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Test
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05.06.2013

Numark Orbit Test Preview

Universal MIDI-Controller

Kabellos durch Booth und Bühne

Numarks Wireless-MIDI-Controller Orbit war sicher eines der heißesten DJ-Produkte auf der Frankfurter Musikmesse. Selten waren sich die vor Ort anwesenden Redakteure des DJ-Ressorts direkt einig, was die erste Inspektion und den Coolness-Faktor des Funk-Kommandanten angeht. Und eines wurde auch sofort deutlich: Das Konzept geht über die Steuerung einer DJ-Software hinaus. Im Nu hallten Zwischenrufe wie „Ableton-Live“, „Plugin-Trigger“, „VJ-ing“ oder „Trommelmaschine“ durch die Halle und ließen keinen Zweifel aufkommen, was dem bonedo-Team hier im Kopf herumspukte. Kein Wunder, denn das akkubetriebene Performance-Tool vereinigt 16 bunt beleuchtete Pads, diverse Buttons, zwei Schultertasten, ein Aluminium-Jogwheel und einen X/Y-Neigungssensor auf kleinstem Raum und überträgt seine Steuersignale entweder über eine USB-Verbindung oder eben drahtlos. Wie ein Derwisch durch die DJ-Kanzel oder über die Bühne tänzeln und dabei mit dem Controller in der Hand Samples, Loops und FX abfeuern? Genau! Die Einheit kann sogar am Arm befestigt, als Desktop-Gerät aufgestellt oder um den Hals getragen werden – Erinnerungen an Public Enemys Flavor und seine Markenzeichen-Uhr werden wach.

Pünktlich vor dem offiziellen Verkaufsstart - die eigentümliche Konstruktion wandert für eine unverbindliche Preisempfehlung von 149 Euro über die Ladentheke, was im Vergleich zu den Gerätschaften der Mitbewerber absolut fair erscheint - landet der Orbit nun also in der bonedo-Redaktion und entfacht die Neugier, inwieweit Konzeption und Praxis-Workflow auseinanderdriften – oder eben nicht. Hier ist unser erster Praxislauf.

Details

Die Software ist eine Eigenproduktion von Numark - mit einem simpel aufgeteilten Screen-Layout: Unten ist ein virtueller Orbit mit seinem aktuellen Betriebszustand abgebildet. Oben sind zwei Abspieleinheiten mit Wellenvorschau zu sehen. Die zum Test gereichte Programmversion 1.0 funktioniert nur in Kombination mit der Hardware und erlaubt kein Audio-Routing, sondern verwendet die integrierte Soundkarte. Nichts für Profis, aber es reicht für erste Gehversuche aus und motiviert bereits nach kurzer Zeit, sich die eigene Lieblingssoftware vorzuknöpfen und ihr ein passendes Layout auf den Leib zu schneidern. Doch bleiben wir noch ein wenig bei Orbit DJ.

Soviel vorweg: Wenn ich einen Vergleich zu Traktor, Mixvibes oder Virtual DJ ziehen darf, bleibt mir nichts anderes zu sagen, als das sich Numarks Baby im Funktionsumfang äußerst spartanisch präsentiert. Weder verfügt das Programm über einen Dateibrowser, einen Beatcounter oder die Möglichkeit zur automatischen Synchronisation der Titel, noch arbeitet eine Datenbank im Hintergrund, die Peaks, Track-Infos oder Cuepoints abspeichert und beim nächsten Aufruf wieder verfügbar macht. Da die Software das Master-Signal auf die System-Soundkarte leitet (oder besser gesagt, die zur Tonausgabe eingestellte Hardware) und keinerlei Konfiguration zulässt, stellt sich die Option zur getrennten Ausgabe der Decks auf separate Mischpultkanäle genauso wenig, wie die Möglichkeit zum Vorhören eines Titels auf der in diesem Test genutzten USB-Soundcard ESI UDJ6. Doch manchmal lassen solche „Updates“ ja nicht lange auf sich warten.

Handling

Auf zum ersten drahtlosen Mix, wobei es sich empfiehlt, nicht benötigte WiFi-Netze abzuschalten. Mittels Drag-Drop landet ein Musikstück im Deck, woraufhin sich die Wellenform links in Blau, rechts in Grün aufbaut. Titel, Artist und Abspielzeit entnehme ich dem jeweiligen Player und wähle zwischen einer Wellen-Gesamtübersicht oder einer Ausschnittbetrachtung, die dem zentrierten Abspielkopf folgt (ungefähr acht Beats in jede Richtung). Der Orbit in seiner Grundauslegung dirigiert auf jedem Layer jeweils die Funktionen für ein Deck.

Auf den Deck-Banks (A:1 und B:4) sind die Tasten K2 und K3 nicht belegt. Je nachdem, ob ich K1 (Volume) oder K4 (X-Fader) betätige, dirigiere ich mit dem Jogdial die Kanallautstärke oder den Crossfader. Zu Parametersprüngen beim Betätigen der virtuellen Fader nach einem Wechsel der Kanäle/Bänke kommt es nicht. Prima. Der Deck-Layer beinhaltet ferner die Transporttasten Play/Pause, Back (Total) und Back (Beat). Dazu gesellen sich vier Autoloops und manuelle Schleifen nebst Exit/Reloop sowie vier Cue-Punkte. Um diese anzulegen, betätige ich zuerst die Taste „Set“, die daraufhin von blau auf lila schaltet und im Anschluss das gewünschte Pad selbst (belegt leuchtet es dann lila statt blau). Dieses Prozedere ist bei jedem neuen Hotcue durchzuführen, was - selbst wenn es adhoc vielleicht umständlich erscheinen mag - den nicht zu unterschätzenden Vorteil bietet, dass ich die Punkte ohne vorausgegangenen „Löschvorgang“ direkt überschreiben kann. Delete hingegen löscht den ganzen Block. Einen einzelnen Platz freizuräumen ist - ihr ahnt es bereits - nicht vorgesehen. Cues und Loops entstehen und spielen direkt und unmittelbar an Auslöseposition, also nicht quantisiert oder automatisch am Beat platziert. Bei den Schleifen kann ich die In- und Outpoints (neu) definieren oder die Autoloop-Taste als Cutter einsetzen. Betätige ich die Pad Bank 4 für Deck B, wirken sich alle Handlungen nun auf das zweite Deck aus.

Pad Bank 2 und 3 schalten den Effekt-Layer für das jeweilige Deck ein. K1 bis K3 aktivieren die Frequenzbänder Hi, Mid und Low, die in der Folge via Jogwheel abgesenkt und angehoben oder über die untere Pad-Zeile (weiß) auch gemeinschaftlich „gekillt“ werden. Soft- und Hardware kommunizieren bidirektional, sodass ihr – Ausnahme sind Beleuchtungs-Bugs bei On-the-fly-Edits im Editor - jederzeit ein eindeutiges visuelles Feedback erhaltet. Beim Drehen am Jogwheel fallen mir in der Software acht Schritte zur vollen Kranzbeleuchtung in vier Intensitäten von aus bis voll auf, was erst einmal auf 32 Abstufungen pro Umdrehung hinweist, beim Hörtest in der Praxis jedoch feinere Abstufungen suggerierte. Mit dem bloßen Auge konnte ich am Gerät bereits über 50 Stufen ausmachen, eine Überprüfung in Traktor ergab gar, dass sich die Effekte prozentgenau steuern lassen. Alle Achtung.

Aber nicht nur Native Instruments hat EFX zu bieten, auch Numark serviert zwölf Effekt-Pads (Flange, Flash, Shutter, Flash Fast, Shutter Fast, Repeat, Repeat Slow, Repeat Fast, Strobe, Filter, Refiller, Refiller Fast), zum Teil allerdings vom gleichen Grundtypus. Besonders interessant: Mittels der beiden Kopfschalter aktiviere ich den Neigungssensor und kann nun durch horizontale und vertikale Rotationen Effektparameter oder gar Kombinationen steuern. Beim Repeat zum Beispiel die Länge der Wiederholung und die Intensität. Beim Shutter einen drübergelegten Flanger, beim Flash zusätzlich Filterparameter und so weiter. Wenn ich richtig liege, mit etwa zwei Prozent Genauigkeit bei rund 16 visuellen Abstufungen pro Richtung. Die Linke Taste ist bei Rechts-Links-Neigungen einzusetzen (Pads leuchten gelb), die rechte für Drehungen nach vorn und nach hinten (blaue Pads). Sind beide gedrückt, dann lenke ich zwei Parameter, wobei der Daumen auf dem jeweiligen Effekt liegen muss, da Numark hier als Button-Verhalten Momentary statt Toggle einsetzt, was ich kurzerhand im Editor abändere, womit ein Effekt auch aktiv bleibt, wenn ich in den Deck Mode zurückschalte. Grundsätzlich der Kombo-FX befähigt, stelle ich fest, dass sich in Numarks Software einige Effekte gegenseitig ausschließen, wie Flanger, Strobe und Filter. Was ich etwas schade finde, ist, dass man keinen Einfluss auf den aktiven Neigungswinkelumfang hat. Denn beim Verdrehen zu den beiden Extremwerten auf „Kopfstandniveau“ muss man sich schon ein wenig verrenken – aber nur ein bissl.

Nachstehend ein paar Audio-Eindrücke zu Orbit DJ:

Ich muss gestehen: trotz meiner anfänglichen Skepsis bezüglich der spartanischen Ausstattung entbehrt das „Herumspielen“ mit Orbit DJ (mehr ist unter professionellen Gesichtspunkten aktuell nicht möglich) nicht eines gewissen Spaßfaktors. Sollte Numark seinem Programm, bei dem es mich überhaupt nicht wundern würde, wenn es in Kürze einen iPad-Ableger gäbe, mit dem nächsten Update noch paar „Profi-Funktionen“ einhauchen - vor allem in puncto Audiokonfiguration, Browsing und Beatmatching, sehe ich durchaus Potenzial.

Bei der Hardware hingegen zeigen beide Daumen nach oben, denn auch sie brilliert natürlich bei den Faktoren „Spaß“ und Herumspielen“, ist aber in Verbindung mit einer alternativen DJ-Software wie Traktor oder Ableton Live  – soviel kann ich getrost verraten - ein echter Burner, auch für den Einsatz vor Publikum. Das treibt die Punktewertung nach oben, wie ihr im bald folgenden, ausführlichen Testbericht lesen könnt.

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