Hersteller_NativeInstruments 2012_Jahresrueckblick
Test
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23.11.2011

PRAXIS

Getestet wurde der Native Instruments S2 ausschließlich auf der PC-Plattform. Die neue Traktor Pro 2 Software kam dabei sowohl unter Windows XP als auch unter Windows 7 zum Einsatz. Für die Installation musste ich mir insbesondere unter Win 7 schon ein wenig Zeit nehmen. Der ganze Spaß dauerte hier etwa 40 Minuten. Vor allem die Treiber-Installation der Hardware geht unter XP deutlich schneller vonstatten. Nach Ende des Setups, bei dem sowohl Traktor als auch sämtliche Hardware-Treiber auf die Festplatte geschaufelt wurden, wird das Service Center aufgerufen - welches sich mal eben selbst updated, um dann mit der Seriennummer das Produkt zu aktivieren. Anschließend stellt Natives Service Software fest, dass es bereits ein Traktor-Update gibt (Version 2.1.1.), welches ich dann bereitwillig herunterlade, um mir im Anschluss aufs Neue den Forschrittsbalken des Windows Installer  anzuschauen. S2 drangestöpselt und „los geht´s“, denke ich mir letztlich … doch nein, die Hardware-Treiber werden nun erneut installiert und ich darf den Rechner rebooten. Hinzu gesellt sich dann auch noch ein Windows 7 Update und ich gehe erst mal einen Kaffee trinken …

Nach der ganzen Prozedur wurde mir meine Belohnung leider verweigert. Das Audiointerface des S2 erwies sich als defekt, was mich dann unterm Strich einen Nachmittag meiner Zeit kostete. Da das Diagnose-Tool des S2 Softwarepanels ständig „Panic“ und einen Haufen „USB Data Errors“ meldete, ging ich zunächst von einem Fehler in meinem Setup aus und stöberte in Natives Forum und in den FAQs, um dort nützliche Hinweise und Tools zur Lösung meines Problems zu finden. Doch es half alles nichts: Es führte kein Weg mehr an der Support Hotline vorbei, die mich rasch nach einer Stunde zurückrief. Der Mitarbeiter war sehr hilfreich und stellte nach kurzer Zeit fest, dass es sich um einen Defekt im Interface handeln musste. Er versicherte mir, dass ihm das zum ersten Mal untergekommen sei, was ich ihm auch geglaubt habe. Innerhalb von drei Werktagen bekam ich ein neues Exemplar, welches dann anstandslos funktionierte. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle!

Neustart
Mit neuem Mut und neuem Gerät starte ich nun abermals Traktor. Und es läuft auf Anhieb rund. Die Software ermöglicht zu Beginn (bei bereits installierten Vorversionen) den Import einer bestehenden Collection mit allen Bewertungen und Playlisten. Die Daten können dann auf Wunsch in den neuen Traktor 2.x–Ordner kopiert werden, was zügig vonstattengeht. Leider finden die alten Stripes bzw. Wellenformen in der neuen Version keine Verwendung, sodass diese alle neu errechnet werden müssen. Am besten lässt man sämtliche Tracks der Sammlung über Nacht neu analysieren. Darüber hinaus findet mit Traktor Scratch kein Austausch der Daten mehr statt, sodass Editierungen, die man in Traktor Pro 2 vornimmt, in der alten Scratch-Version nicht zu nutzen sind. Danach führt mich der Setup-Wizard durch die Konfiguration, was kinderleicht von der Hand geht. Anschließend sind Controller und Traktor betriebsbereit. Also Kopfhörer angeschlossen, Tracks laden und ab geht‘s!

Traktor Version 2.1.1.
Das Software-Update ist für die native Einbindung des S2 unabdingbar. Darüber hinaus hat es diverse neue Features und Bugfixes gegeben. Es ist nun möglich, in jedem Sample Slot separat den Keylock und das Effekt-Routing zu aktivieren. Zudem können die Samples nun einzeln auf dem Kopfhörerweg abgehört werden. Attraktiv und praxisgerecht ist meiner Meinung nach auch die neue Option in den Voreinstellungen, den Headroom vorab festzulegen. Angeboten werden hier 3 dB, 6 dB und 9 dB, was in meinen Augen durchaus Sinn macht. Je nachdem, ob man intern mit dem Software-Mixer oder mit einem externen Gerät arbeitet, wären hier andere Einstellungen möglich. 

Mit diesem Update kommt auch das bereits angesprochene Feature, den Gain-Regler als Controller für das bipolare Filter zu nutzen. Fortan kann das Effekt-Routing der Sample-Decks vom S2 aus gesteuert werden. Hierzu dienen die FX-Buttons in den Kanalzügen, die in Kombination mit Shift zu betätigen sind. Zu guter Letzt sei erwähnt, dass es mit dem S2 ab Version 2.1.1. möglich ist, die globalen Funktionen „Snap“ und „Quantize“ zu (de)aktivieren. Zu diesem Zweck werden nun die runden Sample-A/B-Taster mit Shift kombiniert. Zuvor hatten diese keine Zweitfunktion inne.

Performance
Der vorgegebene Workflow ist effektiv und bereitet mir eine Menge Spaß. Die meisten Bedienvorgänge sind intuitiv und all jene, die in Kombination mit Shift ausgeübt werden, schnell verinnerlicht. Besonders gut finde ich, dass man jetzt nicht mehr auf die bipolaren Filter verzichten muss. Die beiden Kanäle erfüllen insofern meine Anforderungen ganz und gar. Da die Linefader nicht unbedingt die längsten ihrer Art sind, hätte ich mir gewünscht, die Kurvencharakteristik beeinflussen zu können, um die fehlende Länge ein wenig zu kompensieren.

Die Master/Monitor-Sektion des S2 in Verbindung mit Traktor gefällt mir besser als jede andere Software/Controller-Kombi, die mir bisher begegnet ist. Das Master-Poti, welches oben auf der Mixer-Sektion sitzt, erweist sich im Übrigen nicht als Controller des Software-seitigen Pendants, sondern als ein echtes analoges Poti, welches ausschließlich den Ausgangspegel des symmetrischen Master-Ausgangs regelt.

Davon unabhängig wird der Monitor ausgespielt, dessen Pegel zwar justiert werden kann, aber nicht dauerhaft unter Kontrolle steht, da der Pegelsteller rückseitig angebracht wurde, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Schließlich möchte man die Abhörlautstärke in der DJ-Kanzel ja auch mal absenken oder gar ganz muten, wenn mal Besuch in Form einer schönen Lady vorbeikommt oder der nachfolgende DJ aufschlägt. Da der Kontrolletti mitunter auch für Bedroom-DJs konzipiert wurde, hätte der Kopfhörerabteilung eine Split/ Cue-Schaltung gut getan. 

Der Loop-Workflow des Testkandidaten ist wohl das absolute Highlight. Hier bleiben für mich keine Wünsche offen. Kompetent dirigiert die Loop/Cue-Abteilung das Schleifenverhalten eines Decks bzw. offeriert nahezu alle Möglichkeiten für Beatjumper. Einziger Wermutstropfen in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass der Hardware-Zugriff auf die Hot-Cues fünf bis acht verwehrt bleibt. 

Klang
Den Sound der Cirrus Logic Wandler an dieser Stelle zum X-ten Male breitzutreten, halte ich für unnötig. Es handelt sich bei den Konvertern des S2 um die gleichen, wie sie auch im S4, bei der Audio 2 DJ und bei allen anderen NI-Interfaces Verwendung finden. Die D/A-Wandler und Verstärkerstufen des S2 geben sich im bonedo-Testparcours keine Blöße. Zur Veranschaulichung habe ich einige Audiofiles angefügt. Es handelt sich dabei um einen Auszug eines Tracks, der über den Master ausgespielt und über eine RME Hammerfall wieder aufgezeichnet wurde. Zum Vergleich gibt es dazu noch das Originalfile.

Dem Headphone-Out attestiere ich ebenfalls einen guten Sound. Die Lautstärke geht in Ordnung, birgt aber Verbesserungspotential - für kleine Clubs wohl noch okay, aber in einem lauten Technoclub würde ich damit nicht auflegen wollen, dafür fehlt es dann doch ein wenig an Ausgangsleistung.

Den Klang des Mikrofoneingangs würde ich als natürlich und neutral bezeichnen wollen. Für Ansagen und gelegentliche MC-Einlagen reicht´s allemal. Zur Veranschaulichung gibt es im Folgenden ein Soundbeispiel.

Sampling leicht gemacht
Den Sample-Workflow, den der Kontrol S2 nativ vorgibt, halte ich für praxisgerecht und absolut stage-tauglich. Nachdem die Hot Cues in den Sample-Modus versetzt sind, werden sie auf zweierlei Art befüllt. Entweder wird eine Schleife, die mit dem Loop Recorder aufgezeichnet wurde, per Drag & Drop in den Slot gezogen oder einfach die jeweilige Sample-Taste gedrückt. Bei der zweiten Option wird die Schleife in der vom Loop Size Encoder voreingestellten Länge erzeugt - was mir persönlich am einfachsten erscheint. Das Sample Deck startet sein Playback im Sync und gemutet. Erneutes Drücken des Sample-Buttons (de-) aktiviert die Mute-Funktion. Kombiniert mit Shift stoppt die Wiedergabe, nochmaliges Betätigen der Kombi setzt das Sample-Deck in den Urzustand. Fein.

Direct FX beim S2 
Traktors Effekte lassen sich mit dem S2 sehr komfortabel steuern. Auch hier wird die Software-Oberfläche 1:1 abgebildet. Einziges Manko ist, dass der Panel Mode von der Hardware aus nicht gewechselt werden kann. Ansonsten gibt es keinen Anlass zur Kritik.  Im Folgenden erläutere ich die Zweitbelegungen der Taster der FX-Abteilung: Im Single Modus ermöglichen die Buttons eins bis drei zusammen mit Shift das Laden der Direct FX. Der On/Off-Taster hingegen schaltet die Effekte der Reihe nach durch. Im Gruppenmodus lädt der Aktivierungs-Button die Direct FX eins bis drei auf einen Schlag. Die Buttons eins bis drei hingegen switchen der Reihe nach alle Effekte durch. Die Direct FX eins bis drei werden auf dem S2-Reiter der Voreinstellungen bestimmt. 

Customize me
In den Preferences kann der S2 noch mehr individualisiert werden. Neben den Direct FX findet man hier auch die Konfigurationsmöglichkeit für die Gain-Encoder. Der User legt hier fest, ob jener standardmäßig das Gain oder den bipolaren Filter dirigiert. Darüber hinaus wird dort der Modus (Manuell oder Autoloop) der Loop-Buttons bestimmt und ferner geregelt, ob die Tempo-Slider absolut oder relativ arbeiten - was ich sehr begrüße. Durch den relativen Modus sind die Zeiten der unbeabsichtigten plötzlichen Temposprünge nämlich endgültig vorbei. Zudem kann der DJ in den S2-Options die Scratch-Funktion deaktivieren und vorgeben, ob die Peak-Meter beide Cue-Kanäle simultan oder die Master-Summe in Stereo visualisiert. Darüber hinaus (de-) aktiviert der DJ dort die Option, den S2 im Standard-MIDI-Mode zu betreiben, welcher über das Zusammenspiel von Shift & Shift ausgelöst wird. Vielleicht kommt da ja in Zukunft noch mehr…

Vergleichschart NI S4/S2 Die Frage, die sich für all diejenigen aufdrängt, die beabsichtigen, einen neuen NI-Controller zu erwerben ist doch die folgende: Welcher soll´s denn jetzt sein? S2 oder S4? Natürlich ist da ja noch eine Preisdifferenz von immerhin etwa 300 Talern zu den 900 Euro des Flaggschiffs zu berücksichtigen. Vielleicht hilft euch ja die nachstehende Vergleichschart weiter. Diese berücksichtigt natürlich nicht Größe und Gewicht der Kontrollettis, sondern richtet den Focus auf die wesentlichen Unterschiede (bzw. Gemeinsamkeit) hinsichtlich der Features.

Disziplinen NI Kontrol S4      NI Kontrol S2
Hardware-Zugriff auf den Loop-Recorder Ja Nein
Kontrolle über die Effekt-Slots 3 und 4 Nein Nein
Phono/Line-Eingänge Ja Nein
Dedizierte Kanalfilter Ja Nein
Zugriff-Option auf Cue Points 5-8 Ja Nein
MIDI I/O Ja Nein
Footswitch Ja Nein
Deck Switch für Kanäle C/D Ja Nein
Onboard-Display Ja Nein
Hardware-Zugriff auf das Preview-Deck Ja Nein
Separat regelbarer Monitor-Out  Nein Ja
Hardwareseitiger Wechsel des FX Panel Modus       Ja Nein

 

Wer noch mehr hierzu erfahren möchte, dem sei dieser Link empfohlen. Native Instruments hat hier sämtliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten in einem umfangreichen Tableau zusammengefasst.

 

Hyperlink: Vergleichschart

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