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Feature
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02.12.2017

Interview und Gear Chat mit Jeff Babko

Der Session-Keyboarder aus Los Angeles im Gespräch

Von Julio Iglesias zu Jimmy Kimmel Live!

Jeff Babko hat sich in der Studioszene in Los Angeles einen Namen als vielseitiger Keyboarder erspielt. Seine Credits reichen von großen Pop-Acts wie Alanis Morrissette, Sheryl Crow, Jason Mraz und Toto bis hin zu Jazz- und Fusiongrößen wie Robben Ford, Larry Carlton und Simon Phillips. Daneben ist er seit vielen Jahren Keyboarder in der Jimmy Kimmel Live Band und hat sich auch als Komponist für Filmsoundtracks einen Namen gemacht. Wenn er nicht gerade mit Künstlern auf Tour ist, dann veröffentlicht er seine eigene Musik, glänzt als „Improvisator Par Excellence“ in lokalen Jazzclubs bei der Reihe Beat Music (mit Mark Guiliana und Tim Lefebvre) oder mit seinem neuen Duo-Projekt mit Zach Danziger, bei denen zu vorbereiteten Videosequenzen kreative Beats und Songs improvisiert werden.

Wer seinen Namen noch nicht gehört hat, der wird Jeff Babko sicherlich schon im Radio gehört haben, denn seine Keyboards sind auf unzähligen Produktionen zu finden. Dabei ist Jeff Babko als eklektischer Musiker für verschiedene Stilistiken und diverse Tasteninstrumente bekannt. Egal ob Flügel, Rhodes, Hammond B3 oder Vintage-Synthesizer: Er kann sie alle bedienen und besitzt eine beachtliche Sammlung an Instrumenten. Für Bonedo traf ich den Tausendsassa in seinem Heimstudio „Tudor Tones“ in North Hollywood.

bonedo: Hi Jeff, schön dass Du Zeit gefunden hast für unsere Gear-Chat-Rubrik! Du gehörst zu den meistgefragten Studio- und Live-Keyboardern und hast schon für bzw. mit Größen wie Toto, Jason Mraz, Alanis Morrisette, Sheryl Crow, Robben Ford und James Taylor gespielt. Wie hat alles für dich angefangen?

Jeff Babko: Ich bin in Valencia (heute Santa Clarita) aufgewachsen, unweit von Los Angeles. Mein Vater war Klavierlehrer und wir hatten damals ein Wurlitzer Upright Piano zu Hause, auf welchem ich schon mit drei Jahren spielte. Immer wenn mein Vater Arrangements für seinen Schulchor erarbeitete, habe ich dazwischen auf den Tasten herum geklimpert. Mein Vater wollte mich allerdings nicht selber unterrichten und deshalb suchten wir nach einem Lehrer für mich und fanden erst eine klassische Lehrerin und später auch einen Lehrer für den Bereich Pop- und Jazzpiano. Glücklicherweise gibt es in Valencia auch das CalArts-Konservatorium und der Leiter der Klavierabteilung, David Roitstein, gab mir dann Unterricht und förderte mich. Ich war damals 10 Jahre alt und sehr an Musik interessiert, also hat David eine Ausnahme gemacht und mich sozusagen als „Jungstudent“ angenommen und mich bis zum 18. Lebensjahr unterrichtet. Ich durfte deshalb auch an Masterclasses teilnehmen und konnte viele tolle Musiker wie z.B. Dave Liebman, Charlie Haden und Pat Metheny sehen.

Durch die Nähe zu Los Angeles konnte ich verschiedenen Clubs die Session-Musiker aus L.A. sehen. Als ich dann festgestellt habe, dass das sogar eine Möglichkeit ist, sein Geld zu verdienen, wollte ich auch ein Session-Musiker werden. Für mich war das viel interessanter als z.B. ein Solokünstler zu sein. Nur etwa 30 Minuten entfernt, also in „greifbarer“ Nähe, wohnten ja alle diese Künstler und mittlerweile sind viele dieser großartigen Musiker sogar Freunde geworden und leben teilweise in meiner Nachbarschaft. Ich empfinde es als großes Glück, in ihrer Gegenwart zu sein!

bonedo: Wie ging es dann für dich weiter?

Jeff Babko: Ich habe anschließend in Miami studiert. David Rotstein hat mir damals geholfen ein Stipendium zu bekommen und dann ging es für mich nach Miami. Ich habe viel gelernt und bin dann später in 1994 wieder zurückgekommen. Kurz darauf habe ich Mitchel Forman kennengelernt, ein hervorragender Pianist und Freund, der mir schon einige Türen geöffnet hat. Ich habe in seiner Vorband gespielt und dann hat er mich für ein paar Jobs als Vertretung engagiert. Er hat an mich geglaubt - warum genau weiß ich nicht (lacht) - und ich verdanke ihm sehr viel. Wenn man einen Mentor hat, der an einen glaubt, und man ihm beweist, dass man zuverlässig, fleißig und nett ist, dann kann sehr viel passieren. Mitchel hat mir dabei geholfen, ein „legitimierter“ Musiker in L.A. zu werden.

bonedo: Was war dein erster großer Gig, wie kam er zustande?

Jeff Babko: Das passierte direkt nach dem College in Miami. Ich hatte damals einen Steady-Gig in der Nähe von Miami - Fort Lauderdale um genauer zu sein - und spielte in einer Band mit all diesen Musikern aus dem Latin-Pop-Bereich. Ich habe mir diesen Gig mit einem anderen Keyboarder geteilt und wir haben jeden Dienstagabend gespielt.

Kurz nachdem ich dann wieder zurück nach L.A. zog, wurden einige meiner Bandkollegen Teil der neuen Band von Julio Iglesias. Julio wolle eine neue Band haben und suchte sie damals fast ausschließlich in Florida. Es gab aber auch eine Audition in Las Vegas, zu welcher ich dann spontan geflogen bin und vorgespielt habe. Julio Iglesias war zwar auch in Las Vegas, erschien dann aber komischerweise nicht zu meiner Audition. Ich musste pünktlich zu einem Gig zurück nach L.A. - das war damals mein einziger fester Gig in L.A. und ich wollte ihn nicht verlieren - und musste dann irgendwann gehen, obwohl meine Kollegen dazu rieten, noch etwas länger zu bleiben. Ich wollte das allerdings nicht riskieren und bin zurückgeflogen.

Zum Glück bekam ich kurz darauf trotzdem eine Zusage und wurde im August 1994 Keyboarder von Julio Iglesias. Dort habe ich dann bis 1997 gespielt und bin mit ihm sehr viel auf Tour gewesen. In den Pausen war ich außerdem immer wieder in L.A. und habe hier gearbeitet. Mitchel Forman schickte mich dann als seine Vertretung zu Simon Phillips, da er in dieser Zeit gerade Vater geworden war. Es folgte eine sehr intensive Zeit mit Simon Phillips und mit ihm habe ich sehr viel gespielt. Das war dann für mich ein Moment, in dem ich realisierte, dass ich mich mehr um meine eigenen Projekte kümmern wollte.

bonedo: Auf welche Alben bist Du besonders stolz?

Jeff Babko: Mittlerweile kann ich sagen, dass es sie gibt (lacht). Bei meinen eigenen Platten bin ich sehr kritisch und im Nachhinein habe ich an jeder Platte ein paar Dinge auszusetzen - es gibt immer ein paar Dinge, die ich anders machen würde. Mit der kürzlich erschienen Platte meines Projekts „Band Of Other Brothers“ bin ich aber sehr zufrieden. Das liegt neben unserer musikalischen Performance auch an dem tollen Engineer Niko Bolas.

Als Sideman gibt es ein paar schöne CDs, z.B. Jason Mraz’ „Love Is A Four Letter Word“. Jason ist ein talentierter Musiker und es hat Spaß gemacht die CD aufzunehmen. Außerdem hat Joe Chiccarelli, der Produzent dieses Albums, ein großartige Performance aus mir herausgeholt. Sheryl Crows „100 Miles From Memphis“ ist ein weiteres Album, auf das ich stolz bin - Sheryl ist so eine tolle Musikerin, dass man ihr immer die beste musikalische Leistung geben möchte. Außerdem bin ich stolz auf das Album „Junk“ der Formation M83.

Daneben arbeite ich gerade an neuen Projekten, u.a. einem Duo mit dem Schlagzeuger Zach Danziger, sowie an Kaveh Rastegars neuem Album - da wird es in Zukunft auch neues Material geben.

bonedo: Neben großen Popkünstlern bist Du auch an der musikalischen Entwicklung, etwa bei der Reihe „Beat Music“ von Mark Giuliana, als innovativer Soundtüftler und Improvisator bekannt. Neben der Vermischung diverser Stile ist da auch eine gewisse avantgardistische Ader zu spüren. Wie kam es dazu, hast Du dich immer schon für improvisierte Musik oder etwa dem Einbeziehen von Visuals interessiert?

Jeff Babko: Mit Mark Giuliana hat alles zunächst mit ein paar Charts angefangen - das war beim ersten Gig vor über 5 Jahren. Wir haben uns getroffen und ohne große Vorbereitung zusammen gespielt. Schnell war uns klar, dass wir als Gruppe besser funktionieren, wenn wir ohne viel Vorbereitung  auf die Bühne gehen. Ein Dutzend Auftritte haben wir seitdem zusammen gespielt und das waren für mich die vermutlich besten Momente, die ich jemals auf der Bühne hatte. Wir sind alle so aufmerksam und genießen das Spiel der Anderen so sehr, dass es sich so anfühlt als würden wir den Moment gemeinsam „produzieren“. Wir verstehen uns alle als Zuhörer und jeder betrachtet immer das Gesamte - es wäre fatal, wenn man denkt „Was könnte ich jetzt spielen, um die Anderen zu beeindrucken?“. Immer mal wieder gibt es sogar Momente, wo einer von uns nicht spielt, weil es sich gerade nicht anbietet. Diese Band mit Mark Guiliana, Troy Ziegler und Tim Lefebvre ist wirklich etwas Besonderes.

bonedo: Wie ist das, wenn Du in einem solchen Fall Bandleader bist und eine Band zusammenstellst?

Jeff Babko: Wenn ich selber Bandleader bin, dann habe ich je nach Besetzung ganz gerne ein paar Stücke oder Ideen, auf die ich zurückgreifen kann. Das hängt natürlich sehr von der Besetzung ab - mit manchen Kollegen kannst Du Dir sicher sein, dass nichts schiefgeht. Einfach nur jammen, herum-mäandern ohne einen klaren Weg zu finden, das finde ich allerdings eher langweilig. Für mich wird es interessant, wenn alle Musiker fokussiert und kollektiv spielen. Wenn eine musikalische Kamaradschaft entsteht: Dann gibt es nichts Besseres!

bonedo: Ist das für dich wie eine Art Kontrast zur Popmusik?

Jeff Babko: Im Gegensatz zur Popwelt, in der Struktur und Ordnung vorherrschen, habe ich schon immer ein Bedürfnis gehabt, andere musikalische Elemente auszuprobieren und zu erforschen. In meinem Projekt mit Zach Danziger z.B. gibt es viele Vorproduktionen und natürlich auch viele Regeln, aber ich bekomme so eine unheimliche Energie, wenn ich derjenige bin, der gerade am wenigsten versteht, was da passiert. Ich möchte das Gefühl haben, dass ich nach etwas greifen muss, dass ich mich an etwas festhalten muss, um „dranzubleiben“. Außerdem ist es in diesem Projekt viel wichtiger, dass ich mit meinen Synths die richtigen Sounds benutze und an den Knöpfen „tweake" - das ist für mich in diesem Zusammenhang sowieso viel interessanter als z.B. ein cooles Solo über Akkorde zu spielen. Ich nenne das „improvisierte Produktion“ - das ist es, was mich gerade ganz besonders interessiert.

bonedo: Gibt es derzeit ein paar Lieblings-Keyboards, die Du gerne benutzt?

Jeff Babko: Bei meinem Projekt mit Zach Danziger benutze ich momentan zwei Synthesizer von Dave Smith Instruments: Den Oberheim OB-6 und den Prophet 6. Meine Bass-Sounds hole ich in diesem Projekt in der Regel aus dem Moog Liberation, allerdings gab es damit kürzlich ein Problem, deshalb habe ich spontan auf einen Ensoniq VFX SD zurückgegriffen. Dieses Keyboard habe ich zufällig bei einer Produktion mit Justin Stanley gesehen und er hat mich ermutigt, es zu benutzen. Der Ensoniq ist eine günstige Preset-Schleuder und sozusagen schon so „dated“, dass ich ihn gerade deshalb gerne benutze. Außerdem geht es in meinem Projekt ja um 80er-Jahre-Sounds, da passt er also sehr gut rein!

bonedo: Wie ist das, wenn Du für eine Session gebucht wirst? Welches Equipment bringst Du mit?

Jeff Babko: In punkto Sessions hängt es natürlich sehr davon ab, wofür ich gebucht werde. Manchmal bringe ich ein Rhodes und ein Wurlitzer mit, in anderen Fällen werde ich speziell zum Einspielen einer Hammond B3 angerufen. Ich habe in der letzten Zeit häufiger mit dem Produzenten Benny Kassette gearbeitet, und er vertraut mir da. Neulich habe ich für eine Session mit ihm sogar ein CP 70 mitgebracht. Ansonsten bringe ich in der Regel immer ausreichend viele Instrumente mit, um ein möglichst gutes „Rundum-Sorglos“ Paket anzubieten. Einer der beiden Dave Smith Instruments gehört auf jeden Fall dazu, weil ich diese Synths einfach liebe. Oder meinen Korg Kronos, wenn verschiedene Sounds auf die Schnelle gebraucht werden. Der Kronos ist vielseitig einsetzbar und durch das Touch-Display ist er sehr intuitiv zu bedienen. Ich besitze mittlerweile so viele alte Analog-Synths, dass ich speziell dafür einen kleinen Lagerraum habe, in welchem ich sie alle aufbewahre.

bonedo: Ich habe schon ein paar Mal gesehen, dass Du ein für Keyboarder untypisches Effektboard benutzt. Welche Effektgeräte verwendest Du dort und wie setzt Du sie ein?

Jeff Babko: Das stimmt, ich habe ein paar Effekte zusammengestellt, die ich gerne benutzte. Dave Phillips hat das für mich gebaut. Dazu gehören u.a. mein Korg SDD3000, das ich neben dem „BlueSky“-Reverb von Strymon häufig benutze. Sehr gerne benutze ich auch das Strymon „Ola“-Vibrato, den TC Electronic „Ditto“-Looper und einen Moogerfooger Ringmodulator. Ich setze diese Effekte z. B. mit meinem Rhodes ein - nicht nur für Studiosessions, sondern auch bei Gigs. 

bonedo: Für mich hast Du einen ganz klaren „Fingerprint“ - ich kann deinen Sound relativ schnell erkennen. Zum einen ist das die Art wie Du spielst, der Touch, ein paar Licks, aber auch z. B. die für mich klassische „Babko“-Registrierungen an der Hammond-Orgel: nur die ersten Zwei Zugriegel. War das bei Dir ein aktiver Prozess, hast Du dir viele Gedanken darum gemacht, wie man "eigenständig" klingt?

Jeff Babko: Nein, ehrlich gesagt habe ich nie darüber nachgedacht, wie man eigenständig klingt. Ich wollte immer das Beste für den Song oder die Musik liefern. Meine Drawbar-Settings habe ich meistens so gewählt, dass sie weniger anderen Instrumenten, wie z.B. der Gitarre, im Weg stehen. Bei einer Session mit Tim Pierce z. B. haben wir uns gegenseitig abgesprochen - die Orgel hätte der Gitarre sonst zu viel Platz weggenommen. Die Hammond kann unheimlich dick und fett sein, und wenn man möchte, dann ist sie der „Glue“ (Kleber), der alles zusammenhält. Aber in diesem Fall dachte ich, dass es besser sei, wenn man nicht zu viel Platz einnimmt und noch etwas Raum für andere Dinge lässt. Außerdem geht es nicht darum, dass man die Orgel als solche erkennt. Wenn sie ewas unscheinbarer im Hintergrund agiert und dem Song eine gewisse Farbe verleiht, dann ist es egal, ob so mancher Zuhörer sofort heraushört „das ist ja eine Hammond-Orgel!“.

bonedo: In L.A. gibt es ja bekanntlich noch eine recht große Studioszene mit vielen tollen Recording-Studios. Gibt es für dich Sessions, bei denen Du dich besonders auf das entsprechende Studio oder die dort vorhandenen Instrumente freust?

Jeff Babko: Darüber habe ich gerade noch mit einem Freund von mir gesprochen. Wir können uns in L.A. glücklich schätzen, dass wir immer noch ein paar wirklich besondere Studios haben, wie z. B. Capitol Recording, Henson Recording (früher A&M), Eastwest, Oceanway, United. Eines meiner Lieblingsstudios ist z.B. Sunset Sound auf dem Sunset Boulevard - der dortige Flügel ist z.B. schon ziemlich „abgerockt“ und klingt sehr hell. Es ist kein Flügel, der für alles zu gebrauchen ist, aber gerade das macht ihn so besonders. Der Vibe in Sunset Sound ist so besonders für mich - das Team dort, die Räume und die Konsole. Das ist fast wie eine Art Kirche für mich. Capitol und Henson sind da wiederum anders. Das Piano im Henson Recording Studio ist sehr schön. Mein Buddy Victor Indrizzo hat ein Studio, in dem ich sehr gerne arbeite. In diesem Studio bin ich schon zu meiner High School Zeit hingegangen um bei den Aufnahmen zuzuschauen.

Letzte Woche war ich zusammen mit meiner Frau bei Warner Brothers - wir haben dort mit einem Orchester aufgenommen, was ich nicht so häufig mache. Der Piano-Gott Randy Kerber macht das in der Regel - eines Tages wird man ihm dafür noch Flügel verleihen (lacht), weil er einfach so gut spielt. Ich saß also dort an einem wahnsinnigen Flügel, in diesem wunderschönen Raum mit einem tollen räumlichen Sound. Das war vermutlich eines der besten Pianos, das ich bislang jemals gespielt habe.

Vermutlich beantwortet das deine Frage nicht so konkret, aber ein absolutes Lieblingsstudio gibt es hier nicht, weil sie alle auf ihre eigene Art toll sind. Im EastWest gibt es z. B. einen Riesen-Flügel (Bechstein D-280), das ist Wahnsinn! Allerdings ist dieser Flügel so unglaublich riesig, dass er nicht für alles zu gebrauchen ist.

bonedo: Immer häufiger werden Projekte auch im „Homerecording“-Bereich aufgenommen. Erzähl’ uns doch etwas über deine Auftragslage und was Du hier im Studio produzierst.

Jeff Babko: Neben den Sessions in den großen Studios finden mittlerweile immer mehr Produktionen in meinem Studio „Tudor Tones“ statt. Fast 70% meiner Sessions würde ich sogar sagen. Produzenten und Musiker kommen hier vorbei und dann nehmen wir gemeinsam auf. Über das Internet oder per Telefon bekomme ich eine Menge Anrufe von Leuten, die ich bis dahin noch nie kannte. Sie schicken mir teilweise ihre Songs zu und ich spiele Keyboards dazu ein. Manchmal probe ich auch hier - mit Zach Danziger haben wir beispielsweise die ganze Vorproduktion für unseren ersten Gig in meinem Studio gemacht.

bonedo: Gibt es etwas neben dem Musikalischen etwas, das Dir besonders wichtig ist? Worauf kommt es neben dem Spielerischen noch an, wenn man als Musiker gebucht wird?

Jeff Babko: Für mich ist es wichtig, dass man umgänglich und natürlich ist, und dass man eine positive Ausstrahlung hat. Ich glaube z.B. nicht, dass man vorgeben kann, jemand zu sein, der man nicht ist. Ich habe herausgefunden, dass die positive Energie bei einer Session das Wichtigste ist. Das ist keine Taktik oder so, sondern ganz einfach so: Die Leute mit denen ich arbeite, sind auch oft die Leute, mit denen ich am liebsten Zeit verbringe.

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die mit Musik auch ihren Lebensunterhalt verdienen. Genau diese Energie ist meine Antriebskraft für mein Leben. Das heißt natürlich nicht, dass alles perfekt ist oder ich die ganze Zeit gute Laune habe. Auch ich habe, wie jeder andere Mensch, mit den alltäglichen Herausforderungen zu kämpfen und habe neben meinem Beruf natürlich noch andere Dinge, denen ich nachgehe. Ich habe z. B. einen Sohn, den wir morgens zur Schule bringen, den typischen Verkehr in L.A. (lacht), manchmal gibt es Stress, weil ich plötzlich etwas für Jimmy Kimmel oder eine neue Produktion vorbereiten muss, und der Produzent die Spuren schon sofort haben möchte.

In dieser Stadt gibt es außerdem sicherlich 30 - 60 Leute, die genau das, was ich kann, auch können. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich genau weiß, warum man mich bucht. Und dann versuche ich so gut es geht mit den Leuten eine wirklich gute Zeit zu haben. Und hoffentlich kommt dann sogar mehr dabei heraus, als man sich erhofft hat. Es gibt so viele Leute hier, die das genauso gut können wie ich. Viele Pianisten hier sind Vorbilder und Freunde, deshalb fühle ich mich geehrt, so beschäftigt zu sein. Viel Lachen und Spaß gehören als auf jeden Fall dazu - neben der Arbeit und dem ganzen Business, das ist klar!

bonedo: Seit vielen Jahren bist Du Keyboarder bei Jimmy Kimmel Live! und hast in der Woche viel zu tun. Welche Aufgaben hast Du dort und wie gestaltest Du das Programm?

Jeff Babko: Ich bin dort nicht nur Keyboarder, sondern auch Arrangeur. Ich schreibe und bereite Stücke vor. Cleto Escobedo ist unserer Musical Director. Die Band kenne ich schon sehr lange, wir haben als Coverband angefangen und sind in Clubs in L.A. aufgetreten. Jimmy kenne ich auch schon sehr lange und als er dann damals seine Show bekam, brachte er die Vorsitzenden des Senders zu einem unserer Gigs. Glücklicherweise hat dann alles geklappt - seitdem sind wir nun schon viele Jahre von Montag bis Donnerstag im Fernsehen zu sehen. Das macht mir übrigens sehr viel Spaß - gerade die Spontanität, die dort gefragt ist. Ich mache Musik genauso gerne wie Comedy - nebenbei bemerkt bin ich auch deshalb schon so lange mit Steve Martin und Martin Short unterwegs.

bonedo: Welche Gigs und Sessions stehen bei Dir gerade an?

Jeff Babko: In wenigen Tagen steht ein Special mit Steve Martin & Martin Short in Chicago auf dem Plan, wo wir zwei Tage spielen. Dann warten einige Studiojobs und Aufnahmen auf mich, die ich hier zu Hause einspielen werde. Ich habe gerade an einem Film gearbeitet, der „Daddy’s Home 2“ heißt, mit Will Ferrell und Mark Wahlberg. Montags bis donnerstags bin ich regelmäßig bei Jimmy Kimmel beschäftigt - nach der kommenden Woche gehen wir für eine Woche mit dem Team nach New York und senden Jimmy Kimmel Live aus New York City.

bonedo: Vielen Dank für deine Zeit und das tolle Gespräch!

Website von Jeff Babko

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