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27.11.2013

Kickstart Cubase #7 Workshop

Video-Workshop Audio-Quantisierung

Drei Wege zum Groove

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. Es war so finster und auch so bitterkalt. Sie kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein. Wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein?

Moment mal! Was soll das jetzt? Warum beginnt ein Workshop zum Thema Cubase mit dem Text zum Soundtrack eines archaischen Kindermärchens? 

Die Antwort ist natürlich einfach! Vor allem als frisch gebackener Anwender von Cubase kann man die grundlegende Gemütsverfassung von Hänsel und Gretel, die durch den finsteren Forst irren, in der Regel ziemlich gut nachvollziehen. Man schlägt sich durch das Dickicht der Funktionen und verliert sich im Geäst von Menüs und Untermenüs. Fremdartige und vielversprechende Bezeichnungen locken wie das Pfefferkuchenhaus im Märchen, und nur allzu oft stellen sich die vermeintlichen Lösungswege im Nachhinein als fatale Fehltritte heraus. 

Beim exzessiven Experimentieren helfen manchmal nicht einmal die sinnbildlichen Brotkrumen der Undo-Funktion, und was im Inneren des großen Waldes lauert, wird von Filmen wie dem „Blair Witch Project“ ausgiebig dokumentiert. Bevor die jüngeren bonedo-Leser nun Albträume bekommen, müssen wir wohl doch Entwarnung geben. Natürlich gibt es in Cubase keine böse Hexe, die zum Frühstück kleine Kinder verspeist. Im ungünstigsten Fall führt das orientierungslose Experimentieren mit der Software dazu, dass man sich verzettelt und die eigentliche Hauptaufgabe, nämlich das Musikmachen aus den Augen verliert. Um euch davor zu bewahren, möchten wir in dieser siebten Folge der Kickstart Cubase Serie drei Wege präsentieren, die beim Quantisieren von rhythmisch wackelig eingespielten Audio-Aufnahmen zum Ziel eines einigermaßen groovenden Arrangements führen. 

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Der traditionelle Weg 

Die Arbeit am Computer eröffnet uns heutzutage den Luxus, schnell und einfach editieren zu können. Was anno dazumal noch Geschick im Umgang mit Tonband und Rasierklinge erforderte, kann heute ohne viel Aufwand mit den Standard-Werkzeugen jeder DAW im Handumdrehen erledigt und zudem ganz flexibel auf Einzelspuren angewendet werden. Der traditionelle Weg, der ohne automatisch ablaufende Vorgänge auskommt, bietet dabei den Vorteil, dass man jederzeit volle Kontrolle über das gesamte Material hat. Auch um die Prinzipien hinter den automatischen Funktionen zu verstehen, beginnen wir also mit dem Schneiden von Hand.

Je nach der vorliegenden Aufnahme kann es Sinn machen, nicht nur einzelne Schläge, sondern größere Bereiche aus Audio-Clips zu verschieben, die etwas zu früh oder zu spät gespielt wurden und konsequent treiben oder schleppen. Oft führt schon dieser einfache Weg aus dem großen Wald heraus zum Ziel. 

Der automatische Weg

Im Fall unseres Rhodes-Pianos ist das rhythmische Wirrwarr so ausgeprägt, dass in einem längeren Arrangement wohl selbst das tapfere Schneiderlein Probleme mit seinem Nervenkostüm bekommen würde. Der automatische Weg stellt hier also eine willkommene Abkürzung dar. Gerade bei rhythmisch lebendigerem Material führt ein Quantisieren auf das starre Raster allerdings nicht immer direkt zum gewünschten Ergebnis. Ein weiteres Thema des folgenden Videos ist also auch, wie man dieses Raster an eventuell vorhandene Timing-Schwankungen anpassen kann.

Ein Preset für Groove-Quantisierung lässt sich gegebenenfalls auch aus den Hitpoints einer Audio-Datei erstellen. Wichtig ist in beiden Fällen, dass das grundlegende Material durchgängig ist und die kleinsten rhythmischen Einheiten klar ausformuliert. Problematisch wäre es beispielsweise, ein Groove-Preset aus einem Achtelnoten-Groove zu erstellen und dies zur Quantisierung einer auf Sechzehntelnoten basierenden Spur zu verwenden. 

Der elastische Weg

Eine DAW des 21. Jahrhunderts bietet natürlich auch Alternativen zum altbewährten Konzept des Schneidens und Klebens. Die AudioWarp-Funktion basiert auf Time-Stretching, und dies ist natürlich keine Fitness-Übung für Drummer, sondern ein Feature, das es erlaubt, Audio-Daten elastisch zu machen und wie ein Gummiband in die Länge zu ziehen oder zusammenschrumpfen zu lassen.

Wie im Video zu sehen, ist die Quantisierung über AudioWarp wesentlich unkomplizierter als die Arbeit mit vielen einzelnen Schnipseln. Andererseits können bei manchem Material und ausgeprägter Bearbeitung unerwünschte Artefakte entstehen. Die Faustregel, dass man Höhen- und Transientenreiches Material im Zweifelsfall doch besser über Slices quantisiert, sollte in den meisten Fällen zutreffen.

Nerd-Attack: Zweckentfremdung der automatischen Tempoerkennung

Im letzten Video ist es an der Zeit, die Hornbrille, das Muffelhemd und die fleckige Notenschlüssel-Krawatte auszupacken, denn es heißt wieder Nerd-Attack! Wie auch schon in der letzten Folge experimentieren wir mit exotischen Funktionen der großen Cubase Version, die zum Teil so kompliziert sind, dass auch der Herr Workshop-Autor schon einmal den Überblick verliert.  

Wie immer hoffe ich, euch mit diesem Artikel weitergeholfen zu haben. Zumindest beim Quantisieren von Audio-Aufnahmen bleiben euch in Zukunft hoffentlich die meisten Hänsel-und-Gretel-Momente erspart. 

Und wenn sie nicht gestorben sind...

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