Bass Hersteller_NativeInstruments Software
Test
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17.11.2011

DETAILS

Die einzelnen Libraries
Im Gegensatz zu den Bestandteilen der Vintage Keys oder auch der Classic Piano Collection bietet NI die fünf Einzelprodukte aus der Reihe der Scarbee Bässe nicht in einem eigenständigen Bundle an. Die jeweiligen Libraries sind für sich gesehen zwar erschwinglich, bewegen sich in der Summe aber trotzdem in einem preislichen Bereich, von dem zumindest die Standard-Version von Komplete 8 nicht mehr weit entfernt ist - diese enthält dafür mit dem MM-Bass aber auch nur eine der fünf Libraries. Ähnlich wie bei den unterschiedlichen Versionen der Abbey Road Drums, die in Komplete 8 mit den 60s Drums vertreten sind, gibt es die volle Bandbreite nur im großen Komplete 8 Ultimate Paket.

Der Pre-Bass, Jay-Bass und MM-Bass sind Neuauflagen des Blue Bass, Red Bass und des Black Bass, die nach der Besiegelung einer Zusammenarbeit von Scarbee und Native Instruments überarbeitet wurden. Jede dieser drei Libraries konzentriert sich mit einer durchschnittlichen Datenmenge von jeweils etwa 2,5 GB auf die digitale Reproduktion eines einzelnen Instruments. Um welche Instrumente es sich dabei handelt, lässt sich mit einigen E-Bass Basics im Hintergrundwissen relativ einfach erkennen. Der Pre-Bass simuliert einen Fender Precision, der pünktlich zur Geburts-Stunde des Rock´n´Roll Anfang der 1950er Jahre als erster E-Bass der Geschichte in Serienproduktion ging. Seinen Namen verdankt das Instrument der zu dieser Zeit verhältnismäßig spektakulären Tatsache, dass es Bünde hat und somit eine „präzise“ Intonation ermöglicht. So sehr dies inzwischen auch zum Standard geworden sein mag, vor 60 Jahren war es ein Merkmal, das man vom Kontrabass her natürlich nicht kannte.

Das klangliche Vorbild hinter dem Jay-Bass kommt ebenfalls aus dem Hause Fender. Die Library widmet sich dem etwa 10 Jahre nach dem Precision erschienenen Jazz-Bass, obwohl bei der Nachbildung des  geschichtsträchtigen Original-Instruments zur Aufnahme ein dänischer Nachbau bevorzugt wurde. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger verfügt der Jazz-Bass nicht über einen kombinierten Split Coil Tonabnehmer, sondern stattdessen über zwei getrennte Single-Coils, die in der Library genauso wie im echten Leben einzeln oder in Kombination verwendet werden können. Gemessen am Namen des Instruments könnte man vermuten, dass es sich dabei um einen ausschließlichen Spezialisten für jazzige Improvisationen und Walking Bass Lines handelt. Davon sollte man sich aber nicht irreführen lassen. Auch wenn der Jazz Bass seinen klanglichen Einfluss auf Jazz-Rock/Pop Fusionen von Miles Davis und Konsorten nahm, war er aber ebenso im Equipment von Led Zeppelin oder der Jimi Hendrix Experience vertreten und ist bis zum heutigen Tag in vielen anderen Rock- und Soul-Produktionen zu hören. Die Library des Jay-Bass bietet als einzige spezielle Slap-Samples, macht im Gegenzug aber Abstriche bei der Anzahl der Velocity-Layers. Statt acht Zonen beim Pre-Bass und neun Zonen beim MM-Bass finden sich für die Standard-Spielweise des Jay-Bass nur vier Samples, zwischen denen sich die Sampling-Engine von Kontakt je nach eingehender Anschlagstärke auf dem Masterkeyboard entscheidet.

Der MM-Bass fällt ein wenig aus dem Rahmen, da die Library laut Thomas Skarbye nicht nur einem einzelnen Instrument, sondern vorrangig dem persönlichen Sound des Bassisten Bernard Edwards gewidmet ist. Dieser sorgte seit Mitte der 1970er Jahre bei der Soul-Formation Chic für den Groove der tiefen Töne und ist beispielsweise der Urheber der charakteristischen Bass-Line des Coverband-Standards „Good Times“. Mr. Edwards war meist mit einem aktiven Music Man StingRay Bass zu sehen, in Skarbyes Anmerkungen zum MM-Bass lässt dieser aber verlauten, dass (ähnlich wie beim Jay-Bass) nicht das originale Vorbild gesampelt wurde. Zum Einsatz kam ein Music Man Sterling Bass, der aufgrund der Verwendung von Flatwound-Saiten vergleichsweise höhenarm klingt – wie ein echter Vintage-Bass eben klingen soll. Generell wirkt der Sound aller Scarbee Bässe relativ real und naturbelassen. Vor allem den im Bass- und Sub-Bass-Bereich extrem kräftigen Sounds aus Spectrasonics Trilian, die man in vielen Fällen erst einmal mit einem Low-Cut behandeln muss, setzen die Libraries einen offeneren Klang gegenüber.

Wie für Bass-Aufnahmen nicht unüblich, wurden alle Instrumente in den Standard-Versionen der Libraries zur Aufnahme direkt ins Mischpult eingespielt. Prinzipiell ist ein Reamping über Amp-Simulationen und/oder Speaker-Faltungen also jederzeit möglich. Nach dem gleichen Prinzip wurden die Samples der DI-Aufnahmen in den Amped-Versionen von Pre- und MM-Bass durch vier echte Bass-Amps gejagt und wiederum aufgenommen. Die Datenmenge steigt dementsprechend auf das Vierfache der Standard-Libraries und liegt in beiden Fällen bei knapp 12 GB. Die Bezeichnungen der verwendeten Amps verbergen sich dabei hinter Preset-Namen wie Fat, Punchy, Crunchy, Heavy oder Pop.

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