit komplettem Solo und einmal ohne Gitarre für euch zum Mitspielen.

RUN LIKE HELL (The Wall)

The Edge von U2 ist zwar für seinen typischen Einsatz des Delay-Effekts bekannt und hat das Ganze außerordentlich perfektioniert und stilprägend in der Band eingesetzt, aber auch David Gilmour hat diese Art, mit dem Effekt zu spielen, schon eingesetzt. Unter anderem bei Run Like Hell vom „The Wall“ Album, das ein Jahr vor dem U2-Debüt veröffentlicht wurde.  

Intro (Gitarre 1)

Gilmour spielt hier lediglich einen Ton mit einem klaren Rhythmuspattern, das durch den Einsatz vom Delay noch etwas mehr „Groove“ bekommt. Wenn die zweite Gitarre einsetzt, wird ein zweitaktiges Pattern gespielt. Ist zwar fast identisch, aber genau die eine Note macht es tatsächlich aus. 

Gitarrensound

Hier ist Cleansound mit Chorus (Boss CE-5) und Kompressor (MXR Dynacomp) angesagt. Bei der Aufnahme habe ich einen kleinen (alten) Trick angewandt. Das Delay kam zum Einspielen des Tracks aus dem Mischpult und wurde nicht mit aufgenommen, sondern diente lediglich dem besseren Feeling. Wenn man das Delay beim Abmischen erst hinzufügt, kann man es wesentlich besser dosieren. Allerdings muss man dabei sehr vorsichtig vorgehen, besonders, wenn zwei Gitarrenspuren mit Delay-Effekt am Werkeln sind. Sonst erhält man schnell einen komplett überladenen Sound. Für diesen Song musste die Telecaster herhalten, denn die hat einen noch schlankeren Klang - genau das Richtige für Delay-Attacken mit zwei Gitarren.

Jetzt kommt das Stereo-Delay mit folgenden Einstellungen hinzu. Auf der linken Seite gibt es Achteltriolen und rechts erzeugt das Delay eine Wiederholung in Viertelnoten. Die Gitarre wird im Stereobild leicht links angeordnet sein, deshalb habe ich das Viertel-Delay auf der rechten Seite etwas lauter eingestellt, um so ein klangliches Gleichgewicht zu erzeugen. 

So klingt’s dann mit Delay.

Intro (Gitarre 2)

Die zweite Gitarre spielt Dur-Akkordumkehrungen auf den hohen drei Saiten mit jeweils hinzugefügter leerer D-Saite. In der zweiten Hälfte werden Powerchords gegriffen.  

Wichtig: Die Gitarre ist im Drop D Tuning, das bedeutet, die tiefe E-Saite wird nach D gestimmt (-2)

Gitarrensound

Hier ist zwar ebenfalls die Tele mit dabei, aber ich habe für diesen Part andere Pedale benutzt. Die Akkorde klingen etwas dreckig, also kam mal wieder der Blues Driver mit wenig Gain für eine leichte Zerre zum Einsatz. Der Modulationssound wurde jetzt mit einem Flanger erzeugt, dem Electric Mistress von Electro Harmonix. Der Effekt ist schon etwas dominanter, besonders bei den Anschlägen macht er sich stark bemerkbar und erzeugt einen etwas verschwommenen Klang.

Auch bei dieser Gitarre gibt es noch eine Portion Delay aus der Dose, nachträglich gewürzt sozusagen. Hier haben wir ein Achtel und ein Viertel Delay. Die Gitarrenspur steht im Panorama leicht auf der rechten Seite, deswegen habe ich den Effekt auf der linken Seite etwas im Level angehoben.

So klingt die zweite Gitarre mit allen Effekten, danach gibt es das komplette Intro mit der Band.

Vielen Dank wieder mal an Martin Geiberger für das Einspielen der Drums auf den Band-Tracks!

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