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Workshop
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03.02.2016

Noten lesen lernen für Gitarristen 1

Das Notensystem - Grundlagen und Leersaitenspiel - Alles über Notenwerte, Notenschlüssel, Taktart & Co kinderleicht erklärt

Noten lesen für Anfänger – Schritt für Schritt erklärt

Das Ziel der ersten Folge meiner "Noten lernen für Gitarristen" Workshop-Reihe ist das Lesen und Spielen der Leersaiten. Um dir die nötigen Basics zu vermitteln, fange ich mit den grundlegenden Elementen der Notenschrift an. Und da es hier Parallelen zur Darstellung in der Tabulaturschrift gibt, werden dir einige Dinge vielleicht sogar bekannt vorkommen. Sieh es in diesem Fall als Wiederholung an!

Die Bezeichnung von Tönen

Alle Töne, die wir auf der Gitarre oder auf anderen Instrumenten spielen können, werden mit Notennamen bezeichnet, die den Buchstaben des Alphabets entstammen. Die wichtigsten Töne, die sogenannten Stammtöne, entsprechen im Grunde den ersten sieben Buchstaben:

A - B - C - D - E - F - G

Im Zuge sich verändernder Schriftarten wurde in Deutschland im Mittelalter aus dem ursprünglichen B ein H. Dies verbreitete und verfestigte sich durch den aufkommenden Buchdruck. So ist es zu erklären, dass ausschließlich im deutschen Sprachraum auch heute noch die eigentlich falsch überlieferte Bezeichnung H verwendet wird.

Die Reihe der Stammtöne sieht dann folgendermaßen aus:

A - H - C - D - E - F - G

Um diese nun als Noten aufzuschreiben, benötigen wir ein Notensystem.

Das Notensystem

Das Notensystem besteht aus fünf horizontalen Linien.

Notenschlüssel

Jede Notenzeile wird von links nach rechts gelesen und beginnt mit einem Notenschlüssel. Es gibt verschiedene Notenschlüssel, zum Aufschreiben von Musik für Gitarre benutzen wir jedoch ausschließlich den sogenannten Violin- oder G-Schlüssel. Dieser wird übrigens manchmal bei Gitarrennoten am unteren Ende noch mit einer kleinen, kursiv gedruckten Acht versehen. Der Grund für diese zusätzliche Information liegt darin, dass die Gitarre acht Töne tiefer klingt als sie notiert ist.

Taktart

Die Taktart wird normalerweise als Bruch am Anfang eines Notenbeispiels notiert. 4/4 ist das Symbol für den Vier-Viertel-Takt, bei dem man von "eins" bis "vier" zählt, bei 3/4 zählen wir dementsprechend nur bis "drei".

Taktstrich

Ein Takt wird rechts durch einen vertikalen Taktstrich begrenzt. Jeder Takt enthält den durch die Taktart angegebenen Notenwert, d.h. im 4/4-Takt zählen wir von Taktstrich zu Taktstrich immer bis "vier".

Schlussstrich

Am Ende eines Notenbeispiels oder eines Musikstücks steht ein Doppelstrich (dünner und dicker Strich), am Ende eines Teilabschnitts oftmals ein Doppelstrich bestehend aus zwei dünnen Strichen.

Die Stammtöne im Notensystem

Tonhöhe

Man unterscheidet verschiedene Töne durch die Positionierung im Notensystem: Je höher eine Note im Notensystem platziert ist, desto höher klingt der jeweilige Ton.

Besonders tiefe oder besonders hohe Töne werden mithilfe von Hilfslinien dargestellt, wie hier die Töne A, H und c.

Ein Grund übrigens auch für die kleine Acht unter dem Violinschlüssel, die ich oben erwähnt habe: Wollte man die Gitarrentöne tatsächlich dort notieren, wo sie klingen, würden sich zumindest die unteren Lagen ausschließlich im Hilfslinienbereich abspielen - eine sehr unübersichtliche Situation.

Oktavlage

Die Groß- und Kleinschreibung der Notennamen dient der Unterscheidung mehrerer gleichnamiger Töne. So unterscheiden wir beispielsweise A (großes A), a (kleines a) und a' (eingestrichenes a'), die aber nicht zwangsläufig alle auf jedem Instrument spielbar sind. Das kleine a ist dabei eine Oktave (acht Töne) höher als das große A, das eingestrichene a' acht Töne höher als das kleine a.Auch auf der Gitarre lassen sich die Stammtöne in mehreren Oktavlagen spielen.

Tondauer

Die Dauer der Töne wird durch Notenwerte bestimmt. Diese geben die Länge der Töne im Verhältnis zueinander an, nicht deren absolute Dauer. Die Abfolge verschiedener Notenwerte wird auch Rhythmus genannt.

Da Notenwerte in ähnlicher Darstellung auch in der Tabulaturschrift zum Einsatz kommen, bist du mit ihnen womöglich schon vertraut. Notenwerte werden von vielen Musikern, insbesondere Anfängern, nicht ernst genug genommen. Dabei trennt sich genau hier die Spreu vom Weizen: Profimusiker erkennt man beim ersten Hinhören daran, dass sie die Länge der Töne sehr genau nehmen. Die Tonlänge ist also für eine überzeugende musikalische Darbietung genau so wichtig wie die richtige Tonhöhe.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Notenwerte:

In jedem Takt ist der Ton g in Notenschrift dargestellt, jedoch in verschiedenen Notenwerten:

1.Takt: eine ganze Note (nur Notenkopf, nicht ausgemalt)

2.Takt: zwei halbe Noten (Notenkopf nicht ausgemalt + Notenhals)

3.Takt: vier Viertelnoten (Notenkopf ausgemalt + Notenhals)

4.Takt: acht Achtelnoten (Notenkopf ausgemalt + Notenhals + Querbalken)

Pausen

Im zweiten Takt von Bsp. 2 stehen nur drei Viertelnoten. Damit der Takt vollständig ist, muss er durch eine Viertelpause ergänzt werden.

Das Thema Pausen werden wir in der nächsten Folge ausführlich behandeln.

Von der Theorie zur Praxis

Stammtöne in der 1. Lage

Nun wollen wir die Stammtöne auf die Gitarre übertragen: Im folgenden Beispiel siehst du dafür sämtliche Möglichkeiten in der 1. Lage.

Da ich dich nicht mit 17 zu lernenden Noten auf einen Schlag quälen möchte, begnügen wir uns für heute mit den sechs Leersaiten in Notenschrift.

Und hier findest du die oben dargestellten Noten auf der Gitarre (Leersaiten):

Die Töne unterscheiden sich durch ihre Position im Notensystem:

E befindet sich unter der dritten Hilfslinie, A auf der zweiten Hilfslinie, d unter dem Notensystem, g auf der zweiten Linie des Notensystems, h (b) auf der mittleren Notenlinie und e' im obersten Zwischenraum.

Diese Töne solltest du nun auswendig lernen. Nur so kannst du die folgenden Notenbeispiele spielen. Alle Übungen habe ich jeweils zwei Mal aufgenommen: Einmal langsam (60 bpm) und einmal schneller (100 bpm). Dein Ziel sollte sein, jede Übung im schnellen Tempo mitspielen zu können.

Bei Melodien aus Leersaiten ist es immer etwas schwierig, die Töne klar zu trennen. Wenn wir die Saiten nicht aktiv abstoppen, klingen diese noch ewig weiter. Eine Möglichkeit wäre, die Töne durch eine kurze Berührung der Saite mit der linken Hand zu beenden. Eine Ausnahme wäre ein Notenbeispiel mit der Angabe "let ring". Hier würden wir alle Saiten zumindest bis zum Taktende weiterklingen lassen.

Neben der richtigen Saite (hier E oder A) gilt es, auch die Tondauer mit zu erfassen. Zu diesem Zweck ist es sinnvoll, die Zählzeiten (1, 2, 3, 4) anfangs laut mitzuzählen. Bist du damit im Einzelfall anfangs überfordert, kannst du als Vorübung auch einmal nur die Notenwerte klatschen oder klopfen. Hast du den Rhythmus dann im Ohr, ist es erfahrungsgemäß nicht mehr so schwer, diesen auch beim Spielen einzuhalten.

Ab dem vierten Takt tauchen neben den Viertelnoten auch halbe und ganze Noten auf. Zur Erinnerung. Eine halbe Note dauert zwei Schläge (Zählzeiten), also "1, 2" oder "3, 4". Eine ganze Note dauert den ganzen Takt. Die Zahlen unter den Noten sollen dies verdeutlichen.

In Bsp. 7 kommen d- und g-Saite vor:

Neben dem 4/4-Takt ist 3/4 eine häufig verwendete Taktart (Bsp. 8). Hier zählen wir in jedem Takt nur bis "3":

In Bsp. 9 kommen die unteren beiden Saiten (e' und h) zum Einsatz. Hier sind auch Achtelnoten zu spielen. Mein Tipp für diesen Fall: Eine "und" mitzählen! Im 4/4-Takt zählen wir folglich "1 und 2 und 3 und 4 und":

Das Notenbeispiel 10 steht wieder im 3/4-Takt und wir bewegen uns auf den oberen drei Saiten (E, A und d). Da auch hier Achtelnoten vorkommen, zählen wir: "1 und 2 und 3 und":

In Bsp. 11 haben wir es mit den unteren drei Saiten zu tun:

Jetzt wird es lustig: Ab Bsp. 12 kommen alle Saiten bunt gemischt vor!

Mit der Beherrschung der abschließenden Leersaiten-Etüde (Bsp. 15) ist schon viel geschafft und du bist damit bereit für die nächste Folge, in der wir uns auch den gegriffenen Tönen zuwenden wollen!

Für noch mehr Übematerial zu diesem Thema empfehle ich die Videos und PDFs auf meiner Seite "gitarrenvideounterricht.de"!

Viel Spaß damit!

Christian

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