Hersteller_Korg
Test
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27.11.2015

Praxis

Beim Einschalten muss man nicht übermäßig lange warten, bis der Pa4X betriebsbereit ist. Die Bedienung mit dem neuen Touch-Displays macht wesentlich mehr Spaß als beim Vorgänger, weil es größer, besser lesbar und vor allem fast iPad-mäßig leicht zu bedienen ist. Gut, wischen kann man nicht, aber der Druckpunkt bei der Anwahl von Feldern oder Reglern ist viel exakter und leichter als in der Vergangenheit.

Wie beim Pa3X sind viele Bedienelemente redundant, man kommt auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel. So kann man beispielsweise einen Lautstärkewert entweder mit einem der Hardware-Fader verändern oder man wählt den Parameter auf dem Display an und dreht am Value-Rad oder aber man tippt auf den abgebildeten Fader auf dem Display und zieht ihn nach oben oder unten. Dadurch, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, ist die Bedienung intuitiver und klarer. Beim Pa3X Le wurde ja aus Kostengründen an einigen Bedienelementen gespart, hier beim Pa4X ist wieder Luxus angesagt. Die Menüführung ist übersichtlich, zuverlässig und schnell und wer Korg Keyboards kennt, findet sich sofort zurecht.

Sounds

Die jetzt 128-stimmige Klangerzeugung (vorher 120) wird durch eine verbesserte Sound-Engine erzeugt. Korg spricht von EDS-X (Enhanced Definition Synthesis – eXpanded) mit modernster Streaming-Technologie, wobei im Vergleich zum Pa3X die zehnfachen PCM-Resourcen genutzt werden sollen: mehr als 5,1 GB PCM-Daten (Multi- und Drumsamples). Mehr als 1800 Sounds inklusive GM- und XG-Klängen stehen zur Verfügung. Durch die DNC-Technologie (Defined Nuance Control) sind Sounds dabei, bei denen die besondere Spielweise der echten Instrumente nachempfunden wird. Mithilfe des Joysticks, des Ribbon-Controllers und der drei zuweisbaren Taster darüber können Nuancen und Artikulationen ins Spiel eingebaut werden, sodass sehr authentische Ergebnisse erzielt werden können.

Das Pa4X bietet vier live spielbare Keyboard Parts: Lower und Upper 1 bis 3. Man kann also maximal drei Sounds übereinander legen und zusätzlich einen weiteren im Lower-Bereich spielen. Wählt man einen Live-Part an, z.B. Upper 1, so öffnet sich ein Fenster zur Auswahl einer Klangfarbe. Die Klänge sind in 16 Klangfamilien unterteilt, von „Piano“ bis „Drums&SFX“.

Eine Kombination mehrerer solcher Sounds hieß bei Korg früher „Performance“, jetzt „Keyboard Set“, oder in der deutschen Bedienungsanleitung „Klangfarbensatz“. Diese Keyboard-Sets sind abrufbar in der Keyboard Set Library, die in 12 Gruppen unterteilt ist. Jede dieser Gruppen ist mit einer Taste sofort aufrufbar. Die ersten 11 Gruppen sind Factory-Registrierungen (von Piano bis Ethnic), die letzte Gruppe bietet Speicherplätze für eigene Keyboard-Sets.

Bei den folgenden Klangbeispielen habe ich sowohl Einzelsounds als auch komplette Keyboard-Sets angespielt. Die akustischen Pianos gefallen mir sehr gut. Hier macht sich der erweiterte PCM-Speicher wirklich bemerkbar. Das neue Grand Piano verfügt über Saiten- und Dämpferresonanzen, was sich in einem größeren Realismus äußert. Auch die E-Pianos sind von hoher Qualität.

Der Orgel- und Akkordeon-Bereich kann besonders durch die Drawbar-Simulation überzeugen. Man kann die Zugriegel entweder über die neun Schieberegler oder direkt auf dem Touchscreen verändern. Auch der Leslie-Effekt ist authentisch und wird durch den Joystick in der Geschwindigkeit gesteuert. 

Die Strings sind durch die Vergrößerung der PCM-Resourcen ebenfalls aufgewertet worden. Hört man sich das Audiobeispiel der Studio Strings über Kopfhörer an, wird das noch deutlicher. An den Blasinstrumenten gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Die DNC-Technologie kommt vor allem bei den Solo-Sounds voll zur Geltung, aber auch die Ensembles können auf ganzer Linie überzeugen.

Bei den Gitarren-Sounds lassen sich durch Betätigung eines Artikulations-Tasters sehr realistische Flageolett-Töne erzeugen. Auch die E-Gitarren klingen recht authentisch. 

Die etwas altbackenen Synthesizer-Sounds waren ein Schwachpunkt des Vorgängers Pa3X. Hier hat Korg erfreulicherweise nachgebessert. Endlich sind aktuelle Klänge an Bord, die man für das Spielen der heutigen Charterfolge nun einmal braucht. Auch hier kann der Klang durch den Joystick sehr wirkungsvoll moduliert werden. 

Im Vergleich zum Konkurrenten Yamaha Tyros5 hat Korg mit dem Pa4X in puncto Klangqualität aufgeholt! Die akustischen Pianos gefallen mir im Korg etwas besser, gerade bei einem 76-Tasten-Keyboard ein wichtiger Vorteil. Alle Einzelsounds sind bis ins Detail editierbar und mit der integrierten Sampling-Funktion lassen sich über den Audioeingang oder das Mikrofon eigene Klänge sampeln und archivieren.

Styles

Werkseitig stehen über 500 Styles zur Verfügung. Entgegen der Entwicklung bei den Konkurrenten Yamaha und Ketron hat Korg seinem neuen Flaggschiff keine Audio Drums gegönnt, die Styles des Pa4X laufen nach wie vor komplett auf MIDI-Basis. Jeder Style kann aus acht Spuren bestehen und enthält drei Intros, vier Variationen, vier Fills, einen Break und drei Endings. Die Style-Bedienung umfasst Funktionen wie Synchro Start, Synchro Stop, Tap Tempo/Reset, Bass Inversion, Auto Fill und Manual Bass. Dabei möchte ich erneut die Manual Bass Funktion loben, die es mit einem Tastendruck ermöglicht, den im Style sonst automatisch laufenden Bass mit der linken Hand selbst zu spielen – und zwar mit demselben Sound und derselben Lautstärke. Eine praktische Funktion für Stücke mit einer prägnanten Bassline, die Yamaha-Benutzern in dieser Form immer noch nicht zur Verfügung steht.

Jedem Style können vier verschiedene Keyboard Sets zugeordnet werden. Das entspricht der früheren STS-Funktion. Mit einem Tastendruck stellen sich die live gespielten Klänge passend zum Style ein. Man kann auch jede Variation des Styles mit einem anderen Keyboard Set verknüpfen.

Korg hat sich mit dem Pa4X Mühe gegeben, eine aktuelle Entertainer Workstation auf den Markt zu bringen. Das fällt besonders im Bereich der Styles auf. Viele Style-Namen lassen sofort erahnen, welcher aktuelle Hit damit reproduziert werden soll. Selbst Intros, Endings und Fills sind fast 1:1 original. Hier einige Audiobeispiele dieser modernen Styles: 

Aber auch schon etwas in die Jahre gekommene Hits sind am Namen des Styles gut erkennbar: 

Hier noch einige weitere Styles aus unterschiedlichen Genres, die die hohe Qualität des Arrangers erkennen lassen: 

Vor allem bei den Kategorien World und Traditional merkt man, wie weltoffen der „Pa4X International“ wirklich ist: 

Ein Grund für die verbesserte Qualität der Styles dürfte – neben der besseren Sound-Engine für die verwendeten Klänge – sicherlich auch die leistungsfähigere Effekt-Sektion sein. Für den Style-Bereich (FX A) stehen jetzt vier Insert- und drei Mastereffekte zur Verfügung. Beim Pa3X waren es zwei gleichzeitige Effekte weniger! Die Struktur des Effekt-Blocks FX B für die Live-Sounds ist gleich geblieben.

Natürlich lassen sich Styles – genauso wie Songs – komplett selbst erstellen und im User-Bereich ablegen. Eine neu entwickelte Wandlungsfunktion erzeugt einen kompletten Style aus einem MIDI-Song. Allerdings richtet sich die Qualität des Ergebnisses letztendlich nach der als Grundlage verwendeten Song-Datei. Eine praktische Funktion für den Live-Betrieb ist und bleibt der Akkord-Sequencer, bei der eine Akkordfolge gespeichert und in Schleife gespielt wird. Spielt man mit der rechten Hand darüber ein Solo, kann man mit der linken Hand den Joystick oder andere Spielhilfen bedienen und kann viel freier spielen. Diese Chord Sequences lassen sich jetzt auch als Style- und Songbook-Einträge speichern und sofort abrufen. Der Pa4X bietet auch die Möglichkeit, 4 definierbare Pads mit Phrasen oder Loops zu belegen, die man dann abfeuern kann, um den Style zu variieren. Unzählige Pad-Belegungen sind vorhanden und man kann sie auch selbst mit der Pad Record Function erstellen. 

Songs

Korgs „XDS Dual Player & Recorder“ spielt MP3- und MIDI-Dateien ab. Er besteht aus zwei parallelen Playern, zwischen denen man überblenden kann. Auch die Formate KAR, MP3 +Lyrics und MP3 +G (Graphics) werden unterstützt. Damit lassen sich mitlaufende Songtexte, Partituren und Akkordsymbole auf dem Bildschirm darstellen. Mithilfe von Markern ist es möglich, zu bestimmten Stellen in einem MIDI-Song zu springen. Auch MP3-Songs lassen sich in Tempo und Tonhöhe verändern, aber natürlich nur in gewissen Grenzen, da sonst die Qualität des Audiomaterials leidet. Mit dem Advanced Vocal Remover kann die Stimme in einem MP3-File eliminiert werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So kann man sich schnell ein Playback in der gewünschten Tonart und im optimalen Tempo erstellen.

Zur Aufnahme von Songs gibt es verschiedene Methoden. Die einfachste ist Quick Record (Backing Sequence), bei der die Daten des Arrangers und des Live-Spiels als MIDI-Daten gespeichert werden. Nachträglich können beispielsweise Akkorde geändert werden. Wählt man den Step-Modus, können Akkorde auch nacheinander eingegeben werden. Will man nachträglich noch weitere Spuren hinzufügen, muss man zum Multitrack Recording wechseln, bei dem dann alle Events editierbar sind.

Zusätzlich zum MIDI-Recorder bietet der Pa4X die Möglichkeit, das gesamte Audiosignal mit dem MP3-Recorder aufzunehmen (also inklusive des Eingangssignals beispielsweise vom Mikrofoneingang). Lässt man dieses MP3 ablaufen, kann erneut dazu gespielt und gleichzeitig wieder aufgenommen werden (Overdub-Verfahren). 

Datenspeicherung und Songbook

Die Möglichkeiten der Speicherung von Daten sind beim Pa4X immens. Die 76-Tasten-Variante besitzt werksmäßig eine 500 GB Festplatte, beim kleineren Modell ist sie optional erhältlich. Es gibt User-Bereiche für alle Daten wie Sounds, Styles, Keyboard-Sets und Pads. Im sogenannten Direct-Bereich werden Daten auf externe Speichermedien wie USB-Sticks ausgelagert. Sie können dann direkt ohne Umwege von dort abgerufen werden.

Die beste Methode der Speicherung einer kompletten Registrierung ist ein Songbook-Eintrag. In dieser voll programmierbaren Musik-Datenbank kann man sein gesamtes Repertoire ablegen. Für jeden Eintrag können Infos über den Künstler („Artist“), den Titel, das Genre, eine Nummer, die Tonart („Key“), das Tempo und die Taktart („Meter“) gespeichert werden. Bei Anwahl eines Eintrags wird der zugehörige Style bzw. der MIDI- oder MP3-Song geladen und das Instrument wechselt in den dafür benötigten Modus (Style Play oder Song Play). Für den Stimmenprozessor wird ebenfalls ein Preset geladen, außerdem vier Keyboard-Sets, eine Akkordsequenz und vier Pad-Phrasen. Schließlich lässt sich eine Textdatei mit einem Eintrag verknüpfen, wenn die angesprochene „.MID“- oder „.MP3“-Datei keine „Lyrics“-Daten enthält bzw. wenn ein Style verwendet wird. Korg hat Hunderte von Songbook-Einträgen mit Styles vorinstalliert und es macht Spaß, durch die Liste zu stöbern und zu überprüfen, ob der gewählte Style und die Keyboard-Sets zu den Songs passen. 

Mit einer komfortablen Suchfunktion findet man in der Songbook-Datenbank schnell den benötigten Eintrag. Während eines Auftritts kann allerdings selbst das zulange dauern. Hier hilft eine neue Funktion, die man mit der Taste SET LIST aufruft. In einer Setlist kann man bis zu 12 Songbook-Einträge zusammenstellen, wie sie beim Auftritt benötigt werden. Die Registrierungen werden dann entweder über das Display aufgerufen oder über eine der 12 Hardware-Tasten, die auch für die Keyboard-Set-Gruppen benutzt werden und ergonomisch günstig rechts direkt über der Klaviatur angeordnet sind. 

Vocal Processing und Mastering-Effekte

Mit dem eingebauten Vocalisten auf Basis des TC Helicon VoiceLive 2 hat Korg schon im Pa3X gepunktet. Schließt man ein Kondensator-Mikrofon an der Rückseite an, stellen sich die Parameter des Gates, des Kompressors und des EQ mit der „Adaptive Mic“-Funktion automatisch optimal ein. Die maximal vier Harmoniestimmen lassen sich über die Tastatur oder MIDI Events steuern. Das Angebot an Effekten umfasst Double, µMod, Reverb, Delay, Filter, HardTune und Pitch Correction. Hier zwei Audiobeispiele, beim Preset „Another Brick“ wird eine Art Kinderchor unter die eigene Stimme gelegt, bei „Notes“ werden exakt die gespielten Noten in Stimmen umgewandelt.

Der Harmonieprozessor ist sehr leistungsfähig, man braucht allerdings etwas Zeit und Übung, bis man alle Möglichkeiten erkannt und ausgeschöpft hat. Eine weitere Zusammenarbeit gibt es mit der Firma Waves. Korg hat beim Pa4X die „Waves Audio MAXX“-Mastering Suite eingebaut, die es ermöglicht, globale Effekte anzuwenden, um den Gesamtsound druckvoller, differenzierter oder einfach lauter zu machen und an musikalische Vorlieben oder problematische Live-Umgebungen anzupassen.

Sonstiges

Der Pa4X ist kompatibel mit der gesamten Pa-Serie, was Styles, Performances, Programme/Sounds, Songs, SongBook-Einträge und Pads betrifft. Man kann sogar Styles der älteren i-Serie laden. Die optionale microSD-Karte, die in den Slot auf der Rückseite gesteckt wird, ermöglichte es beim Pa3X International, das Gerät zu einem „Musikanten“ zu machen. Vermutlich wird diese Option für den Pa4X International auch bald angeboten. Schließlich gibt es auch für den Pa4X das optionale Lautsprechersystem PaAS, das hinten auf das Gerät aufgesetzt wird.

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