Hersteller_Pioneer Gear_DJ-Controller 2013_Jahresrueckblick
Test
5
20.12.2012

Praxis

Im Volksmund heißt es …

… erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Dabei ist die Installation der Software, die auch den Audio-Treiber enthält und die anschließende Plug-and-Play-Inbetriebnahme des Gespanns nicht wirklich arbeitsaufwändig. Wie immer folgt als Erstes ein Ausflug zur Website, weil manchmal bereits eine aktuellere Software vorliegt als im Herstellerpaket – und so ist es auch in diesem Fall. Nach dem Download von 28 Megabyte Mac-Installer, der nach dem Entpacken rund 80 MB auf die Platte schaufelt, richten sich die Beteiligten beim ersten Programmaufruf automatisch ein. Mit dem Offline-Player lässt sich ein Set auch ohne DDJ-SX-Hardware planen, also Plattenkisten packen, Loops und Cues speichern und ausprobieren oder SDJ einfach als Jukebox nutzen, die die primäre System-Soundkarte zur Audioausgabe wählt. Bedauerlicherweise kann Serato DJ allerdings nichts mit der SSL oder Itch Library anfangen, daher gilt es, den gesamten Bestand neu zu analysieren.

USB-Audiointerface

Als minimale Betriebsumgebung nennt der Hersteller Mac OSX 10.6.8 und einen Core2Duo mit 2 GHz, 1GB RAM für 32 Bit-Systeme. 4 GB RAM und 2,4 Gigahertz sollen es bei 64 Bit sein. Für Windows 7 gilt das Gleiche, nur dass unter der 32-Bit-Version 2 GB RAM eingefordert werden.  

Das von Pioneer verbaute USB-Audiointerface weist sich am Mac als 4-In/2-Out aus und arbeitet mit einer Sampling-Frequenz von 44,1 Kilohertz bei 24 Bit. Das Interface taktet von Haus aus mit 512 Samples ein (10 ms). Für den Test habe ich zwei Millisekunden gewählt. Es klingt gut, keine Frage, aber ehrlich gesagt hätte ich in dieser Preisklasse mehr USB-I/Os erwartet.  

Wenngleich das für den Live-Betrieb unter Serato mit seinem Direct-Through-Modus zunächst weniger interessant scheint, ist dies für andere Programme durchaus anders zu bewerten. In Traktor beispielsweise muss ich im internen Modus mixen (Master/ Preview), was für die vier Decks grundsätzlich kein Problem darstellt, jedoch funktionieren die Input-Schalter nicht von Haus aus wie in Serato und das Traktor-Audiosignal des betreffenden Players bleibt hörbar, wenn ich auf Phono umstelle. Vier externe Zuspieler als Live-Input einzuschleusen ... ist nicht möglich. Außerdem bietet die USB-Soundkarte nur einen Output: den Master. Doch auch für Serato hat die Umsetzung Konsequenzen, denn die von außen zugeführten Audioquellen können nicht im Mix verewigt werden, was auch für das Mikrofonsignal gilt. Hier wurde für mich am falschen Ende gespart.

Serato DJ

Serato DJ tritt die Nachfolge von Itch an und dürfte Stammlesern sicherlich ein Begriff sein, vor allem, wenn sie sich bereits mit dem Vorgänger auseinandergesetzt haben. Im Wesentlichen kann man SDJ als ein um MIDI-Learn erweitertes Itch im Scratch-Live-Look definieren. Oder als aufgebohrtes Intro. Oder als Scratch Live ohne Timecode-Steuerung. Verwirrt? So ist das wohl, wenn unterschiedliche Software-Varianten in Kombination mit unterschiedlichen Hardwarecontrollern unterschiedliche Funktionen aus einem Programm herauskitzeln sollen. Muss nicht so sein? Mag sein, doch hier und jetzt ist es nun einmal so. Bedauerlicherweise gibt es Itch-Controller (A&H Xone:DX, Denon HC-5000), die laut aktueller Liste nicht in den Genuss des Serato DJ „Upgrades“ kommen und wohl beim aktuellen Stand verharren werden (Ausnahme Patches).  

Der jüngste Spross der Serato-Familie ist ein rein auf den Betrieb mit einem kompatiblen MIDI-Controller ausgelegtes DJ-Programm. Es bringt zunächst einmal die Basiswerkzeuge für eine Mixsession mit, also Funktionen zur Musikverwaltung mit iTunes-Integration, virtuelle Plattenkisten sowie Such- und Sortierfilter. Vier virtuelle Player mit Wellenformgesamtansicht und horizontaler oder vertikaler Ausschnittbetrachtung stehen zum Abspielen der digitalen Audiodateien zur Verfügung, die sich über manuelles und automatisches Beatmatchen synchronisieren lassen. Grid-Werkzeuge sind ebenfalls mit an Bord. Dazu gesellen sich kreative Features zur Track-Verwurstung, wie automatische und manuelle Loops, acht Hotcues oder Loopspeicher, der SP6 Sampleplayer mit bis zu vier Bänken à sechs Samples, zehn Software-Effekte in Einzel- und Gruppenschaltung sowie fünf Performance-Modi (Hotcue, Slicer, Roll, Loop, Sampler).  

Mixing

Im Standalone-Betrieb können zwar vier CD-Einheiten genutzt werden, jedoch maximal zwei Plattenspieler – das ist von den neueren Pioneer Mixern hinlänglich bekannt. Ansonsten gestaltet sich das grundsätzliche Mixen kaum anders als an einem Clubmischer, wobei vielleicht etwas verwirrend ist, dass die Kanäle nicht von eins bis vier durchnummeriert sind, sondern der Einteilung drei, eins, zwei, vier entsprechen. Die Anordnung in der Software ist auf die Screen-Seiten verteilt (1/3 links und 2/4 rechts) – Deck 1 liegt links über dem Deck 3. Das ist vor dem Hintergrund sinnvoll, dass ein DJ bei Verwendung zweier Decks mit den beiden zentralen Kanalzügen arbeiten kann, und wenn man mit einem Kollegen im Team-Battle aufspielt, kann jeder auf einer Seite fuhrwerkeln, denn das Softwarelayout entspricht bei vertikaler Wellenformanordnung exakt der Kanalverteilung an der Hardware. Im horizontalen Layout hingegen sind die Wellenformen mit den Beat-Rastern sind 1-2-3-4- gestapelt.

Das Browsen in der Bibliothek und Beladen der Decks geschieht über einen Endlosdrehregler mit Klick-Funktion. „FWD“ und „Back“ manövrieren auch durch tiefere Ordnerverschachtelungen komfortabel. Vor allem, wenn ich die Wellenformen zugunsten einer vergrößerten Playlist-Ansicht schrumpfe, wird es in der Crate recht übersichtlich. Obendrein sortieren die „Load“-Tasten nach Song, Artist, Album, Track und BPM. Ein weiteres interessantes Feature der Pioneer DDJ-Controller ist „Strip-Search“ zur Navigation in einem Song über einen berührungsempfindlichen Ribbon Controller, der hoch über der Decksektion thront. Der gesamte Titel wird quasi auf die Länge des berührungsempfindlichen Streifens übertragen, und der DJ kann durch Aufsetzen und Bewegen des Fingers mehr oder minder gezielt in der Wellenform navigieren.  

Bei der automatischen Synchronisation mittels „Sync“-Knopf stellt sich das Mastertempo auf das zuerst „gesyncte“ Deck ein. Zu diesem werden dann alle weiteren Player angeglichen. Es gibt keine zusätzliche Master-Clock mit optionaler Tempoangabe. Auch ein Tempo-Tap-Button ist nicht zugegen. Schade. Etwas unglücklich gelöst finde ich die Deaktivierung der Synchronisation mittels Shift. Ferner wäre es mir lieber, man könnte adhoc einen neuen Taktgeber deklarieren, ohne vorher die beteiligten Decks zu trennen.  

Die 100 Millimeter langen Pitchfader sitzen neben dem Jogwheel und ändern das Tempo standardmäßig um acht Prozent in beide Richtungen mit Feinabstufungen von einem Zehntel. Die Bandbreite kann über „Range“ auf 16 oder 50 umgeschaltet werden. Zwei Pfeilindikatoren zeigen bei einem Deckwechsel Abweichungen zur vormaligen Position des Pitchfaders an, sobald dieser bewegt wird (Pick-Up-Mode). Obwohl manuelle Pitch-Vorgänge am DJ-Controller aufgrund der stetig verbesserten Automatch-Funktionen durchaus seltener werden, leisten sie doch gute Dienste, wenn die rechnergestützte Synchronisation aufgrund einer Fehleinschätzung durch die Software versagt. Entweder hilft es dann, das Beatgrid manuell anzupassen, nach Gehör einzupitchen oder das Tempo per TAP-Button einzugeben, was hier wie gesagt leider nicht möglich ist.  

Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn bei Tempoveränderungen keine unliebsamen Tonhöhenschwankungen auftreten. Das Heilmittel heißt beim DDJ-SX Keylock und startet ausgehend von null Prozent Pitch einen Timestretcher/-Kompressor, der bis etwa vier Prozent ohne auffällige Artefakte interpoliert. Dazu die Audiobeispiele:

Die Taste „Slip“ schaltet den gleichnamigen Modus scharf. Nun wird beim Ausführen eines DJ-Manövers wie Scratchen oder bei Loops der Track im Hintergrund unhörbar weiter abgespielt und setzt beim Beenden der Aktion wieder dort ein, wo er unter normalen Umständen auch angelangt wäre. Der Vorteil: Die Aktionen des DJs bleiben in der Regel im Takt. „Reverse“ schaltet den Rückwärtsgang ein, „Censor“ den geslippten Reverse zum Überspringen von Passagen, wie es der Name vermuten lässt.  

Performance Pads

Neben der beleuchteten Transportsektion residiert wohl eine der Hauptattraktionen des DDJ-SX: die anschlagdynamischen Performance-Pads. Anders als beim Vestax VCI-380 ist die Pad-Sektion nicht über, sondern unter den Tellern beheimatet, ähnlich wie es beim Novation Twitch seinerzeit der Fall war. Welche Anordnung zu bevorzugen ist, ist sicherlich Geschmackssache. Mit den Pads kann der DJ je einen von vier verschiedenen Performance-Modi (Hot Cue, Slicer, Roll und Sampler) dirigieren, die übergeordnete horizontale Tastenansammlung bestimmt die Arbeitsweise. Warum Pioneer ausschließlich auf blaue LED-Beleuchtung statt RGB setzt, ist mir ein Rätsel. Einerseits, weil ich es am Vestax übersichtlicher fand, den Modus auch an der Farbgebung abzulesen, andererseits, weil eine potenzielle Verwendung mit Traktor und den Remix-Decks, die ja ab V3 offen sein sollen, sinnvoller gewesen wäre. Ich denke jedoch, da kommt beizeiten was auf den Leib Geschneidertes für den Trecker nach.

Hotcue-Mode

Die Matrix-Tasten im Hotcue-Modus dienen zum Anlegen von acht Schnellstartmarkierungen. Belegte Plätze leuchten blau und lassen sich mittels „Shift“ jederzeit löschen. Serato DJ macht beim Triggern eines Hotcues nicht von einer Taktquantisierung Gebrauch und beim Anlegen nicht von einer Ausrichtung am Beatgrid, daher sind im Live-Einsatz ein gutes Gehör und eine gute Portion Fingerspitzengefühl erforderlich. Für Scratch-Marker sehe ich hier keine Probleme, beim Cuejuggling ist das schon anders als unter Traktor. Doch es gibt noch ein Hintertürchen – und zwar „Hotcue Slip“. Ist zwar nicht dasselbe, da man nach Loslassen der Taste nicht im Flow dort weiter spielt, wo man gerade mit dem Cuepoint hingesprungen ist, sondern an einer Stelle (die hoffentlich in den Kontext passt) landet, wo man ohne Juggling gewesen wäre. Der Slicer als Workaround wäre mir, was die Positionierung der Marker respektive die Länge der einzelnen Slices im Titel angeht, nicht flexibel genug. Loops können im Übrigen nicht auf die Hotcue-Pads gespeichert werden.

Sample-Mode

Der SP6 zieht mit sechs Slots um die Häuser, welche auf die ersten sechs Pads verteilt sind, die wiederum zum Triggern der Audioschnipsels dienen, wahlweise mit der in der Software voreingestellten Lautstärke oder per Anschlagdynamik gemäß vier optionaler Kurven samt Aftertouch. Wäre das nicht auch etwas für Effektverschachtelungen? Ja, doch die Mapping-Philosophie lässt dies hier nicht zu. Die Buttons sieben und acht springen zur vorherigen oder nächsten von vier Bänken (A, B, C, D), was die Wiedergabe unglücklicherweise stoppt. Keine Spur von „Latching“. Ich kann also auf maximal 24 Dateien von der Hardware aus zugreifen, eine Bank von sechs Samples simultan und synchronisiert abfeuern, wobei die Synchronisation für meine Begriffe Potenzial nach oben hat, vor allem in den Disziplinen Quantisierung und Offset. Die einzelnen Sampleslots kann ich zwar hinsichtlich Abspielmodus, Pitch, Sync, Keylock und anderen Parametern verändern, jedoch nicht von der Hardware aus, was aufgrund der Komplexität absolut vertretbar und in Anbetracht des direkten Konkurrenten Kontrol-F1 über kurz oder lang ein Sampleboard auf den Plan rufen sollte. War da nicht mal ein „Mockup“ von Numark im Umlauf? Gut, Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden, aber wenigstens das Befüllen der Slots hätte doch drin sein können. Zur Synchronisation des Samplers ist anzumerken: Alle Decks können untereinander zu einem Taktvorgeber (First in) synchronisiert werden oder zu einem Track-Deck und dieses wiederum zum Sampler, sodass am Ende alles im Gleichschritt marschieren kann. Aber das erfolgt leider nicht immer, wie man es vielleicht gern hätte. Im Sample-Slot läuft nämlich ein Taktmeter mit vier Schritten durch. Habe ich nun ein gelooptes, längeres Sample in einem anderen Slot (sagen wir mal acht Beats lang) passiert beim Neu-Triggern folgendes: Fällt mein Anschlag in die erste Hälfte des Taktmeters, setzt mein Sample bei Beat eins oder zwei ein. Fällt er jedoch in die zweite Hälfte, setzt es in meinem Fall (8-Beat-Sample) bei Beat sieben und acht ein, nicht bei Beat drei oder vier. Auf dem Computerbildschirm lassen sich die erweiterten Sampler-Features zugunsten eines übersichtlichen „Simple Modes“ ausblenden.

Loop-Roll

In der Betriebsart „Loop-Roll“ rufen die Pads kurzzeitig intervenierende, taktsynchrone Schleifen auf, wobei der Titel im Hintergrund gepuffert wird und nach Loslassen des Pad wieder „normal“ einsetzt. Die Range reicht von 1/32 nach 4/1 bis hin zu ¼ nach 32 und wird über die Parametertasten gesetzt. Rolls können über die Parametertaste auch gehalten werden. Cool.

Slicer

Der Slicer kann auf zwei unterschiedliche Arten ins Geschehen eingreifen. Standard: Im Moment des Auslösens wird ein Track-Ausschnitt, genannt „Domain“ (mögliche Längen: 2, 4, 8, 16 Beats), in acht gleich lange Teilabschnitte (Slices) nach vorn unterteilt und kann über die Pads neu zusammengespielt werden, wobei ein Lauflicht an der Hardware die originäre Position innerhalb der Domain anzeigt. Eine Domain der Länge zwei arbeitet also mit Viertelnoten, und im 4/4-Takt landet jeder Einsprungspunkt exakt an einem Beat. Im Hintergrund läuft dabei die ursprüngliche Wiedergabeposition ungehört weiter, bis keine der Taste mehr gedrückt wird und der Titel zur Originalposition innerhalb der Domain springt. Für den Fall, dass der Positionsmarker das Ende der Domain erreicht, ohne dass eine Aktion erfolgt ist, wird der Endpunkt als neuer Anfangspunkt deklariert. Die Domain wird somit um ihre voreingestellte Länge verschoben und on-the-fly neu zerschnitten. Und jetzt kommt aber der Clou an der Geschichte: Die Quantisierung des einzelnen Patterns, die Wiedergabelänge und Verzögerung beim Einstarten eines Samples kann in vier Schritten von 1/8 bis 1 Beat frei eingestellt werden und zwar Deck-unabhängig, was besonders zur Geltung kommt, wenn die Player im Kombi-Modus simultan gesteuert werden. Es ist folglich möglich, eine 4-Beat-Domain mit 1/4Q auf Deck-A mit einer 8-Beat-Domain und 1/8Q Stakkato auf Deck-C zu kombinieren und mit einem Tastendruck bei aktivierter Dual-Deck-Funktion abzufeuern. Rock on! 

Betätige ich nun den „Slice“-Button ein zweites Mal, wird die Lauflichtdarstellung invertiert und die Domain wandert nicht automatisch weiter, sondern wird geloopt. Im Mix mit einem zweiten Song besteht hier die Gefahr, dass bei sehr kleinen Quantisierungen – abhängig vom Timing des Anwenders – ein Verzögerungseffekt oder Off-Beats auftreten. Was mir in Zukunft beim Slicer gefallen würde, wäre die Möglichkeit, Domains und Slices im Vorfeld frei anzupassen und zu speichern oder im laufenden Betrieb in variabler Länge zu verschieben. Letztgenanntes täte auch den Loops gut.

Loop-Sektionen

Rechts unten ist der Schleifenbaukasten beheimatet. IN und OUT setzen handgemachte Einsprungs- und Endpunkte und Auto-Loop einen am Beatgrid ausgerichteten Loop voreingestellter Länge. Entsprechend den Beschriftungen teilen und verdoppeln die nachfolgenden beiden Tasten die Dauer oder versetzen den ganzen Audiozyklus äquivalent nach vorn oder hinten. Cool, aber leider sind die Längen aneinander gekoppelt. Bedeutet: Ich kann einen Vier-Beat-Loop nicht um zwei Beats versetzen oder einen 1/8 Loop um acht Takte. Schade. Ist ein Loop aktiv, können dessen Flanken mit dem Jogwheel verschoben werden (durch Betätigen von IN/Out), was auch für einen Auto-Loop gilt. Besonderes Schmankerl: „Slot Select“ schaltet durch maximal acht vorab oder live gespeicherte Schleifen, die per „Reloop“ reaktiviert werden. In der Software kann ich mich für ein Loop/Hotcue Anzeigeverhältnis von 8:0, 4:4 oder 0:8 entscheiden. Wir wandern mit dem Auge nach oben und sehen die Effektsektionen.

Effektsektionen

Aus der Feder der beliebten iZotope-Schmiede stammen brandneue Effekte, namentlich Phaser, Flanger, Tremolo, Repeater, Reverser, Braker, Crusher, Delay, Echo, Reverb, HPF, LPF. Je einer kann anhand von maximal drei Attributen auf das Audiosignal einwirken. Dazu steht ein separater FX-Timing-Encoder zur Verfügung, der auf den ausgewerteten BPM basiert. Der FX-Mix geschieht per Dry/Wet-Regler. Für die Effektparameter stehen ebenfalls Drehregler bereit. Ein Abhören der Effekte kann nur auf dem Master Bus erfolgen. Preview im Channel? No way! Wann sich drei FX gemäß Aufschrift auf dem DDJ-SX in Reihe schalten und dann in einem Kombi-Parameter dirigieren lassen, ist noch unklar, doch laut Herstellerangaben sind zukünftige Updates angedacht. Nachstehend habe ich einen Auszug aus dem Repertoire für euch aufgezeichnet. Obwohl die Serato-DJ-Effekte einen verwöhnten Treckerfahrer nicht gleich vom Hocker hauen, muss ich ihnen zweifelsfrei zugestehen, dass die Qualität (dank iZotope) stimmt und vor allem auch stetig zunimmt. Fehlen noch ein Makro-Regler, Channel-Preview, speicherbare Anwender-Presets, eine multiple Zuweisung einer Effekt-Unit auf mehrere Kanäle und die Möglichkeit, den Master FX von der Hardware aus einzuschalten – dann gibt’s ein weiteres Blatt für den Lorbeerkranz.

Serato-Video

Serato DJ unterstützt auch Serato Video, eine kostenpflichtige Lizenz von aktuell 149 Euro vorausgesetzt. Mit diesem Plug-in können Deejays Videoclips ineinander mixen und mit Effekten und Texteffekten versehen. Ein ausführlicher Artikel zu Serato Video ist hier zu lesen. Der Schnelltest zeigt, dass mit dem DDJ-SX prima Video-Scratches und Loops abgefeuert werden können. Die Transparenzfader und die Crossfader-FX lassen sich auf Wunsch mit den „echten“ Pendants an der Hardware verlinken. Doch das war’s dann auch schon, mit der Fähigkeit des DDJ Video zu steuern, denn weder lassen sich die FX mit dem SX austauschen noch parametrisieren. Auch das Videopanel kann ich nicht mit dem Panelswitch anwählen. Was macht der leidgeplagte Tester in diesem Moment? Er holt einen MIDI-Controller heraus und versucht diesen zu mappen. Ich greife also zum altgedienten und Itch-erprobten Vestax VFX1 und muss feststellen, dass dieser zwar genug Bedienelemente hätte, um die VFX-Sektionen zu dirigieren, jedoch sind diese nicht ausreichend kompatibel mit Serato-DJ. Schade. Ich entscheide mich dann für den Kontrol F1, ein Nanopad wäre wohl ebenfalls eine Alternative. Die Zuweisung erfolgt im Click-and-Tweak-Verfahren, was einerseits leicht zu bedienen ist (Softwareelement auswählen, Regler bewegen, fertig), andererseits jedoch keinerlei Verschachtelungen, Abhängigkeiten oder Folgen zulässt. Der Anfänger wird dies eventuell begrüßen, der Traktor-Profi belächeln. Auch Modifier, „Shift“-Buttons oder Mehrfachzuweisungen sind im MIDI-Edit nicht drin, ferner können nativ unterstützte Konsolen nicht rekonfiguriert werden. Auweia. Ich weiß, dies ist ein DDJ-SX-Test und kein SDJ-Review, daher hebe ich mir weitere Verbesserungsvorschläge an dieser Stelle für einen vollständigen Serato DJ Test auf, den ich, sobald vorhanden, hier verlinken werde.

Im Utility-Modus des DDJ-SX können Einstellungen bezüglich der USB-Verwendung, der Faderstart-Funktion, der Jogwheel-Beleuchtung, der Master-Dämpfung, (0,-3,-6 dB), der Samplepad-Velocity Curves, des Aftertouch sowie des Sendeintervalls für MIDI-Daten (3 bis 13 ms) vorgenommen werden. Und wir dürfen wahrscheinlich auch davon ausgehen, dass einige der angesprochenen Punkte in zukünftigen Firm- und Softwareupdates (so zumindest der Support) behoben werden.  

Traktor

Eines hätte ich jetzt fast noch vergessen: den Traktor Probelauf. Im Traktor-Test konnte ich zwar mit dem Pioneer auf vier Decks im Internal-Modus super arbeiten, wobei sämtliche Basis-Features sich mit ein wenig Eifer mappen lassen und die Pad-Sektion sich für FX-Presets, Sampledecks, Loop-Presets mit Flux und dergleichen anbietet. Was das Scratchen angeht, bin ich mit 15 Prozent softwareseitiger Jog-Turn-Sensitivität (3,5 Beats pro Umdrehung beim Testtitel) ganz gut gefahren (bei einer 120er Tech-Schallplatte entsprechen 45 RMP etwa drei Beats pro Vinylumdrehung). Probleme traten beim Vorserienmodell im Zusammenspiel zwischen Traktor-Decks und externen Quellen auf, da das USB-Interface respektive Traktor-Deck beim Zuspielen eines CD-Players nicht gemutet wird. Einen Workaround könnte das A8/10-Interface darstellen, allerdings würde ich eher auf einen DDJ-“T“X warten. Ob und wann eine Konfigurationsdatei von Pioneer kommt, ist nicht klar, da der DDJ offiziell als Serato Produkt deklariert wird und der Fokus demnach primär auf dieser Software liegt.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare