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Test
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23.08.2021

DSM & Humboldt Simplifier DLX Test

Analoge Amp- & Speakersimulation

Zero Watt mit Vollausstattung

Beim DSM & Humboldt Simplifier DLX handelt es sich um eine extrem erweiterte Version des kleinen Simplifiers, der hier bereits Gegenstand eines Tests war. Eine der Besonderheiten an den Geräten der Simplifier-Reihe, die auch gerne Zero Watt Amplifier genannt werden, ist die Zielgruppe, die der chilenische Hersteller ins Auge gefasst hat. Es sind Gitarristen, die mit kleinem Gepäck zum Gig kommen, auf analoge Signalwege setzen und für die deshalb digitale Modeler bzw. Cabinet-Simulationen keine Option sind.
Dieser Klientel bietet DSM & Humboldt mit dem Simplifier eine flexible DI-Lösung und eigenständige Alternative zu den Platzhirschen wie dem ACS1 von Walrus Audio, dem Strymon Iridium und natürlich der ganzen Riege an Impulse-Response-basierten Multi-Einheiten an. Wie der kleine Bruder kommt der Deluxe Simplifier DLX in einer Stereoausführung, punktet jedoch mit zwei getrennt regelbaren Preamp-Einheiten, hat einen Reverb an Bord und wird sogar mit einem kleinen Fußschalter geliefert, der die Kanäle und den Hall schalten kann. Wie sich das Kästchen gegen die Konkurrenten schlägt und ob die Erweiterungen gegenüber dem Vorgänger den höheren Preis wert sind, gibt es hier zu lesen.

Details

Gehäuse/Optik

Der Simplifier DLX zeigt sich in einem robusten, schwarz lackierten Metallgehäuse mit den Maßen 130 x 95 x 60 mm. Beim ersten Blick fällt sofort die unfassbar üppig bestückte Oberfläche auf, die mit 18 Kunststoffpotis, 8 Schaltern und drei LEDs ausgestattet ist. Aber das ist noch lange nicht alles, denn jede Seite des kleinen Kästchens ist nur so gespickt mit Anschlüssen und weiteren Bedienelementen. An der dem Spieler zugewandten Seite befinden sich ein Poti für die Kopfhörerlautstärke, der Anschluss für den im Lieferumfang enthaltenen Fußschalter sowie Spread-, Reverbmode- und Channel-Schalter, auf die ich weiter unten noch eingehen werde. An der Stirnseite warten zwei asymmetrische Monoklinken-Outs sowie zwei Schalter, mit denen die Cabinet-Simulation für beide Kanäle getrennt deaktiviert wird. Auch der Eingang für das optional erhältliche Netzteil, das 9 Volt und mindestens 150 mA bereitstellen muss, ist hier platziert.

Die linke Außenseite des Zero Watt Amplifiers wartet mit zwei XLR-Outs, einem Auxiliary-Input, dem Kopfhörerausgang sowie einem Groundlift-Schalter auf, wobei Letzterer etwaige Brummprobleme beheben soll. Rechtsseitig befinden sich die Hauptanschlüsse in Form einer Stereo-Eingangsbuchse, eines Stereo-Thru-Anschlusses, eines Send-Ausgangs und zweier Return-Eingänge für links und rechts. Unter dem Anschlussfeld sind vier Schalter angebracht, deren Funktionen im späteren Verlauf noch genauer erläutert werden.

Fußschalter

Mit im Gepäck ist ein schwarzer Metallfußschalter im quer ausgerichteten Minipedalformat mit den Maßen 93 x 52 x 48 mm. Die beiden Schalter auf der Oberseite sind für die Kanalumschaltung und das Aktivieren des Reverbs zuständig. Die Aktivierung des jeweiligen Kanals und des Halls wird über die drei LEDs deutlich angezeigt.

Zum weiteren Lieferumfang gehören das Stereo-Miniklinkenkabel für den Fußschalter und ein Adapterkabel, das zwei Monoklinkenbuchsen auf einen Stereoklinkenstecker routet. Schlauerweise wurden die beiden Buchsen mit "Ring" und "Tip" beschriftet, was die richtige Belegung für den User vereinfacht.
Ein kleines Falt-Manual liegt ebenfalls bei, allerdings ist eine umfangreiche Bedienungsanleitung auch auf der Website zum Download verfügbar. Insgesamt wirkt das ganze Paket sehr liebevoll geschnürt und in puncto Verarbeitung und Wertigkeit der Bauteile macht der Simplifier samt Zubehör einen sehr soliden Eindruck.

Bedienung

Der Simplifier DLX ist als analoger, zweikanaliger Vorverstärker-, Endstufen- und Boxensimulator konzipiert, der sogar noch einen mehrstufigen Hall an Bord hat. Die Oberfläche ist sehr anschaulich in vier Segmente eingeteilt, nämlich den Preamp-, Reverb-, Poweramp- und Cabinet-Sektor.

Preamp

Der Preamp-Bereich beinhaltet zwei getrennte Kanäle namens "Normal" und "Pushed", beide mit identischer Potibestückung. Diese besteht aus einem Level-Regler für die Lautstärke, einem Gain-Regler für die Verzerrung und einem Dreiband-EQ mit Bass-, Mid- und Treble-Regler. Beide Kanäle lassen sich individuell zwischen drei verschiedenen Amp-Charakteristika umschalten, nämlich "AC Brit" für Vox-artige Sounds, "American" für Fender-artige Klänge und "MS Brit" für Marshallsounds. Darüber hinaus stehen die drei Modi Lead, Clean und Crunch bereit, die die grundlegende Zerrstruktur definieren. Der Gain-Regler aktiviert in den letzten 10 % seines Regelwegs einen Midboost, wenn der Lead-Modus aktiviert ist.
Auch wenn sich beide Kanäle in niedrigen Gainsettings sehr ähnlich sind, so weist der "Pushed" Channel A eine etwas aggressivere Grundstruktur auf, während der "Normal" Channel B etwas runder und ausgewogener klingt.

Reverb

Im Reverb-Block besteht die Auswahl aus drei verschiedenen Halltypen, die jedoch einheitlich für beide Kanäle bestimmt werden müssen, allerdings lässt sich über die Mix-Regler der Effektanteil für jeden Kanal individuell bestimmen.
Der Room-Modus liefert ein kurzes und warmes Decay und entspricht dem Hall eines kleinen Raumes, Ether hingegen kreiert große und "spacige" Hallräume, die sich für atmosphärische Ambience-Effekte eignen. Der Plate Reverb schließlich bringt ein Decay in mittlerer Länge, was in etwa der Hallfahne eines kleinen Clubs entspricht.

Poweramp

Die Poweramp-Sektion bietet ebenfalls zwei getrennte Kanäle, in denen der Resonance-Regler für die Basswiedergabe und der Presence-Regler für die Höhen bereitstehen. Die Charakteristik der Endstufensounds lässt sich über das Umschalten der virtuellen Poweramp-Röhrenbestückung definieren, wobei hier KT88-, EL34- und 6L6GC-Typen zur Verfügung stehen. KT88- und EL34-Röhren kennt man von Marshall, während die 6L6 für den typischen Fender Deluxe Reverb-Sound steht.

Cabinet

Der Cabinet-Block erlaubt das Ändern der Position des idealisierten Mikrofons flexibel zwischen On-Axis in der maximalen und Off-Axis in der minimalen Position. Das Boxengehäuse kann ebenfalls virtuell für jeden Kanal getrennt zwischen Combo (1x12"), Stack (4x12") und Twin (2x12") umgeschaltet werden.

Verbindungen

Die Routing- und Anschlussoptionen des Simplifier DLX sind mehr als nur großzügig und offenbaren eine Fülle an Verbindungsmöglichkeiten. Das kleine schwarze Kästchen bietet einen Stereoeingang im 6,3 mm Klinkenformat und einen Stereoausgang, der einerseits asymmetrisch mit zwei Klinkenbuchsen oder aber symmetrisch über zwei XLR-Buchsen samt Groundlift verbunden werden kann. Beim Klinkenausgang lässt sich die Cabinet-Simulation per Schalter deaktivieren.
Der Input-Mode hat nun über die Stereoauslegung und den kleinen darunter angebrachten Schalter ein paar Finessen mehr auf Lager als der Vorgänger. Einerseits kann das Pedal ganz regulär mit einem Monosignal gespeist und dann an beide Amps weitergeleitet werden, wenn der Schalter auf Mono steht. Setzt man diesen auf Stereo und stöpselt ein Stereokabel ein, so wird das Tip-Signal an Channel A und das Ring-Signal an Channel B geleitet, wenn gleichzeitig der Kanalschalter auf A gesetzt wurde. Steht dieser auf B, werden beide Signale auf Amp B gemischt.
Dieses Setup kann z. B. gewünscht sein, wenn man einen Stereoeffekt davorschalten und das Signal schließlich an zwei getrennte Kanäle ausgeben will.

Zusätzlich bietet der Simplifier eine Thru-Buchse, die z. B. dann gewählt wird, wenn man das Gitarrensignal trocken und direkt zu einem Amp routen, aber ein frequenzkorrigiertes Signal über die XLR-Outs an DAW oder FOH weitergeben will, oder aber, wenn man zu Reamping-Zwecken ein Direktsignal aufnehmen möchte.

Analog zu einem echten Amp-Setup verfügt der Simplifier über einen Einschleifweg, der mit zwei Returnbuchsen für den Stereobetrieb und sogar einer einzelnen Stereobuchse für den Send bewaffnet ist. Letztere besitzt einen Schalter, um entweder an der Tip- oder der Ringbelegung des Kabels den Preamp zu deaktivieren. Da die Send-Buchse hinter der Preamp-Einheit anliegt, kann sie damit sowohl als DI-Out, als Preamp-Out, und beim Verbinden eines Stereokabels sogar für beides simultan eingesetzt werden. Die beiden Returnbuchsen sitzen hinter dem Preamp-Block, aber vor der Reverb-, Poweramp- und Cabinet-Einheit. Werden beide Eingänge belegt, so führt Return A durch den Signalweg A und Return B parallel durch den Signalweg B. Ist die linke Return-Buchse belegt, bietet der darunter angebrachte Schalter zwei Optionen:

Im "2-Channel Amp"-Modus wird der Simplifier als 2-Kanal-Verstärker mit Stereo-Poweramps eingesetzt. Im "Parallel"-Modus hingegen erhält man einen Stereo-Signalweg bzw. zwei Amp-Modelle parallel. Ist ein Stecker an die linke Returnbuchse angeschlossen, hat dieser Schalter keine Funktion.
Der Kopfhörerausgang und der Auxiliary-Eingang im Miniklinkenformat qualifizieren den Simplifier DLX auch als Übe-Amp, wobei für die Kopfhörerlautstärke frontal ein Volume-Poti angebracht wurde.
Ebenfalls frontseitig befindet sich, wie schon beim Vorgänger, ein "Spread"-Switch, über den auch in einem Mono-Setup ein Pseudo-Stereobild erzeugt wird, bei dem manche Frequenzen minimal zeitverzögert werden und eine Phasenverschiebung zum Originalsignal erzeugen.

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