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Test
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13.08.2019

Modal CRAFTsynth v2.0 und Skulpt Test

Desktop-Synthesizer

Hardware-Synth zum Plugin-Preis

Modal Electronics ist eine recht junge britische Firma, die sich zunächst mit DIY-Kits und den beiden Hybrid-Synths 001 und 002 sowie dem analogen Monster 008 einen Namen machte. Richtig günstig war das aber alles nicht – und so ist es nicht verwunderlich, dass der Hersteller dem Trend folgend nun auch etwas für den „Spielzeug-Markt“ präsentiert. 

Günstig, kompakt, vertrackt – und somit eine seriöse Alternative zu den Roland Boutiques, den Korg Volcas, den Arturias und den POs von Teenage Engineering? Wir finden es heraus.

Details

Allgemeines

Modal Electronis hat ein paar richtig fette, teure Synths im Angebot. Neu sind indes die beiden günstigen und mobilen Desktop-Synths Craft Synth 2.0 und Skulpt. Beide können außerdem via VST3/AU-Plugin als auch mit dem Standalone-Editor MODALapp gesteuert werden – und das alles sowohl für Mac und Windows als auch für iOS und Android.

Die kleinen Kisten lassen sofort Familienzugehörigkeit erkennen. Sie haben alle beide eine kleine Klaviatur, Micro-USB für Strom und MIDI sowie zweimal Miniklinke für Line-Out und Headphones. Ein Paar Sync I/Os auf Miniklinke und zwei richtige DIN MIDI-Buchsen gibt es auch noch. Dank des tonnenförmigen Batteriefachs sind sie außerdem leicht angewinkelt und dem Nutzer zugeneigt. Ferner sind sie wirklich leicht, der verwendete Kunststoff und die Bauweise wirken aber auch etwas fragil – billig oder gar schlecht verarbeitet sind sie aber keineswegs. 

In der Ausgestaltung ihres digitalen „virtuell-analogen“ Innenlebens unterscheiden sich beide Synths aber. Der Craft ist dabei ein mächtiger monophoner Wavetable-Synth mit bis zu 8 OSCs und der Skulpt ein eher konventioneller und vierstimmiger Virtuell-Analoger mit bis zu 32 OSCs.

Klein und bereits zusammengebaut: CRAFTSynth 2.0

Der CraftSynth 2.0 bietet einen subtraktiven Aufbau mit einem Filter und drei Hüllkurven. Die Klangerzeugung ist aber nicht ganz alltäglich und besteht aus zwei mix- und morphbaren Wavetables. Im Hintergrund sind es sogar bis zu acht Oszillatoren, die bei Bedarf UNISON gegeneinander verstimmt werden können. Das 2-Pol-Filter ist morphbar von Low- über Band- zu High-Pass. Ein Delay, einen Distortion-Effekt, 64 Preset-Speicherplätze und ein Arpeggiator gibt es ebenfalls.

Haptisch gibt es 12 Encoder und 18 Folien-Taster inklusive Keyboard – viele Möglichkeiten also auf engsten Raum. Die Klaviatur bietet zwar nur acht Touch-Taster, diese lassen aber Skalen zu. Über jedem Taster befindet sich eine blaue LED, die den entsprechenden Status sowie die Encoder-Werte beim Betätigen anzeigt. Wenn man das Keyboard spielt, leuchten diese LEDs natürlich auch. Es sind acht Skalen und die Root-Note wählbar, sodass man trotz begrenzten Mitteln durchaus gute Lines bringen kann.

Mit anderen „Crafts“ sollte man den 2.0 nicht verwechseln, da es sich bei denen um Bausätze handelt – der CraftSynth 2.0 hingegen ist bereits zusammengebaut. Der kleine Kasten kann von drei AA-Batterien versorgt werden und misst 150 x 135 x 68 mm.

Viele Regler auf kleinem Raum und mehr Funktionen als man denkt

Die Formsprache der grau-blau-weißen CRAFTs ist eindeutig; hellgraue Striche des Prints verbinden zusammengehörige Parameter bzw. Encoder, die in drei versetzten Reihen angeordnet sind. Sie bilden, wenn man so will, Karos, stehen für meinen Geschmack aber etwas zu dicht aneinander. Nur der CUTOFF tanzt aus der Reihe, hat mehr Freiraum und eine etwas größere Kappe. 

Die 12 Endlos-Drehregler sind natürlich mehrfach belegt – umgeschaltet wird mit der hellblauen SHIFT-Taste links oder dem grauen PRESET-Taster rechts sowie mit den sechs Tastern dazwischen: LFO1, LFO2, ARP/SEQ, FILTER-EG, AMP-EG und MOD-EG. Die vier ADSR-Encoder regeln so einen der drei Envelopes (Filter, Amp, Mod) der RATE-Encoder einen der beiden LFOs.

Komplexe Klangerzeugung inklusive 40 Waveforms

Die Wellenformen sind in acht Bänke à fünf Stück aufgeteilt, in Summe also 40. Darunter virtuell-analoge, digitale und generative Schwingungen sowie eine Selektion des Modal 002. 

Hinzu kommen Modulationsarten wie Frequency/Phase Modulation, Hard/Window Sync, Ring/Amp Modulation, Derez/Bitcrush, Wavefolder und Waveshaper. Eine MOD-Matrix mit acht Quellen gibt es zusätzlich, wovon jeder eine Destination zugeordnet werden kann: LFO1, LFO2 and MOD-EG sind dabei am Gerät wählbar, die Ziele Velo, Note, ModW, AftT and Expression hingegen sind nur von der App bzw. dem Plugin aus wählbar.

SKULPT: Ähnlich, aber mit mehr Kontrolle

Der größere SKULPT ist 1/3 breiter als der Craft und hat mit 14 Encodern sowie 13 „echten“ Tastern, zwei Drehregler und fünf Taster mehr am Start, Doppelbelegungen, und das Keyboard explizit ausgeklammert. Die verfügbaren Parameter der Engine sind in etwa die gleichen, insbesondere was Filter, Effekte, Envelopes und die LFOs sowie die Mod-Matrix anbelangt.

Die Klaviatur ist durch das breite Layout nun doppelt so groß (16 Taster) und damit besser und „konventionell“ zu spielen. Scales wie beim Craft gibt es leider nicht, dafür aber eine CHORD-Funktion sowie einen Step-Sequenzer, der bis zu acht Bars lang sein darf. Tempo-Synchronität für das Delay und die LFOs gibt es dadurch aus – allesamt Dinge, die der Craft nicht kennt. 

Beim Skulpt sind die Wellenformen einfacher gehalten. Es gibt keine so komplexen und schon gar nicht so zahlreiche Wavetables wie beim Craft. Die Oszillatoren können hier „nur“ stufenlos von Sinus hin zu Sägezahn über Dreieck bis hin zu Rechteck „gemorpht“ werden. Der erste OSC kann außerdem PWM, der zweite OSC dafür Noise. Insofern zählt das für mich trotzdem fast als Wavetable. Ringmodulation und FM gibt es auch, die umfangreichen Zusatzmodulation wie beim CRAFT aber wiederum nicht.

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