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Test
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25.09.2018

Praxis

Klang

Hören wir uns zum Einstimmen die drei Klavierklänge aus dem DP 300 G an. Wie schon erwähnt, handelt es sich bei den Klaviersounds um eigens erstellte Samples, die in Zusammenarbeit mit Steinway in Hamburg aufgenommen wurden - es handelt sich also keinesfalls um Sounds „von der Stange“, sondern um maßgeschneiderte Samples eines großen Steinway D-Flügels!

Alle drei Klavierklänge haben einen sehr schönen Charakter und lassen sich sehr dynamisch spielen. Man könnte fast meinen, dass sich der Steinway-Sound sofort erkennen lässt. Gerade im Diskant zeigen die Pianos des DP 300 G bei ausdrucksstarkem Spiel ihre „Zähne“. Schön ist, dass alle Pianos bei leisem Spiel sehr warm klingen und bei hartem Anschlag sehr brillant und durchsetzungsfähig werden. Allerdings vermisse ich persönlich ein wenig Bass - vor allem beim ersten Piano-Klang. Insgesamt klingen die Pianos recht mitten- und teilweise höhenlastig. Womöglich liegt das auch an der Mikrofonierung bei der Aufnahme der Samples - aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man Bass-Anteile verliert, wird der Flügel im größerem Abstand mikrofoniert.

Schön ist auch, dass man - zwar etwas versteckt, aber dennoch - im Function-Menü zwei Parameter beeinflussen kann: die Dämpfer- und Saitenresonanzen lassen sich im Wertebereich zwischen 0 und 20 anheben. In der Regel stehen diese beiden „Effekte“ bereits auf 10. Um die Unterschiede gut hören zu können habe ich beide Parameter jeweils in Nullstellung und anschließend in Extremstellung aufgenommen - hören wir deshalb kurz in die folgenden Beispielaufnahmen. 

Der Unterschied ist deutlich zu hören, jedoch klingen die beiden Effekte im Vergleich zu manch anderen Digitalpianos ein wenig künstlich. Gerade bei den Dämpfer-Geräuschen folgt beim Treten des Pedals ein fast schwallähnlicher Effekt, der mir persönlich etwas unnatürlich erscheint. In der Mittelstellung (d. h. mit dem Wert 10) hingegen klingen die Effekte weniger auffällig und betten sich besser in den Gesamtsound ein.

Ebenfalls ist mir aufgefallen, dass das Haltepedal zwar stufenlos funktioniert, die Samples hier aber im Ausklang nur unterschiedlich ausgefadet werden. Ein deutliches Key-Off-Sample hat mir hier gefehlt, denn das typsche Dämpfergeräusch beim Loslassen des Haltepedals oder auch beim Loslassen einzelner Tasten gehört für mich unweigerlich zum Klaviersound dazu. Für ein Digitalpiano der unteren Mittelklasse ist das aber in Ordnung. Hören wir uns nun die weiteren Sounds aus dem DP 300 G an, angefangen mit den E-Pianos, zu denen zwei Rhodes sowie ein FM-Piano gehören. 

Die E-Pianos bieten einen guten Grundsound, wenngleich sie klanglich gesehen etwas weniger realistisch klingen: hier wurden vermutlich weniger Samples und Velocity-Stufen verwendet. Der zweite E-Piano Sound hat für mein Empfinden ein zu kurzes Decay und lässt sich daher etwas schwerer spielen. Insgesamt sind alle weiteren Klänge - gegenüber den akustischen Pianos - eher als Beiwerk zu betrachten. Das ist allerdings bei vielen Digitalpianos der Fall: Es geht eben hauptsächlich um den akustischen Pianosound!  

Effekte und weitere Funktionen

Über die beiden Taster „Reverb“ und „Chorus“ lassen sich wahlweise ein Hall sowie auch Modulations-Effekt hinzuschalten. Aktiviert man beispielsweise den Reverb-Effekt, dann lässt sich mit dem linken und rechten Cursortaster zwischen fünf verschiedenen Hallvarianten auswählen, zu denen zwei Räume, einen Stage-Hall sowie zwei große Hall-Presets gehören. Die Intensität des Effekts lässt sich dann über den Up/Down-Cursor in 20 Stufen einstellen. Ähnlich ist es auch mit dem Chorus-Taster, mit welchem man aus insgesamt acht Modulationseffekten auswählen kann - auch hier lässt sich die Intensität (bis auf den Rotary-Effekt) in 20 Stufen justieren. Zu den Modulationseffekten gehören u. a. Chorus, Phaser, Tremolo sowie ein Flanger und ein Rotary-Effekt. Tiefergehende Einstellungen, wie z. B. Modulations-Rate oder Feedback lassen sich nicht einstellen. Außerdem darf in einem Digitalpiano natürlich das Metronom nicht fehlen - per Tastendruck lässt es sich ganz einfach ein- und auschalten. Das Tempo wird dann über den linken und rechten Cursor eingestellt.

Layermodus

Natürlich lassen sich auch zwei Klänge schichten: Hält man die Voice-Taste länger gedrückt, dann wird ein zweiter Sound aktiviert. So lässt sich beispielsweise das Piano mit einem Synthpad layern. Ebenfalls verfügt das DP 300 G über eine Split-Funktion, die bei vielen Digitalpianos im Markt Standard geworden ist. 

Tastatur

Die verbaute Tastatur des DP 300 G stammt vom italienischen Tastatur-Hersteller Fatar und lässt sich sehr ausgewogen spielen. Laut GEWA werden die Tastaturen in der eigenen Fertigung individuell kalibriert und somit wird sichergestellt, dass jedes Piano perfekt eingestellt ist. Mir hat die Tastatur sehr gut gefallen, weil sie auf die integrierten Klänge sehr gut abgestimmt ist. Einen Druckpunkt gibt es bei dieser Tastatur nicht, was allerdings nicht weiter störend ist. Die graduelle Gewichtung ermöglicht ein realistisches Spielgefühl, denn im Diskant ist die Gewichtung leichter als im Bassbereich. 

Record/Play-Funktion

Für das Aufzeichnen eigener Ideen bietet das DP 300 G drei integrierte Speicherplätze. Ist einer der drei Plätze ausgewählt, dann kann die Aufnahme ganz einfach über den Rec-Taster gestartet werden. Die aufgezeichneten Daten können anschließend über den Play-Taster abgespielt werden. 

Lautsprecher

Die eingebauten Lautsprecher des DP 300 G sorgen für einen angenehmen Klang. Diese sorgen aufgrund ihrer Position, der Unterseite des Spieltisches, für einen eher indirekten Klang, was der gewünschte Effekt ist. Insgesamt reicht die Leistung für eine ordentliche Portion Lautstärke aus - für ein Wohnzimmerkonzert ist das allemal ausreichend. Mir persönlich fehlt es ein wenig an tiefen Bässen, was sicherlich mit der Größe der Lautsprecher zu erklären ist. Die Physik lässt sich eben nicht überlisten!

Bedienung

Aufgrund des geringen Funktionsumfangs und des recht überschaubaren Bedienfelds lässt sich das DP 300 G sehr leicht handhaben: Die Auswahl der Klänge und Effekte ist mit wenigen Tasten sofort erledigt. Grundsätzlich benötigt man für die meisten Einstellungen kein Handbuch, denn fast alles erklärt sich quasi von selbst. Weitere Einstellungen lassen sich über verschiedene Tastenkombinationen vornehmen - hierfür lohnt der Blick ins Handbuch. 

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