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11.10.2019

Musik Theorie Tutorial für Beat Producer

Workshop: Wie viel Theorie brauche ich um Beats zu bauen?


Tonleiter und Akkorde - die Basics zum Beats machen, leicht erklärt!

Es gibt unzählige Produzenten, die keine Ahnung von Musiktheorie haben. Für so manchen Techno-DJ oder Hip-Hop-Beat-Maker sind Begriffe wie Tonleiter oder Akkord absolute Fremdwörter. Und das ist meistens nicht schlimm, schließlich geht es beim Produzieren von elektronischer Musik um so viele andere Dinge als um Musiktheorie. Außerdem teilen auch berühmte Namen wie Dr. Dre oder Diplo dieses Schicksal und gehören trotzdem zu den ganz Großen ihrer Genres.

Aber was ist, wenn du dir keinen Studiomusiker leisten kannst, um Harmonien und Melodien einzuspielen, wie die beiden oben genannten Legenden? Oder was, wenn du mit einem Sänger zusammenarbeiten willst oder ins Thema Songwriting einsteigen möchtest? Ganz ohne Musiktheorie geht das einfach nicht, zumindest aber ist dadurch alles viel schwieriger und dauert wesentlich länger. Mache mit diesem Workshop den ersten Schritt und lass dir die Basics zur Musiktheorie verständlich erklären.

Was ist wirklich wichtig?

Wir konzentrieren uns bei diesem Workshop auf zwei der Hauptelemente der Musik: Tonleitern und Akkorde. Wenn du diese Themen beherrschst, kannst du Musik auf einem völlig anderen Niveau produzieren und komponieren. Da Musiktheorie reine Mathematik ist, reicht es völlig aus, wenn du dafür das kleine Einmaleins beherrschst.

Tonleitern

Fast jeder hat schon einmal von der C-Dur-Tonleiter gehört. Egal, ob in der Schule oder Musikschule, in der Regel beginnt alles mit der berühmtesten Tonleiter überhaupt. Am Klavier ist sie zusätzlich besonders leicht zu spielen, da sie nur die weißen Tasten des Klaviers nutzt. Aber was genau ist eigentlich eine Tonleiter und warum sollte man sich dabei auskennen?

Definition Tonleiter

Eine Tonleiter ist eine auf- oder absteigende Reihe von Tönen, die aus sieben verschiedenen und insgesamt aus acht Tönen besteht, da der letzte Ton wieder wie der erste Ton heißt. Leiter deshalb, weil man dabei immer nur einen Schritt weiter geht. Schaue dir dieses Notenbeispiel an. Wie du siehst, liegt die erste Note auf einer Linie, die zweite zwischen den Linien, die dritte wieder auf einer Linie usw. Bei einer Tonleiter geht man also immer genau einen Schritt weiter, bis man sieben Schritte hinter sich gebracht hat und man damit beim Ton landet, der genau wie der Startton heißt.

Tonleiter und Tonart

Mit einer Tonleiter legst du also die Töne fest, die du spielen oder in einem Beat verwenden kannst. Genau das tut auch die sogenannte Tonart. Diese legt ebenfalls fest, welche Töne zur Verfügung stehen und in einer Komposition oder einem Beat verwendet werden können. Tonleiter und Tonart sind damit Synonyme. Wenn du also etwas in einer bestimmten Tonart komponieren oder produzieren willst, musst du dich nur auf eine bestimmte Tonart festlegen und dann herausfinden, wie die dazugehörige Tonleiter genau aussieht bzw. aus welchen Tönen sie besteht. Im nächsten Schritt schauen wir uns deshalb den Aufbau der C-Dur-Tonleiter genau an.

Halb- und Ganztonschritte

In der Musik gibt es zwei verschiedene Tonschritte: den Halbton- und den Ganztonschritt. Am Klavier bedeutet Halbtonschritt, wir bewegen uns zur nächsten Taste, egal ob schwarz oder weiß. Beim Ganztonschritt überspringen wir demnach eine Taste. Man kann die beiden Tonschritte auch mit 1 (Ganztonschritt) und ½ (Halbtonschritt) abkürzen.

Aufbau einer Dur-Tonleiter

Jetzt untersuchen wir die C-Dur-Tonleiter auf die darin enthaltenen Tonschritte, stell dir dazu eine Klaviertastatur vor oder schau dir nochmal das erste Bild dieses Artikels an. Vom ersten zum zweiten Ton (C und D) überspringen wir eine schwarze Taste. Also haben wir am Anfang einen Ganztonschritt. Auch vom zweiten zum dritten Ton (D und E) haben wir einen Ganztonschritt. Dann folgt allerdings ein Halbtonschritt, denn zwischen dem dritten und vierten Ton (E und F) gibt es auf der Tastatur gar keine schwarze Taste. Nun folgen wieder drei Ganztonschritte (zu den Tönen G, A und H) und zum Schluss gibt es nochmals ein Halbtonschritt, denn zwischen den Tasten der Töne H und C gibt es ebenfalls keine schwarze Taste. Die C-Dur-Tonleiter ist also wie folgt aufgebaut:  

1 – 1 – ½ – 1 – 1 – 1 – ½

Und das sieht und hört sie sich so an:

Da jede Dur-Tonleiter genau gleich aufgebaut wird, kannst du ab jetzt mit dieser Formel die Töne jeder beliebigen Dur-Tonleiter herausfinden. Falls du abwärts gehen möchtest, musst du die Formel einfach umdrehen.

Praktisches Beispiel

Lass uns das an einem Beispiel überprüfen, nämlich an G-Dur. Du kannst dafür die Tonnamen festlegen oder einfach an deinem Keyboard oder Klavier die entsprechenden Tasten herausfinden. Beides funktioniert, dieses Mal gehen wir den Weg über die Tonnamen.

Wir starten beim G und führen zwei Ganztonschritte durch, somit erhalten wir die Töne A und H. Der erste Halbtonschritt führt uns dann zum Ton C, die nächsten drei Ganztonschritte zu den Tönen D, E und Fis. Zum Schluss dann der zweite Halbtonschritt zurück zum G. 

Zur Überprüfung hören wir uns unser Ergebnis an.

Das ist definitiv eine Dur-Tonleiter. Unser System funktioniert also einwandfrei. Übe das Ganze ein paar Mal, damit dir der Ablauf so richtig klar wird.

Moll-Parallele und ihr Aufbau

So weit, so gut, aber was, wenn du ein Stück in Moll schreiben möchtest? Der Großteil unserer aktuellen Musik ist in Moll, beim Hip-Hop allein ist das Verhältnis wahrscheinlich sogar 99 zu 1. 

Auch eine Moll-Tonleiter ist nicht schwer. Denn jede Dur-Tonart hat eine parallele Moll-Tonart. Parallel bedeutet, in der Musik verwandt – oder in anderen Worten: Aus den gleichen Tönen bestehend. Das bedeutet, es gibt auch eine Moll-Tonleiter, die nur die weißen Tasten am Klavier nutzt. Die Moll-Parallele findest du immer drei Halbtöne unter der Dur-Parallele, im Falle von C-Dur ist das also A-Moll. Da wir die Töne der C-Dur-Tonleiter bereits kennen, kannst du diese also einfach noch einmal spielen, dieses Mal beginnst du aber beim Ton A.

Bist du in einer fremden Tonart und kennst deshalb die Töne der Dur-Parallele noch nicht, kannst du auch direkt die Moll-Tonleiter mit der passenden Formel aufbauen. Wir begegnen hier zwar den gleichen Tonschritten wie bei Dur, allerdings sind sie bei Moll anders angeordnet sind. Diese Moll-Formel lautet:

1 – ½ – 1 – 1 – ½ – 1 – 1

Wie du siehst, ist das Ganze nicht wirklich schwer. Gehe einfach streng nach den Formeln vor, damit sich keine falschen Töne einschleichen. Mit etwas Übung findest du die Töne einer Tonleiter dann ganz schnell. Suche dir in Zukunft also einfach eine Tonart aus und bestimme dann mit Hilfe einer der beiden Formeln, aus welchen Tönen die entsprechenden Tonleitern bestehen. 

Schau dir für ausführlichere Informationen noch unsere Artikel Tonleitern auf dem Klavier herausfinden, Notenlesen verständlich erklärt, Quintenzirkel einfach erklärt und Melodien auf dem Klavier komponieren an.

Definition Akkorde

Im zweiten Teil beschäftigen wir uns nun mit Akkorden. Jeder hat den Begriff sicher schon mal gehört, aber um das Thema wirklich verstehen zu können, brauchen wir eine genaue Definition.

Stelle dir vor, du hast eine C-Dur-Tonleiter. Wie wir bereits erfahren haben, besteht diese aus acht Tönen.

Nimmt man nun den ersten, dritten und fünften Ton dieser Leiter, erhält man den gleichnamigen Akkord.

So sieht also der C-Dur-Akkord aus. Man kann dessen Töne gleichzeitig oder nacheinander anschlagen oder programmieren.

Ein Akkord ist also ein Dreiklang, der aus dem ersten, dritten und fünften Ton der gleichnamigen Tonleiter besteht.

Akkordtypen

Genau wie bei den Tonleitern gibt es auch verschiedene Akkordtypen, für uns sind aber auch hier wieder nur Dur und Moll von Bedeutung.

Unsere Definition eines Akkords hilft beim Bauen eines solchen nur bedingt, denn dann müssten wir ja zuerst immer die komplette Tonleiter bilden und dort den ersten, dritten und fünften Ton auswählen. Das geht auch wesentlich schneller. Wir müssen nun verstehen, wie beide Akkordtypen unabhängig ihrer Tonleitern aufgebaut werden. Deshalb untersuchen wir zuerst den C-Dur-Akkord nach seiner Zusammensetzung, von dem wir ja bereits wissen, wie er aussieht. Dazu zählen wir einfach die Halbtonschritte zwischen den Akkordtönen. 

Um vom ersten zum zweiten Akkordton zu kommen, müssen wir uns vier Halbtonschritte nach oben bewegen. Vom zweiten zum dritten Akkordton sind es dann nur noch drei Halbtonschritte. Um einen Dur-Akkord zu bauen, müssen wir vom jeweiligen Grundton also zuerst vier und dann drei Halbtöne höher gehen.

Jetzt untersuchen wir einen Moll-Akkord. Um den Unterschied zu Dur noch besser sehen zu können, nehmen wir dafür den C-Moll-Akkord. Zuerst brauchen wir dafür die C-Moll-Tonleiter.

Dann nehmen wir wieder den ersten, dritten und fünften Ton und erhalten somit den C-Moll-Akkord.

Um einen Moll-Akkord zu bauen, müssen wir vom jeweiligen Grundton also zuerst drei und dann vier Halbtöne höher gehen.

Welche Akkorde können in einer Tonart vorkommen

Zum Schluss bleibt uns nun also noch zu untersuchen, welche Akkorde in einer Tonart vorkommen können. Das wird dich beim Komponieren, beim Produzieren und beim Verständnis von Musik enorm weiterbringen. 

Da wir inzwischen wissen, dass eine Dur-Tonleiter die gleichen Töne wie ihre Moll-Parallele verwendet, werden in beiden Leitern somit auch die gleichen Akkorde auftauchen, eben nur in einer anderen Reihenfolge. Deshalb beschränken wir uns bei unserer letzten Untersuchung auf eine Moll-Tonleiter, dieses Mal A-Moll. Hier ist also noch einmal die A-Moll-Tonleiter.

Jetzt bauen wir auf jedem dieser Töne einen Akkord auf. Da wir in der Tonart A-Moll bleiben wollen, nutzen wir dafür aber nur die Töne der A-Moll-Tonleiter. Anschließend analysieren wir die Akkorde dann. Folgende Akkorde entstehen, wenn wir auf jedem Ton der A-Moll-Tonleiter einen Akkord aufbauen.

Bleibt nur noch, die sieben Akkorde zu bestimmen.

Der zweite ist ein sogenannter verminderter Akkord. Da dieser in unserer modernen Musik so gut wie nie vorkommt, kannst du den im Moment einfach vergessen. Ansonsten haben wir drei Moll- und drei Dur-Akkorde. Alle sechs Akkorde kannst du beruhigt in einem Beat in A-Moll nutzen.

Schlusswort

Wenn du also einen Beat in einer unbekannten Tonart machen möchtest, solltest du wie folgt vorgehen. Als erstes baust du die entsprechende Tonleiter. Dann baust du auf jedem Ton einen Akkord auf, mit den Tönen der jeweiligen Tonleiter. Das sind dann die Akkorde, die du guten Gewissens in deinem Beat verwenden kannst, da diese klanglich gut zusammenpassen. Drei davon werden in Moll und drei in Dur sein. Mehr ist es nicht. Du musst zugeben, so schwer war das überhaupt nicht.

Für weitere Informationen zum Thema Akkorde und Akkordfolgen solltest auf jeden Fall unsere ausführlichen Artikel Akkorde lernen am Klavier, 4 Akkorde mit denen du fast alle Songs spielen kannst und Kadenzen einfach erklärt lesen. Viel Erfolg beim Umgang mit Tonleitern und Akkorden in deinen Beats und Kompositionen! 

Für alle, die tiefer ins Thema "Abmischen" einsteigen und sehen wollen wie ein Song von Anfang bis zum Ende abgemischt wird, haben wir noch eine Videokursmpfehlung: 
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