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09.09.2019

Kaufberatung Schallplatten digitalisieren

Plattenspieler, Interface, Phono Preamps und Nadelsysteme zum Schallplatten aufnehmen

Systemlösungsvorschläge für 5 verschiedene Budgets

Wer sich ein Setup zusammenstellen möchte, um Vinylschallplatten zu digitalisieren, sieht sich aktuell einem Angebot gegenüber, das es schon lange in der Masse und Breite nicht mehr gegeben hat. Turntables (zum Testmarathon), Tonabnehmer (zum Testmarathon), Preamps (zum Testmarathonund Audiointerfaces in allen Preisklassen und All-in-one-Lösungen, deren Natur ein niedriger Komplexitätsgrad zu sein scheint. Doch welche Tools taugen wirklich was? Wir haben Setups für fünf unterschiedliche Budgets zusammengestellt, die wir euch in diesem Kaufberater vorstellen möchten.

Hardware zum Schallplatten/Vinyl digitalisieren Quick Facts

Bei der Zusammenstellung eines Setups zum Vinyl Digitalisieren kommt es im Wesentlichen darauf an, die bestmögliche Klangqualität für das vorgegebene Budget zu erhalten. Darüber hinaus sollten die Komponenten oder auch die All-in-one-Lösung intuitiv zu bedienen sein, was aber mit einem „Mehr“ an Möglichkeiten bei zunehmend hochpreisigen Einzelkomponenten immer schwieriger zu realisieren wird. Bei der Wahl von Einzelkomponenten kommt erschwerend hinzu, dass die Tools hinsichtlich ihrer Preise und ihrer klanglichen Möglichkeiten einigermaßen ausgewogenen sein sollten. Mehrere hundert Euro in einen Tonabnehmer zu investieren, ist letztlich nur dann sinnvoll, wenn der Phono-Preamp die Feinheiten des Pickups eins zu eins verstärken kann und das Audiointerface über Wandler verfügt, die das Potential haben, jene Details auch in eine Audiodatei zu überführen. Jede der hier vorgeschlagenen Systemlösungen setzt den Besitz eines Computers voraus.

Grundvoraussetzung: PC oder Mac samt Recording-Software

Jede der hier vorgeschlagenen Systemlösungen setzt den Besitz eines Macs oder PCs voraus. Im Grunde verfügen doch so gut wie alle durchschnittlichen Haushalte über betagte Rechner, deren Performance aber in der Regel locker für eine Stereoaufnahme und eine Offline-Bearbeitung ausreicht.

Ebenso Grundvoraussetzung: Ein Audio-Editor. Aktuell gibt es reichlich kostenlose Applikationen für beide Plattformen, die neben einer digitalen PCM-Aufzeichnung in 1644 (16 Bit und 44,1 kHz) auch noch jede Menge destruktive wie non-destruktive Bearbeitungsmöglichkeiten im Gepäck haben. Hier kann man durchaus von echten, wenn auch recht rudimentären Stereo-Editoren sprechen, deren Funktionsumfang zwar offensichtlich stark eingeschränkt ist, dennoch genügen die On-Board-Tools meist völlig aus, um Audioaufnahmen freizuschneiden und einander anzugleichen.

Ein prominenter Vertreter der kostenlosen Audio-Programme ist der ewig währende Dauerbrenner Audacity, der sowohl auf PCs als auch Macs installiert werden kann. Dabei handelt es sich um eine einfach strukturierte Software, deren Download nicht einmal eine Registrierung erfordert. 

Ein wenig größer ist da schon der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Applikation „Pro Tools | First“ kostenlos zu erhalten. Hierfür ist eine umfängliche Registrierung erforderlich. Man bekommt allerdings für seine Daten eine kostenlose und leicht limitierte Version der weltweit verbreitetsten Audio-Mehrspurlösung, die in unzähligen Recording-Studios und Broadcast-Häusern Einzug gehalten hat – und das aus gutem Grund.

Was ist mir persönlich wichtig?

Jeder, der Vinyl digitalisieren möchte, sollte sich zuvor folgende Fragen stellen:

  1. Liegt mein Fokus eher auf einer intuitiven Bedienung oder auf größtmöglicher Klangqualität?
  2. Welche klanglichen Ansprüche habe ich?
  3. Wie viel Budget steht mir insgesamt zur Verfügung?

Zu 1.) Wenn ich ein Typ bin, der es gerne so unkompliziert und übersichtlich hält wie eben möglich und wenn ich mich nicht so wahnsinnig gerne auf Fehlersuche begebe, bin ich mit einer Systemlösung aus einer Hand wahrscheinlich am besten bedient. Erst recht dann, wenn die Klangqualität meiner Vinylaufnahmen eine untergeordnete Rolle spielt, frei nach dem Motto „Hauptsache digital!“ Stelle ich hingegen sehr hohe Ansprüche an die Klangqualität meiner Aufzeichnungen, schließt das eine All-in-one-Lösung weitestgehend aus.

Zu 2.) Je nachdem, wie hoch meine klanglichen Ansprüche sind, resultieren diese bei der Umsetzung des Vorhabens in einem Hi-Fi-Setup mit Optimierungsoptionen, in einem Studio-Setup mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis oder in einer Kombination aus professionellen Studio- und High-End-Komponenten. Nach oben ist die Skala bekanntermaßen immer offen, das Budget ist es meistens nicht ...

Zu 3.) Alles hilft nichts, wenn das zur Verfügung stehende Gesamt-Budget so gar nicht mit den klanglichen Vorstellungen in Einklang zu bringen ist. Hier kann helfen, an weniger relevanter Stelle einen vorübergehenden Kompromiss zu machen und diesen später durch Austausch der betreffenden Komponente wieder vergessen zu machen. Oder man vertagt die Anschaffung des ganzen Setups auf einen späteren Zeitpunkt und spart bis dahin den noch fehlenden Restbetrag zusammen oder man schraubt seine klanglichen Ansprüche auf das gerade noch ertragbare Minimum herunter, kann dafür aber sofort loslegen. Das muss jeder für sich selber entscheiden.

Aus den o. g. Antworten ergibt sich somit der Fokus für die Zusammenstellung des Setups

Steht mir nur ein sehr kleines Budget zur Verfügung (maximal 150 bis 200 Euro), liegt der Fokus der Suche eindeutig auf einer preisgünstigen Komplettlösung. Kann etwas mehr Geld ausgegeben werden, sprich 350 bis 500 Euro, können wir weiterhin nach einem ordentlichen Standalone-Tool mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis Ausschau halten und gegebenenfalls den Turntable mit einem hochwertigeren Tonabnehmer ausstatten. Wer bereit ist, gut 1.000 Euro zu investieren, kann sämtliche All-in-one-Ansätze links liegen lassen und bereits auf Einzelkomponenten setzen. Bei einer möglichen Gesamtinvestition von gut 2.000 Euro bewegt man sich dann bereits auf einem klanglich absolut ansprechenden Niveau.

Die Setups

I. Preisgünstige All-in-one-Lösung für 150 Euro

1. American Audio TTD 2400 USB 

2. PC oder Mac mit der Audio-Software Audacity 

Als Einsteiger-Setup dient uns eine All-in-one-Lösung von American Audio: Der TTD 2400 USB, ein direktgetriebener DJ-Turntable mit 10 Prozent Pitch, der zudem auf einen S-förmigen Tonarm setzt. Das Kunststoff-Chassis beherbergt einen Phono-Preamp, einen AD-Wandler sowie ein USB-Audiointerface. Zum Lieferumfang gehört ebenso ein MM-Tonabnehmer von Audio-Technica. Wen das Angebot im Detail interessiert, kann sich hier einen Produkttest durchlesen.

Kostenaufstellung Budget-Lösung

Plattenspieler: American Audio TTD 2400 USB

Tonabnehmer: im Lieferumfang ein Audio-Technica TTN-1

Phono Preamp: integriert AD-Wandler &

Audio-Interface: integriert

Gesamtpreis: 144 Euro

Unsere Empfehlungen

II. Passable All-in-one-Lösung für etwa 350 Euro

1. Audio-Technica AT-LP120-USBHC

2. Audio-Technica AT-XP5 und ein PC oder Mac mit der Audio-Software Audacity

Mit leisem Motor und guter Abkopplung vom Untergrund präsentiert sich der preisgünstige DJ-Turntable AT-LP120-USBHC (249 Euro) aus dem Hause Audio-Technica. Dieser Turntable beherbergt Phono-Preamp, DA-Wandler und USB-Interface in seinem Kunststoffgehäuse. Der direkt getriebene Plattenspieler mit S-förmigen Tonarm wird mit dem hauseigenen AT95E Dual Magnet Tonabnehmer, einem AT-HS10 Headshell, transparenter Kunststoffhaube und Slipmat ausgeliefert.

Wir tauschen allerdings den mitgelieferten Tonabnehmer gegen einen hochwertigeren aus gleichem Hause, einen AT-XP5 mit elliptischer Nadel für weniger als 100 Euro aus. Sowohl den Plattenspieler als auch den Tonabnehmer hatte ich zu Testzwecken von Audio-Technica zugeschickt bekommen und beide haben einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen. Wen die Reviews interessieren, wird hier für den TT und hier für den Tonabnehmer fündig.

Kostenaufstellung Mittelklasse-Lösung

Plattenspieler: Audio-Technica AT-LP120-USBHC: 249 Euro

Tonabnehmer: Audio-Technica AT-XP5: 89 Euro

Phono Preamp: integriert AD-Wandler

Audio-Interface: integriert

Gesamtpreis: 338 Euro

III. Einzelkomponenten in Hi-Fi-Qualität für rund 1000 Euro

1. Pioneer PLX-500

2. Audio-Technica AT-XP5

3. iConnectivity Spin XLR

4. ART Pro MPA II,

5. Focusrite Scarlett 2i2 2nd Gen

6. PC oder Mac mit der Recording-Software Pro Tools | First

Das Mittelklasse-Setup ist ein Bundle für rund 1.000 Euro, bestehend aus dem DJ-Turntable PLX-500 , dem Audio-Technica-Tonabnehmer, den wir bereits aus Setup II kennen, dem AT-XP5 sowie dem Phono-Entzerrer Spin XLR von iConnectivity in Kombination mit dem Mikrofonvorverstärker Pro MPA II von ART und dem Audiointerface Scarlett 2i2 2nd Gen von Focusrite.

Der Pioneer PLX-500 beherbergt einen Phono-Preamp, einen DA-Wandler und ein USB-Interface in seinem Kunststoffgehäuse, die wir aber nicht benutzen möchten, obwohl sich die klanglichen Ergebnisse der integrierten Tools durchaus sehen lassen können. Der direktgetriebene Plattenspieler mit S-förmigen Tonarm, der über eine solide Höhenverstellung verfügt, setzt in dieser Preisklasse in jedweder Hinsicht die Messlatte.

Mit der Kombination aus Spin XLR und ARTs Pro MPA II vereinen wir einen sehr gut ausgestatteten Preamp mit großen Gain-Reserven und einem übersichtlich gestalteten Bedienpanel mit einem überdurchschnittlich gut klingenden Phono-Entzerrer, der die saubere 48 Volt Versorgungsspannung des Pro MPA II in Anspruch nimmt. Das zweikanalige Audiointerface Scarlett 2i2 2nd Gen von Focusrite ermöglicht mit Auflösungen von bis zu 24 Bit und 192 kHz Audioaufnahmen, die selbst anspruchsvolle Nutzer in jedem Fall zufrieden stellen werden. Für 129 Euro ein absolutes Schnäppchen!

Kostenaufstellung Einzelkomponenten in Hi-Fi-Qualität

Plattenspieler: Pioneer PLX-500: 329 Euro

Tonabnehmer: Audio-Technica AT-XP5: 89 Euro

Phono Entzerrer: iConnectivity Spin XLR: 65 Euro

Preamp: ART Pro MPA II: 396 Euro

AD-Wandler & Audio-Interface: Focusrite Scarlett 2i2 2nd Gen: 129 Euro

Gesamtpreis: 1.008 Euro

IV. Einzelkomponenten in Studioqualität für rund 2.000 Euro

1. Pioneer PLX-1000

2. Grado DJ200i

3. Radical Engineering J33

4. ART Pro MPA II

5. Apogee Duet

6. PC oder Mac mit der Recording-Software Pro Tools | First

Das Setup unter 2.000 Euro ähnelt dem Setup für runde 1.000 Euro dahingehend, dass hier wieder ein separater Phono-Entzerrer und ein Mic-Preamp miteinander kombiniert werden, nur wählen wir als Entzerrer in diesem Fall einen J33 von Radial Engineering (Test hier) anstelle des Spin XLR.

Als zweikanaliger Vorverstärker kommt aber wieder wie auch bei dem halb so teuren Paket der ART Pro MPA II zum Einsatz. Als Laufwerk empfehle ich für dieses Setup den PLX-1000 von Pioneer (Test hier), der in seiner Preisklasse maßgebend ist. Als Tonabnehmer habe ich ein DJ200i mit elliptischer Nadel von Grado ausgesucht, der hinsichtlich seiner Klangqualität seinem Namen alle Ehre macht – ein echter Grado eben! Um bei der Digitalisierung keine Details zu verlieren, rundet Apogees Duet 2 (Test hier) das Setup ab.

Kostenaufstellung Einzelkomponenten in Studioqualität

Plattenspieler: Pioneer PLX-1000: 622 Euro

Tonabnehmer: Grado DJ200i: 149 Euro

Phono-Entzerrer: Radical Engineering J33: 233 Euro

Preamp: ART Pro MPA II: 396 Euro

AD-Wandler & Audio-Interface: Apogee Duet 2: 549 Euro

Gesamtpreis: 1.949 Euro

Unsere Empfehlungen

V. High-End Komponenten für rund 5.500 Euro

1. Technics 1210GR

2. Audio-Technica VM 760 SLC

3. Violectric PPA V600

4. RME ADI-2 Pro FS 

5. PC oder Mac mit der Recording-Software MAGIX Sound Forge Pro 12

Ausschließlich auf High-End-Level bewegen wir uns bei unserem Setup ohne Budget-Beschränkung. Als Plattendreher habe ich den 1210GR von Technics (Test hier) ausgewählt, der in nahezu allen Disziplinen gegenüber Setup 4 noch eins draufzusetzen hat. Sei es die Abkopplung vom Untergrund durch Masse, Gleichlauf, Tonarm oder Plattenteller! Dies sorgt für einen noch „freieren“ Klang, eine bessere Tonalität insbesondere bei der Basswiedergabe, einen höheren Signal-Rauschabstand und ein ruhigeres Klangbild. Audio-Technicas Topmodell aus der MM-Tonabnehmer-Sparte kann aufgrund seiner guten Hochtonauflösung und seiner präzisen Mittenwiedergabe für weit mehr „Durchblick“ sorgen, den der PPA V600 von Violectric (Test hier) aufgrund seiner durchdachten Bauweise und seiner extrem hochwertigen Bauteile 1:1 durchreichen kann. Ein wahrlich toller Phono-Preamp – das Beste, was ich bisher auf die Ohren bekommen habe!

Als letztes Glied in dieser hochwertigen Signalkette sollte das ADI-2 Pro FS von RME (Test hier) in der Lage sein, das feine analoge Schauspiel verlustfrei in Nullen und Einsen zu quantisieren. Um bei der Aufnahme mit größtmöglicher Auflösung und Quantisierung zu arbeiten, empfehle ich für dieses Setup nun auch die Anschaffung einer professionellen Recording-Software, MAGIX Sound Forge Pro 12 Suite, mit der auch weit mehr Plug-in Optionen für das anschließende Mastering der Vinyl-Aufzeichnungen zur Verfügung stehen.

Kostenaufstellung High-End Komponenten

Plattenspieler: Technics 1210GR: 1.499 Euro

Tonabnehmer: Audio-Technica VM 760 SLC: 699 Euro

Phono-Vorverstärker: Violectric PPA V600: 1.249 Euro

AD-Wandler & Audiointerface: RME ADI-2 Pro FS: 1.595 Euro P

Professionelle Recording-Software: MAGIX Sound Forge Pro 12 Suite: 549 Euro

Gesamtpreis: 5.591 Euro

Anmerkung der Redaktion: Zusätzlich zu den oben genannten Kombinationen, gibt es am Markt auch noch All-in-One-Lösungen, die das Plattenspielersignal wandeln und direkt auf einen Datenträger aufzeichnen. Vor einigen Jahren bot sich hier noch die CD an, siehe dazu auch unseren Test des mittlerweile nicht mehr produzierten ION LP2CD, mittlerweile sind jedoch SD-Card oder USB-Stick gängiger. Ein Beispiel hierfür ist der kaum 100 Euro teure, aber klanglich laut einschlägiger Tests nicht so brillante Denon DP-200.

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