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07.11.2017

Evolution & History of Double Bass Drum - Drum Workshop #2

Die Double Bass Drum in den 1980er Jahren

Plus Tipps zum Nachbauen der legendären Bassdrum Sounds

Willkommen zum zweiten Teil der Serie Evolution & History of Double Bass Drum. Den ersten Teil, der den Zeitraum von 1930 bis in die späten 1970er Jahre umspannt, findet ihr hier. In dieser Folge geht es um die zwei Tieftöner und ihre prägendsten Drummer der 1980er Jahre. Doch zuerst ein kleiner historischer Exkurs:

Vom Hard Rock zum Metal

In den 1980er Jahren entwickelte sich Hard Rock weiter zu Metal, und dieser wurde hart und schnell gespielt. Die Bassdrum war nicht nur optisch, sondern auch akustisch omnipräsent. Ein neuer Musikstil, genannt Thrash Metal, entwickelte sich. Der Sound der Bands, die diesen Musikstil spielten, war dominiert von einem sehr attackreichen Bassdrumsound, der einher ging mit den Gitarrenriffs. 

Ein starker Attack war gerade durch die schnellen, dichten Bassdrum-Figuren wichtig geworden, um jeden einzelnen Schlag hörbar zu machen. Im Studio wurde mit harten Bassdrum-Beatern aus Plastik und Holz und auf das Schlagfell aufgeklebten Metallscheiben experimentiert. Alles, was in der Lage war, den Attack zu verstärken, war willkommen. Dagegen sind Aufnahmen von Rock und Hard Rock Drummern eher von einem runderen, sprich weicheren Bassdrumsound mit weniger Attack geprägt. Sehr gut ist das zu hören, wenn ihr aus unserem Workshop die Dave Lombardo Aufnahme (attackreiche Bassdrum) der von Steve Smith (weniger Attack in der Bassdrum) gegenüber stellt. Bitte benutzt dazu gute Lautsprecher oder einen Kopfhörer.

Höher, schneller, weiter - Dave Lombardo

Während bei Hard Rock Bands wie Black Sabbath die Tempi und Grooves noch langsam und heavy waren, wurde der zeitgenössische Metal immer schneller. Dave Lombardo spielte die Bassdrum schneller als alle anderen Drummer zu seiner Zeit und brachte mit der Band Slayer den Metal zu einem neuen Extrem. Dieses Beispiel ist dem Song „Reign in blood“ nachempfunden.

Kompromisslos und knallig: Metallica und Lars Ulrich

Metallica nahmen 1983 ihre Platte „Kill ´Em All“ auf. Damit trug die Band zur Definition des neuen Musikstils Thrash Metal bei, der von Bands wie Motörhead und Kreator ausging. Metallicas Drummer Lars Ulrich entwickelte seinen Schlagzeugsound für diesen extremen und kompromisslosen Musikstil. Hört selbst, wie die Snaredrum bei jedem Schlag knallt. Wenn ihr mit dem Stick das Fell und den Spannreifen/Hoop gleichzeitig trefft, bekommt ihr solche Rimshots auch hin. 

Double Bass versus Triole -  Alex Van Halen

Aber auch im Hard Rock wurden weiterhin zwei Bassdrums benutzt, und ein virtuoser und stilbildender Vertreter ist der Schlagzeuger von Van Halen. Anfang der 1980er hat Alex Van Halen mit elektronischen Drums experimentiert. Im Original spielt er das Intro zum Song „ Hot for teacher“ auf einer Simmons-Bassdrum und einem Simmons-Tom. Dieses Beispiel ist dem Intro zum Song nachempfunden.

The Big Drum Solo - Eric Carr mit Kiss

Eric Carr ist als Drummer der Glam Rock Band „Kiss“ bekannt geworden. Die für ihre großen Bühnenshows bekannte Band braucht natürlich ein eindrucksvolles Schlagzeugsolo, bei dem das Publikum einbezogen wird. Die einzelnen Pattern sind auf eine starke Wirkung ausgelegt, beispielsweise setzte Eric Carr oft das Spider Pattern, also eine bestimmte Hand-Fuß-Kombination, an den Beginn des Solos. Seht euch am besten im Notenbeispiel an, wie es funktioniert. Mir persönlich hat Marco Minnemann beigebracht, wie es zu spielen ist.

Progressiv - Rush und Neil Peart

Rush, eine kanadische Band, hat seit Beginn der 1980er großen Erfolg mit progressiver Rockmusik. Ihr Drummer Neil Peart beschäftigt sich eingehend mit Odd Meters, Percussions und natürlich mit der Double Bassdrum. Hier wird aber die Bassdrum nicht wie im Metal oder Hard Rock durchgehend während der Grooves gespielt, sondern kommt eher bei Schlagzeugsoli zum Einsatz. Die seit den frühen 80er Jahren verbreiteten E-Drums brachten ungewöhnliche Sounds. Neil Peart benutzte sie seit deren Erfindung und spielt sie noch heute regelmäßig in seinem Setup.

Jazz Background -  Steve Smith mit Journey

Steve Smith, Schlagzeuger der Band Journey, ist wie Neil Peart vom Jazz beeinflusst. Bei beiden Drummern ist häufig eine triolische Spielweise zu hören. Weiterhin haben sich beide unüberhörbar mit verschiedenen Handspieltechniken beschäftigt. Hier sind alte Jazztrommler wie Buddy Rich herauszuhören. 

1980er Jahre Bassdrum Sounds zum Nachbauen

Zum Schluss dieses Workshops noch einige Anmerkungen dazu, wie ihr verschiedene Sounds nachbauen könnt. Am Anfang des Jahrzehnts wurden zum Teil noch Drums ohne Resonanzfelle, ein Relikt der 1970er Jahre, gespielt. Das hatte den Effekt, dass der Sound von Toms und Bassdrums insgesamt trockener und kürzer war. Die Bassdrums waren gedämpft und wurden für einen stärkeren Kick-Anteil und zur Abschirmung von anderen Signalen von innen abgenommen. Im Falle der Toms wurden die Mikrofone nicht wie heute von oben, sondern von unten im Kessel nahe beim Fell platziert, so hatte der Fellsound eine große Auswirkung auf den Klang. Probiert selbst aus, wie sich der Klang verändert, wenn ihr das Resonanzfell eurer Toms abnehmt. Auch bei der Bassdrum ist der Effekt drastisch zu hören. 

Ab Mitte der 1980er Jahre wurden an den Drumsets wieder Resonanzfelle montiert. Gleichzeitig wuchs die Tiefe der Kessel, Stichwort „Power Toms und lange Bassdrums“. Durch einen längeren Kessel wird mehr Volumen, sprich Luft, im Kessel bewegt und damit das Sustain kürzer. Der Anteil der tiefen Frequenzen, die die Trommeln produzieren, wird zum Ende der 1980er Jahre für tiefere Tom- und Bassdrum-Stimmungen genutzt, wie sie auch heute noch sehr beliebt im Metal sind.

Das war er schon, der zweite Teil der Serie Evolution & History of Double Bass Drum. Viel Spaß bei diesem und dem folgenden Teil, in dem es um die Entwicklung der Großen Trommel in den 1990er Jahren und die einflussreichsten Drummer dieser Zeit geht.

Hier geht es zurück zum ersten Teil der Workshop-Serie.

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