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Test
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19.12.2014

Korg Pa3X Le Test

Entertainer-Keyboard

Flaggschiff auf Diät

Mit dem Entertainer-Keyboard Pa3X Le hat Korg eine kalorienärmere Light-Variante des fetten Pa3X vorgestellt. Während der Pa3X als Flaggschiff der Korg Arranger-Keyboards keine Wünsche offen lässt, aber auch eine Stange Geld kostet, wurde beim Le auf einiges verzichtet – und der Preis um 1000 € gesenkt. Damit schließt Korg die Lücke zwischen dem Pa900 (ca. 1900 €) und dem Pa3X (ca. 3500 €). Den Korg Pa3X Le gibt es nur als 76-Tasten-Version, während der große Bruder auch mit 61 Tasten erhältlich ist. Wie beim Spitzenmodell gibt es auch für den neuen Le neben der „International-“ auch eine „Musikant“-Version für den deutschsprachigen Nutzer.

Das Kürzel „Le“ hat Korg auch schon bei anderen Instrumenten benutzt: So handelte es sich beim Triton Le auch um einen schlanken und preiswerten Ableger der Triton Workstation. Der Käufergemeinde soll mit dieser Namensgebung deutlich gemacht werden, dass es sich beim „Le“ im Grunde um das große Modell handelt, bei dem einige Luxus-Features fehlen, auf die man eventuell verzichten kann. Ob diese Rechnung beim Pa3X Le aufgeht, soll in diesem Test untersucht werden. 

Details

Beim Auspacken fällt auf, dass der Pa3X Le mit 13,5 kg ca. 4 kg leichter ist als sein großer Bruder. „Le“ steht also anscheinend auch für „leicht“. Das schwarze Metallgehäuse macht einen stabilen Eindruck und bekommt nicht zuletzt durch die Seitenteile aus rotbraunem Holz einen eleganten Touch. Das 7“-Touchscreen Display ist größer und mit 800x480 Bildpunkten auch wesentlich besser aufgelöst als beim Pa3X, man hat aber auf die aufwändige motorgetriebene Display-Verstellung verzichtet. Der Neigungswinkel des Displays ist also fest, meiner Meinung nach ist das kein Nachteil, vor allem, weil die Qualität des Touchscreens beim „Le“ besser ist als beim Pa3X. Die 76 Tasten-Klaviatur ist leicht gewichtet und gut spielbar. Mir gefällt die Tastatur des Pa3X jedoch etwas besser, weil dort die schwarzen Tasten auf der Oberfläche leicht angeraut sind, wodurch die Griffigkeit erhöht wird.

Bedienfeld

Der Aufbau des Bedienpanels ist übersichtlich. Widmen wir uns zunächst der linken Seite. Gegenüber dem großen Bruder wurden hier die 11 Schieberegler eingespart, die beim Pa3X für die Lautstärkeregelung der einzelnen Parts und als Zugriegel für die Drawbar-Simulation dienen. Beim „Le“ gibt es stattdessen nur 3 Drehregler, einen für Master Volume, einen für Balance, also das Lautstärkeverhältnis zwischen Begleitspuren und Live-Parts, und einen Assignable Knob, dessen Funktion frei programmiert werden kann. Unterhalb dieser Potis liegt die Style-Sektion, bestehend aus 16 Style-Bank-Tastern, mit denen jeweils eine Kategorie von „Pop“ bis „World“ ausgewählt wird. Über die MODE-Taster entscheidet man, in welcher Betriebsart das Keyboard arbeiten soll: „Style Play“ lässt den Arranger mitlaufen, bei „Song Play“ wird ein kompletter Audio- oder MIDI-Song abgespielt. Im Sequencer-Modus lassen sich MIDI-Songs aufnehmen und editieren und die Taste „Sound“ drückt man, wenn man einen Klang des Pa3X Le verändern oder ganz neu erstellen möchte.

Ebenfalls auf der linken Seite des Bedienfeldes findet man die vier Pad-Taster, mit denen einzelne Klänge oder geloopte Phrasen temposynchron abgefeuert werden. Direkt oberhalb der Klaviatur liegen die Style-Elements, also Intros, Variationen, Fills und Endings, sowie Style-Controls, also Start/Stop, Synchro Start/Stop, Tap Tempo und Fade In/Out. Unterhalb des Touchscreens findet man die 4 STS (Single Touch Setting)-Taster, mit denen man schnell zum Style passende Keyboard-Parts anwählen kann, sowie die Bedienelemente des Korg-typischen XDS-Doppel-Sequencers mit Crossfade-Schieberegler in der Mitte.

Rechts vom Display liegt zunächst das obligatorische Value-Rad zur Veränderung von Parametern auf dem Bildschirm. Auf die Cursortasten „Up“ und „Down“ rund um das Value-Rad des Pa3X wurde beim „Le“ verzichtet. Ansonsten geht es auf der rechten Seite wie beim Pa3X um den Sound. Im Gegensatz zum Spitzenmodell hat Korg bei der neuen „Le“-Variante einige Tasten eingespart. So gibt es jetzt nur noch acht Performance-Auswahl-Taster, die Zahl der Klang-Kategorien wurde also halbiert. Wo beim Pa3X separate Taster z.B. für „Piano“ und „Electric Piano“ vorhanden sind, ist dies beim „Le“ zu einer Kategorie zusammengefasst. Vergeblich sucht man beim „Le“ auch den „Real Time Track“-Bereich auf dem Bedienfeld. Diese acht Tasten dienen beim Pa3X dazu, die vier Keyboard-Parts Upper 1-3 und Lower an- oder auszuschalten und über separate Taster die Klänge auszuwählen und zuzuordnen. Beim „Le“ geschieht das alles nur noch über den Touchscreen. Ansonsten findet man die gewohnten Taster für Tempo, Transpose, Oktavlage der Upper-Sounds, Lyrics, Score (Notendarstellung) und Chord-Scan, womit man festlegt, welcher Keyboardbereich für die Akkorderkennung genutzt werden soll. Neu ist eine Taste zur Aktivierung des Metronoms, die gibt’s beim großen Bruder nicht. Mit der „Mic Setting“-Sektion können der Eingangspegel, die Lautstärke des Mikrofonsignals und die Effekte des Stimmenprozessors eingestellt werden. Rechts neben diesem Bereich befindet sich an ergonomisch sinnvoller Stelle der leicht versenkte Port für den USB-Datenträger. Das kann ein Stick oder auch eine Festplatte sein. Im Gegensatz zum Pa3X hat der „Le“ keinen Power-Schalter mehr auf der Rückseite. Das Ein- und Ausschalten des Instruments geschieht ausschließlich über die Standby-Taste auf dem Frontpanel.

Links von der Tastatur findet man den typischen Joystick für Pitchbend und Modulation mit drei frei definierbaren Tastern. Den Ribbon Controller des Pa3X sucht man vergeblich. An der Frontseite des Instruments ist hier der Kopfhöreranschluss untergebracht.

Anschlüsse

Auf der Rückseite des „Le“-Gehäuses erkennt man schnell, dass auch hier der Diätplan zugeschlagen hat: Da ist zunächst das Audio-Input-Paar (Right/Left) mit einem kleinen Mic-Gain-Regler, der die Eingangsempfindlichkeit der Right-Buchse bestimmt, wenn dort ein Mikrofon angeschlossen wird. Beim größeren Pa3X gibt es dagegen den Luxus einer separaten XLR/Klinke-Combobuchse mit Phantomspeisung! Der „Le“ besitzt nur einen Stereo-Audioausgang (Right/Left). Auch hier hat der große Bruder Pa3X mehr zu bieten: Zwei separate Einzelausgänge, auf die man bestimmte Parts oder Spuren routen kann. Auch einen Digitalausgang sucht man beim „Le“ vergeblich (Pa3X: S/PDIF Koaxialausgang). Der „Le“ besitzt zwei MIDI-Buchsen (In/Out), auf die „Thru“-Buchse wurde verzichtet. Natürlich gibt es aber Anschlüsse für ein Expression- und ein Sustainpedal. Abgespeckt wurde beim Anschluss für das optional erhältliche Korg EC5 Multifunktionspedal, ein aus 5 Fußtastern bestehender Controller, der im Keyboard programmiert wird. Den besitzt nur der große Bruder, genauso wie einen zweiten USB-Stick-Anschluss auf der Rückseite. Ein USB-to-Host-Anschluss für die Verbindung mit einem Computer ist aber natürlich auch beim „Le“ vorhanden. Die Nase vorn hat der neue Kleine gegenüber dem Pa3X in puncto Videoschnittstelle. Die ist nämlich beim „Le“ serienmäßig vorhanden, während man sie beim Pa3X optional für ca. 130 € nachrüsten kann. Damit können dann Karaoke- oder Songtexte auf einem separaten Bildschirm dargestellt werden.

Optional kann das Lautsprechersystem PaAS (ca. 400 €) erworben werden, das sehr einfach ohne eine Schraube auf das Gehäuse des Pa3X Le aufgesetzt wird.

Sounds

Die Sound-Struktur des Pa3X Le ist nahezu identisch zum Pa3X. Es gibt vier live spielbare Parts: Upper 1, 2 und 3 sowie Lower. Im Split-Modus spielt man den Lower-Part mit der linken und bis zu drei gelayerte Upper-Sounds mit der rechten Hand. Während der Pa3X 120-stimmig polyphon ist, besitzt sein neuer kleiner Bruder sogar 128 Stimmen, ist also bezüglich Polyphonie etwas leistungsfähiger als das Flaggschiff.

Will man beim „Le“ einen Klang ändern, tippt man im Hauptfenster des Touchview-Displays auf den entsprechenden Part, z.B. Upper 1. Es erscheint das Sound-Select-Fenster mit 1100 Preset-Klängen und 90 Drumkits. Der Soundvorrat ist damit identisch zum Pa3X. Lediglich die Effektsektion ist abgespeckt: Während beim Pa3X maximal 8 Effektprozessoren verwendet werden, sind es beim „Le“ nur vier. Es gibt keine Insert-, sondern nur Mastereffekte. Außerdem wurde auf die „Maxx Audio Suite“, das Mastering Tool für das Gesamtsignal des Pa3X verzichtet. Auch im „Le“ gibt es Sounds mit dem Kürzel „RX“, das steht für „Real eXperience Soundtechnologie“ und bedeutet, dass hier von vielen zusätzlichen Geräuschen, die das Instrument ausmachen, Samples erstellt wurden, um den Klang authentischer zu gestalten. Zusätzlich gibt es Sounds mit der Bezeichnung „DNC“, das steht für „Defined Nuance Control“. Hiermit können für das jeweilige Instrument Nuancen und Artikulationen beim Livespiel erzeugt werden, die über bekannte Modulationen wie Pitchbend oder Vibrato hinausgehen. Mittels Joystick und der drei Taster darüber werden diese instrumenttypischen Effekte erzeugt.

Hier als Beispiel ein Saxophon und eine Flöte. Beim Saxophon wird mit Switch 1 die nächste Note mit einem aufsteigenden Halbton-Slide und bei Druck auf Switch 2 ein Abwärts-Glissando gespielt.

Neben den normalen Factory-Sounds hat man Zugriff auf Klänge mit der Bezeichnung „Legacy“, das sind Sounds aus älteren Korg Keyboards, die ihren festen Platz in der Klangbibliothek gefunden haben. Besonders beliebt sind das M1-Piano und der M1-Orgel Bass, bekannt von einigen Produktionen aus den 90ern:

Neben den Legacy-Klängen gibt es die General-MIDI-Sounds, mit denen MIDI-Files zum Klingen gebracht werden, sowie die User-Sounds, die aus selbst gesampelten oder editierten Sounds bestehen. Der Sound-Editor bietet die Möglichkeit, Klänge von Grund auf neu zu erstellen oder Presets zu verändern. Im User-Bereich lassen sich 512 eigene Sounds und 128 User-Drumkits speichern. Mit dem Audioeingang steht eine Sampling-Funktion zur Verfügung. Außerdem können Sample-Dateien im Korg-, WAV-, AIFF- und Soundfont-Format geladen und editiert werden. Für eigene Samples hat das Korg Pa3X Le 192 MB Speicher an Bord.  

Styles und Songs

Über 400 vorprogrammierte Styles stehen werkseitig bereit. Sie sind frei konfigurierbar, man kann sie also seinen eigenen Bedürfnissen anpassen und auf einem der 1200 verfügbaren Style-Speicherplätzen ablegen. Es gibt acht Style-Spuren, vier Single-Touch-Settings (STS), vier Pads sowie einen Style-Setting-Speicher, in dem alle Einstellungen abgelegt sind. All diese Parameter werden mit dem Style abgespeichert. Durch die STS werden dem Style vier verschiedene Live-Performances zur Seite gestellt, also Registrierungen, die zum Style passen. Dadurch kann man sofort mit den richtigen Klängen loslegen.

Bestimmte Parameter sind Korg-typisch und sehr praktisch: Die Manual-Bass-Taste findet man, genauso wie den Akkord-Sequencer, nur bei Korg. Mit der Manual-Bass-Funktion kann man mit nur einem Tastendruck den automatischen Bass des Arrangers abschalten und mit demselben Bass-Sound den Bass mit der linken Hand selber spielen. Bei Yamaha gibt es diese Hardware-Taste nicht. Der Akkord-Sequencer wiederholt eine gespielte Akkordfolge automatisch und man kann solieren, ohne sich um die Begleitung kümmern zu müssen. Auch dies ist eine sehr praktische Funktion für den Live-Keyboarder. Alternativ kann anstelle des Arrangers auch der XDS-Doppelsequencer zur Begleitung eingesetzt werden, um komplette Songs mitlaufen zu lassen. MP3-Dateien oder MIDI-Files werden abgespielt (MID, KAR, MP3+Lyrics, MP3+G(raphics)). Es können Liedtexte, Noten und Akkordsymbole im Display angezeigt und über die Videoschnittstelle auch auf einem externen Bildschirm dargestellt werden. Auch MP3-Dateien können in Echtzeit transponiert (+6/-5 Halbtöne) und im Tempo geändert werden (+/- 30%). Das sollte man allerdings nicht übertreiben, da sonst starke Verzerrungen auftreten. Auch eine Stimmenausblendungs-Funktion ist vorhanden. Damit kann man bei geeignetem Audiomaterial die Originalstimme eines Songs im Idealfall auslöschen, um Raum für die eigene Stimme zu schaffen.

Der integrierte MP3-Recorder ist sehr praktisch, um Aufnahmen vom Gesamt-Audiosignal zu machen. Die Audiobeispiele dieses Tests wurden auch auf diese Weise erstellt. MIDI-Files können im Sequencer-Modus erstellt und umfassend editiert werden. 

Performances und Songbook

In einer Performance wird die komplette Registrierung der Live-Sounds abgelegt, mit gerade eingestelltem Style und auch mit der Einstellung des Vocalisten. Dafür bietet der „Le“ 320 Speicherplätze, die werksseitig schon teilweise vorprogrammiert wurden. Wählt man eine Performance aus, während die Taste „Style Change“ leuchtet, so wird – passend zu den Klängen der Performance – ein Style eingestellt. Leuchtet sie nicht, ändert sich der Style nicht, und nur die Sounds ändern sich. Korg bietet also eine sehr flexible Datenstruktur: Zu jedem Style gibt es vier programmierbare STS, zu jeder Performance einen programmierbaren Style.

Die flexibelste Datenbank des Pa3X Le ist aber – wie auch im großen Bruder – das Songbook. Praktisch unendlich viele Einträge sind möglich. Ein Songbook-Datensatz umfasst dabei entweder einen Style, ein MIDI-File oder ein MP3 mit bis zu vier passenden Soundkombinationen (STS). Darin sind wiederum passende Hall-, Effekt- und Voice-Processor-Einstellungen plus sämtliche Spielparameter wie Lautstärken, Panorama, Splitpunkt, Effekte enthalten.

Korg hat sehr viele Style-basierte Songbook-Einträge schon vorgegeben, sodass man beim Durchscrollen schnell fündig wird und sich das gesamte Keyboard mit nur einer Berührung des Eintrags auf dem Display für einen bestimmten Song eingestellt. Man kann jedem neuen Eintrag viele Attribute wie Genre, Artist, Taktart usw. geben, um Einträge mit der ausgeklügelten Suchfunktion schnell wiederzufinden. Sehr praktisch ist auch die Playlist-Funktion, mit der man eine Abfolge von Registrierungen für ein Set zusammenstellen kann. Mit dem SongBook Editor für Windows kann man die Songbook-Einträge und Playlists des Pa3X Le an einem Computer ansehen, erstellen und editieren. Leider ist diese Software nicht für Mac-Computer verfügbar.

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