Test
4
01.02.2018

Praxis

Stabiles Leichtgewicht

Ich staune schon ein bisschen, als ich das Bop Pad zum ersten Mal aus seiner Box hole, denn es ist erstaunlich leicht, extrem flach und macht dennoch einen äußerst stabilen Eindruck. Das Design ist in seiner eleganten Schlichtheit für meinen Geschmack absolut überzeugend und reiht sich nahtlos in die schicke Ästhetik der anderen Instrumente aus dem Hause Keith McMillen ein. Da uns, wie zuvor erwähnt, das optional erhältliche Mounting-Zubehör nicht zum Test zur Verfügung gestellt wurde, platziere ich das Teil auf meinem glatten Schreibtisch und stelle fest, dass es durch den Gummiboden recht rutschsicher liegt. Die ersten Schläge mit Sticks und auch mit Händen hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Spielgefühl und Rebound-Verhalten empfinde ich als sehr gelungen und realistisch. 

Kabel ran und los!

Ich werde Ableton Live als klanggebende Software für diesen Test nutzen, es sei aber gesagt, dass durch die Tatsache, dass das Bop Pad MIDI-Daten ausgibt, natürlich jede MIDI-fähige Software mit dem Controller verwendet werden kann. Um anstelle eines Rechners ein iOS- oder Android-Tablet zu nutzen, benötigt man zusätzlich eine weitere Verbindung wie iRig, Midimux oder andere. Nun muss ich lediglich Rechner und Bop Pad mit dem mitgelieferten (für meinen Geschmack leider zu kurzen) USB / Mikro-USB Kabel verbinden und sehe sofort in meiner DAW: MIDI kommt rein – die Installation eines Treibers fällt also erfreulicherweise weg. Das Bop Pad zeigt übrigens seine Bereitschaft durch grünes Leuchten der kleinen LED auf der „12 Uhr“ Position an und quittiert jeden Schlagimpuls mit einem Aufleuchten in orange. 

Alles MIDI

Das Bop Pad kommt bequemerweise mit einigen schlichten Factory-Presets daher (Universal / Unison / Hands / Sticks). In der Auswahl  „Universal“ sind pro Quadrant jeweils eine individuelle MIDI-Note sowie ein Quadranten-übergreifender MIDI CC Wert (Control Change) angelegt. Ich lade also ein Drum Rack, sprich einen Sampler mit verschiedenen Drum Sounds, und spiele einfach mal los. Das Pad reagiert erwartungsgemäß sensibel und triggert die Velocity-empfindlich eingestellten Samples prima an. Es kommt also auch mit angesteuerten Sounds ein angenehmes, realistisches Spielgefühl auf, das auch dichte Snare Rolls und Trap-artige Hi-Hat-Figuren klaglos sauber verarbeitet. Von Latenzen ist erfreulicherweise rein gar nichts zu spüren, das Bop Pad reagiert ultraschnell und präzise. Ein Blick auf mein MIDI-Monitor-Programm belegt die gefühlt-smoothe Velocity-Kurve von 1 -127. So weit, so gut, bisher haben wir also einen MIDI-Controller kennengelernt, der das tut, was man von ihm erwartet – und das macht er zweifelsfrei sehr gut. 

Der Editor und seine Möglichkeiten

Um nun ein wenig tiefer in die Skills des Bop Pads einzutauchen, ist es Zeit, den zuvor erwähnten Editor zu nutzen. Nachdem ich mir die App von der KMM-Seite gezogen und parallel den Link zum Web Editor genutzt habe, lerne ich nun die vielen Möglichkeiten dieser Hard- und Software-Kombination kennen. Es sei nochmal erwähnt, dass sich die Editoren-Varianten „App“ und „Web“ grafisch und inhaltlich nicht voneinander unterscheiden, dennoch finde ich die Web-Variante besonders erwähnenswert, einfach, weil die Möglichkeit, MIDI-Parameter innerhalb eines Web Browsers zu bearbeiten und auf Hardware zu übertragen, für sich genommen schon ziemlich cool ist.

Die Oberfläche des Editors ist recht intuitiv aufgebaut, und nach kurzem Abchecken ist der Großteil der Funktionsweise auch schon verstanden: Die vier Quadranten des Pads sind durch alphabetisch und farblich unterschiedlich gekennzeichnete Spalten dargestellt, im oberen rechten Eck des Editors findet sich außerdem noch eine interaktive Darstellung des Instrumentes. So kann man sicher sein, jeweils auch wirklich den gewünschten Quadranten zu bearbeiten. Jeder Quadrant kann mit mit bis zu sechs verschiedenen MIDI-Noten belegt werden und diese über einen frei bestimmbaren MIDI-Kanal ausgeben. Parallel dazu besteht die Möglichkeit, ebenfalls bis zu sechs MIDI Messages pro Quadrant zuzuordnen. Es kann also bis zu sechsfach definiert werden, welche Arten vom Message-Type (Off / Pitchbend / Channel Pressure / Poly Aftertouch / CC) jeweils genutzt werden sollen. Weiterhin gilt es noch, die jeweilige Quelle (Source) für die bis zu sechs unterschiedlichen MIDI-Modulationen pro Quadrant einzustellen. Hier lautet die Auswahl: Off / Velocity / Pressure sowie drei Typen von Radius-Modulation (Initial Radius / Radius / Radius Relative), die „nahtlose“ Modulationen über die sechs verschieden Zonen eines Quadranten ermöglichen.

Diese drei Radius-Modi unterscheiden sich in ihrem Verhalten wie folgt: 

  • „Initial Radius“ bedeutet, dass sich der entsprechende MIDI Message-Wert durch  unterschiedliche Anschlagspositionen auf dem Quadranten definiert und verändert. Hier wird also nicht gedrückt, gehalten und gezogen, sondern nur an verschiedenen Stellen angeschlagen, um den Wert zu ändern.  
  • „Radius“ hingegen verändert den Wert durch Drücken, Halten und dann Ziehen über die Länge des Quadranten; und schließlich noch
  •  Relative Radius“, dieser Modus verändert den Wert wiederum nicht durch den Anschlagspunkt – der ausgegebene Wert bleibt gleich, unabhängig davon, wo der Quadrant angeschlagen wird –, indes verändert der Wert sich nur, wenn man den Anschlag hält (also reindrückt) und dann, wie beim Modus  „Radius“, über den Quadranten zieht. Sobald man den Stick (oder Finger) dann wieder loslässt, springt der Parameter auf seinen ursprünglichen Wert zurück – unabhängig von der Position des eigentlichen  Anschlags. 

Das klingt nun vielleicht erstmal ganz schön kompliziert oder verwirrend, ist es vielleicht auf den ersten Blick auch, andererseits aber auch nicht, denn beginnt man einmal, mit diesen verschiedenen Parametern zu experimentieren und beobachtet dabei genau, inwiefern sich die Modi in ihrem Verhalten voneinander unterscheiden, kommt man recht flugs dahinter und freut sich, dass Keith McMillen sich so viele sinnvolle Gedanken um die Wünsche kreativer Nutzer von MIDI-Drum-Controllern gemacht hat. In der Tat, sehr smart.

Eine anschauliche Zusammenfassung der Haupt-Features:

Da die Möglichkeiten, wie Ihr jetzt schon erahnt, wirklich gigantisch sind, ist es mir im Rahmen dieses Tests nicht möglich, alle Funktionskombinationen im Detail und miteinander verknüpft darzustellen. Von daher will ich nun versuchen, die wesentlichen Merkmale der Funktionsweisen noch einmal zusammenzufassen und möglichst kompakt und plakativ zu erläutern:

* Das Bop Pad kann bis zu sechs MIDI-Noten pro Quadrant gleichzeitig ausgeben. Diese werden vom Bop Pad simultan geschickt, und es liegt dann an den Möglichkeiten der ausgewählten DAW (in diesem Falle Ableton Live), wie diese sich innerhalb des Host-Programms verhalten. Unter folgendem Link von der Keith McMillen Seite wird zum Beispiel beschrieben, wie man diese sechs Noten auf die verschiedenen Zonen eines einzelnen Quadranten in Ableton Live verteilen kann.

https://www.keithmcmillen.com/blog/boppad-101-multiple-sounds-per-quadrant-ableton-live/

Hier nun ein paar Anwendungs- und Sound-Beispiele zur Verdeutlichung der verschiedenen Nutzbarkeiten, zunächst zur Verwendung ausschließlich mit MIDI-Noten:

Vom Bop Pad gesendete MIDI-Noten starten und stoppen vier verschiedene Clips (Loops) in Live:

Ein akustisches Drumkit, Snare Rolls, Velocity-Empfindlichkeit plus Groove:

Ein elektronisches Kit spielt Groove:

* Das Bop Pad kann durch ausgehende MIDI-Noten aber nicht nur One Shot (Drum)-Samples abfeuern, sondern durch Drücken und Halten auf einen Quadranten einen Sound auch aushalten (Continuous Pressure). Somit kann man sich das Pad wie ein Keyboard vorstellen, bei dem man eine Taste gedrückt hält. Dieses Feature eignet sich natürlich weniger für kurze (Drum)- Samples, sondern ist eher für sustain-fähige Klänge wie Synth-Sounds etc. gedacht. Die Intensität des ausgeübten Drucks ändert darüber hinaus auch den ausgehenden (z.B. Velocity-) Wert. Das folgende Sound-Beispiel illustriert dieses Feature:

* Die drei Radius-Varianten des Bop Pads ermöglichen es, MIDI Messages durch Drücken und anschließendes Bewegen des Sticks (oder Fingers) vom Center zum Edge (und umgekehrt) eines Quadranten zu steuern. Ein einfaches Beispiel: Man MIDI-mapped einen  MIDI-Control-Change-Parameter eines Quadranten auf die Cut-Off Frequenz eines Filters und kann diese dann durch Bewegen des Sticks oder Fingers über eine Zone steuern. Im folgenden Sound-Beispiel werden Noten eines Synthesizers also kurz und lang durch Continuous Pressure gespielt, die in diesem Falle gewählte „Radius“-Modulations-Variante steuert die Filterfrequenz des Synths, während ein anderer Quadrant mit der „Initial Radius“ Variante den Dry / Wet Button eines globalen Delay-Effektes steuert.

Darüber hinaus lassen sich im Editor die MIDI-Noten oder MIDI Messages einzelner Quadranten ausschalten, das Quellverhalten lässt sich umkehren, die entsprechende MIDI Range lässt sich umkehren oder / und einschränken, und man kann MIDI Messages „Solo“ schalten.

Da alle diese Programmierungen im Bop Pad ja recht aufwändig sein können und nach einem Abklemmen des Pads vom Rechner verloren gingen, verfügen sowohl das Bop Pad selbst als auch der Editor über die Möglichkeit, Presets zu speichern. In der Editor App können unendlich viele Presets abgespeichert werden, diese können dann wiederum auf das Instrument selbst aufgespielt werden. Im Bop Pad selber, also der Hardware, können maximal vier Presets gespeichert werden, die über Program Changes angewählt werden.

Hat man mal eine Situation, in der man gar nicht vier unterschiedliche Schlagflächen braucht, lässt sich das Pad auch in den „Unison Mode“ schalten, womit man ein  einzelnes, großes Pad am Start hat. Auch sehr praktisch, wie ich finde!

Ihr seht, es gibt fast nichts, was man mit diesem so kompakt daher kommenden Instrument in Sachen MIDI Control nicht einstellen oder definieren kann, die Komplexität ist dabei aber nicht nur riesig, sondern auch wirklich gut durchdacht. 

Zum Schluss nun noch ein Sound-Beispiel, welches aufzeigt, wie laut sich das Bespielen des Bop Pads durch Sticks gestaltet, eine Frage, die für den Wohnzimmer-Trommler in puncto Nachbarn oder genervter Freundin durchaus interessant sein kann. Als Referenz-Lautstärke dient das klassische „Einzählen mit Drumsticks“-Geräusch.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare