Test
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22.12.2017

Mixars Quattro Test

DJ-Mixer

Serato-Clubmixer mit Performance Pads

Clubmixer gibt es in allen erdenklichen Preis- und Qualitätsniveaus, doch Mixars Quattro scheint es auf mehr abgesehen zu haben, als bloß ein weiterer „Vierkanäler“ am Firmament der DJ-Mixer zu sein. Das Pult kostet 1299 Euro und möchte sich Club-DJs, Scratchern und DJ-Teams gleichermaßen empfehlen. Es kommt mit zwei USB-Ports, integrierten MIDI-Controllern für Hotcues und Samples, dazu Loop- und Library-Controls sowie vier Kanälen für DVS und Externa. Außerdem bringt der Mischer noch eine integrierte FX-Sektion mit. Doch reicht das, um den Platzhirschen ein Stück weit das Wasser abzugraben?

Details

Der Testkandidat misst 320 x 362 x 107 mm und wiegt 5,35 kg. Laut Betriebsanleitung liegt die maximale Leistungsaufnahme bei 20 Watt. Quattro legt ein eher eigenwilliges Komponentendesign an den Tag, irgendwie wirken die Produkte aus dem Hause Mixars auf mich rustikaler als manch futuristisch-filigran anmutendes Produkt der Konkurrenz. Wohlan möchte ich diesen Umstand nicht zu negativ bewerten, denn die Konzernmutter RCF stammt ja aus der PA/Live-Branche und die „rock solid“-Fertigung für den „on the road“-Betrieb gehört dort zu den Kernkompetenzen. Und so wirkt das Pult dann auch auf mich.

Anschlussseitig ist das Pult respektabel ausgestattet und schön aufgeräumt präsentiert sich das Backpanel noch dazu – oben geht’s rein, unten und leicht nach hinten versetzt geht’s raus aus dem Quattro. Der trimmbare Masterausgang (0 bis 6 dB via Drehregler) liegt sowohl in XLR-Ausführung als auch im Cinch-Format vor. Der Booth-Out setzt standesgemäß auf Klinke (so auch die Send/Return-Schleife). Letztlich ist auch noch ein Recording-Out vorhanden, der wiederum als Cinch-Paar in Erscheinung tritt. Für den schnellen Mitschnitt via iPhone, Fieldrecorder und dergleichen wäre oben drauf aber durchaus auch eine gangbare Lösung gewesen.

Hinein geht’s ferner über acht Paar Cinch-Buchsen für Turntables und Line-Zuspieler. Jedem Phono-Input wurden eine Erdungsschraube und ein Phono-Line-Umschalter zuteil. Großzügig. Zwei Mikrofonbuchsen (Klinke und XLR-Klinke-Kombi) komplettieren das rückseitige Anschlussfeld, wo auch der Netzschalter und die Kaltgerätebuchse zu finden sind. Digitale S/PDIF-Schnittstellen sind nicht an Bord.

Drehe ich das Teil um 180 Grad, prangt vorn der Mixars Schriftzug. Die beiden Kopfhöreranschlüsse sind oben auf der Bedienoberfläche an prominenter Stelle zu finden, ebenso wie die USB-Buchsen. Das erspart einem Fummelei beim Anschluss und/oder DJ-Wechsel. Recht so. Das Pult ist außerdem komplett MIDI-konfigurierbar.

Im zentralen Mixer finden sich hoch im Norden die Drehgeber für das Signalrouting ein. Jeder Channel kann neben seinem fest zugewiesenen Phono/Line-Input mit USB-A oder USB-B beschaltet werden. Zwei Protagonisten dürfen also gemeinschaftlich mit ihren Laptops auflegen, nahtlose DJ-Wechsel sind mit dem Pult ebenfalls kein Problem.

Mikrofon 2 kann auf den vollständigen Kanalzug von Channel 4 zugreifen. Im Gegensatz zu Mic 1, das mit einem Hi-Low-Tone-Knopf und einem Talkover-Switch bestückt ist, zeichnet sich dann wie bei den übrigen Kanälen ein Dreiband-EQ für die Klangformung verantwortlich. Auf eine dB-Skalierung wurde im Kanal verzichtet, auch Min/Max-Werte sind nicht aufgedruckt, mitunter weil sich in Serato die maximale Anhebung vom Anwender selbst definieren lässt, entweder 6 dB oder 12 dB, so man im Serato Audio-Routing mischt. Der Cut-Boost liegt ansonsten laut Hersteller bei +12/-25 dB (Hi@13 kHz, Mid@1kHz, Low@70Hz).

Serato-internes Mixing ist im Software-Betrieb automatisch aktiviert, gewechselt werden kann via Setup-Utility durch Halten der Master-Taste beim Einschalten oder simultanes Drücken von Shift. Im Einstellungsmenü lassen sich dann noch Firmware-Updates vornehmen und der Crossfader einstellen, das war’s. Die Pegelmeter des Mixars Quattro setzen auf Ampelfarbcodierung und zeigen acht Instanzen an, bevor es rot wird (zwei LEDs). Auch hier keine Spur von Werteskalierung. Master- und Booth-Out lassen sich getrennt regeln, ein Balance-Regler zur potenziellen Korrektur des Stereosignals ist nicht vorzufinden. Schade, das sind Feinheiten, für die es Abzug in der B-Note gibt.

Haptik

Der physikalische Widerstand, den die Potentiometer mir entgegensetzen, ist wohldosiert, die Potikappen sitzen auf fest mit dem Panel verschraubten Metallstiften und so man diese von den Achsen abzieht, lassen sie sich auch gegen bunte Chroma Caps tauschen. Find ich gut, denn das habe ich auch schon anders erlebt, jedoch fällt der Spalt von der Ausbohrung zur Kappe dann ein bisserl breiter aus. „Fatty Knobs“ für die Filter kann man aber nicht verwenden, dafür ist der Stift zu lang (oder die Kappe zu kurz).

Die Fader halten hinsichtlich ihres Gleitverhaltens dem Vergleich mit den Konkurrenten stand: sanft in den Kanälen und ein federleichter Crossfader, der aber hier leider über keine Schnellwechselvorrichtung verfügt. Sein Cut-In liegt bei gut einem Millimeter. Die Flankensteilheit ist logischerweise anpassbar, zwar nicht stufenlos, sondern in drei Ausprägungen (hart, weich, linear) und umgekehrt werden kann er auch.

Für die Linefader sind ebenfalls drei Kurvencharakteristika (schnell, langsam, linear) verfügbar. Zwischen den Flachbahnreglern – allesamt 45 Millimeter lang und geschmeidig im Regelweg – logiert der Fader für die Serato-Sampler-Lautstärke. Kann man so machen. Nun zu den „Soundveredlern“.

Neben dem EQ hat einer von vier wählbaren Channel-FX (Filter, Noise, Gate, Crush), regelbar via „Filter“-Encoder, Einfluss auf den Sound der einzelnen Decks. Dazu gesellt sich links unten eine weitere, vorhörbare FX-Abteilung mit 15 DSP-Effekten, u.a. Filter, Flanger, Delay, Echo, Reverb, Transformer, Pitch, Loop Roll, Reverse, Roll, Noise, Bit Crusher, Gate, Tape Delay und Vinyl Brake. Hinzu kommt eine Send/Return-Einstellung.

Gegenüber logiert die Kopfhörerabteilung mit Standard- und Miniklinkenanschluss, Volume-Regler, Cuemix-Poti und Split-Cue – so soll es sein. Der Kopfhörerverstärker macht ausreichend Schub. Daneben sitzt besagtes Trio aus Schaltern für die Fadercurves.

Pads und Encoder

Ein Blick auf die Flanken zeigt zwei Endlos-Encoder mit integriertem Button pro Seite. Sie übernehmen Browsing und Loopen (inklusive Rolls via Shift). Je acht RGB-Performance-Pads stehen in der Vertikalen zum Abfeuern von „Cues“ und „Samples“ bereit und ich wundere mich zunächst, weshalb es keine Beat-Jumps/Rolls, Pitch-Play, Slicer und Co gibt. Aber okay, da ist eine Shift-Taste und siehe da: Der Proband stellt noch zwei weitere Modi zur Verfügung: „Transport“ und „User“. Gehen wir der Sache später im Praxisteil auf den Grund.

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