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Test
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14.07.2014

Praxis

Modul in die Lunchbox schieben und loslegen – so kann man die Start-Prozedur kurz und bündig zusammenfassen. Denn ein Gerät wie der MicPre two erklärt sich einfach von vorne bis hinten von selbst und ohne Manual, mit Ausnahme vielleicht der „Attitude“-Schaltung, bei der man dann doch etwas genauer hinsehen muss. Der Grundsound des Preamps liegt voll und ganz auf der Linie, mit der bei Malcolm Toft zu rechnen war. Eigentlich alle Toft-Preamps seit der Trident-B-Series gehören zu der etwas schlankeren Sorte, die für Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit im Mix sorgt und weniger für sämige Molligkeit in den Tiefmitten – hier ist auch der MicPre two keine Ausnahme.

Das Signal ist in sich durchaus ausgewogen, nur eben mit einer Tendenz zum etwas drahtigeren Ton. Um einen Vergleich zu wagen: Eher Strat als Les Paul, eher Clavia Nord Lead als Roland Juno-60… Auch dank des eher trockenen, nüchternen Grundsounds kommt der Charakter des verwendeten Mikrofones recht gut zur Geltung, hier steht der Preamp dem Signal auf jeden Fall nicht groß im Weg. Allerdings scheint es, dass der MicPre two besonders gut mit eher weichen, wärmeren Mikrofonen harmoniert. Die Klangbeispiele zeigen, dass der Ocean-Audio-Pre im Zusammenspiel mit einem Neumann U67 recht ausgewogen klingt. Dahingegen neigt das Endresultat bei einem KM184, das von sich aus schon eher hell und offen klingt, gerade bei Zischlauten ein wenig zur Härte. Das verwundert auch nicht weiter, denn es fehlen hier einerseits Bauteile wie Röhren oder Übetrager, die das Signal verrunden helfen können, andererseits auch das Budget, um diese Verrundung mit anderweitigen Kunstgriffen zu erzielen.

Man sollte den MicPre two also vielleicht nicht unbedingt mit Kondensatormikros mit drastischer Höhenanhebung paaren, sonden gegebenenfalls auch einmal ein dynamisches Mikro anschließen; dies insbesondere, da viele Kondensatormikros aus dem Preissegment des MicPre two zu ebenjener Höhendarstellung neigen, die dann vom Preamp noch deutlicher herausgestellt wird – und das wird dann je nach Einzelfall einfach zu viel des Guten sein.

Das Trittschallfilter funktioniert hervorragend, auch die Attitude-Schaltung erweist sich als sinvolle und hilfreiche Ergänzung. Bei etwas runder klingenden Mics kann sie genau den Kick bringen, der einem Signal noch fehlt. Aber wenn ich mal eine Idee in den Raum werfen darf: Wie wäre es mit einer „Thick“-Schaltung im Stile des Chandler Germanium Pre? Wenn dieser Boost nämlich in den Tief- und nicht in den Hochmitten säße, könnte der MicPre two noch besser an helle Mics angepasst werden, den insgesamt manchmal einen Hauch zu dünnen Klang besser ausbalancieren.

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