Hersteller_Pioneer
Test
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10.09.2010

Details

Schauen wir uns zunächst einmal den Inhalt des Kartons an. Da schält sich eine gut vor Transportschäden geschützte Unit samt Quickstartmanual und Recordbox-Software aus der Verpackung. Ferner sind ein Cinchkabel, eine 3,5-mm-Faderstart-Strippe sowie Strom- und Netzwerkverbindungen beigefügt. Verglichen mit meinem betagten CDJ-100 ist er schon ein echter Koloss, was nicht verwundert, bei dem immens großen Jogwheel. Der Testkandidat misst stolze 305 x 115,6 x 385 mm und wiegt 3,9 kg. Die Leistungsaufnahme gibt der Hersteller mit 29 Watt an. Auch wenn der Proband überwiegend aus Kunststoff gefertigt ist, habe ich keine großen Bedenken, dass er nicht mit impulsiveren Herangehensweisen im Club oder rauen Open-Air-Szenarien klarkommen sollte. Nur für den Transport sollte man den Boliden sicherheitshalber ins Case packen und zudem nicht vom Hochhausdach schubsen. Pioneers CDJ-Reihe konnte schon immer für sich beanspruchen, dass sie leicht zu bedienen ist. Diese Tradition setzt sich beim Generationswechsel fort. Das Layout ist wohl durchdacht, teilweise beleuchtete Taster praxistauglicher Größe mit eindeutiger Funktionszuweisung sorgen für unmittelbaren Durchblick.  Die Komponenten bilden eine nahezu selbsterklärende homogene Einheit.

Interface
Bis auf den USB-Port für externe Datenträger befinden sich alle Anschlüsse auf der Rückseite. Raus aus dem Interface geht’s analog über zwei Cinchbuchsen oder digital über einen koaxialen S/PDIF-Ausgang. Dazwischen ist eine Miniklinkenbuchse für die Faderstart-Option zur Fernsteuerung arrangiert. Ein RJ45-Link Kabel sorgt für den Verbundbetrieb von maximal vier Player-Einheiten per Hub. Diese können dann auf das gleiche USB-Medium zugreifen. Auch eine USB-Typ-B-Buchse für den Datenabgleich mit dem Rechner und den MIDI-Betrieb darf natürlich nicht fehlen. Am linken äußeren Rand sind Netzteilanschluss und Einschaltknopf platziert. Gegen Diebstahl schützt eine Kensington-Lock-Öse. Der Sound ist exzellent, die neuen Wolfson-Wandler leisten ausgezeichnete Dienste. Bei komprimierten Audiodateien mit niedrigen Bit-Raten muss man natürlich klangliche Abstriche machen, aber ich denke, ein Großteil der Anwender eines Premium-Gerätes, wie dem Pioneer CDJ-900 werden auch mit hochwertigem Basismaterial arbeiten.

Display
Eine Neuerung, die einem direkt ins Auge springt, ist das leicht abgewinkelte Display. Es steht in etwa 30 Grad zum Betrachter und ist dadurch auch auf Entfernung noch besser lesbar, als bei den Vorgängermodellen. Der große Bruder nutzt dieses Layout ebenfalls, sein Screen ist aber zusätzlich noch grafikfähig, was ihm das Anzeigen einer höher aufgelösten Wellenform und  Cover-Art ermöglicht. Der Testkandidat hingegen offeriert einen zweigeteilten Punktmatrix-Bildschirm. Den oberen Part kann man ruhigen Gewissens als Browser-Sektion bezeichnen, denn er dient primär zur Anzeige und Navigation auf dem Medienformat der Wahl. Dieses wird im Übrigen bequem mit den seitlich angeordneten Direktzugriffs-Tasten LINK, DISC und USB ausgewählt. Die Informationsaufbereitung ist formatabhängig und zeigt maximal vier Songs mit den Tags „Artist“ und „Titel“ an, wobei die aktuelle Auswahl invertiert dargestellt ist. Ein Push-Encoder navigiert zügig durch die Medien, startet das Musikstück und ruft auf Knopfdruck weitere Unterseiten auf. Diese sind komfortabel über vier Taster BROWSE, TAGLIST, INFO und MENU oberhalb des Displays zugänglich. Hält der DJ die MENU-Taste für etwa zwei Sekunden gedrückt, gelangt er in ein Konfigurationsmenü, in dem er unterschiedliche individuelle Anpassungen vornehmen kann. Unter anderem lässt sich hier das Autocue-Level ändern, der MIDI-Kanal wechseln, die Soundkarte von 24- auf 16-Bit-Betrieb umstellen oder global die Quantisierung aktivieren. Nach einer gewissen Spielzeit baut sich im südlichen Teil des Displays abhängig von der Widergabeposition eine Dot-Matrix-Wellenform auf. Sie bleibt auch bei einem Trackwechsel erhalten, steht allerdings nach einem Medientausch nicht mehr zur Verfügung. Die Analyse wird nur dann korrekt vollzogen, wenn zwischendurch nicht im Audiomaterial gespult wurde. Abhilfe für Wechseldatenträger schafft hier die Software Recordbox, auf die wir im Verlauf dieses Artikels noch näher eingehen werden. Das zweite Display versorgt den DJ mit Standardauskünften zu Laufzeiten (elapsed, remain), BPM und Pitchwerten und gibt zudem die logische Player-Unit im Net-Link-Verbund aus.

Jogwheel
Kaum eine Company verbaut so imposant große Jogwheels wie Pioneer. Dabei muss ich ehrlich sagen, dass mir als elektronisch verwurzeltem Tellerschubser auch mit kleineren Ausgaben geholfen ist - aber diese Jogs sind schon bemerkenswert genau. Da können viele kleine Platter nicht mithalten. Auch wenn der Teller sich nicht wie bei einem motorbetrieben Numark V7 MIDI-Controller dreht: Wer in den Hiphop- und Breakbeat verwandten Stilrichtungen beheimatet ist, wird diese großen Wheels ins Herz schließen. Will man scratchen, ist der Vinylmode zunächst per Taster einzuschalten. Drückt der DJ dann auf den Teller, löst er die Scratchfunktion aus. Die leicht aufgeraute Oberfläche gibt je nach Andruckstärke geringfügig nach, was das Gefühl den Track jederzeit fest im Griff zu haben noch einmal verstärkt. Der Akteur scratcht mit einer Auflösung von 0,5 Frames, also rund 6,5 ms.  Das sorgt während der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung für einen ziemlich guten Sound und vinyl-nahes Handling. Ist die Scratchfunktion ausgeschaltet, übernimmt das Jogdial alternativ Trackscanning oder Pitchbending. Die Anlauf- und Bremsgeschwindigkeit kann individuell über einen Drehknopf justiert werden.

Player
An prominenter Stelle befindet sich die Transportsteuerung. Zwei angenehme, große Buttons für CUE und PLAY werden von SEARCH- und TRACK-SEARCH begleitet. Erstgenannter spult alternativ zum Jogdial im Song, zweitgenannter springt zum nächsten Track, was allerdings nur auf musikalischen Medien mit Root-Hierarchie datenträgerweit funktioniert. Bei verschachtelten Ordnerstrukturen bleibt man im aktuellen Verzeichnis. So soll es sein. Die Schaltfläche DIRECTION kehrt die Abspielrichtung um.

Tempobezogenes
Mit dem vierstufig skalierbaren Pitchfader (+/- 6,10,16,100 Prozent) hat der Protagonist das Songtempo stets unter Kontrolle. Der Schieberegler liefert je nach gewähltem Intervall eine Feinabstimmung von 0,02 Prozent bis 0,5 Prozent. Das ist absolut praxistauglich. MASTER-TEMPO friert die Tonhöhe beim originalen Songtempo ein - und nicht wie bei manchen anderen Keylock-Lösungen in Relation zur aktuellen Tonlage. Das ist, denke ich, eine Frage des persönlichen Geschmacks. Davon abgesehen ist die Funktion wie üblich bei diesen Produkten bis zu drei bis fünf Prozent ohne Bedenken anzuwenden. Danach kann es zu hörbaren Artefakten kommen, die sich je nach Ausgangsmaterial stärker oder weniger stark bemerkbar machen. So wird man ein zeitgestrecktes Solo-Instrument meist eher wahrnehmen, als etwa eine interpolierte volle Big-Band-Komposition.

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