Software
Test
10
13.01.2017

Praxis

Der Track Assistant mixt 

Habt ihr Neutron in alle gewünschten Spuren geladen, aktiviert ihr den Track Assistant und spielt den Song ab. Jetzt seht und hört ihr, wie Neutron arbeitet. Je nach Ausgangsmaterial dauert es bis zu zehn Sekunden, bis Neutron passende Einstellungen gefunden hat. Wie stark die Effekte eingestellt werden und in welche Richtung der Mix gehen soll, hängt vom zuvor festgelegten Verfahren ab. 

In den folgenden Klangbeispielen habe ich Neutron die ganze Arbeit machen lassen, ohne selbst einzugreifen. Dabei läuft der Track Assistant in allen drei Modi. Zunächst ein Hip-Hop-Beat, bestehend aus Verse mit Drums, Bassline, Cello, Rhodes und einem Vocal-Sample. Im Refrain kommen Piano, Brass und Lead hinzu. 17 Spuren sind es ingesamt, in jeder ist Neutron aktiv. Ein Teil des Refrains wird als Loop in wiedergegeben, nach etwa zehn Sekunden liefert Neutron ein fertiges Setting ab. Hören wir uns das Ergebnis an.

Im Modus Broadband and Clarity wird die Komprimierung etwas stärker angezogen, das Ergebnis klingt aber ausgewogen. Ich bin positiv überrascht. Auch die Resonanzfrequenzen hat Neutron gut im Griff. Für meinen Geschmack wird allerdings zu viel Clarity hinzugefügt.

Nun die gleiche Vorgehensweise mit einem Blues, ein reines Band-Recording. Abgesehen von Lautstärkeverhältnissen und dem typischen 1/16-Vocal-Delay wurde vorher nichts bearbeitet.

Zuverlässiger Track Assistant?

In der Regel erkennt Neutron das Ausgangsmaterial richtig. Falls nicht, lässt sich der Irrtum rasch korrigieren. Es ist deutlich zu hören, wie Neutron im Mix für Ordnung sorgt, bisher undurchsichtigen Songs werden transparenter, frischer und dynamischer. Mit einem Equalizer werden Frequenzbereiche generell nicht nur betont, es werden auch resonante Frequenzen abgesenkt. Diese werden vom Track Assistant bemerkenswert gut identifiziert und mit dem dynamischen Equalizer kompensiert. Das hat den Vorteil, dass diese Frequenzbereiche nicht dauerhaft abgesenkt werden.

Leider liegt der Track Assistant beim EQing nicht immer richtig. Im Modus Warm and Open werden regelmäßig kritische Bassfrequenzen betont. So wurde auf einer Hi-Hat-Spur, deren relevantes Frequenzspektrum ab ca. 1,5 kHz beginn, ein Low-Shelf bei 140 Hz eingesetzt und mit 5 dB verstärkt. Blind vertrauen sollte man dem Plug-in also nicht. Im HipHop-Klangbeispiel habe ich eine Spur mit Knistern und Rauschen eingebaut, die von Neutron komplett eliminiert wurde. Es ist schön, dass Neutron solche Störgeräusche beseitigen kann. Ihr seht aber, dass das Plug-in mit Verstand eingesetzt werden sollte.

Beim Einstellen der Dynamik orientiert sich Neutron an den Track-Assistant-Einstellungen Subtil, Medium und Aggressive. So hat man die Vorgehensweise des Track Assistants bereits gut unter Kontrolle. Der Transient Shaper wird nur in Spuren aktiviert, wo es sinnvoll ist. Beispielsweise werden im Hip-Hop-Klangbeispiel nur einige Drums in den Transienten justiert, Cello und Brass bleiben unberührt.

Neutron als Mastering-Plug-in

Auch in der Summe räumt Neutron auf. Es kann den Mix auffrischen, ersetzt aber kein Mastering. Dabei nimmt das Plug-in oft recht ähnliche Einstellungen vor. So werden Höhen betont, obwohl der Mix bereits höhenreich genug ist. Die Track-Assistant-Einstellungen Subtile sowie Warm and Open sind daher ein gute Ausgangspunkte, damit das Ergebnis nicht zu harsch klingt. Zunächst die bereits bekannte Neutron-Mixdown-Version, daraufhin eine zusätzliche Neutron-Instanz auf Masterspur mit verschiedenen Track-Assistant-Einstellungen im Modus Subtile.

Wie gut funktioniert das Masking?

Wählt man beispielsweise in der Neutron-Instanz auf der Bass-Spur unter Masking die Bassdrum, werden die Equalizer beider Spuren verlinkt. Das Masking Meter zeigt in Weiß die kollidierenden Frequenzen. Entzieht man der Bassdrum nun untere Mitten, werden diese zum Bass addiert. Das macht das Verschmelzen von Spuren erheblich einfacher, zumal beide Equalizer in einer Plug-in-Instanz dargestellt werden.

Benennung der Spuren

Nach der Analyse benennt Neutron die Spuren, hält sich dabei aber nicht an die Vorgaben der DAW. Statt Bassdrum heißt die Spur in Neutron dann beispielsweise Percussive 1. Je mehr Drums hinzukommen, desto unübersichtlicher wird das Ganze. Die Spuren sollten deshalb direkt nach der Analyse umbenannt werden. 

Für wen lohnt sich Neutron?

Der Track Assistant hilft jedem zuverlässig, der beim Mix Schwierigkeiten hat, störende Resonanzfrequenzen zu finden – sei es mangels Erfahrung oder probater Abhörsituation. Neutron bietet gute Unterstützung, um, ohne selbst einzugreifen, brauchbare Demos zu produzieren. Das Plug-in hat alle Spuren rasch im Griff und setzt solide Startpunkte, um den Sound zu individualisieren.

Neutron hält Frequenzen und Dynamiken ausreichend sauber unter Kontrolle, die Mixe klingen aufgeräumter. Lautstärkeverhältnisse und Tiefenstaffelung mit Hall und Delay sind dem Plug-in jedoch fremd. Ganz ohne Mixdown-Kenntnisse kommt man also nicht ans Ziel. Zudem klingen die Ergebnisse etwas steril, einen automatischen Sounddesigner erhält man mit Neutron nicht. 

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