Test
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01.08.2013

Korg volca keys Test

Analoger Loop-Synthesizer

Aller guten Dinge sind drei

Der Korg volca keys ist ein dreistimmig polyphoner, analoger Mini-Synthesizer mit Step-Sequencer und eingebautem Delay. Damit ist er innerhalb der volca-Serie für Pads, Leads und Effekte zuständig. Mit seinen beiden Geschwistern volca beats und volca bass bildet er ein mobiles, fast vollständig analoges Groove-Kollektiv.

Anders als der volca bass, der unter bestimmten Bedingungen ebenfalls dreistimmige Akkorde erzeugen kann, ist der volca keys echt polyphon – man kann ihn über die eingebaute Minitastatur und über MIDI dreistimmig spielen. Gleich als erstes erblicke ich einen Wahlschalter für verschiedene Oszillator-Konfigurationen: Neben „Poly“ und „Unison“ steht daran zum Beispiel auch „Poly Ring“ und „Unison Ring“. Spannend – vielleicht steckt ja mehr Sound in der kleinen Kiste, als man zunächst vermuten würde! Genau wie seine beiden Kollegen kostet der volca keys nur knapp 140 Euro und ist damit meines Wissens der günstigste polyphone Analogsynth, den man derzeit kaufen kann. Probieren wir ihn also einmal aus!

Details

Konzept und Klangerzeugung

Der volca keys verfügt über drei analoge Oszillatoren (VCOs). Sie liefern zwar nur Sägezahnschwingungen, können dies aber in verschiedenen Konfigurationen tun – dazu später mehr. Eine Detune- und eine Portamento-Funktion runden die VCO-Abteilung ab. Es folgt ein analoges Tiefpassfilter mit 12dB/Okt. Flankensteilheit. Als Modulationsquellen stehen ein LFO (Sägezahn, Dreieck, Rechteck) und eine Hüllkurve (Attack – Decay/Release – Sustain) zur Verfügung. Der Klangerzeugung nachgeschaltet ist ein Delay-Effekt, der sich zum Tempo synchronisieren lässt.

Wie bei den beiden Geschwistern bietet der eingebaute Step-Sequencer des volca keys 16 Steps, acht Speicherplätze für Patterns und die vom Monotribe bekannte „Active Step“-Funktion. Allerdings ist er etwas anders ausgestattet als bei den anderen volcas: Die Step-Eingabe fällt weg; beim volca keys muss man live einspielen. Dafür gibt es aber eine Flux-Funktion, die Kennern des Monotribe ebenfalls bekannt vorkommen dürfte. Sie ermöglicht die Aufnahme von Sequenzen, die nicht an die Steps gebunden sind. Außerdem kann der Sequencer des volca keys – anders als bei den anderen volcas – die Bewegungen fast aller Regler aufzeichnen. Nicht schlecht! Über analoge Sync-Impulse kann der volca keys zum Beispiel zu den anderen volcas oder einem Monotribe synchronisiert werden. Auch die Synchronisation zu einer DAW ist via MIDI-Clock möglich.

Äußerlichkeiten

Der volca keys ist wie seine beiden Kollegen ziemlich klein und passt vielleicht nicht ganz in die Jackentasche, aber auf jeden Fall in jeden Rucksack. Bis auf das Panel aus Metall besteht das Gehäuse vollständig aus Kunststoff. An der Unterseite befindet sich ein Mini-Lautsprecher, der im Bus oder am Strand praktisch ist, aber doch ziemlich dürftig klingt. Außerdem ist hier ein Fach für sechs AA-Batterien (im Lieferumfang) untergebracht. Alternativ kann der volca keys über ein Netzteil mit Strom versorgt werden, das allerdings separat erworben werden muss. Die Buchse dafür liegt neben dem Power-Schalter oben auf dem Panel. Hier findet man auch die weiteren Anschlüsse, die schnell abgehandelt sind: Der Kopfhörerausgang (Miniklinke stereo) muss zugleich als Audioausgang dienen, denn einen separaten Line-Out gibt es leider nicht. Daneben liegen die beiden analogen Sync-Buchsen (In/Out, Miniklinke mono) und ein MIDI-Eingang.

Das Bedienfeld besteht überwiegend aus kleinen Drehpotis, die beim volca keys wirklich ziemlich dicht beieinander liegen. Allzu dicke Finger sollte man jedenfalls nicht haben. Die meisten Potis sind rot beleuchtet und signalisieren auf diese Weise zum Beispiel, wo Reglerbewegungen aufgezeichnet wurden. Das ergibt bei laufendem Sequencer eine eindrucksvolle Lightshow, besonders in Verbindung mit den beiden anderen volcas. Die Potis wirken leider im Gegensatz zum ansonsten stabilen Gehäuse etwas zerbrechlich – wer viel unterwegs ist, sollte sich unbedingt nach einer passenden Tasche umsehen.  

Die beiden größeren Drehschalter ganz links sind für die Grundeinstellungen der Oszillatoren zuständig. Hier kann man zwischen verschiedenen Konfigurationen der drei VCOs wählen und die Fußlage (Oktave) in einem erfreulich weiten Bereich einstellen (32' – 1' / sechs Oktaven). Rechts davon folgen in vier Spalten sortiert je drei Regler für die Feineinstellungen des Synthesizers: VCO (Detune, Portamento, EG Int), VCF (Cutoff, Peak, EG Int), LFO (Rate, Pitch Int, Cutoff Int) und EG (Attack, Decay/Release, Sustain). Unterhalb der Anschlüsse auf der rechten Seite befinden sich Potis für das Delay (Time, Feedback), das Tempo und die Gesamtlautstärke. Außerdem gibt es hier griffige Taster für Play, Record und den Patternspeicher sowie einen Function-Button, der in Kombination mit anderen Tastern zahlreiche weitere Einstellungen zugänglich macht.

Der untere Bereich des Panels wird von einer Touch-“Tastatur“ eingenommen, die beim volca keys etwas größer als bei den beiden anderen volcas ausfällt – hier hat sie über zwei Oktaven Umfang. Dank Multitouch kann der Synth darüber sogar polyphon gespielt werden. Allerdings sind die Tasten ziemlich klein und man drückt schon mal versehentlich daneben oder mehrere Tasten gleichzeitig, was dann wegen der äußerst begrenzten Stimmenzahl sofort abgerissene Noten zur Folge hat – frustrierend... Ich bin deshalb im Test schnell dazu übergegangen, den volca keys über ein separates MIDI-Keyboard zu spielen und hatte gleich viel mehr Spaß. Die untere Reihe der „weißen Tasten“ dient in Verbindung mit dem Function-Knopf außerdem zur Einstellung zahlreicher Parameter. Eine Reihe von LEDs gibt Auskunft über gewählte Settings und dient als Sequencer-Lauflicht.

Dem volca keys liegt eine Bedienungsanleitung in einem recht unpraktischen Faltblatt-Format bei. Man soll wohl nicht lange lesen, sondern einfach loslegen und den Synthesizer ausprobieren, was man auch daran sieht, dass die Anleitung äußerst knapp gehalten ist. Es steht trotzdem alles drin, was man wissen muss. Leider enthält das Faltblatt auch einen Fehler: Es wird behauptet, die VCOs würden Sägezahn- oder Rechteckschwingungen liefern, was sich leider auch nach eingehender Beschäftigung mit dem Instrument als falsch erweist. Die Oszillatoren des volca keys können nur Sägezahn.

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