Hersteller_NativeInstruments Gear_DJ-Controller
Test
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06.09.2013

Praxis

Die Verkabelung mit dem Apfel-Tablett Version Vier beginnt, indem ich den Lightning-Adapter (29 Euro im Apple-Store!) auf das 30-Pin-Kabelende stecke und das Tablet mit dem spannungsversorgten Controller verbinde. Connection established. Das Audiorouting in der App erfolgt automatisch. Als Kopfhörer benutze ich einen ATH 700 MK2 Pro, der Ständer ist ein Crane CV3. Ferner kommen zwei Alesis M1 Active Monitore zum Einsatz, da der Z1 keine Klinkenbuchsen für die größeren Pioneer SDJ05 Aktivboxen hat, weshalb der Z1 auch meine Studio PA nicht bespielen kann.

Am iPad

Im Gegensatz zum iPad-only-Mix mit oder ohne Verwendung eines (Traktor DJ) Audiosplitter-Kabels (mono) wandern hier zwei separate Stereo-Kanäle für das Master-Signal und den Kopfhörer über die Platine. Vielleicht ist dies nicht für jeden Anwender oder jedes musikalische Genre „lebensnotwendig“, sicherlich jedoch für DJs wichtig, die mit verspielteren Tracks hantieren, bei denen die Tiefenstaffelung und das Panorama dem akustischen Geschehen zuträglich oder gar für die Dramaturgie des Titels von essenzieller Bedeutung ist (Verhallung, Effektverlauf, etc.). Das Interface hat neben der Möglichkeit, zwei Stereo-Signale auszugeben und adäquat vorzuhören aber noch einen zweiten Nutzen. Schließlich ist das iPad ja nun nicht gerade ein „Dampfhammer“, wenn es um seine (für mobile Devices EU-reglementierte) Ausgangsleistung geht. Der Z1 schafft hier Abhilfe, denn er sorgt für den nötigen Boost. Dazu mal ein Vergleich. Aufgezeichnet wurde hier die Ausgangsleistung bei gleichen Einstellungen einmal direkt vom iPad und einmal vom Z1 in das Audio 6.

Im Test stellte sich heraus, dass das Audiointerface des Z1 bei gleichen Einstellungen dem iPad haushoch überlegen ist und nebenbei erwartungsgemäß gut und druckvoll klingt. Für den professionellen Einsatz fehlen natürlich symmetrische Ausgänge, aber der ist hier sicherlich auch nicht angedacht. Sinnvollerweise sind die Channelmeter (5x blau, 2 x rot, Post-EQ, Pre-Fader, mono) beschriftet, sodass hier eine visuelle Kontrollmöglichkeit beim Angleichen der Kanallautstärke erfolgen kann. Das Display zeigt jedoch nicht  - auch nicht optional - die tatsächliche Ausgabelautstärke gemäß Master-Drehregler an, der über der farblich abgesetzten Vorhör-Abteilung (Cuemix, Volume, 2x Cue-Buttons) thront.

Punkten kann auch der Kopfhörerausgang. Er klingt nicht nur transparent und ist laut genug für Bedroom-Einsätze und um das kompakte Leichtgewicht mal eben zur nächsten Party im Freundeskreis zu schleppen. Nein, ich würde die Ausgangsleistung und die allgemeine Klangqualität des Interface sogar als angemessen für die Kiezbar und so manch anderes Tanz-Etablissement einstufen und hätte keine Hemmungen, dort mit dem Z1 abzurocken. In der Szene-Bar ist Stellplatz ja bekanntlich ein hohes Gut und sollte der DJ hinter den Tresen gequetscht werden, wo es teilweise sehr eng und busy zugehen kann, ist die Kombination aus iPad und Z1 ein perfekter Partner. Erst recht, da der Akteur aufgrund der Touch-Bedienung der App (Browsing, Touch-FX, Hotcues, Slicer …) nicht unbedingt einen zweiten Controller oder einen ausgewachsenen S4 mitschleppen muss. Das iPhone als DJ-Tool mutet für meinen Geschmack (bei allem Respekt an die Apple-Hardware und Natives App) im Vergleich zum Tablet schon sehr „fummelig“ an und wäre nicht meine Wahl. Die Kombination aus iPad (Navigation, Tracks starten und syncen, Cues und Loops abfeuern, was ja in der Tat eher „Tastenwerk“ ist) und den „althergebrachten“ Mixer-Aufgaben wie Blenden und Frequenzfrickeln an der Konsole gefällt mir indes sehr gut.

Überhaupt erschließt sich die Bedienung auf Anhieb und das Teil macht richtig Spaß. Die Fader und Drehregler arbeiten präzise, der Filter filtert und übernimmt über die Mode-Taste einen Effekt. Doch Achtung: Wenn ich vom Filter- zum FX-Modus wechsel oder umgekehrt, wird der zuvor aktive Klangverbieger ausgeschaltet und zurückgesetzt. Bei der dualen Steuerung von Parametern – also mit dem iPad und den Bedienelementen des Controllers - hat sich Native Instruments ebenfalls was einfallen lassen. Sollte der DJ nämlich mit dem Touchpad einen Effekt (X/Y), Filter (X/Y) oder EQ tweaken, stimmt der ja dann unweigerlich nicht mehr mit der Position des Regler überein, der ohnehin nur die X-Achse bedient. Lasse ich jedoch am iPad los, springt die Kenngröße an den Wert zurück, der der Reglerposition an der Hardware entspricht. Das ist nicht nur praktisch, dadurch lassen sich auch recht interessante akustische Effekte erzielen. Zum Beispiel mit einem Finger auf dem Pad, der einen Effekt bedient bei gleichzeitigem Bewegen des Fatty-Knob für die Filterfahrt. Oder ein „boostender LowQ-Gater“. Hier noch ein Nachschlag an Audiobeispielen.

Am Notebook

Wer allein mit dem X1 am Notebook spielen will, kann auch hier das Mixen, Equalizing und Filtern mit dem Z1 dirigieren, jedoch ist der Effekt-Layer des Filters nicht gemappt. Dafür dürfen die Tracks mittels „Mode+Preview“ eingestartet werden. Es gibt zudem einen MIDI-Modus („Mode+RCue+LCue), der sich mit einem User-Mapping belegen ließe, doch traten im Test Unstimmigkeiten beim Wechsel zwischen beiden Modi auf. Wer möchte, kann natürlich auch Keyboard Shortcuts für Loops und Cues einsetzen oder (wer´s etwas haptischer mag) einen weiteren MIDI-Controller einbinden. Das könnte, muss allerdings kein X1 oder F1 sein, obwohl diese neue Modularität bei Native Instruments natürlich eine tolle Sache ist. Sollte der geneigte Käufer auch ein iPad besitzen, kann er hierfür eine App wie Maago 4 x 4 Virtual als drahtlosen MIDI-Controller nutzen oder sich über die Freeware TouchOSC selbst etwas passendes zusammenschustern.

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