Bass Hersteller_EBS
Test
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26.06.2019

Praxis

Das Einschalten geht ohne jegliches Geräusch vonstatten und eine große blaue LED auf der Vorderseite zeigt an, dass der Reidmar in Betrieb ist. Der permanent laufende Lüfter verhält sich im Vergleich zu manchem Mitbewerber dezent und ist höchstens bei geringer Lautstärke im Wohnzimmer wahrzunehmen.

Dreht man Gain und Volume langsam auf, ist allerdings ein gewisses Grundrauschen auszumachen, welches durch die Boxen (vor allem den Hochtöner) übertragen wird. Dieses ist für meinen Geschmack etwas zu viel - vor allem, da ja noch gar kein Equalizer im Spiel ist. Boostet man die Höhen oder Hochmitten, kommt natürlich entsprechend noch einiges oben drauf. Allerdings bleiben sowohl der Line Out wie auch der D.I. Out davon verschont. Im Bandkontext spielt dieser kleine Wermutstropfen sicherlich keine Rolle. Nicht ganz optimal ist er dennoch - aber wohl eines der Dinge, mit denen man in dieser Preisklasse leben muss!

Eine kleine rote LED hilft, das Eingangssignal mittels Gain-Regler optimal anzupassen: Sobald man in den Bereich der Übersteuerung kommt, leuchtet sie auf. Das macht es einfach, den Sweet Spot zu finden. Nach dem Gain folgt der Kompressor, welcher im Signalweg vor der Klangregelung liegt. Seine Bezeichnung lautet "Comp/Limit" und zeigt so schon an, wo die Reise hingeht. Ein Limiter ist ja im Prinzip nichts anderes als ein Kompressor mit extremen Einstellungen, arbeitet also nicht gerade dezent, und dies trifft auch auf den Reidmar 502 zu. Wenn der Kompressor/Limiter arbeitet, hört man ihn entsprechend schnell und energisch zugreifen. Das ist nichts Negatives, sondern nur die Art und Weise, wie dieses Feature abgestimmt wurde. Die Designer bei EBS haben es wohl eher als Schutz (daher "Limit") für Endstufe und Speaker ersonnen.

Alle Klangregler arbeiten sehr effizient und können teilweise bis zu 18 dB anheben oder absenken - von subtilen bis brachialen Änderungen ist hier also alles möglich. Ein sehr flexibles Werkzeug sind auch die beiden Regler für die parametrischen Mitten: zwischen 100 Hz und 6 kHz kann man die gewünschte Frequenz stufenlos anwählen. Cleane Slapsounds, trockene Fingerstyle-Sounds mit viel Attack, beißende Rocksounds sowie alles dazwischen werden daher problemlos ermöglicht.

Eine Besonderheit halten noch die beiden Potis Treble und Bright parat. Ersterer verhält sich wie die anderen EQ-Regler und ist in seiner 12-Uhr-Stellung neutral. Von da aus kann man die Höhen (6 kHz) anheben oder absenken. Ein anderes Tier ist der Bright-Regler, denn er fügt nur hinzu ("boost only"), ist also ganz nach links gedreht neutral. Seine Einsatzfrequenz beträgt 10 kHz - dreht man ihn langsam auf, kommt eine Art seidiger Glanz mit ins Spiel.

Bis zum Schluss habe ich den Character-Schalter gemieden. Ich muss ja gestehen, dass ich für gewöhnlich kein besonders großer Fan von Features dieser Art bin. Der Grund: Die meisten Preset-Schalter, die ich bisher gehört habe (und es waren einige!), wurden herstellerseitig zu extrem ausgelegt: Zu viele Bässe, zu starke Mittenabsenkung, zu viele Höhen. Das klingt zwar im Musikgeschäft oder zu Hause beeindruckend, ist aber in der Praxis normalerweise aber leider weniger brauchbar. Die Ortung im Mix geht verloren, der Gesamtsound matscht und die Endstufe schwitzt aufgrund der extremen Bässe.

Umso erstaunter war ich, als ich dann schließlich doch noch den Character-Schalter des Reidmar 502 aktivierte: Der Sound, der mir aus den Boxen entgegentönte, entsprach ziemlich genau dem, was ich mir persönlich gerade mit der übrigen Klangregelung eingestellt hätte! Etwas mehr Low End, etwas Glanz oben herum, und die aufdringlichen Mitten leicht gezügelt. Ein absolut praxisgerechter cleaner Pop/Funk/Soul-Sound für alle Lebenslagen ‑ und das per Knopfdruck! Über den D.I. Out oder Line Out wäre ich damit allerdings etwas vorsichtiger, denn hier erschien mir der Effekt stärker auszufallen. 

Kommen wir zum wichtigsten Teil des Updates, der neu entwickelten Endstufe. Sie soll lauter, dynamischer, impulstreuer und allgemein musikalischer sein. Das ist zumindest das, was EBS verspricht. Und ich muss sagen, all das liefert der Reidmar 502 in beeindruckender Weise ab! Verglichen mit manchem Mitbewerber und/oder vorangegangen Generationen an Class-D-Endstufen ist hier ein deutlicher Sprung nach vorne feststellbar. Im Proberaum mit einer 4x10er-Box mit 4 Ohm reichten mir ca. 30% des Leistungspotenzials, bis erste Beschwerden der Kollegen kamen.

Um die 2-Ohm-Stabilität zu testen, sattelte ich noch eine 2x10er-Box obendrauf, welche ebenfalls 4-Ohm-Impedanz besitzt. Insgesamt ergibt das ein 6x10er-Stack mit 2 Ohm. Und siehe da: Auch diese Aufgabe meisterte der Reidmar 502 problemlos!

Besonders gefallen hat mir übrigens der Volume-Regler, der wirklich linear arbeitet. Von Anfang bis Ende des Regelwegs wird es kontinuierlich lauter. Viele Class-D-Amps schummeln hier etwas, um den potentiellen Käufer zu beeindrucken. Oft passiert bis zur 12-Uhr-Stellung schon das Meiste und man ist deshalb schnell beeindruckt. Im lauten Bandkontext kommt dann jedoch nicht selten die Ernüchterung, wenn man nicht mehr zulegen kann, obwohl noch die Hälfte des Regelwegs übrig scheint. Das hat der Reidmar 502 nicht nötig: Er liefert wirklich bis zum Schluss!

Widmen wir uns nun den Klangbeispielen, bei denen natürlich nur der Preamp über den D.I. Out zu hören ist:

Wie von EBS zu erwarten war, ist der Grundsound des Reidmar 502 nüchtern und clean. Keine Richtung wird einem aufgedrängt, man hat sozusagen ein "weißes Blatt Papier" vor sich, das man frei gestalten kann. Die Werkzeuge dazu sind sehr effektiv und lassen auch extreme Veränderungen zu. Allerdings muss man deshalb auch mit etwas Fingerspitzengefühl vorgehen, falls man subtil ins Geschehen eingreifen möchte.

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