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Test
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05.02.2014

Gemini G4V Test

USB-MIDI-Controller mit 24 Bit Soundkarte für PC und Mac

Gemini bringen schweres Gerät in Stellung

Schon auf der NAMM-Show im letzten Jahr vorgestellt, brauchte es dann doch noch fast ein volles Jahr, bis man sich bei Gemini entschließen konnte, die beiden Controller G4V und G2V unter das auflegewillige DJ-Volk zu bringen. An welchen Schrauben in dieser Zeit noch gedreht wurde, wissen wir nicht. Wir wissen jedoch, dass der Controller nun zu einem sehr attraktiven Preis, besonders im direkten Vergleich mit seinen Konkurrenten aus der Vier-Deck-Fraktion, in den Läden und Online-Shops steht. Was uns für die rund 400 Euro (UVP) erwartet, die hier aufgerufen werden, zeigt der folgende Testbericht auf.

Details

In jüngerer Zeit hätte man fast den Eindruck gewinnen können, dass es sich die Entwickler bei Gemini im Segment der einfacher gestrickten, budgetfreundlichen Dual-Deck-Controller vom Schlage eines Firstmix weitgehend gemütlich gemacht haben und das Feld der „großen“ Controller-Schlachtschiffe anderen überlassen. Aber weit gefehlt: Mit den beiden Neuerscheinungen G2V und dem hier getesteten G4V gehen Gemini in die Offensive und statten ihre Kommandobrücken mit dem ganzen Arsenal zeitgemäßer Performance-Features wie Trigger-Pads, Effektsteuerung und ausgewachsenen Jogwheels und Pitchfadern aus. Nur beim Preis wurde geknausert, denn mit rund 300 Euro (G2V) und 400 Euro (G4V) gehen die beiden Gerätschaften im Vergleich zu vielen Mitbewerbern erstaunlich günstig über die Ladentheke respektive den Onlineshop. Entsprechend gespannt war ich, wie sich das Premium-Modell im Praxistest schlägt.

Konzept

Der Gemini G4V darf sich ohne Einschränkung zur Klasse der „all-in-one“ Vierkanal-Controller zählen. Sicherer Indikator hierfür sind die integrierte Soundkarte, die vier Kanalzüge samt Klangregelung sowie eine vollständige Ausgangsbuchsen-Ausstattung mit Master- (RCA und XLR), Booth- und Headphone-Out. Ein Standalone-Modus ist dagegen nicht vorgesehen, auch wenn sich der G4V mit einem Aux-Input und einem Mikrofoneingang der Außenwelt gegenüber nicht unverschlossen zeigt. Ebenfalls mit an Bord sind zwei große 15-Zentimeter-Jogwheels nebst Tempo- und Transportsteuerung und darüber pro Deckseite ein Effekt- und Tastenbereich, der sowohl der Effektsteuerung als auch dem Bedienen von Samples, Hotcues und Loops dient. Als „gebundelte“ Software liegt dem G4V das populäre Virtual DJ in einer LE-Version bei, die soweit freigeschaltet wurde, dass sie mit (nahezu) allen Funktionselementen des G4V korrespondiert.

Auspacken

Unser reguläres Seriengerät (es handelt sich also um eine Maschine aus einer aktuell im Verkauf befindlichen Charge und kein Testmuster) erreicht uns in einem praktischen Karton mit Deckel, worin sich der G4V – umfasst von drei Kunststoffschaumteilen – samt Zubehör sicher einkuschelt. Die Verpackung in Verbindung mit den drei Schaumteilen ist an den Ecken mit Gewebeband verstärkt und dürfte sich über einige Zeit als Transport-Case zweckentfremden lassen. In Anbetracht des stattlichen Gewichts von rund fünf Kilo ist ein schützendes Transportbehältnis in jedem Fall anzuraten. Denn durch die große Masse können leider auch kleine Stöße bereits eine Wucht entwickeln, die zu einer Beschädigung des Geräts führen kann. Mit in der Transportbox reist eine CD mit Treibern und der LE-Version von Virtual-DJ, ein Netzteil mit Adaptersteckern für verschiedene Länder sowie eine mehrsprachige Anleitung (auch Deutsch). Das Netzteil muss allerdings nur zum Einsatz gebracht werden, wenn man die Audioeingänge benutzen möchte (Mikro-/Aux-In). Für den reinen Controller-Betrieb begnügt sich der G4V trotz umfangreicher Beleuchtung mit USB-Spannung.

Äußerlichkeiten

Schon beim Herauswuchten aus der Verpackung deutet sich durch das stattliche Gewicht von fünf Kilo an, dass dem G4V ein Vollmetallgehäuse spendiert wurde, das 53,4 Zentimetern in der Breite, 32 Zentimetern in der Tiefe und 4,5 Zentimetern in der Höhe misst. Es ist durchgängig anthrazitfarben lackiert, mit Ausnahme der Funktionsgruppen, denen ein schwarzer Hochglanzlack zuteil wurde, der von der weißen, gut ablesbaren Beschriftung „kontrastiert“ wird.

Das Zentrum des Controllers bilden die vier Kanäle der Mixer-Sektion. Jeder Einzelkanal kann dabei mit den Bedienelementen Ladetasten, Dreiband-EQ, Filter, Cue, Linefader und einer flankierenden fünf-segmentigen Pegelanzeige aufwarten. Den Abschluss nach unten bildet der Crossfader zusammen mit jeweils vier Zuweisungstastern pro Seite. Die linken und rechten Decks sind bis auf den 104 Millimeter langen Pitchfader, der praktischerweise spiegelverkehrt sitzt, identisch aufgebaut. Im Norden starten sie mit vier Potis zur Effekt- und Sample-Steuerung. Darunter sitzen vier Taster zur Befehligung typischer Funktionen wie etwa Keylock, FX On/Off und Slip-Play (über Shift sind noch vier weitere Befehle erreichbar). Es folgt eine Matrix aus 2x4 Trigger-Pads, die in die Betriebsmodi „Hot Cue“, „Auto Loop“, „Sample“ und „Loop Roll“ versetzt werden können. Die gesamte untere Hälfte wird vom mächtigen Push-Jogwheel dominiert, dessen Drehverhalten mich auf Anhieb überzeugt, denn es bewegt sich sauber austariert mit einem fast schon wuchtig wirkenden Nachlauf in seiner Achse – sehr schön. Nicht so gut gefällt mir hingegen der Sensorteller, der niedergedrückt der angeschlossenen DJ-Software signalisiert, dass es in den Scratch-Modus geht. Er hat einen Tasthub von circa einem Millimeter, an dessen Endpunkt ein mechanisch eher billig wirkendes „Klacken“ den vollzogenen Schaltpunkt signalisiert. Der Funktion tut das keinen Abbruch und wenn die Musik laut genug ist, fällt das auch nicht weiter auf. Dennoch hätte ein simpler Gummiring im Inneren zur Dämpfung höchstwahrscheinlich schon genügt, um dem Teil eine professionellere Haptik zu geben. Schade eigentlich. Das sich anschließende Transport-Quartett aus Cue, Cup, Play/Pause und Sync wirkt, nicht zuletzt durch seine Positionierung direkt am Rand, ein bisschen „eingeschoben“ und erinnert entfernt an das Design des Firstmix Pro. Und wo wir schon am Gehäuserand sind: Hier zeigt sich die Verarbeitungsqualität stellenweise nicht von ihrer besten Seite, denn leichte Toleranzen im Blech und in der Achse der Potis trüben das ansonsten recht positive Bild.

Soviel zur Oberseite, blicken wir nun auf die Front- und Rückseite. Dem ausführenden DJ zugewandt findet sich zunächst der von einem Lautstärkeregler flankierte Kopfhörerausgang in der Bauform „Standardklinke“ ein sowie eine Mikrofonbuchse gleichen Formats und je ein Poti für die Lautstärkeregelung des Mikro- und Aux-Eingangs. Rückseitig warten (von links nach rechts) ein professioneller symmetrischer XLR-Ausgang sowie ein Stereo-Cinch-Master und -Booth auf Verbindung mit der Beschallungsanlage. Ergänzt wird der Anschlussreigen um den bereits erwähnten AUX-Stereoeingang, eine USB- und Strombuchse nebst Power-Taster und eine Kensington-kompatible Aussparung.  

Software

Der G4V gibt sich dem angeschlossenen Computer gegenüber als klassenkompatibles Eingabegerät zu erkennen, wodurch die Notwendigkeit zur Treiberinstallation für die Controller-Funktionen entfällt. Die integrierte Soundkarte dagegen will natürlich mit ASIO-Treibern versorgt werden. Diese sind mit wenigen Mausklicks installiert und liefern auf unserem Testsystem (Win 7, i7 2,4 GHz-Quadcore, 16 GB RAM) zuverlässig eine ultraflinke Latenz von drei Millisekunden – hervorragend! Als Nächstes steht die Installation der mitgelieferten LE-Version von Virtual DJ an. Auch diese verläuft schnell und unproblematisch.

Der Hauptbildschirm der LE-Version unterscheidet sich von der regulären Pro-Version kaum. Dementsprechend finden fast alle Bedienelemente des G4V ihr Pendant in der Software. Dass man es mit einer abgespeckten Variante zu tun hat, wird eigentlich erst deutlich, wenn der Blick in die Konfigurationsseite fällt. Dort sind, außer den Einstellungen der Soundkarte, keine weiteren Optionen vorzufinden, insbesondere nicht das Anlegen eigener Mappings. Wer das will oder braucht, kann über einen direkten Link die Pro-Version erwerben, die mit schwergewichtigen 240 Euro zu Buche schlägt. Im Vergleich dazu wirkt Traktor Pro 2 mit 99 Euro fast schon bescheiden. Und wo wir schon beim Konkurrenten aus dem Hause NI sind: Gemini bieten auch ein umfassendes Traktor-Mapping zum Download an, allerdings schien dies zum Zeitpunkt des Tests (Januar 2014) offenbar mit heißer Nadel gestrickt worden zu sein. Am deutlichsten zeigt sich dies an der Stelle, wo der Entwickler offenbar in der Mischpult-Spalte verrutscht ist und man mit dem Booth-Poti plötzlich den Bass des daneben liegenden EQs regelt. Hier sind vor dem ersten Bühneneinsatz in jedem Fall eine Kontrollrunde und gegebenenfalls Korrekturen nötig.

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