Gitarre Hersteller_EVH
Test
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30.04.2019

EVH Wolfgang WG Standard Exotic Test

E-Gitarre

Budget-Wolfgang

Die EVH Wolfgang WG Standard Exotic ist ein weiterer optischer Leckerbissen aus dem Hause Fender. Unter dem Label EVH bietet die Traditionsmarke nicht nur Eddie Van Halens Signature-Modelle an, sondern auch diverse geldbeutelfreundliche Varianten dieser Gitarren. Prinzipiell teilt sich das EVH Gitarren-Portfolio in die Serien Eruption, Striped, und die nach seinem Sohn benannte Wolfgang-Linie, wobei letztere mit den Kategorien USA, USA Custom, Special und Standard aufwartet.

Da Eddies Hauptgitarre doch einen ordentlichen Thekenpreis aufruft, stehen mit den Instrumenten der Standard-Serie günstigere Modelle bereit, die in Indonesien hergestellt werden und mit anderer Hardware ausgestattet sind, aber immerhin über EVH Wolfgang-Pickups verfügen. Ob ein Signature-Modell für weniger als 500 Euro noch echte kalifornische Van-Halen-Gefühle aufkommen lässt, wollen wir hier herausfinden.

Details

Korpus

Unsere Wolfgang WG Standard Exotic präsentiert sich mit einem Lindekorpus, englisch Basswood, dem eine optisch sehr ansprechende Decke aus Maserpappel aufgeleimt wurde. Die Maserung des Pappelholzes schimmert durch die hochglänzende, transparente "Midnight Sunset" Polyesterlackierung und gehört zu einer Farbgebung, die im Prinzip wie eine blaue Sunburst-Variante wirkt. Das Auslassen der Blaulackierung am Deckenrand wirkt fast wie ein Binding, da hier die natürliche Farbe des Pappelholzes zum Vorschein kommt. Im Übrigen zeigt der Korpus an den Rändern und rückseitig das rot lasierte Lindenholz, das schon fast einer Les Paul-artige Mahagoni-Optik entspricht.

Die Korpusform entspricht, wie schon die ersten Music Man Van Halen-Modelle, einem eleganten Hybriden aus Stratocaster und Les Paul. Im Gegensatz zur Les Paul finden wir jedoch zwei Cutaways und der Korpus ist an der Rückseite und den oberen Zargen ergonomisch dem Körper des Spielers angepasst. Diese Passform in Kombination mit ihrem Gewicht von 3,3 kg macht sie zu einem sehr komfortablen Arbeitsgerät.

Am oberen Horn sitzt der Dreiweg-Pickupwahlschalter und in der unteren Korpushälfte warten zwei Potis für Master-Volume und Master-Tone. Die beiden dazugehörigen Humbucker sind direkt in den Korpus geschraubt. Als Brücke dient ein EVH-gelabeltes Floyd Rose Special, das seine Arbeit gewohnt verstimmungsfrei verrichtet. Allerdings arbeiten die Feintuner des Testmodells derart schwergängig, dass hier unbedingt nachgeölt werden muss. Das Tremolo wurde aufliegend montiert und auf 009-042 Saiten kalibriert, ganz so, wie Van Halen es bevorzugt. Die Gurtpins sind an den gewohnten Stellen der Zargen platziert, ebenso wie die Klinkenbuchse für das Gitarrenkabel.

Rückseitig zeigen sich die vier Schrauben für den Hals, wobei hier der Korpus eine kleine Verjüngung erfährt, um auch in höheren Lagen besten Spielkomfort zu gewährleisten. Drei schwarze Plastikabdeckungen gewähren Zugang zur Elektrik der Potis und des Pickupwahlschalters sowie zu den Tremolofedern, derer zwei anzutreffen sind. Von den Tremolo-Feintunern abgesehen ist die Gitarre gut verarbeitet.

Hals

Hals und Griffbrett bestehen aus sogenanntem Baked Maple, also aus Ahorn, der für eine größere Widerstandsfähigkeit hitzebehandelt wird und dabei auch eine etwas dunklere Farbe erhält.

Jumbo-Frets teilen das Griffbrett in 22 Bünde ein, wobei die Bundstäbchen tadellos abgerichtet sind und keine unangenehmen Schärfen am Griffbrettrand entstehen. Insgesamt ist das Spielgefühl des geölten Halses hervorragend, der sich butterweich und sanft wie unbehandeltes Holz anfühlt. Die Halsmaße entsprechen Eddies Vorgaben, der hier eine 648 mm Mensur, also Stratocaster-Abmessungen, und 41,3 mm Sattelbreite gewählt hat. Die Halsform wird als "Wolfgang Backshape" bezeichnet, weist eine Stärke von 2 cm am dritten und 2,25 cm am zwölften Bund aus und fühlt sich wie ein flaches C-Shape an.

Der Hals besitzt einen Compound-Radius mit 12" - 16", was bedeutet, dass an unterschiedlichen Positionen verschiedene Radien zu finden sind. Dadurch erhält man an jeder Stelle des Griffbretts optimale und sportliche Bespielbarkeit und Bendings funktionieren problemlos an jeder Stelle.

Der Zugang zum Einstellstab liegt am Halsende auf der Oberseite des Korpus, wo die Spannung problemlos von oben eingestellt werden kann. Auch wenn die Halsneigung keine Wünsche offen lässt, hätte man die Oktavreinheit hier etwas präziser einstellen können - die Saitenlage ist erfreulicherweise sehr gut gesetzt.

Wie bei einem Floyd-Rose-Tremolo üblich, grenzt auch hier ein Klemmsattel das Griffbrett von der Kopfplatte ab. Letztere ist ähnlich klein und kompakt wie beim Originalmodell und hier sind auch die sechs hauseigenen EVH-Stimmmechaniken symmetrisch arretiert. Am Testmodell funktionierte übrigens der Tuner der A-Saite nicht einwandfrei. Inwieweit dies ein Einzelfall war, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen.

Elektrik

Zwei Humbucker sind auf der Wolfgang Standard anzutreffen, und zwar die eigens für Eddie entwickelten "Wolfgang"-Modelle. Dabei handelt es sich um zwei Alnico 2 Pickups, die auch einzeln erhältlich sind und mit 14 kOhm einem heißeren PAF entsprechen. Im Prinzip handelt es sich dabei aber nicht wirklich um einen Hi-Gain-Tonabnehmer, sondern um eine Version, die aufgeräumte, straffe Bässe liefert. Die Pickups sind direkt in den Korpus montiert und erlauben nur minimale Höhenjustage.

500 kOhm-Potis verarzten das Mastervolume und den Mastertone und sind mit schwarzen, MXR-Style-Kunststoffknöpfen versehen, die angenehm leichtgängig funktionieren. Durch einen Dreifach-Kippschalter lassen sich Stegpickup, Halspickup oder in der Mittelstellung beide zusammen ungesplittet schalten.

Zum Lieferumfang gehören der schraubbare Tremoloarm, ein Inbusschlüsselset und ein Manual. Die Gitarre wird in einem nur mäßig gepolsterten Karton ausgeliefert, das heißt, Case oder Gigbag müssen optional erworben werden.

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