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Test
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07.01.2016

Moog Mother-32 Test

Semi-modularer Analogsynthesizer

Der Mutter!

Moog haben ihren neuesten analogen Synthesizer auf den Namen Mother-32 getauft. Der (die?) semi-modulare Moog Mother-32 bietet viele Patchmöglichkeiten und einen Sequencer und eignet sich damit ganz besonders als Basis oder Ergänzung für ein modulares System. Passend dazu hat der Traditionshersteller aus North Carolina den Mother-32 so konzipiert, das man ihn wahlweise auf den Tisch stellen oder in das momentan sehr populäre Eurorack-System einbauen kann. Mit seinem integrierten Sequencer kann der Moog Mother-32 als Startpunkt für den schrittweisen Aufbau eines Modularsystems dienen. Wir haben den neuen Moog getestet und herausgefunden, was er klanglich und funktional zu bieten hat.

Als ich die ersten News zu Moogs neuem Analogsynth las, kam mir der Name zunächst nur zögerlich über die Lippen. („Moog Mother-32“ rollt übrigens erst dann gut, wenn man „Moog“ richtig mit einem „o“ wie in „Code“ und nicht mit dem oft gehörten „uh“ ausspricht.) Schaut man sich das Konzept und die Features des Mother-32 an, wird aber schnell klar, dass der Name mehr als eine schöne Alliteration ist. Er symbolisiert, was der Mother-32 sein möchte: Ein Mutterschiff, eine Schaltzentrale für ein wachsendes System aus weiteren Eurorack-Modulen und/oder analogen Synthesizern (und natürlich hoffentlich eine Geburtsstätte für Ideen). Die „32“ steht schließlich für die 32 Steps des integrierten Sequencers, durch den der Mother-32 in einem solchen Setup die leitende, Takt gebende Rolle übernehmen kann. Als semi-modularer Synthesizer lässt er sich aber auch komplett autark betreiben und man muss nicht unbedingt Patchkabel stecken um etwas hören zu können.

Details

Konzept

In einer Zeit, in der Modularsysteme wieder in aller Munde sind und längst nicht mehr nur von besessenen Fricklern eingesetzt werden, ist es logisch und geradezu überfällig, dass ein Kaliber wie Moog wieder mit von der Partie ist. Und wie tut man das, ohne sämtliche Baugruppen der Moog-Synths als Eurorack-Module einzeln herauszubringen? Richtig: Man baut einen semi-modularen Synth, der schon auf sich allein gestellt funktioniert und alle Komponenten enthält, für die die Marke Moog zu Recht berühmt ist. Dazu gibt man ihm ein Patchfeld mit auf den Weg, das die Einbindung modularer Ergänzungen und Modulationen an vielen Punkten des Signalwegs ermöglicht. Sogar der Mixer ist CV-steuerbar. Das Ganze steckt man in ein Gehäuse, das den Einsatz als Desktop-Synthesizer oder großes Eurorack-Modul erlaubt, und spendiert dem Mutterschiff einen Sequencer, Pattern-Speicherplätze und ein MIDI-Interface.

Für sich genommen ist der Mother-32 kein besonders komplexer Synthesizer. Mit einem Oszillator, einem Filter, einem LFO und einer relativ simpel konstruierten Hüllkurve wird er alleine nicht die gleiche klangliche Bandbreite und Dichte produzieren können, wie man sie zum Beispiel einem Sub 37 oder gar einem Voyager entlocken kann. Betrachtet man ihn aber als All-in-one-Synthesizer-Modul für ein modulares System, so gehört der Mother-32 derzeit zweifellos zu den luxuriösesten und vielseitigsten Alternativen. Damit ist die Zielgruppe klar umrissen: Wer sich für modulare Synthesizer interessiert und sich nach und nach ein System aufbauen möchte, findet hier einen Startpunkt mit vielen Möglichkeiten und bekommt ein einfaches MIDI-Interface und einen Sequencer gleich mitgeliefert. So muss man am Anfang nicht gleich ein komplettes System aus Einzelmodulen planen und zusammenstellen, sondern kann erstmal „stand-alone“ loslegen. Wenn klar wird, wohin die modulare Reise geht und welche Sound-Planeten erforscht werden sollen, kann man das Setup nach und nach erweitern. Dieses „Mutterschiff-Konzept“ finde ich spannend und sehr zeitgemäß.

Gehäuse

Der Moog Mother-32 wird als Desktop-Modul ausgeliefert. Das stabile Metallgehäuse mit den schmalen, hölzernen Seitenteilen vermittelt eine ebenso solide Haptik wie die Bedienelemente, insbesondere die 14 großen, präzisen und wunderschönen Potis mit angenehmem Drehwiderstand und die neun Kippschalter sind hier zu nennen. Die Verarbeitungsqualität ist rundum makellos, nichts anderes würde man von Moog erwarten. Alle Potis, Schalter und Buchsen sind fest mit der Frontplatte verschraubt. An der Rückseite des Gehäuses findet man einen Audio-Ausgang (6,3mm Klinke), der auch als Kopfhöreranschluss genutzt werden kann. Auch der Anschluss für das mitgelieferte Netzteil und eine Bohrung für ein Kensington Lock sind hinten zu finden. Der MIDI-Eingang liegt auf dem Bedienfeld und ist damit auch beim Einsatz im Eurorack zugänglich. Einen MIDI-Ausgang und USB-MIDI gibt es nicht, folglich sendet der Sequencer des Mother-32 auch keine MIDI-Daten und lässt sich nur über CV/Gate zum Steuern externer Komponenten einsetzen.

Wer den Mother-32 im Eurorack betreiben möchte, baut den Synthesizer durch Lösen der acht Schrauben auf der Frontplatte aus dem Gehäuse aus und zieht die Kabel für die Ausgangsbuchse und den Netzteilanschluss von der Platine ab. Die Frontplatte mitsamt Platine kann dann einfach mit denselben Schrauben ins Eurorack eingebaut werden, wo sie 60HP Breite einnimmt. Eine Anschlussmöglichkeit für die Eurorack-Stromversorgung ist auf der Platine vorhanden, die Leistungsaufnahme liegt bei 230mA bei +12V. Die 6,3mm-Ausgangsbuchse entfällt in diesem Fall natürlich, das Gesamtausgangssignal lässt sich beim Einsatz im Eurorack an der Buchse VCA Out im Patchfeld abgreifen.

Neben dem Netzteil umfasst der Lieferumfang eine englische Kurzanleitung und eine ausführliche Bedienungsanleitung, die detailliert über alle Funktionen des Synthesizers informiert. Außerdem ist ein Tütchen mit fünf kurzen Patchkabeln dabei. Der deutsche Vertrieb EMC legt Moog Synthesizern stets exzellente deutsche Fassungen der englischen Anleitungen bei. Das deutsche Handbuch ist kompetent und liebevoll übersetzt – viel besser, als man es bei den meisten „großen“ Herstellern findet. Dass die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis nicht stimmen (um 2 verschoben), verzeiht man bei soviel Service natürlich gern!

Optional bietet Moog zwei Rack-Ständer an, die zwei bzw. drei Mother-32 aufnehmen können. Dadurch erhält man mehr unabhängige Stimmen und natürlich mehr Patchmöglichkeiten. Wer den Mother-32 um einige Eurorack-Module erweitern möchte ohne gleich in einen großen Rahmen zu investieren, könnte Gefallen am ebenfalls optional erhältlichen Moog 60 HP Eurorack-Gehäuse finden. Es ist in der gleichen Optik wie der Mother-32 gehalten und bildet eine schicke Einheit mit dem Synthesizer. 

Bedienfeld und Klangerzeugung

Das kompakte Bedienfeld ist in der vertrauten Moog-Optik gehalten. Vor allem die klassischen Potikappen sind unverwechselbar. Die Oszillatorsektion beginnt links oben mit dem Frequenzregler für den einzigen VCO, der einen Regelbereich von zwei Oktaven aufweist, und dem GLIDE-Poti. Daneben liegt der Umschalter für Sägezahn- oder Pulsschwingung (anders als den meisten anderen Moog Synthies fehlt dem Mother-32 die stufenlose Überblendmöglichkeit der Schwingungsformen). Die hier ausgewählte Schwingung liegt ohne Patchverbindung im Mixer an, über das Patchfeld lassen sich bei Bedarf beide Schwingungen gleichzeitig abgreifen und dann auch im Mixer mischen. Weiter rechts findet man ein Poti für die Pulsbreite der Rechteckschwingung. Darunter liegt die VCO MOD Sektion mit einem Schalter für die Quelle (Envelope, LFO oder ein über das Patchfeld zugeführtes Modulationssignal), einem Regler für die Intensität und einem Schalter für das Modulationsziel (Frequenz oder Pulsbreite). Das Poti MIX überblendet das VCO-Signal mit Rauschen oder dem Signal von der Buchse EXT AUDIO im Patchfeld. Der Mixer ist CV-steuerbar, wodurch sich das Mischungsverhältnis modulieren lässt.

Weiter rechts folgt das Filter, das sich mit einem Schalter zwischen dem gewohnten Moog-Tiefpass und – man höre und staune – einem Hochpassfilter umschalten lässt. Gerade im Kontext eines modularen Systems ist ein Moog-Hochpass eine sehr willkommene Bereicherung! Allerdings verhält sich der Hochpass unkonventionell, mehr dazu im Praxisteil. Die beiden Potis für Cutoff und Resonance sind hingegen keine Überraschung, ebenso wenig wie der Schalter für die Auswahl von EG oder LFO und der Regler für die Modulationsstärke. Die Polarität der Modulation lässt sich ebenfalls umschalten. Der VCA bietet einen Umschalter zwischen ON und EG und einen Volume-Regler.

In der Reihe darunter finden wir zunächst das Poti für das Tempo, das beim Programmieren von Sequenzen auch zur Einstellung der Gate Length dient. Dann folgen die Modulatoren: Der LFO verfügt über einen Frequenzregler, dessen Regelbereich mit einem Maximum von etwa 600Hz in hörbare Sphären vordringt, und einen Umschalter zwischen Dreieck- und Rechteckschwingung. Auch hier sind beide Schwingungen im Patchfeld gleichzeitig verfügbar. Die einfach gehaltene Envelope bietet Regler für Attack und Decay sowie einen Schalter für das Sustain. Bei aktiviertem Sustain arbeitet der Decay-Regler wie ein Release, die Hüllkurve lässt sich also zwischen AD und ASR umschalten.

Hinter dem Poti VC MIX verbirgt sich ein CV-steuerbarer Mixer für zwei Steuerspannungen, der sich für vielfältige Aufgaben vom einfachen manuellen Abschwächen und Regeln einer Control Voltage bis hin zur Einbindung externer Signale zum Modulieren des Mischungsverhältnisses anbietet. Von diesem sehr wertvollen Baustein, so fiel mir in der Praxis auf, könnte man oft noch einen zweiten gebrauchen! Er verfügt im Patchfeld über zwei Eingänge (MIX 1 und 2), einen Input für eine Steuerspannung (VC MIX CTRL) und einen Ausgang. Per Poti oder CV kann man so zwischen zwei Steuerspannungen überblenden oder eine einzelne Modulation abdämpfen. 

Der Sequencer wird über gummierte Taster programmiert und gesteuert. Neben der unten links platzierten MIDI-IN-Buchse findet man zunächst fünf Taster, die sich um eine zentrale Tempo-LED gruppieren. Die LED signalisiert durch verschiedene Farben und schnelles Blinken auch die einzelnen Bearbeitungsmodi. Darunter ist der Shift-Taster zu finden, der die zahlreichen Zweitfunktionen der Taster und einiger Regler zugänglich macht. Daneben findet man Taster für HOLD/REST und RESET/ACCENT sowie PATTERN/BANK und RUN/STOP (REC), die allesamt mindestens doppelt belegt sind und zur Zuweisung der jeweiligen Funktionen zu Steps, zum Aufrufen von Patterns und Banks bzw. zum Starten und Stoppen des Sequencers und zur Aktivierung der Aufnahme dienen. Rechts davon ist eine Leiste von acht verschiedenfarbigen LEDs angeordnet, die ebenfalls mehrere Funktionen erfüllen. Sie zeigen einerseits die mit den darunter liegenden Tastern gewählte Oktave für die Minitastatur an, andererseits werden hier Informationen wie das gewählte Pattern und die Bank sowie verschiedene Step-Infos wie Accent, Slide und Pause dargestellt. Gerade Letzteres ist nicht besonders übersichtlich geraten – man muss sich schon merken, dass die LED Nummer 5 für einen Slide steht und die Nummer 7 für den Akzent. Hier wäre eine etwas ausführlichere Beschriftung des Bedienfelds ganz hilfreich gewesen. Die beiden pfeilförmigen Taster darunter wählen die Oktave und dienen in Verbindung mit dem Shift-Taster zur Aktivierung der Step- oder Keyboard-Modi. Den Abschluss bildet die Minitastatur aus 13 Tastern, die im Keyboard-Modus wie eine Klaviatur verwendet werden. Zusammen mit SHIFT dienen sie zur Auswahl von Steps, Patterns und Banks.

Patchfeld

Das ganz rechts platzierte Patchfeld besteht aus 32 Miniklinkenbuchsen. Hierüber lässt sich der Mother-32 mit den beiliegenden Kabeln intern patchen, wodurch man zusätzliche Modulationen realisieren kann. Außerdem kann der Synthesizer über diese Buchsen in modulare Systeme integriert werden. Die Patchmöglichkeiten sind vielfältig und gehen über die Möglichkeiten vieler anderer semi-modularer Synthesizer hinaus, insbesondere die spannungssteuerbaren Mixer für Audio und CV und die ebenfalls mit einer Spannung modulierbare Resonanz sind nicht alltäglich.

Die Outputs sind invertiert beschriftet, was den Überblick verbessert. Trotzdem erreicht das Patchfeld mit den eng beieinander liegenden Buchsen nicht gerade eine neue Bestmarke in Sachen Übersichtlichkeit. So muss man sich immer wieder bewusst machen, dass die relevante Beschriftung über und nicht unter der Buchse zu finden ist. Auch nach längerer Benutzung habe ich das immer noch gelegentlich verwechselt und manches Kabel in die falsche Buchse gesteckt.

Folgende Inputs und Outputs stehen zur Verfügung:

Inputs

  • External Audio
  • MIX CV (Steuerspannung zur Steuerung des Mixers)
  • VCA CV
  • VCF CUTOFF
  • VCF RES (auch die Resonanz ist mit einer Spannung modulierbar)
  • VCO 1V/OCT (Oszillatorfrequenz)
  • VCO LIN FM (Eingang zur linearen Frequenzmodulation)
  • VCO MOD (Pulsbreite oder Frequenz, wird mit Schalter gewählt)
  • LFO RATE
  • VC MIX IN 1
  • VC MIX IN 2
  • VC MIX CTRL (Steuerspannung zur Regelung des CV-Mixers)
  • GATE (triggert die Hüllkurve)
  • TEMPO (Buchse zur Temposteuerung des Sequencers. Das Tempo lässt sich per Steuerspannung modulieren oder zu externen Clock-Impulsen bzw. einem DIN-SYNC-Signal synchronisieren.)
  • RUN/STOP (zum Starten und Stoppen des Sequencers mittels einer +5V Spannung)
  • RESET (ein +5V Impuls setzt den Sequencer auf den ersten Step zurück)
  • HOLD (Bei anliegender Spannung +5V wird der aktuelle Step wiederholt.)

Outputs

  • VCA (Ausgangssignal des VCA, entspricht dem Signal an der 6,3mm Line Out Buchse)
  • VCF (Ausgangssignal des Filters)
  • VCO SAW (Sägezahnschwingung des VCO)
  • VCO PULSE (Pulsschwingung des VCO)
  • LFO TRI (Dreieckschwingung des LFO)
  • LFO SQ (Rechteckschwingung des LFO)
  • VC MIX (Ausgangssignal des CV-Mixers)
  • EG (Hüllkurve positiv)
  • KB (Gibt eine Steuerspannung aus, sobald ein Ton auf der Tastatur oder vom Sequencer gespielt wird. Auch Glide- und Pitchbend-Informationen werden hier ausgegeben.)
  • GATE (gibt ein Gate-Signal von +5V aus, sobald eine Note auf der Tastatur oder vom Sequencer gespielt wird oder ein MIDI-Notenbefehl empfangen wird.)

Weiterhin enthält das Steckfeld ein rudimentäres Multiples-Modul mit einem Input und zwei Outputs. Hiermit kann ein Steuersignal auf zwei Ziele aufgesplittet werden. Zu guter Letzt sei noch die Buchse ASSIGN genannt, die einer von 16 Funktionen zugewiesen werden kann. Dazu gehören beispielsweise die Sequencer Clock und Unterteilungen (/2, /4), verschiedene Step-Modulationssignale (Step Ramp, Step Saw, Step Triangle, Step Random), die etwas darüber hinwegtrösten, dass der Sequencer neben der Tonhöhe keine weitere, pro Step programmierbare Steuerspannung ausgeben kann, und einige MIDI-Informationen wie Velocity, Aftertouch, Pitch Bend sowie die CCs Nr. 1 (Modulation), 2, 4 und 7 (Volume). Welches Signal diese Buchse ausgibt, lässt sich im Setup-Modus konfigurieren, für den man sich etwas ins Handbuch vertiefen muss.

Damit bietet das Patchfeld des Mother-32 viele Möglichkeiten zur Klanggestaltung und zur Integration in größere modulare Systeme. Es fehlt nur weniges. Wünschen würde ich mir beispielsweise einen Input zum Triggern bzw. Zurücksetzen des LFOs, der beim Mother-32 stets frei läuft und weder zur MIDI Clock noch zu einem analogen Impuls synchronisiert werden kann. Auch für den VCO wäre ein Sync-Input eine Bereicherung, ebenso wie getrennte Buchsen für die Ausgangssignale der Tiefpass- und Hochpassfilter und ein gesonderter Output für die invertierte Hüllkurve. Aber wir wollen nicht meckern – für einen semi-modularen All-in-one-Synthesizer im Kleinformat sind die Patchmöglichkeiten des Mother-32 recht üppig.

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