Software Hersteller_Elektron
Test
3
07.01.2020

Elektron Model:Samples Test

Drummachine/Groovebox

Einmal halber Hahn, bitte!

Model:Samples ist eine digitale Groovebox bzw. eine Sample-basierte Drummachine von Elektron, die auf 16 bit/48 kHz Mono-Samples basiert. Das Performance-orientierte Gerät ist damit auf den ersten Blick recht ähnlich zum Elektron Digitakt.

Richtiger ist jedoch, Model:Samples ist eine „halbe Portion“ des Digitakt. Da, wo der Model:Samples nur den Sample-Import kennt, kann der Digitakt nämlich auch gleich aufnehmen. Ferner verfügt das Model nur über sechs Sample-Spuren, die zwar etwas MIDI können, der Digitakt hingegen kennt gleich acht Sample-Spuren plus weitere acht dedizierte und vollwertige MIDI-Spuren!

Das Alles bringt aber auch zusätzliche Submenüs und bietet kein so tolles „One Function per Knob“ Konzept wie beim Model:Samples. Aktuell kostet der kleine Sampler auch nur noch rund 300 Euro und damit weniger als die Hälfte des großen Bruders! Schauen wir uns das Ganze doch einmal genauer und im Detail an!

Details

Kompakter Performer

Der Elektron Model:Samples ist als mobiler 6-Spur Performance-Sampler und ohne Aufnahmemöglichkeit konzipiert sowie entsprechend klein und leicht. Besonders die geringe Höhe küren ihn – im Gegensatz zu den sonst eher klobigen Metallkasten-Gehäusen von Elektron – zum modernen „Ryan Air Handgepäck“ Künstler.

Das integrierte 2-In/2-Out USB-Interface (Class Compliant ohne Overbridge) ermöglicht es zum einen verlustfrei an den Computer zu übertragen sowie zum anderen den Computer Ausgang dem Output des Model-Samples beizumischen.  6,35 mm TRS Stereo-Out, Kopfhörer-Ausgang – und los! So könnt ihr ohne Probleme vom Computer aus auch Synths und/oder Backing-Tracks mitlaufen lassen.

Model:Samples ist aus weißen Kunststoff gefertigt, besitzt keine scharfen Kanten und liegt gut in der Hand. Alle Taster sind gummiert und etwas „wobbly“ – präzise auslösen tun sie dennoch. Nur die Drum-Pads spielen sich etwas hart und sind auch hinsichtlich der Velocity-Auflösung nicht ganz so filigran. Das Display ist vergleichsweise klein, dennoch recht hochauflösend sowie gut animiert und damit vollkommen ausreichend lesbar.

Sechsfach Sample Engine

Die Sample Engine bietet die üblichen Funktionen wie Pitch von -24 bis +24 Halbtönen, Sample-Start, Sample-Length, Sample-Reverse und Loop-Play. Hinzukommt ein Filter (High oder Low-Pass) mit regelbaren Cutoff und Resonance. 

Der Envelope ist mit nur einem Decay-Regler recht reduziert gehalten. Der Digitakt hingegen kennt ein vollwertiges Filter-ADSR und einen Amp-ADH. Für Drum Samples finde ich das hier Gebotene aber ausreichend, zumal man mit Start, Length und dem LFO ähnliche Effekte wie Attack und Sustain simulieren kann. 

Ein Send für das integrierte Delay, ein weiterer Send für das Reverb sowie ein Distortion-Effekt pro Track runden die Effekte ab. LFOs und Track-Swing sind individuell am Start, genau wie unterschiedliche Trigger-Arten. Letztere sorgen in Verbindung mit dem Chance-Parameter im Nu für alternative Patterns und Fills!

Und das alles gibt es im Direktzugriff mittels zwölf dunkelgrauer Encoder! Hinzukommen zwei hellgraue Encoder für das globale Reverb (Size/Tone) und Delay (Time/Feedback). Der weiße Push-Encoder regelt noch Master-Volume und On/Off via langem Push-Befehl.

Dedizierte Tasten links der Encoder dienen der Auswahl der Samples aus dem RAM sowie der Aktivierung von Loop und Reverse. Auch die LFO-Settings inklusive Waveform, Target und Depth finden sich hier. Der orange Encoder ist für gelegentliche Menü-Tauchfahren reserviert. Shift-Befehle gibt es trotzdem, sie betreffen aber wirklich nur kaum Performance-relevante Settings.

Typischer Elektron Sequenzer

DAS Argument für Elektron seit Jahren ist der Sequenzer; kaum ein Synth oder eine Drummachine spielt sich so intuitiv bei der Vielzahl an Möglichkeiten. Seit der Machinedrum hat sich dennoch einiges getan und man kann noch tiefer in die Welt der Steps abtauchen!

Geboten sind zunächst sechs Tracks – die Samples oder MIDI-Notes enthalten können – und diese können mit 16 Step-Tastern im Lauflicht programmiert sowie über die sechs Track-Taster T1 bis T6 auch „live“ eingespielt werden – und zwar mit, oder ohne Quantisierung sowie auch chromatisch! Mit Micro-Timing kann man anschließend jeden Step über das Grid verschieben, um so die Beats ordentlich zum grooven bringen. 

Jedes Projekt bietet maximal 96 Pattern – 6 Bänke à 16 Pattern – und kann bis zu 64 Steps lang sein. Pattern kann man außerdem temporär linken bzw. chainen – einen „dauerhaften“ Song-Mode gibt es nicht. Shuffle ist auch am Start, genau wie individuelle Step-Längen und Tempo-Mulitplier pro Track! 

Advanced Features

Parameter Locks und Sample Locking bieten Möglichkeiten pro Step und Track unterschiedlichste Parameter und Samples zu verwenden. Automationen lassen sich so ganz simpel schreiben, indem man einfach einen der vielen Encoder dreht, wenn die Aufnahme aktiviert ist.

Eine Controll-All-Funktion bietet die Möglichkeit alle sechs Tracks auf einmal zu bearbeiten bzw. zu verfremden – und per Reload lässt sich der Ursprungszustand ganz schnell und einfach wiederherstellen – toll für ekstatische Kurbel-Sessions während einer Live-Performance. 

Alle Gummipads sind beleuchtet und der Workflow gestaltet sich übersichtlich. Ebenfalls schön: Die Step-Taster sind nebeneinander – und nicht auf zwei Reihen wie bei Digitone und Digitakt aufgeteilt. Fast überflüssig zu sagen: Copy, Paste, Clear und Save gibt es natürlich auch.

+Drive

Die Speicher-Architektur teilt sich wie bei allen +Drive-Designs in max. 96 Projekte auf, die jeweils bis zu 96 Pattern und 576 Samples, bzw. max. 64 MB, oder ca. 11 Minuten im RAM verwalten können. Ein Projekt ist dabei im Prinzip wie eine Session und für diese gibt es wiederum bis zu 1 GB Speicherplatz. Der Digitakt kann zwar mehr Sounds und Pattern verwalten – mehr Speicherplatz und RAM hat er aber auch nicht. Backing-Tracks, fette Libraries bzw. komplette Spuren lassen sich so nicht auf die Bühne holen. Das finde ich aber nicht schlimm, denn dafür gibt es andere Geräte - und Laptops! Alternativ kann man eigene Archive extern anlegen und über USB dann entsprechend einladen - bei einer alten MPC musste man ja auch ordentlich Floppys durchladen!

Anschlüsse

Model:Samples verfügt über einen Anschluss für das mitgelieferte Netzteil sowie einen Micro-USB-Port für die MIDI- und Audio-Übertragungen, Class Compliant versteht sich. MIDI IN und Out/Thru gibt es via Miniklinke, und je nach Produktions-Zeitpunkt findet ihr ein, oder zwei DIN-Adapter im Karton. Kopfhörer und der Stereo-Ausgang sind mit drei TRS Buchsen realisiert. Und zwei weitere Öffnungen an der Seite sollen einem später mal die Möglichkeit geben, ein optionales Battery Pack zu installieren – angekündigt wurde es bereits vor einem Jahr, lieferbar ist jedoch noch immer nicht.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare