Schrottpresse
Feature
9
27.01.2021

Konzerte in Zeiten von Corona: Riesige Plastikblasen

The Flaming Lips spielten vor rund 200 Gästen - und lieferten eine tolle Show

Das Menschen anpassungsfähig und hilfsbereit sein können hat man in den letzten Monaten immer wieder gesehen. Es wurden tausende neue Arbeitsplätze direkt im Schlafzimmer geschaffen, gratis Essenlieferungen an ältere Personen organisiert und Online-Festivals veranstaltet. Die Eventbranche hat auch nicht locker gelassen und wir konnten schon einige kreative, naive und unterhaltsame Konzertideen beobachten. Mit "Space Bubbles" wurde die wohl bisher witzigste Veranstaltung durchgeführt. 

Man könnte sicherlich ein Buch über die vielen verschiedenen Konzertkonzepte in 2020 schreiben. Ein Highlight war sicherlich das Techno Open-Air in Münster. Dort mussten alle Besucher mit Maske in ihrem persönlichen Tanzkreis raven. Nachdem Autokinos wieder Aufwind bekommen haben, dauerte es nicht lange bis die ersten Autokonzerte stattfanden. In Deutschland kam es sogar zu richtigen Auto-Tourneen einzelner Musiker und Showmeister. Trotz vieler Hupen und Lichter war die Stimmung nicht immer überwältigend. Mit einem ausgefeilten Hygienekonzept waren sogar ohne Einschränkungen Indoorveranstaltungen möglich. In Barcelona wollte man die soziale Nähe bei Veranstaltungen nicht aufgeben, weshalb ein Event ohne typische Covid-19-Verhaltensregeln organisiert wurde. Alle Gäste mussten vor dem Eintritt einen Antigen-Schnelltest absolvieren. Zwei Wochen nach der Veranstaltung wurde nicht ein einziger Corona-Fall der Party in Barcelona zugeordnet. 

Plastikblasen für Alle

Die Idee mit den "Space Bubbles" wurde von den Flaming Lips schon im Sommer 2020 bei der Latenight-Show "The Late Show with Stephen Colbert" erprobt. Dabei waren sowohl die Band als auch das Publikum in den riesigen Plastikbällen gefangen. Dadurch konnten sich alle Gäste ohne Maske bewegen und waren nicht an einem zugewiesenen Sitzplatz gefesselt. Der erste Versuch war erfolgreich und die US-amerikanische Rockband machte sich daran ihr Showkonzept mit einem größeren Publikum zu teilen.

Bei den zwei Konzerten Mitte Januar in Oklahoma Citys "The Criterion" wurden jeweils 100 Plastikblasen für die Gäste bereitgestellt. Auf dem Boden der Halle wurde ein Gittermuster gelegt, in denen die "Space Bubbles" in 3x3 Meter Quadraten platziert wurden. In jeder dieser Bubbles war für bis zu drei Personen Platz. In den Bubbles war dann jeweils eine Flasche Wasser, ein Handtuch und ein Lautsprecher zu finden. Außerdem wurden Schilder in die Blasen gelegt. Mit diesen konnte man der Security signalisieren, dass man aufs WC muss oder dass die Bubble etwas durchgelüftet werden sollte. 

"Sicherer als der Supermarkt"

Trotz dieser einzigartigen Umstände wurde die Show zu einem richtigen Spektakel. Wie bei den Flaming Lips üblich gab es eine knallige Lichtshow, viel Konfetti, riesige Roboter und eine ausgelassene Stimmung. Bei der ersten weltweiten Bubble-Show wurden unter anderem Hits wie "She Don't Use Jelly" und "Yoshimi Battles the Pink Robots, Pt.1" gespielt, ehe das Konzert mit "Do you Realize??" beendet wurde. 

Leadsinger und Ideengeber Wayne Coyne redete schon im Dezember mit dem Magazin "Rolling Stone" über die Bubble-Konzerte. Damals war er sichtlich von dem Konzept überzeugt. Demnach kann man "machen was man möchte, sobald man in der Blase ist". Coyne möchte nicht dass das Event als "freak show" abgestempelt wird. Vielmehr wollte die Band ihren Fans die Möglichkeit geben, in einer "sicheren Umgebung" ein Live-Konzert zu besuchen. Auch für die nähere Zukunft kann sich Coynes weitere vergleichbare Modelle vorstellen: "Ich denke das ist die neue Normalität - man geht vielleicht zu einer Show oder auch nicht. Aber am Ende finden wir eine Lösung".

Der Kameramann Nathan Poppe hat den Aufbau des Konzerts auf Twitter dokumentiert. Ein Video zum Konzert gibt es hier:

Verwandte Artikel

User Kommentare