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Test
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27.05.2014

Nord Lead A1 Test

Virtuell-analoger Performance Synthesizer

A1 klingt nach ganz weit vorne

Beim Nord Lead A1 handelt es sich um einen multitimbralen, polyphonen Synthesizer der Gattung „Virtuell Analog“. Zu seinen Features gehören eine flexible Oszillator-Sektion, verschiedene Filtertypen sowie das Schichten von bis zu vier Programmen (Layer), ein Arpeggiator und die Möglichkeit des Tastatursplits. Als Nord Lead A1R ist er auch als Rackmodul erhältlich.

Was der schwedischen Marke Nord bei der Entwicklung des A1 offensichtlich sehr am Herzen lag, ist der schnörkellose und selbsterklärende Zugang zur Klangerzeugung. Beworben wird er von den Stockholmern als "Performance-Synthesizer", was auf eine geradlinige, bühnentaugliche Bedienung hoffen lässt. Wir sagen euch, ob das Konzept aufgegangen ist.

Details

Der Nord Lead A1 ähnelt seinen Artgenossen Lead 2x und Lead 4 äußerlich in vielen Dingen. Als da wären: die charakteristische Farbe, die Größe des Metallgehäuses, die 49 leicht gewichteten, anschlagdynamischen Tasten (leider auch hier ohne Aftertouch), die linkslastige Anordnung der Armaturen sowie das Nord-typische Modulationsrad aus Stein und der hölzerne Pitch-Stick. Soviel zu den Gemeinsamkeiten. Einen Unterschied machen die Seitenteile, die beim A1 aus Metall gefertigt sind. Sie sind bombenfest verschraubt und verleihen dem Gehäuse eine hohe Stabilität. Hier wackelt oder knackt nichts. Mit 4,85 kg ist der A1 ein Leichtgewicht.

Auf dem Bedienpanel tummeln sich 23 Potis, 3 Encoder und 26 Taster nebst vielen rot oder grün leuchtenden Statuslämpchen. Rhythmisch blinkende LEDs zeigen die Tempi von Delay und Arpeggiator an, drei kleine LED-Displays mit kräftig leuchtenden Ziffern informieren über die ausgewählten Programme, Schwingungsformen oder Oszillator-Konfigurationen. Die Namen der Programme im Programmspeicher bestehen (wie üblich bei der Lead-Serie) aus spartanischen Zahlen und Punkten. Bei den Performance-Programmen gesellt sich noch ein Buchstabe dazu. Als Performance wird ein aus mehreren Sounds bestehendes Setup bezeichnet. 8 x 50 Plätze bietet der Programmspeicher, 2 x 50 stehen für Performances bereit. An dieser Stelle soll auch kurz der praktische „Like“-Speicher erwähnt werden, mit dem man Zwischenergebnisse beim Programmieren im Arbeitsspeicher parken und später ggf. sichern kann. 50 „Like“-Speicherplätze stehen pro Programm zur Verfügung.

Rechts neben dem Panel sind Erklärungen zu den im OSC-Config-Display angezeigten Kürzeln auf das Gehäuse gedruckt – ebenfalls ein von Nord bekanntes und wie das rudimentäre Display gelegentlich kritisiertes Prinzip. 

Anschlüsse

An der Rückseite findet man neben dem Kopfhörerausgang (Stereoklinke 6,3 mm) vier Line-Ausgänge (alle Klinke 6,3 mm). Außerdem gibt es MIDI In und Out (auch als eingeschränkter MIDI Thru nutzbar), USB und Anschlüsse für ein Sustain- und ein Control-Pedal. Die Stromzufuhr geschieht – wie inzwischen löblicherweise bei allen neuen Nord-Instrumenten – per Kaltgerätestecker, das Netzteil ist im Synthesizergehäuse integriert.

Der USB-Anschluss kann MIDI-Daten übertragen und zum Datenaustausch mit einem Rechner dienen, beispielsweise zur Nutzung der kostenlosen Software „Nord Sound Manager“, die auf der Nord Keyboards Website zum Download bereitsteht. Mit ihr kann man den Programmspeicher des Nord Lead A1 extern sichern oder per Drag&Drop die Anordnung der Programme verändern. In der Ansicht des Nord Soundmanagers tragen die Programme übrigens „richtige“ Namen aus Buchstaben und können auch Kategorien wie Lead, Pad, Arpeggio uvm. zugewiesen werden. Das rudimentäre Display des A1 kann diese Namen und Kategorien zwar nicht darstellen, die Arbeit mit dem Nord Sound Manager wird dadurch aber übersichtlicher.

Klangerzeugung

Die maximale Polyphonie des Nord Lead A1 beträgt 24 Stimmen. In die ungewöhnlich gestaltete Oszillatorsektion, die den A1 von den anderen Nord Leads abhebt, muss man sich erst einmal kurz hineindenken. Sie unterscheidet zwischen einfachem und einem Dual Mode. Je nach Modus erhält der Parameter OSC Config eine andere Funktion: Entweder stellt er den zweiten Oszillator mit einer beachtlichen Menge an zusätzlichen Schwingungsformen dar, oder er fungiert als Modulationsquelle von Oszillator 1, beispielsweise für Hard-Sync, Pitch, Shape, AM oder FM. Im einfachen Oszillator Mode stehen Puls, Sägezahn, Dreieck und Sinus bereit. Im Dual Mode erhält man darüber hinaus Extended Analog Waveforms, Fixed Pulse Waveforms, Drawbar Organ Waveforms, Rauschen, Bells & Tines, Digital, Electric Pianos und Formants. Auch Verstimmungen der Oszillatoren von wenigen Cents bis zu fünf Oktaven und Pulsbreitenmodulation sind möglich. Als Modulationsquellen für beide Oszillatoren stehen der LFO und eine Hüllkurve (Mod ENV) bereit.

Darüber hinaus lässt sich für jeden Sound der Voice Mode bestimmen: Neutral (polyphon), Unison mit drei Intensitätsstufen (polyphon) oder Legato bzw. Monophon wie ein klassischer Bass- oder Lead-Synthesizer (monophon). Beim Legato- und Monophon-Mode kann eine Gleitfunktion zwischen den Tönen stufenlos hinzugeschaltet werden.

In der Filtersektion stehen sechs Filtertypen zur Auswahl: Lowpass 12dB, Lowpass 24dB, Lowpass M (dem Minimoog Ladder-Filter nachempfunden), Lowpass TB (dem Ladder-Filter der Roland TB-303 nachempfunden), Bandpass und Highpass. Die Filtereckfrequenz lässt sich per LFO oder Hüllkurve modulieren, die Filterresonanz ist stufenlos regelbar und erzeugt bei den 24dB-Filtern bei höheren Werten das typische tonale Filterpfeifen. Auch Filter-Keyboardtracking in drei Intensitätsstufen und ein stufenloser Filter-Drive zum Anrauen oder Verzerren stehen bereit.

Der Hüllkurvengenerator für die Lautstärke (Amp Env) hält die Parameter Attack, Decay/Sustain und Release bereit. Auch die Ansprache auf die Anschlagstärke der Keyboardtasten (=Anschlagdynamik) kann aktiviert werden. Die Modulationshüllkurve (Mod Env) ist fast genauso aufgebaut, mit dem Unterschied, dass man hier auch eine negative Auswirkung auf das Modulationsziel bestimmen kann. Eine regelbare Einsatzverzögerung gibt es nicht.

Der LFO bietet Puls, Dreieck, Rampe, Sägezahn, Rechteck und Random. Seine Frequenz kann im Bereich von 0,03 bis 523 Hz bestimmt werden und reicht damit in den hörbaren Bereich hinein. Der LFO kann auch als zusätzliche Envelope arbeiten.

Mit dem Arpeggiator lassen sich sequenzierte Tonfolgen über einen Bereich von bis zu vier Oktaven spielen. Die Notenlängen können von einer halben Note bis zu einem Zweiunddreißigstel gewählt werden, inklusive Swingmodi für alle Notenwerte. Als Laufrichtungen stehen Up, Down, Up&Down oder Random bereit.

In der Effektsektion wartet ein Delay mit Tap Tempo, Stereo-Ping-Pong Mode und vier Feedback-Stufen auf seinen Einsatz. Der Bereich „FX“ bietet die Effekttypen Ringmodulator, Phaser, Flanger, Chorus, Ensemble oder Drive, von denen jeweils einer ausgewählt und dem Sound stufenlos hinzugemischt werden kann. Das Reverb-Menü bietet fünf Typen von Room über Stage bis Hall. Oben rechts lassen sich mit Level und Pan die Gesamtlautstärke und die Panoramaposition eines Programms festlegen.

Zur Synchronisation von LFO, Arpeggiator und/oder Delay bietet der Nord Lead A1 die zum Beispiel vom Nord Stage 2 bekannte Master Clock. Ihr Tempo kann von einer MIDI-Clock bestimmt oder getappt werden. Dadurch können diese drei Komponenten nicht nur im Einklang mit externem Equipment laufen, sondern lassen sich auch live spontan zur Band oder miteinander synchronisieren. Ein sehr Performance-taugliches Feature!

Morph ist eine ebenfalls bei anderen Nord-Instrumenten bewährte Funktion, mit der man mehrere Parameter per Modulationsrad, Pedal oder Keyboard Velocity gleichzeitig und in definierbaren Intensitätsbereichen verändern kann. Viele Parameter kommen fürs Morphen in Frage, zum Beispiel Filtereckfrequenz, Filterresonanz, Arpeggiator-Tempo, LFO-Frequenz, Parameter der Hüllkurven, Reverb- und FX-Anteile. Auf diese Weise lassen sich auch komplexe Klangveränderungen schnell definieren und dynamisch steuern. Schön wäre bei einem Synthesizer in dieser Liga noch eine Morph-Funktion per Aftertouch gewesen, wie es sie etwa beim Nord Stage gibt, aber auf dieses Ausdrucksmittel muss man beim A1 leider verzichten.

Mit Mutate Sound lassen sich fast alle Parameter eines Programms auf Knopfdruck mit nicht weiter offen gelegten Mutationsregeln verändern – oder mit der unergründlichen Weisheit des Nord Lead A1, wenn man das lieber so sehen möchte. Falls Morph-Programmierungen vorliegen, werden diese beim Mutieren auch stets mit einbezogen. Randomize Sound schließlich ist im Vergleich zu Mutate Sound eine komplette Zufallserstellung von Programmen. Frei nach dem Motto „Lass dich überraschen!“

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