Gitarre
Test
4
20.11.2021

Pearl Joey Jordison 13“ x 6,5“ Signature Snare Test

JJ1365 - Snaredrum mit Stahlkessel

Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider…

Heute haben wir einen echten Klassiker im Test: die JJ1365 von Pearl. Kaum ein Modell mit dem Kesseldurchmesser von 13 Zoll hat für so viel Furore in der Drummerwelt gesorgt. Der Namensgeber und ehemalige Slipknot-Schlagzeuger Joey Jordison ist leider im Sommer 2021 verstorben. Sein Signature-Modell, das im Jahr 2005 erstmalig auf den Markt kam, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Joey bevorzugte einen hochgepitchten, knalligen Sound, für mehr Beinfreiheit bei der Doublebass-Arbeit war ihm das etwas kleinere 13-Zoll-Maß lieber. Das nötige Fundament sollte die Kesseltiefe von sechseinhalb Zoll liefern. 

In der aktuellen Version ist die Farbe Schwarz weiterhin tonangebend, die aufgedruckten Tribals der ersten Version sind mittlerweile Geschichte. Dadurch wirkt die Snare deutlich nüchterner und auch eine ganze Spur universeller. Wir checken, ob sich die Snare lohnt und was ihr für den aktuellen Verkaufspreis von rund 360 Euro bekommt. 

Details & Praxis

Fast keines der damals recht zahlreichen Pearl Signature-Modelle ist heute noch auf dem Markt erhältlich. Zum Teil wurden die Namensgeber ihrem Ausstatter abtrünnig, wie beim Red Hot Chili Peppers Drummer Chad Smith oder der Fusion-Ikone Virgil Donati, manche Modelle fielen nach einiger Zeit auch einer Portfolio-Verschlankungskur zum Opfer. Von der ganz alten Garde ist aktuell nur noch das 13“ x 5“ Omar Hakim Modell erhältlich, das noch länger im Programm ist als die Joey Jordison Snare.

Die Ausstattung ist auf Pearl Masters Niveau

Der Kessel der JJ1365 besteht aus einem verschweißten, ein Millimeter starken Stahlzylinder, der beidseitig mattschwarz pulverbeschichtet ist. Die Kesselwand ist gerade, also ohne Innensicke gestaltet und an einer Naht verschweißt. Als Böckchen kommen acht Masters Bridge Type Lugs zum Einsatz, diese sind, wie auch die 2,3 Millimeter starken Super Hoops, schwarz verchromt. Gleiches gilt für die SR-017 Teppichabhebung und das zugehörige Butt End sowie das Vent Hole. Den einzig optisch auffälligen Kontrast bilden die Messinggewindehülsen der Spannböckchen sowie die matten Edelstahlschrauben. Diese sind mit Unterlegscheiben aus schwarzem Kunststoff bestückt, welche Farbe sollte es auch sonst sein? Doch damit nicht genug, auch bei sämtlichen Anbauteilen kommt schwarze Unterlegware aus Gummi als Isoliermaterial zum Einsatz. 

Unser Testmodell stammt übrigens aus dem Backline-Arsenal von Pearl Europe, es trägt also schon ein paar kleinere „Kampfspuren“, wie man auf den Fotos bei genauerem Hinsehen erkennen kann. Schauen wir mal, was sich unter dem Schlagfell verbirgt. Die Gratungen sind von außen leicht verrundet gestaltet und die Fellauflagekante sitzt recht weit außen, die Bördelung erfolgt sodann im 45-Grad-Winkel nach innen. Bei der Kesselbauweise würde ich von einer Standardvariante sprechen, wie sie bei vielen, auch preisgünstigeren Metallsnares am Markt zum Einsatz kommt, nur dass bei der JJ1365 durchweg hochwertige Anbau- und Verschleißteile verwendet werden. 

Etwas einfacher wirkt die SR-017 Teppichabhebung, die ohne Zweifel zuverlässig ihren Job erfüllt. In diesem Punkt hat Pearl aber in der Zwischenzeit auch noch weiterentwickelte Lösungen wie die SR-150 und die SR-1000 Abhebungen auf den Markt gebracht, die aber zumeist erst ab der 600-Euro-Klasse aufwärts verbaut werden. Auch der 20-spiralige Carbonstahlteppich zählt zu Pearl’s Standard-Linie und nicht zu den höherwertigen Ultra Sound Modellen. Bei der Fellausstattung setzt Pearl wie gewohnt auf eine Remo USA-Kombination, bestehend aus dem klassischen Ambassdor Coated und einem Ambassador Snare Side als Resonanzfell.

Wenn ein Produkt schon so lange erfolgreich auf dem Markt ist, muss es ja etwas geben, das ihm zu einem Alleinstellungsmerkmal verhilft. Oder reicht da wirklich nur der Personenkult aus? Da ich zuvor noch nie auf eine JJ1365 draufgehauen habe, bin ich entsprechend gespannt auf den Soundcheck.

Der Sound ist etwas eindimensional auf ein klares Signal getrimmt

Im Spieltest zeigt sich recht schnell, dass die Wohlfühlzone der Trommel ganz klar die mittelhohen bis sehr hohen Lagen sind. In sehr tiefen Stimmungen ist der Kesselton ziemlich dominant und unruhig, ich muss also schon ein paar 1/4 Umdrehungen am Stimmschlüssel zurücklegen, um der Trommel zu einem sauberen Ausklang zu verhelfen. Das liegt sicherlich auch an dem recht dünnen und gleichzeitig tiefen Kessel, der ohne stabilisierende Mittelsicke konstruiert ist. Die Schrauben laufen allesamt weich und sehr gleichmäßig in den Gewinden, auch die Teppichabhebung arbeitet sicher und zuverlässig. Rimshots klingen prägnant und verhelfen der schwarzen Trommel zu ausreichend Cut. Mit etwas Dämpfung lassen sich auch poppige Sounds herauslocken, obwohl ich das nicht als das Steckenpferd der JJ1365 bezeichnen würde, hier steht ganz klar der „Alarm-Faktor“ im Vordergrund.

Vielleicht ganz interessant: Im Vergleich zu zwei anderen Stahlsnares dieser Preisklasse, einer Tama Starphonic in 13“ x 7“ und einer Gretsch Brooklyn Chrome over Steel, ebenfalls in 13“ x 7“, ist die JJ1365 im Raum gespielt deutlich weniger durchsetzungsstark. Unter dem Mikrofon egalisiert sich das dann wieder. Der Gesamtklang ist klar auf einen kurzen, knalligen Sound ausgelegt, das geht dann auch damit einher, dass die Trommel insgesamt nicht besonders facettenreich daherkommt. Die Teppichansprache empfinde ich als ausreichend, aber alles andere als überragend. 

1 / 2
.

Verwandte Artikel

User Kommentare