Schrottpresse
Feature
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23.03.2020

Kein Witz - Geige spielend durch die Hirnoperation!

Bei offener Schädeldecke wurde die Patientin aus der Narkose geholt

Wahnsinnsbilder aus dem Kings College Hospital in London. Die passionierte Geigenspielerin Dagmar Turner wurde während ihrer Tumor-OP geweckt und griff zur Geige. Aus Angst nie wieder ihr Lieblingsinstrument spielen zu können, rieten die Ärzte zu dieser ungewöhnlichen Methode. 

Bei der 53-jährigen Britin wurde 2013 ein Gehirntumor diagnostiziert. Als letzte rettende Behandlungsmethode wurde zu einer Gehirnoperation samt Entfernung des Tumors geraten. Da bei solch komplizierten Eingriffen auch gesunde Hirnregionen in Mitleidenschaft gezogen werden können, mussten sich die Ärzte und die begeisterte Geigenspielerin etwas einfallen lassen. Denn Dagmar Turner spielt seit ihrem 10. Lebensjahr Geige und hatte Angst, diese Leidenschaft aufgeben zu müssen, "Die Vorstellung, dass ich vielleicht nie wieder spielen könnte, hat mir das Herz gebrochen". Turner spielt seit Jahren in einem Symphonieorchester, ein Fehlgriff könnte das Ende ihrer Karriere bedeuten.

Ärzte wollten keine Nerven beschädigen

Um Verletzungen von Hirnregionen zu vermeiden, die für die Feinmotorik zuständig sind, mussten die Ärzte auf eine besondere Vorgehensweiße setzen. Nachdem die Schädeldecke aufgemacht wurde und die Ärzte das offene Gehirn vor sich hatten, wurde die Britin aus ihrer Narkose geholt. Das ist möglich, da das Gehirn keine Schmerzrezeptoren besitzt und daher für Patienten zumutbar ist. Danach hat Turner ihre Geige in die Hände gedrückt bekommen und spielte unter anderem "Summertime" von George Gerwish (siehe Video). Turner musste zwei Stunden lang während der fünfstündigen OP die Saiten der Geige kitzeln. Die Hirnchirurgen konnten dadurch körperliche Reaktionen durch das Berühren mancher Regionen lokalisieren. Außerdem haben sie optische Beurteilungen abgegeben, welche Hirnareale wann aktiviert wurden.

Happy End für Dagmar Turner

Der verantwortliche Chirurg Keymoumars Ashkan, der mit seinem Team jährlich 400 Hirntumor-Operationen durchführt, hatte so ein Szenario selber noch nie erlebt. Da der Tumor aber direkt neben den für die Feinmotorik wichtigen Regionen lag, wurde zu dieser besonderen Methode gegriffen. Mit vollem Erfolg wie sich nachher herausstellte. Nach nur drei Tagen wurde die Britin aus dem Krankenhaus entlassen. Mittlerweile ist sie wieder im Orchester aktiv und kann ihrer Leidenschaft nachgehen. Der Eingriff war also das Risiko wert und hat für die ganze Welt besondere Erinnerungen hinterlassen. 

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