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06.11.2019

Kaufberater: 5 Kopfhörer bis 200 Euro (2020)

Unsere Tipps: Headphones für Aufnahme, Mix und zum Musikhören!

Geschlossene oder offene Kopfhörer kaufen?

Das Angebot an Kopfhörern in ihren verschiedenen Bauformen ist 2019 größer denn je und bietet Modelle für jeden Geschmack und Geldbeutel. Doch wie findet man den richtigen Kopfhörer fürs Mischen, Home-Recording oder zum Musikhören?

Wann lohnt sich ein offener Kopfhörer? Wann ist ein geschlossener Kopfhörer besser? Und wann greift man zum halboffenen Modell? 

Wir behandeln nicht nur "offener oder geschlossener Kopfhörer", sondern haben eine komplette Kaufberatung zusammengestellt und liefern gleich fünf konkrete Tipps mit: Die Modelle, mit denen wir die besten Erfahrungen gemacht haben – fürs Studio, Wohnzimmer, Recording und auch unterwegs. Je nach Gebrauch, Geschmack und Gehalt sind nämlich verschiedene Modelle zu empfehlen. Worauf ihr beim Kauf achten solltet, erfahrt ihr hier!

Noch mehr Kopfhörer findest du in Die besten Studiokopfhörer von EUR 19 bis 900 Euro, Die besten Headphones für Mix und Mastering 2019 und weiteres Hintergrundwissen in unseren Artikeln Technische Daten von Kopfhörern und ihre Bedeutung Schallwandler von Kopfhörern und Welcher Kopfhörer ist der richtige für mich?

 

Offener oder geschlossener Kopfhörer: Welche Bauform nehme ich für welche Anwendung?

Eines der Hauptunterscheidungsmerkmale unterschiedlicher Kopfhörermodelle ist die Bauart der Ohrmuscheln, die entsprechend ihrer Dämmeigenschaften zur Außenwelt in die Kategorien offen, geschlossen und halboffen (das ist eine Mischform der beiden erstgenannten Varianten) unterteilt werden.

Kopfhörer offener Bauart haben eine äußerst geringe und in der Praxis zu vernachlässigende Dämmung. Das bedeutet, dass der vom Kopfhörer erzeugte Schall nach außen gelangt und Umgebungsgeräusche wiederum ungehindert zum Ohr gelangen. Das ist beispielsweise dem ungestörten Musikhören in einer lauten Umgebung hinderlich und auch zum Monitoring im Aufnahmeraum eher ungeeignet ("Bleeding" bzw. "Übersprechen" auf das Mikrofon).

Diese beiden Probleme verlieren bei zunehmender Dämmung geschlossener Kopfhörermodelle an Bedeutung und erweitern den Einsatzradius erheblich, allerdings hat das einige Kompromisse zur Folge.

Geschlossene Ohrmuscheln von Kopfhörern haben erwartungsgemäß eine schlechtere Luftzirkulation zum Ohr, wodurch der Tragekomfort in vielen Fällen nicht das Niveau offener Kopfhörermodelle erreicht. Weiterhin kann die harte Abschottung beider Ohren zur Außenwelt unter Umständen klangliche Nachteile, etwa bei der Frequenzwiedergabe und der Natürlichkeit der Raumabbildung bewirken. Mittlerweile gibt es aber genügend Ausnahmen, die dieses Vorurteil widerlegen.

Halboffene Kopfhörer versuchen, sich die Vorzüge beider Bauarten zu eigen zu machen, was sie je nach Intensität der Dämmung, die bei Modellen dieser Mischform durchaus unterschiedlich ausfallen kann, unter Umständen auch zum Monitoring während der Aufnahme qualifiziert. Welche Bauart man am besten für welche Anwendung verwendet, seht ihr in der Tabelle. 

Anwendung offener Kopfhörer halboffener Kopfhörer geschlossener Kopfhörer
Recording - + +++
Mix und Mastering +++ +++ ++
Auflegen im Club - - +++
Musikhören unterwegs - + +++
Musikhören zu Hause +++ +++ ++

Diese Tabelle bietet einen weiteren Überblick der tendenziellen (!) Eigenschaften der genannten verschiedenen Bauarten:

Eigenschaft offener Kopfhörer halboffener Kopfhörer geschlossener Kopfhörer
Emission/Immission von Schall hoch modellabhängige Unterschiede, eher hoch gering
Dämmung gering modellabhängige Unterschiede, eher gering hoch
Tragekomfort (Tendenz) hoch hoch modellabhängige Unterschiede, häufig hoher Anpressdruck
sicherer Sitz (Tendenz) für stationären Betrieb ausreichend modellabhängige Unterschiede meist sicherer Sitz, auch bei starken Bewegungen, z.B. beim Spielen von Instrumenten
natürlicher Raumeindruck (Tendenz) gut gut aufgrund hoher Kanaltrennung nicht selten unnatürlich
negativ empfundene Abschottung von der Außenwelt gering modellabhängige Unterschiede, eher gering hoch

Weiterhin gibt es Eigenschaften, die einzelnen Bauarten zugeschrieben werden. Beispielsweise gelten geschlossene Kopfhörer gegenüber offenen als besonders potent in der Basswiedergabe. Hier gibt es allerdings viele Ausnahmen, die dieses Vorurteil widerlegen, da es in allen Bauarten sehr unterschiedliche Klangsignaturen gibt.

Hier sind vier unserer Empfehlungen. Es gibt einzelne Tests dazu, weiter unten in diesem Artikel werden sie außerdem kurz vorgestellt – dort ist auch der Geheimtipp zu finden.

Wandlerprinzipien - Was muss ich wissen bzw. muss ich was wissen?

Im Gegensatz zum High-Class-Marktsegment findet man in der Preisklasse bis 200 Euro fast ausschließlich Kopfhörer, welche mit Schallwandlern bestückt sind, die nach dem elektrodynamischen Prinzip arbeiten. Ganz vereinzelt befinden sich auch magnetostatische Modelle im Angebot einiger Hersteller. Diese Wandlerart, die man etwas häufiger in höheren Preisgefilden antrifft, ist vergleichbar robust und unterscheidet sich klanglich von dynamischen Kopfhörern nicht so stark wie einzelne dynamische Kopfhörer untereinander, sodass beim Kauf eines Kopfhörers bis 200 Euro kein besonderes Augenmerk auf das Wandlerprinzip zu legen ist. Wer dennoch Interesse an diesem Themenbereich hat, wird in unserem Feature Schallwandler von Kopfhörern fündig.

Auf welche Ausstattungs- und Gerätemerkmale muss ich achten?

Wenn die Wahl auf einen offenen oder geschlossenen Kopfhörer fällt, sollte bereits geklärt sein. Welche weiteren Eigenschaften und Ausstattungsmerkmale sinnvoll sind, hängt natürlich stark von den eigenen Bedürfnissen und dem geplanten Einsatzzweck der Headphones ab. Exemplarisch haben wir als Hilfestellung einige Szenarien zusammengestellt, zu denen man sich vor dem Kauf eines Kopfhörermodells durch den Kopf gehen lassen könnte.

Ich will den Kopfhörer (auch) unterwegs als Mobilkopfhörer einsetzen.

sinnvolle Merkmale

  • kompakte Maße (evt. ohraufliegende Ohrmuscheln)
  • geringe Impedanz zum Betrieb an mobilen Playern
  • kurzes Kabel (evt. optional/auswechselbar)
  • Transportbox oder Beutel
  • Stecker oder Adapter auf 3,5mm, evt. andere Formate (Apple…)

Den Kopfhörer möchte ich zum Aufnehmen von Musikern verwenden.

sinnvolle Merkmale

  • geeignete/flexible Kabellänge
  • austauschbare und leicht zu reinigende Polster
  • generelle Austauschbarkeit der Bauteile bei hoher Beanspruchung

Ich möchte den Kopfhörer zum Auflegen im Club verwenden.

sinnvolle Merkmale

  • pegelfeste Wiedergabe
  • souveräne Basswiedergabe
  • Ein-Ohr-Trageweise möglich
  • geeignete Kabeloption 

Ich will den Kopfhörer zum Mischen/Mastern einsetzen.

sinnvolle Merkmale

  • „ehrliche“, tendenziell lineare Frequenzabbildung
  • authentische Wiedergabe von Transienten/Impulsen
  • möglichst natürliche und präzise Stereobühne


Den Kopfhörer will ich zu Hause zum Musikhören verwenden.

sinnvolle Merkmale

  • Klangsignatur entspricht dem eigenen Hörempfinden
  • hoher Tragekomfort für pausenlose, lange Hörsessions (tendenziell ohrumschließende Ohrmuscheln)
  • sinnvolle Kabelvariante entsprechend der Zuspielgeräte und Hörposition

Unsere 5 Empfehlungen im Einzelnen

Vielleicht haben wir euch hiermit ein paar Gedankenanstösse geliefert, die euch die Kopfhörerwahl etwas erleichtern. Kommen wir nun zu unseren 5 konkreten Empfehlungen bis maximal 200 Euro Kaufpreis:

Universell einsetzbarer Sound zum fairen Preis: AKG K371

AKGs neuer Studiokopfhörer K371 überzeugte uns im Test auf ganzer Linie. Das kabelseitig luxuriös ausgestattete Modell besticht mit hohem Tragekomfort sowie hervorragenden Wiedergabeeigenschaften, die den K371 neben dem Einsatz im Aufnahmeraum auch zum Mischen Mastern und zum hochwertigen Musikkonsum befähigen. Der AKG ist einer der interessantesten Kopfhörer im Marktsegment bis 200 Euro!

Maximaler Sound für minimalen Geldbeutel: Superlux HD-330

Der halboffene Fernost-Kopfhörer Superlux HD-330 überrascht – mit tollen Klang-Eigenschaften und mit einem sehr geringen Preis von weniger als 30 Euro. Damit ist er eine extrem kostengünstige Option für Einsteiger zum Mischen, Mastern oder einfach zum genussvollen Musikhören in den eigenen vier Wänden.

Der Klassiker: Beyerdynamic DT 880 Pro

Das halboffene Modell des deutschen Herstellers genießt seit mehr als zwei Jahrzehnten eine hohe Anerkennung unter Ton-Profis und Musikliebhabern und hat inzwischen die 200-Euro-Schallmauer (von oben) durchbrochen, sodass er im Kreise unserer Empfehlungen nicht fehlen darf! Den ab 159 Euro erhältlichen Beyerdynamic DT 880 Pro gibt es in verschiedenen Ausführungen, unter anderem mit drei unterschiedlichen Impedanzen von 32 bis 600 Ohm.

Allrounder-Empfehlung: Audio-Technica ATH-M50 X

Der Audio-Technica ATH-M50 hat bei uns im Test äußerst gut abgeschnitten und konnte sich auch gegen deutlich teurere Kopfhörer durchsetzten. Mittlerweile wurde der Hörer einem Update unterzogen. Er nennt sich nun Audio-Technica ATH-M50 X und geht für rund EUR 135,– über die Theke. Dieser Kopfhörer ist ohrumschließend, geschlossen und klanglich ziemlich neutral, so dass er sich nicht nur für die aufzunehmende Musiker anbietet, sondern auch zum Mixen und Mastern geeignet ist. Aufgrund seiner guten Abschirmung ist er aber auch für das Monitoring in lauten Umgebungen geeignet, weshalb er ebenfalls als DJ und FOH-Kopfhörer durchgeht. Unterstrichen wird dies auch von seinem platzsparenden Klappmechanismen.

Der Low-Budget-Geheimtipp zum Monitoring: Superlux HD-660

Zum Erwerb des geschlossenen Superlux HD-660 muss wahrscheinlich kaum jemand bei seiner Hausbank vorstellig werden. Den Kopfhörer, der sich durchaus zum professionellen Monitoring eignet, erhält man (wie seinen halboffenen und klanglich etwas anders abgestimmten Bruder HD-330) bereits für weniger als 30 Euro. 

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