Test
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22.12.2020

Praxis

Nächste Aktion: direkt mal zu den Herstellerwebseiten gebrowst, die aktuellen Programmversionen laden und installieren. Rekordbox dj Version 6.4 wirft 3030 MB in die Waagschale, von MacOS 11 ist unter den „Hardwareanforderungen“ noch nichts zu lesen, hier heißt es 10.3 – 10. 5. PCs benötigen eine 64 Bit Version von Windows 7, 8.1 oder 10.

Serato DJ Pro 2.4.3 hat eine Download-Größe von etwa 127 MB und erfordert eine 64 Bit Version von MacOS Catalina, Mojave oder High Sierra bzw. Windows 10 sowie eine i3 bis i9 CPU mit mindestens 1,07 GHz Taktrate und 4 GB Arbeitsspeicher. Von Big Sur und M1 Chips aktuell noch keine Spur.

Die Software ist installiert und die erste Runde gebührt rekordbox dj. Der Controller wird automatisch erkannt. Das integrierte 0-In/4-Out Audiointerface arbeitet mit 16 oder 24 Bit und 44,1 kHz.

Beim ersten Start fragt rekordbox noch nach einer Online-Verbindung und Auswahl des rekordbox dj subscription plans. Diese kosten je nach Ausbaustufe. Aber mit dem Controller angestöpselt bekommt man die Software wie bereits erwähnt freigeschaltet, sodass man ohne Abo arbeiten kann.

Library

Der Zugriff auf den Musik-Datenbestand der Software (hier findet ihr den Testbericht zu rekordbox 6) erfolgt über einen dedizierten Navigationsbereich oberhalb des 4-Kanal-Mixers. Für jedes Software-Deck steht eine separate Ladetaste zur Verfügung, gleich passend über den Kanalzügen arrangiert.

Gebrowst wird mittels Push-Encoder, dessen integrierte Button-Funktion euch tiefer in Ordner-Hierarchien eintauchen lässt bzw. Zurück geht’s via Back-Taste. Über Shift lassen sich einzelne Shortcuts auswählen, ferner kann in der Browser-Sektion ein Titel für die temporäre Playliste getaggt werden und die Ansicht umgeschaltet werden, praktisch. Auch Instant Doubles sind möglich, also das Duplizieren von Tracks an gleicher Position in ein anderes Deck 

Prompt landen zwei Tracks in den Decks, um einen ersten Probelauf zu starten und dabei auch dem Klang auf den Zahn zu fühlen. Klar im Sound und ohne Störgeräusche geben sich Master und Booth und der Kopfhörerausgang ist laut und transparent im Klang. Das gefällt, keine Beschwerden an dieser Stelle, lediglich für den Mikrofonkanal hätte ich mir eine Talkover- oder Mute-Taste gewünscht. Ebenso, dass man das Signal mit Effekten anreichern kann.

Jogwheels und Jog-Cutter

Imposante Handräder mit 206 mm Durchmesser: Die seitengeriffelten Jogwheels nehmen fast die Hälfte des Decks ein und sie besitzen eine Positionsanzeige bzw. einen Nadelindikator. Diese Teller sind eine echte Bereicherung für den DDJ-FLX6 und es macht sehr viel Spaß, damit zu arbeiten, denn sie reagieren sehr gut und das Laufgefühl erinnert an das große Vorbild CDJ-3000. Zwar kann man den haptischen Widerstand nicht einstellen, aber der ist für meine Begriffe gut gewählt und das ist halt auch immer etwas Geschmackssache.

Kommen wir als nächstes zu der Jog-Cutter-Funktion, mit der ihr automatische Scratch-Salven abfeuern könnt, und zwar durch simples Vor- und Zurückbewegen des Handrads ohne Crossfader-Einsatz. Das funktioniert mit dem laufenden Track (auf dem jeweilig aktiviertem Deck, auf dem zweiten wird das Feature dann deaktiviert) und auch mit eigenen Samples, die DJ mittels „Sample-Scratch“ Pads direkt auf die Decks laden kann. 

Insgesamt sind sechs Scratch-Bereiche am Jogwheel vorhanden bzw. werden die Scratches von unterschiedliche Zonen des Jogwheels ausgelöst, nachstehend als Audiodatei aufgezeichnet. Bei mehr als 150 BPM wird das Scratch-Tempo auf Wunsch automatisch halbiert. Für den Jog-Cutter lässt sich auch festlegen, ob der Scratch am letzten abgespielten Hotcue einsetzen soll, ansonsten wir der Standard-Cuepoint verwendet.

Mixer

Die Line-Fader sind mit 40 mm etwas kürzer als beim DJM-Mixer oder manch anderem Controller, aber sie laufen, ohne zu schleifen und auch der Crossfader ist leichtgängig, lässt aber haptisches Einstellwerk für die Fader-Kurve vermissen. Kann man aber in der Software anpassen. Fader-Start ist ebenfalls möglich, indem ihr die Shift-Taste gedrückt haltet. Neben Cross- und- Linefader-Curves können in den Preferences die Equalizer-Einstellungen angepasst und das Kombifilter mit einer anderen Funktion belegt werden (Crush, Noise, Dub Echo u.v.m.).

Für die Color-FX stehen an der DJ-Konsole allerdings weder Parameter-Regelung noch On/Off-Schalter bereit, hier ist ein Griff in die Software nötig. Ebenso für den Wechsel eines FX!

Loop-Sektion

Freunde elektronisch verwurzelter Tanzmusik hätten sicher nichts gegen Loop-Encoder einzuwenden gehabt, mit denen man einen Autoloop setzt und diesen auch gleich über eine Drehung nach rechts oder links vergrößert oder verkleinert, aber auch mit dem Pioneer-Konzept ist natürlich schnell ein 4-Beat-Loop angelegt und gerade zum Einfangen längerer (nicht vordefinierter) Loops, Off-Beat-Loops oder Vocal Passagen sind Tastenkombinationen nicht schlecht, besonders auch weil hier die Start- und Endpunkte der Wiederholschleifen mit dem Jogwheel angepasst werden können. Eine Reloop/Exit/Active-Funktionstaste und bereits erwähnte Cue/Memory-Loop-Tasten runden das Angebot ab.

Merge-FX

Hier finden sich diverse Presets für Build-Up/Breakdown-FX, die eine Kombination aus mehrerer Effekten darstellen, beispielsweise vier vordefinierte „Riser“ und vier „Drops“. Das Beste daran: Ihr könnt diese selbst variieren. Dann einfach Taste drücken, Controller drehen, der umgebende LED-Ring zeigt die Intensität an. Noch mal Taste drücken. Drop. Das hat was. So könnt ihr auf einfache Weise in den nächsten Track überleiten. Auch wenn zwei Tracks aus unterschiedlichen Genres kommen oder sich nicht gut beatmixen lassen, kann man damit spannende Übergänge definieren. 

Eigene Effektkombinationen definieren

Für die Merge-FX lassen sich laut Hersteller Tausende eigene Effektkombinationen festlegen, die aus den einzelnen Untergruppen bestehen: Build FX (10 unterschiedliche FX), Build Sample (12 Stück) und Release FX (14 Stück). Zu guter Letzt lässt sich auch noch ein zusätzliches Drop-Sample angeben. Vorgaben wie Horn, Scratch und Rewind sind dabei, doch ihr dürft auch noch eigenes Material zufüttern bzw. Samples aus dem Sample-Player hinterlegen (4 x 8). Dazu eine Bilderstrecke und einige Audios.

Ich würde mich ehrlich gesagt nicht wundern, wenn wir bald ein neues Effektgerät von Pioneer DJ zu sehen bekämen, das diese Merge-FX-Features mitbringt, vielleicht einen RMX-2000?

Zahlreiche Effekte findet man auch auf den …

Performance Pads

… bzw. dem Pad-FX-Modus. Diese können frei zugewiesen werden. Triggern lassen sich die Tasten gut, anschlagdynamisch sind sie nicht und die acht aufgedruckten Modi lassen sich eigentümlicherweise noch nicht via rekordbox dj Pad-Editor variieren. Bitte nachreichen. Am DDJ-FLX6 sind die Tasten schon etwas klein ausgefallen. Sie sind obendrein nur blau beleuchtet statt RGB, das war beim DDJ-SX(1) oder auch beim XDJ-RX(1) sowie dem DDJ-SP(1) nicht anders, vielleicht kommt ein FLX6-MK2 dann mit RGB-LEDs.

Neu hinzugekommen ist beim DDJ-FLX6 das „Sample Scratch“ Feature. Damit lassen sich vordefinierte Samples bzw. Sounds aus dem Sampler direkt in die Decks laden und scratchen, wobei hier auch der Jog-Cutter genutzt werden kann. Mit der Dual-Mode-Funktion könnt ihr gleich zwei Decks oder Samples scratchen (bzw. Decks steuern) Sample-Loading deaktiviert die Jog-Cutter-Funktion.

Beat-FX

Die Beat-FX Abteilung bietet den Zugriff auf sechs vom Nutzer in der Software voreingestellten Effekte (quasi zweimal drei Channel-FX), die per Taste durchgeschaltet werden und auf den gewünschten Kanal oder den Master wirken können. Das Effekt-Timing lässt sich ebenfalls mittels zweier Tasten vorgeben, das Tempo kann automatisch ausgelesen oder eingetappt werden.

Der Pioneer-typische große FX-On-Button aktiviert die Beat-Effekte. Ein griffiger Regler steuert das Mischungsanteil zwischen Effektsignal und Original. Mittels Shift-On lassen sich hier auch noch die Release-FX (Echo, Vinyl Break und Backspin) abfeuern. So sind sehr abwechslungsreiche FX-Kombis zwischen Beat und Channel-FX möglich. Die LED-Statusbeleuchtung für die Beat-FX empfinde ich als ziemlich gelungen.

Was rekordbox dj angeht, bekommt man mit dem FLX6 eine würdige Kommandozentrale. Der Preis von 599,- Euro ist indes nicht ohne, was zum Teil auch daran liegen mag, dass neben rekordbox auch Serato nebst Gutscheinen im Paket ist. Dennoch kostet das Gerät gut 200,- Euro mehr als beispielsweise ein Traktor Kontrol S3 von Native Instruments.

Serato DJ

Im Grunde sind die Steuerungsmöglichkeiten innerhalb Serato DJs ähnlich konzipiert, aber nicht vollständig identisch gemappt und ich muss gleich vorweg sagen: Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen (Dez. 2020) würde ich persönlich den FLX6 mit rekordbox nutzen und für Serato einen anderen Controller verwenden. Zum einen stimmen die Pad-Belegungen nicht mit den Aufdrucken überein. Auch der Jog-Cutter kann in meinen Augen nicht wirklich mithalten. Die "Serato-Merge-FX" bleiben Längen hinter Pioneer zurück. 

An dieser Stelle möchte ich dennoch die vorgegebenen Effektkombinationen für Serato DJ nicht unterschlagen:

Preset 1: Time Freeze + Auto Loop Roll + Tempo Increase/Decrease - Braker, Tape Echo on release

Preset 2: Noise Sweep, Epic Reverb, Looper, Epic Verb Drop + Auto Loop Roll - Echo Out on release

Preset 3: Noise Sweep, Flanger, HPF, Side Delay - Echo Out on release

Preset 4: Combo Filter, Space Verb - Echo Out on release

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