Software
Test
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04.12.2014

MusicLab RealRick Test

Virtual Guitar Instrument

60's Sound für DAW-Musiker!

Das Plug-In MusicLab RealRick zum Test bei bonedo – Ich gestehe: Als Keyboarder/Programmer, der trotz hoher Gitarren-Affinität stets zu faul oder zu beschäftigt war, sich das Gitarrenspiel anzueignen, habe ich in der Vergangenheit viele „Fake-Gitarren“ eingespielt, welche in einigen Fällen sogar das Demo-Stadium überlebt und es auf einen kommerziellen Tonträger geschafft haben. RealRick von MusicLab dient genau diesem Zweck und komplettiert das bisherige Angebot virtueller Gitarren des Herstellers, welches aus den Instrumenten RealStrat 3, RealLPC 3 und der akustischen RealGuitar besteht.

Die emulierte Rickenbacker 360 E-Gitarre ist ein ikonenhaftes Instrument, das beispielsweise den Sound vieler Beatles-Aufnahmen geprägt hat und einige Besonderheiten aufweist. So gibt es 6- und 12-saitige Varianten sowie einen zweiten, zusätzlichen Tonabnehmer/Output, welcher Stereo-Sound ermöglicht – Eigenarten, die auch in der Software-Variante berücksichtigt werden. Wie überzeugend RealRick dies umsetzt und was das samplebasierte Instrument sonst noch zu leisten vermag, wird in diesem bonedo-Testbericht beleuchtet.

Details

RealRick ist ein eigenständiges, virtuelles Instrument, das sowohl Standalone als auch in Plug-In Form (VST, AU, AAX) nutzbar ist. Der in 24Bit/96kHz aufgenommene Sample-Content umfasst relativ überschaubare 790 MB. Da alle Samples trocken, also ohne irgendwelche Amps oder Effekte aufgenommen wurden, ist sinnvollerweise die Software Amplitube 3 Custom Shop von IK Multimedia als Bonus erhältlich und kann nach erfolgter Registrierung kostenlos heruntergeladen werden. Die Anzahl der in der Software freigeschalteten Effekte und Amp-Simulationen ist überschaubar, aber von guter Qualität. Bei Bedarf können weitere Effekte nachgekauft werden.

In RealRick stehen die folgenden sechs Guitar-Patches zur Auswahl: 

  • 6-string
  • 12-string A
  • 12-string B
  • 6-string (Stereo)
  • 12-string A (Stereo/Mono) - Sustain-Sound in stereo/weitere Sounds oder Geräusche in mono
  • 12-string B (Stereo/Mono) - Sustain-Sound in stereo/weitere Sounds oder Geräusche in mono

Die 12-String-Varianten A und B unterscheiden sich in der Stimmung der zusätzlichen Saiten, welche oktaviert (A) oder unisono (B) gestimmt sind. Um Euch nicht länger auf die Folter zu spannen wie RealRick klingt, gibt es gleich ein paar Hörbeispiele einiger Guitar Patches, jeweils beginnend mit dem trockenen RealRick-Sound, gefolgt von der gleichen Sequenz, die durch eine spontane Einstellungen von Amplitube 3 gejagt wurden:

Enthaltene Stomp-Effekte

Eine 90-seitige (!), deutschsprachige Bedienungsanleitung wird per Download zur Verfügung gestellt. Der effektive Einsatz aller Möglichkeiten, die RealRick bietet, setzt eine gewisse Freude am Lernen voraus – auf sämtliche Features detailliert einzugehen, würde definitiv den Rahmen eines Testberichtes sprengen. Daher werde ich hier die elementaren Punkte zusammenzufassen.

Die Bedienoberfläche bietet Zugriff auf die fünf Performance Modes MIDI, Pattern, Joystick und Direct. MIDI wird vermutlich der Modus sein, in dem man am häufigsten arbeitet, da hier relevante Einstellungen zum Spielen über ein angeschlossenes MIDI-Keyboard zu finden sind. Die Modes Joystick und Guitar bieten Controller-spezifische Einstellungen zum Ansteuern von RealRick über eine MIDI-Gitarre oder einen „Guitar Hero Game Controller“. Da ich meinen gerade verliehen habe, kann ich mich zum Gelingen dieser Einbindung nicht äußern…

Der Performance-Mode Direct ermöglicht den direkten Zugriff auf alle enthaltenen Samples. Direkt bedeutet in diesem Fall, dass das Auslösen der vielfältigen Artikulationen (Slides, Scrapes, Harmonics, Fret Noises, Mutes und so weiter) nicht von den wiederum sehr umfangreichen Spielhilfen (Key Switch, Velocity, Pedal, etc.) abhängig ist.

Fast hätte ich den Pattern-Mode vergessen! Dieser bietet eine große Auswahl vorgefertigter MIDI-Patterns zum Ansteuern der virtuellen Gitarre. Diesen Modus hätte man meines Erachtens aber getrost unter den Tisch fallen lassen können, da die Patterns sehr statisch, MIDI-mäßig und nicht sehr authentisch wirken. Das wird die Großzahl der potentiellen Anwender selbst wahrscheinlich deutlich besser hinbekommen.

Da ich die virtuelle Rickenbacker 360 mit Hilfe eines MIDI-Keyboards getestet habe, werde ich im folgenden Testverlauf den Performance-Mode MIDI fokussieren. Das MIDI-Fenster bietet auch wiederum fünf unterschiedliche Modes, welche grundsätzlich darüber bestimmen, ob Samples einzelner Töne, Intervalle, ganzer Akkorde oder Mischungen daraus gespielt werden können. In jedem dieser Modes (Solo, Harmony, Chords, Bass´n´Chord, Bass´n´Pick) wird wiederum eingestellt, welche Spielhilfen/Controller für das Triggern der jeweiligen Spielweise (Legato, Tap, Mute, Slide) oder von Artefakten wie Fret Noise oder Scrapes verantwortlich sind. Die vorangegangenen Audiobeispiele 01 bis 04 sind im Solo-Mode entstanden. Im Folgenden hören wir eine kurze Sequenz des 6-string-Patches in stereo mit allen einstellbaren Varianten des Harmony-Modes:

Der MIDI/Harmony Mode

Im Chord-Mode können die Samples kompletter Akkorde gespielt werden, zu hören im folgenden Audiobeipiel, in welchem alle Patches zum Einsatz kommen.

Nach diesem groben Überblick des Funktionsumfangs werde ich im Praxisteil näher auf verschiedene Steuerungsmöglichkeiten eingehen, die ein authentisches Spielen der Rickenbacker Samples ermöglichen sollen.

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