Test
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15.05.2018

Praxis

Der schön oldschoolig angehauchte vierkanalige Omnitronic TRM-402 bietet alles, was man sich bei einem Rotary-Mixer wünscht. Und noch etwas mehr. Die Verarbeitung ist solide und dank seines gesunden Eigengewichts liegt der Mixer satt auf dem DJ-Pult. Die Isolatoren shapen den Sound schön warm und rund, beim gemächlichen Streicheln durch das Klangspektrum findet DJ zielsicher interessante Frequenzen zum Boosten oder Cutten. Sehr gut geeignet für die Soundmalerei mit dem breiten Pinsel.

Wie schon beim TRM-202 MK3 empfehle ich die Zweiband-EQs vor allem zum Aneinanderanpassen der Platten, z.B. um die Tiefen aus der reinzumixenden Scheibe zu entfernen und dann die Bässe zu überblenden. Für krasse Einstellungen klingen sie je nach Klangmaterial oft nicht gut genug.

Audiobeispiele

In den folgenden Audiobeispielen führe ich den Zweiband-EQ und den Dreiband-Isolator vor. Zuerst erfolgt der Cut ganz langsam bis zur maximal möglichen Absenkung, danach wird der EQ wieder in die Mittelstellung und langsam weiter bis zum maximalen Boost gedreht. Zuletzt wird der Regler wieder in Mittelstellung gebracht.

Im sechsten Audiobeispiel werden dann alle drei Isolatorenbänder gemeinsam eingesetzt, die Nuancen im Zusammenspiel der drei Bänder getestet und der Sound zum Anfang und ganz zum Schluss auch jeweils komplett weggedreht, indem alle drei Pots auf Linksanschlag bewegt werden.

Kleiner oder großer Bruder?

Als „Travel-Mixer“ reicht mir persönlich der TRM-202 MK3 völlig aus. Der passt komplett mit Originalkarton in ein UDG-Slingbag und ist ruckzuck vor Ort aufgebaut und verkabelt. Der TRM-402 entspricht mit seinen vier Kanälen mehr dem Anforderungsprofil des kleinen, feinen E&S DJR400, ist größer als der Edelfranzose, passt aber dennoch für den Transport in eine Plattentasche rein, wenn auch ohne schützenden Karton. Er ist auch deutlich schwerer als der E&S, nur hat der ja auch ein externes Netzteil, das seinerseits ganz schön viel wiegt.

E&S mit Netzteil und TRM-202 MK3 mit Kaltgerätekabel bringen in etwa gleich viel auf die Waage. Natürlich versprüht ein handgefertigter Boutique-Mixer ein ganz anderes „Mojo“ als die Omnitronics, aber die punkten mit preiswerter Volksnähe und mehr als akzeptabler Qualität.

Apropos Mojo?

Seit meinem Test des Omnitronic TRM-202 MK3 im letzten Jahr hatte ich viele interessante Diskussionen mit anderen DJs. Einige waren überrascht bis begeistert von Konzept und Qualität des kleinen Zweikanälers. Andere wiederum scheinen es fast als Beleidigung zu empfinden, dass die Firma mit dem 80er-Jahre Elektronikmarkt-Mixerimage nun tatsächlich vernünftige Rotarys zum kleinen Preis herstellt. Auch der TRM-402 macht einen sehr guten Eindruck und würde ein anderer Name auf dem Gehäuse stehen, würden garantiert weniger Kollegen die Nase rümpfen.

Der Unterschied zu den teuren handgefertigten Boutique-Mixern liegt natürlich darin, dass Omnitronic die Mixer in Deutschland konzipiert, aber in China fertigen lässt, wie die meisten anderen Massenhersteller auch. Natürlich reicht ein Omnitronic in der Soundqualität, Verarbeitung und dem gewissen Etwas nicht an einen mehr als doppelt so teuren Master Sounds oder E&S heran. Aber er ist auch viel besser als nur „halb so gut“.

Für die meisten DJs oder auch als Backup für Clubs sind die Omnitronic Rotary-Mixer also ohne Einschränkungen zu empfehlen. Ob nun den kleinen Zweikanäler oder den großen Vierkanäler, gedulden muss sich DJ auf jeden Fall: Der TRM-202 MK3 ist aktuell ausverkauft, die nächste Lieferung wird nicht vor dem Sommer erwartet. Und der TRM-402 ist erst für den September angekündigt.

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