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20.10.2021

Gewa G5 Pro BS E-Drumset Test

E-Drum-System

Das „kleine“ GEWA G9

Mit dem Release des G9 im Sommer 2020 konnte das deutsche Unternehmen Gewa einen eindrucksvollen Start im Bereich der E-Drums aufs Parkett legen. Zu den deutlich herausstechenden Eigenschaften des lange erwarteten Flaggschiffprodukts gehört allerdings nicht nur eine Vielzahl an komfortablen und teils zukunftsweisenden Features, sondern auch ein durchaus imposanter Kaufpreis. Mit dem etwa ein Jahr später erschienenen Gewa G5 bietet der Hersteller nun eine kleine Ausbaustufe des Kits, die etwas weniger luxuriös daherkommt, ihrem Vorgänger im Hinblick auf Klang und Triggerverhalten jedoch in nichts nachstehen soll.

Beim Gewa G5 nun von einem E-Drumset für Sparfüchse zu sprechen, wäre trotzdem nicht ganz angebracht, denn das Kit bewegt sich nach wie vor ganz eindeutig in der oberen Preisklasse. Im Review sehen wir, welche Extras gestrichen wurden und ob das G5 in den wesentlichen Disziplinen wirklich mit dem G9 mithalten kann.

Details

Gleiche Pads, andere Hardware

Das Gewa G5 Pro kommt als vollständig ausgestattetes 5-piece-Kit mit Echtholzkesseln für Kick (18“x14“), Snare (14“x5“) und drei Toms (10“x5“, 12“x5“ und 14“x5“) sowie Beckenpads aus Kunststoff für zwei Crashes (14“), Ride (18“) und Hi-Hats (14“). Bei all diesen Pads handelt es sich um die gleichen hochwertigen Modelle, die auch beim großen Gewa G9 eingesetzt werden, wobei die Drumpads im Falle des G5 Pro BS in einem folierten Black-Sparkle-Finish gehalten sind. Ride und Crashes bieten jeweils drei Zonen mit spielbarer Bow, Edge und Bell sowie einer Chokefunktion zum Abstoppen des Klangs. Die Hi-Hats arbeiten mit einem mechanischen Abstandssensor am unteren Pad und konnten mit ihrer Bespielbarkeit bereits beim G9 auf ganzer Linie überzeugen.

Auf das in Zusammenarbeit mit DW entwickelte Double-Wing-Rack verzichtet der Hersteller im Falle des G5. Stattdessen ist ein Hardwarepaket aus eigener Produktion enthalten, das neben drei kombinierten Tom-Becken-Stativen, einem Stativ für das Soundmodul und einer Hi-Hat-Maschine erfreulicherweise auch einen Snareständer enthält (anders als beim G9). In Hinblick auf die Wertigkeit kann die Hardware nicht ganz mit dem massiven Rack des großen Bruders mithalten, grundsätzlich geht die Verarbeitungsqualität aber vollkommen in Ordnung. Zumindest an den L-Stücken der Tomhalterungen wären Memory-Locks für einen möglichst zügigen Auf- und Abbau wünschenswert gewesen. Wer plant, das G5 häufig live einzusetzen, der kann entsprechende Kleinteile vom Hersteller der Wahl also gleich mit auf die Einkaufsliste setzen. Bei meinem Testkit wurde auch eine einfache Fußmaschine mitgeliefert, die standardmäßig jedoch nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Der Kabelbaum, über den die Pads mit dem Soundmodul verbunden werden, ist beim Testkit noch nicht ganz ideal umgesetzt. Während die Länge der TRS-Kabel für eine Führung über eine Rackstange (wie beim G9) mehr als ausreichend wäre, bemerkt man im Falle des G5, dass sich vor allem Tom 1 und Crash 1 nicht erreichen lassen, wenn das kleine „Multicore“ über den Boden geführt wird. Einer aufgeräumten Optik ist das nicht gerade zuträglich, und auch beim Platzieren des Moduls ist man dadurch ein wenig eingeschränkt. Das Problem ist dem Hersteller bereits bekannt und in einer neuen Auflage sollen längere Kabel enthalten sein. Wer beim Kauf noch die kurze Variante erwischt, kann sich gegebenenfalls mit einigen TRS-Verlängerungen helfen oder stattdessen eigene Kabel verwenden. Genauso wie beim großen Bruder gilt, dass sich der Kabelstrang in einen enthaltenen Kunststoffmantel mit Klettverschlüssen hüllen lässt, was grundsätzlich eine sehr schöne Lösung darstellt, durch die größerer Kabelsalat vermieden wird.

Ein abgespecktes Soundmodul

Neben der Hardware liegen die offensichtlichsten Unterschiede zwischen dem Gewa G5 und seinem großen Bruder beim Soundmodul. Ein ganz wesentlicher Punkt ist jedoch, dass sich an den enthaltenen Sounds nichts ändert. Das Gewa G5 enthält ohne Abstriche alle 40 Kits des G9. Verzichtet wird auf die luxuriösen Extras, wobei in dieser Hinsicht zuallererst der fehlende Touchscreen auffällt. Das Modul des G5 setzt bei der Bedienung auf ein kleines Monochrom-Display (OLED) mit 128 x 64 Bildpunkten in Verbindung mit einer Reihe von sauber verarbeiteten und teils beleuchteten Bedienelementen. Die Abstriche in Hinblick auf die Parametertiefe sind jedoch überraschend gering. So werden beispielsweise die komplett frei gestaltbaren Velocitykurven durch mehrere Presets für lineare, konkave und konvexe Kurven ersetzt. Auch wenn sich die Flexibilität in den Detailbereichen dadurch ein wenig verringert, sollte sich dies in der Praxis von den meisten Anwendern problemlos verschmerzen lassen.

Auch bezüglich der Konnektivität bietet das Modul des G5 nicht ganz so vielfältige Möglichkeiten wie die große Ausbaustufe. Die Anzahl der zusätzlichen analogen Direktausgänge (neben dem Kopfhörerausgang und dem Main-Out) wurde auf vier halbiert und der Monitor-Out sowie der koaxiale S/PDIF-Digitalausgang fallen komplett weg. Das interne Routing bietet jedoch nach wie vor ein ausreichendes Maß an Flexibilität, um in den unterschiedlichsten Situationen bestehen zu können. Weiterhin wurde die Anzahl der Triggereingänge für Pads um zwei frei verwendbare AUX-Ins reduziert und liegt nun bei zwölf. Eine interne WLAN-Schnittstelle ist ebenfalls nicht vorhanden, womit der Zugriff auf den Sound-Store des Herstellers entfällt. Auch hier gilt, dass all diese Punkte für den alltäglichen Einsatz im Proberaum und auf der Bühne akzeptabel sein sollten.

Auf der Haben-Seite stehen nach wie vor zeitgemäße Features wie eine Bluetooth-Schnittstelle zur kabellosen Audio- und MIDI-Verbindung mit einem Smartphone oder Tablet sowie eine USB-Schnittstelle, die das Modul zu einem rudimentären 2-in/2-out Audiointerface macht (einschließlich MIDI über USB). Ein weiterer, auf der Vorderseite untergebrachter Port für einen im Lieferumfang enthaltenen USB-Stick bietet zudem die Möglichkeit, bis zu 100 User-Samples zu importieren, Playbacks abzuspielen und Aufnahmen abzuspeichern, die über die interne Recordingfunktion gemacht wurden. Ebenfalls erwähnenswert ist die interne Effektsuite, die trotz Reduktion einen eigenen EQ und Kompressor pro Kanal, mehrere Master-Effekte und vier Send-Effekte einschließlich der echt aufgenommenen Room-Samples aus dem Studio bietet.

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